Familienpackung

Alle Jahre wieder

Familienpackung - Eine Kolumne der Auepost

Schon gemerkt? Die schönste Zeit des Jahres ist längst wieder da: Spekulatius, Stollen und Schokoweihnachtsmänner sind seit kurz nach den Sommerferien wieder in den Supermärkten zu haben. Last Christmas hat man seit Oktober schon mindestens fünfmal im Radio gehört. Und die Kinder fragen ab Halloween bzw. Sankt Martin, wann denn jetzt endlich der Nikolaus kommt und neue Süßigkeiten bringt.

Weihnachten hat sich unbemerkt ausgedehnt – und da die Zeit gefühlt immer kürzer wird, je älter man ist, nagt jetzt schon im Oktober der Vorbereitungsdrang im Kopf der Familienorganisatorin. Selbstgemachter Adventskalender für zwei bis drei Kinder? Oh mein Gott. Geschenkideen? Fehlanzeige. Dieses Jahr mal ganz viel Besinnlichkeit statt Weihnachtsfeier- und Konsumstress? Unwahrscheinlich.

Jedes Jahr scheint gerade diese eigentlich zur Freude gereichende Zeit – schließlich hat ja Jesus Geburtstag und alle feiern mit – genau das Gegenteil auszulösen. Die Kirche ärgert sich über verkaufsoffene Sonntage. Die Kaufleute streiten sich über die Weihnachtsbeleuchtung (das Resultat: die Wunstorfer Engel!). Die Mütter wissen nicht, wo sie die Geschenke herkriegen sollen (Kunterbunt ist weg! Zumindest überwiegend.) und bestellen dann mit schlechtem Gewissen und aus purer Zeitnot im Internet. Und die Kinder sind komplett überzuckert.

Warum eigentlich? Warum haben sich zum Fest der Liebe nicht einfach alle lieb und entspannen sich ein wenig? Das wäre ja zu einfach. In überwiegender und flächendeckender Ermangelung von Not und Elend machen sich die Menschen ihr Not und Elend einfach selbst. Einfach nur den nie da gewesenen Wohlstand genießen und mit denen teilen, die nicht ganz so viel haben? Och nö. Lieber sich selbst, die Sprösslinge und alle Teilhabenden in endlosen Weihnachtsfeiern, Kauforgien und Vorbereitungs-Orga-Team-Treffen so lange aufreiben, bis keiner mehr fragt, warum wir uns eigentlich alle so einen Stress machen.

Ich glaube ja, im Grunde wären alle mit viel weniger zufrieden. Also ich zumindest. Aber weil es halt alle so machen, machen wir halt alle mit. Ich hab ja auch nichts einzuwenden gegen Geschenke, Feiern und gemeinsames freudvolles Zusammensein. Aber eben nicht, wenn es keinen Spaß mehr macht.

Also lasst uns doch lieber alle froh und munter sein und uns selbst und anderen eine entspannte Weihnachtszeit schenken. Ich freu mich schon auf den ersten Anti-Stress-Glühwein auf unserem viel zu kleinen Weihnachtsmarkt!

Eure Vivian

Aus Auepost #2 (November 2019). Die Kolumne „Familienpackung“ erscheint monatlich im Auepost Stadtmagazin.

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