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Die Bückeburger kommen (15. Januar 1921)

15.01.2021 • Daniel Schneider • Aufrufe: 206

Vor 100 Jahren: Der Kunstverein holt ein fürstliches Orchester aus Bückeburg nach Wunstorf …

15.01.2021
Daniel Schneider
Aufrufe: 206

Auch vor 100 Jahren gab es in Wunstorf schon einen Kunstverein. Der sorgte wie der heutige Nachfolger dafür, dass die Stadtbewohner in den Genuss von Musik und Kultur kamen, lange, bevor so etwas wie ein Stadttheater eingerichtet wurde. Im Januar 1921 haute der Verein so richtig auf die Pauke. Die Leine-Zeitung berichtete am 15. Januar 1921 über die nahende Veranstaltung:

Der Kunstverein veranstaltet am 20. Januar, abends 7 Uhr, im „Ritter“ ein Sinfoniekonzert, das von der ehemaligen Hofkapelle aus Bückeburg (80 Musiker) ausgeführt wird. Damit tritt der Kunstverein mit seinen Veranstaltungen aus dem bisherigen Rahmen heraus, da die vorausgegangenen Konzerte von Solisten oder Kammermusik-Vereinigungen bestritten wurden. Das Programm für den 20. Januar bietet dem Musikliebhaber selten schöne Genüsse, u. a. die H-moll-Sinfonie von Schubert, ferner Werke von Weber, Grieg, Peer Gynt, nur 2 Stücke für Cello mit Begleitung des Orchesters. Dass das Konzert künstlerisch auf der Höhe ist, verbürgt der gute Ruf des vollbesetzten Orchesters. Näheres siehe Anzeige in der heutigen Ausgabe dieser Zeitung.

„Selten schöne Genüsse“ als blumige Bezeichnung für gute Musik ist inzwischen etwas aus der Mode gekommen, das würde heute eher zu Missverständnissen und Zweifeln an der Unvoreingenommenheit des Kulturredakteurs führen. Die genannte Anzeige auf der Folgeseite sah übrigens so aus (mit einem dicken Fehler, denn die Jahreszahl war falsch und verwies noch auf das Vorjahr):

Konzertanzeige 1921
Konzertanzeige 1921 in der Leine-Zeitung | Bildquelle: Archiv Region Hannover

Bemerkenswert ist die Umbenennung der vormaligen fürstlichen Hofkapelle, die die Zeiten widerspiegelt: Die Monarchie war erst zwei Jahre zuvor abgeschafft worden, der Fürst von Schaumburg-Lippe hatte als einer der letzten Monarchen des Deutschen Reichs abgedankt. Die einst weltberühmte fürstliche Orchestertradition endete deswegen aber nicht, sie wird bis in die heutige Zeit fortgeführt. Doch der Name war Geschichte. Nun nannte man sich – ganz republikanisch – „Städtisches Orchester“.

Auch das Hotel zum Ritter gibt es längst nicht mehr in Wunstorf – aber auch diese Tradition wird fortgesetzt: An gleicher Stelle wartet noch immer ein Festsaal auf große Veranstaltungen.


Wir schreiben das Jahr 1921. Wunstorf ist eine kleine, landwirtschaftlich geprägte Ortschaft in der preußischen Provinz Hannover. Das Ende des Ersten Weltkriegs liegt noch nicht lange zurück, die Menschen erleben viele Umbrüche in der ersten deutschen Demokratie. Man ist auf dem Weg in die „Goldenen Zwanziger“. Es ist das Geburtsjahr der späteren Widerstandskämpferin Sophie Scholl – und Adolf Hitler wird Parteivorsitzender der noch jungen NSDAP.

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