Horst granteltKolumne

Parken nur noch für Reiche

Horst grantelt

Neulich traf ich jemanden am Parkscheinautomaten, der mich lachend ansprach: Die paar Cent in Wunstorf wären ja eigentlich gar keine Parkgebühren, sondern nur dazu da, dass man die Parkplätze nicht als Dauerstellplatz missbraucht. Recht hat der Mann, dachte ich, auch wenn man das natürlich ebenso über Parkscheiben lösen könnte. Wenn ich nun lese, dass dabei jährlich eine halbe Million für die Stadt rauskommt … Kleinvieh macht halt auch Mist.

Trotzdem tun die paar Groschen keinem Autofahrer weh. Die Idee ist auf den ersten Blick daher so genial wie gerecht: Rauf mit den Parkgebühren, weg mit der Strabs – und schon bezahlen die hier parkenden Autofahrer den Wunstorfer Straßenausbau, und Tante Käthe muss keine Hundertausende mehr aufbringen, obwohl sie ihre Zufahrt zum Reihenhäuschen nur mit dem Rollator benutzt. Auch politisch ist es eine Meisterleistung: Die ungeliebte Parkgebührenerhöhung kann man den Wunstorfern jetzt wunderbar verkaufen – denn dafür fällt ja schließlich die ungeliebte Strabs weg.

“Weniger Autos, aber trotzdem mehr Parkplatzeinnahmen – den Widerspruch soll mir mal jemand erklären”

Hinter die Fichte geführt fühle ich mich trotzdem. Weil die Erhöhung auch als Baustein für bessere Bedingungen für Radfahrer, Fußgänger und ÖPNV-Nutzer gesehen wird. Es ist der alte Irrtum der Politik, der immer wieder neu auftaucht. Bus- und Radfahren wird aber nicht attraktiver, nur weil Autofahren teurer wird. Wenn man das wirklich wollte, müsste man die Mehreinnahmen aus den Parkgebühren z. B. direkt in den Radverkehr fließen lassen und nicht für die Straßenausbesserung verbraten, also echte Rad-Infrastruktur schaffen: Fahrradstraßen einrichten, die diesen Namen auch verdienen, und nicht nur “Schutzlinien” auf die Straßen pinseln, die eh kein Autofahrer beachtet. Neue Radwege errichten, auch zwischen den Ortschaften. Fahrradgaragen und zeitgemäße Abstellanlagen installieren.

Und dann bleibt noch die Frage, ob das überhaupt alles so funktioniert wie gedacht. Weniger Autos in der Innenstadt, aber trotzdem viel mehr Parkplatzeinnahmen erzielen wollen – den Widerspruch soll mir mal jemand erklären. Was passiert denn, wenn die Autofahrer einfach weniger parken statt mehr zu bezahlen? Am Ende müssen die Parkplätze dann so teuer gemacht werden, dass man sich dreimal überlegt, ob man sich diesen Luxus gönnt. Parken können dann nur noch die Reichen. Sollen die Geringverdiener und kleinen Rentner halt Fahrrad fahren – und es sich am besten gleich vor der Stadtkirche klauen lassen.

“Für drei fuffzig die Stunde erwarte ich mehr als Kleinwagenbuchten”

Mit teuren Parkplätzen dürften aber auch die Ansprüche der Parkenden steigen: Für drei fuffzig die Stunde erwarte ich mehr als Kleinwagenbuchten und will auch beim SUV rechts und links die Türen aufbekommen. Das wär’ doch übrigens mal ‘ne Idee zur Einnahmenmaximierung: Autos dürfen zwei Plätze belegen, wenn sie für fünf zahlen. Die Klientel dafür gäbe es: Auf die paar Euro kommt’s dann schließlich auch nicht mehr an, und man müsste den Wagen nicht immer mit schlechtem Gewissen querstellen.

Wenn’s ganz blöd läuft, lautet die Überlegung folgendermaßen: Wenn schon mit Bus und Bahn zum Einkaufen, dann lieber gleich nach Hannover. Und in Bad Nenndorf und Neustadt kann man auch schön bummeln gehen. Und das monatliche Amazon-Prime-Abo entspricht bald 3 Stunden parken in Wunstorf. Wozu dann noch in die Wunstorfer Innenstadt fahren? Wem parken zu teuer wird, der kommt nicht mit dem Rad, sondern bestellt halt einmal mehr bei Amazon – das liefert schließlich demnächst sogar umweltfreundlich aus der Nachbarschaft. Blöd nur, dass ausgerechnet dessen Last- und Lieferwagen dann keinen Cent zum Wunstorfer Straßenausbau beitragen.

Das Problem ist eben nicht die Angleichung der Parkscheine auf das Preisniveau von Busfahrkarten. Das Problem ist, dass sich die Leute schnell abgezockt fühlen, wenn sie in der Kleinstadt so viel zahlen sollen wie in der City von Hannover. Der Standortvorteil für den Wunstorfer Innenstadthandel ist dann erstmal futsch. Hoffen wir einfach, dass alles gut geht und die Fußgängerzone auch in zehn Jahren noch Fußgänger haben wird. Notfalls können wir ja schon mal anfangen, wenigstens die Südstraße zu Parkplätzen umzubauen.

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8 Kommentare

  1. Wunstorfer Käseblatt und Ahnung! Ihr wisst schon, dass wir hier von 0,50 -0,75 Cent die halbe Stunde sprechen?! Das sind humane Preise. Aber Hauptsache Populismus betreiben. Fake-Koschinsky: In Zeiten von Fake-News schon traurig, dass man hier mit Fake-Autoren arbeitet.

  2. Da hatte “Grantel-Horst” mal wieder ‘nen Anlass “aus dem Vollen zu schöpfen”.

    Ich mag die Kolumne- Kritikern wie #Ham Ad zum Trotz.
    Man kann “Grantel Horst’s” Beiträge mögen, oder auch nicht -das bleibt jedem selbst überlassen.

    Doch von Populismus zu sprechen, wie unseren “Grantler” mit dem Ausdruck Fake zu belegen, geht mir zu weit.
    Und zwar unabhängig von meiner Sympathie für die Kolumne hier.

  3. Lieber #Micha Herr-Forder:
    erst letzt lese ich den Beitrag.
    Zugegeben: ich bin dankenswerterweise mangels eigenen Geundstücks nicht von den unverhältnismäßig hohen Abgaben/Gebühren betroffen, dennoch darf ich mir die Anmerkung erlauben, dass die von Dir/Ihnen genannte Summe von 20.000€ bei den Beteoffenen ein Grinsen -egal welcher Art- hervorrufen wird.
    Da geht’s leider um ganz andere Beträge, die die -sorry- armen Schweine “berappen” sollen und teils müssen.
    (Für diese Anmerkung muss ich wohl nicht “Frau Klugsch***” sein…)

  4. Was soll die Schwarzmalerei wegen einer Erhöhung der Parkplatzgebühren? Ich zahle lieber mehr Parkplatzgebühren, als 25.000 € Straßenausbaugebühren!! Ich bin selbst betroffen!

    1. Auch als dankenswerterweise Nicht-Betroffene der horrenden Abgaben, möchte ich ganz klar #Jutta zustimmen, deren Beitrag ich -wieder einmal- erst vor wenigen Minuten über die Benachrichtigung bei neuen Kommentaren angezeigt bekam (*groll grummel*).

      Mit Sicherheit ein signifikanter Unterschied, eine moderat erhöhte Gebühr für’s “Gefährt” parken bezahlen zu müssen -selbst in den wenigen Fällen, in denen das KFZ tatsächlich alternativlos ist-, als Beträge, die in den 10.000-der Bereich gehen.

      Vermutlich werden das viele anderen der Betroffenen ähnlich sehen.
      Ich täte mich mächtig irren, wenn dem nicht so sein solllte

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