Wunstorfer Auepost
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Über gefährliche Kuhbrunnen, zugemauerte Türen im Rathaus, unbezahlte Tropenholzbänke und was sich künftig in der Regionsversammlung ändern soll.

14.02.2022 • Daniel Schneider • Aufrufe: 877

Das letzte mit Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt geführte Interview im Rahmen der Serie „Zimmer A205“.

14.02.2022
Daniel Schneider
Aufrufe: 877
Rolf-Axel Eberhardt

Warum ein beleuchteter Kuhbrunnen?
Die Fußgängerzone zählt zu meinen Lieblingsorten in Wunstorf, und es gibt zwei Ereignisse, die ich mit dem Kuhbrunnen verbinde: Mein Sohn war dort als Dreijähriger herumgeklettert, unglücklich gestürzt und musste im Krankenhaus genäht werden – hatte sonst aber Glück im Unglück. Und als ich 1993 vom Stadtrat zum Wahlbeamten gewählt wurde, gab es eine Absprache zwischen CDU und SPD, dass der Kandidat der SPD und ich zu Dezernenten bestimmt werden. Das fanden die kleinen Parteien, UWG und FDP, weniger gut und haben dagegen gewettert. Dem damaligen Bürgermeister entglitt fast die Sitzung aus den Händen, es ging sehr emotional zu. Ein Ratsmitglied stand auf und rief: „Macht doch die Sitzung in Zukunft am Kuhbrunnen“, während meine Frau mich fragte: „Hast du dir das gut überlegt, hier zu arbeiten?“ Mit der Beleuchtung sind jetzt die Voraussetzungen geschaffen, tatsächlich am Kuhbrunnen Sitzungen abzuhalten (lacht). Deshalb habe ich statt Abschiedsgeschenken um Spenden für die Beleuchtung der Fußgängerzone gebeten.

Was kostet so eine Beleuchtung?
Die am Standesamt hat etwa 4.000 bis 5.000 Euro gekostet. Die am Kuhbrunnen wird wahrscheinlich um die 3.000 kosten. Falls mehr zusammenkommt, könnte man vielleicht auch noch das neue Stadtrelief beleuchten.

Gibt es denn noch weitere dunkle Flecken in der Stadt? Was müsste Ihrer Meinung nach noch beleuchtet werden?
Das Stadttheater – oder das tolle Fachwerkhaus gegenüber der Commerzbank.

Wenn Sie privat Beleuchtung kaufen, gehen Sie dafür auch in die Fußgängerzone?
Nein. Ich fahre auch nicht mehr so oft nach Hannover, die tollen Traditionsgeschäfte sind alle weg. Aber wenn man die Wunstorfer Fußgängerzone weiterhin aufpäppelt, bin ich mir sicher – die Leute kaufen hier ein. Die Atmosphäre ist wichtig, und eine gute Beleuchtung trägt viel dazu bei.

Gab es andere Beispiele, wo Geld auf diese Weise in die Innenstadt geflossen ist?
2002 haben wir, statt eine Jubiläumsfeier für die Stadtwerke auszurichten, das dafür vorgesehene Geld in die Begehbarkeit des Stadtkirchturms gesteckt. Das sind Projekte, die mich persönlich begeistern. Da hat man einen Beitrag geleistet. So wie jetzt das Relief – diese Idee kam vom Lions Club, aber ich habe es sofort voll unterstützt. Das sind Dinge, die bleiben.

Stadtbronzeneinweihung
Bei der Einweihung der Stadtbronze | Foto: Daniel Schneider

Läuft Ihre Amtszeit eigentlich automatisch aus oder gibt es eine Art formelle Übergabe?
Sie läuft am 31. Oktober ganz automatisch ab. Eine Übergabe gab es bereits. Es wurde sich abgestimmt, dass ich noch eine „Gnadenfrist“ bekomme von Herrn Piellusch, und 14 Tage mehr Zeit habe, auszuräumen. Das war in der letzten Woche nicht alles unterzubringen. Dann wird renoviert, und dann wird Herr Piellusch im November einziehen.

Was gehörte Ihnen im Amtszimmer persönlich?
Nur ein Gemälde. die drei anderen gehören der Stadt. Möbel, Bücher und Fahnen gehören der Stadt.

Wie werden Sie sich von den Mitarbeitern verabschieden?
Ich will mich von jedem Einzelnen verabschieden und werde ein kleines Präsent – Schokolade – verteilen.

Wie schauen Sie zurück auf Ihre Zeit im Rathaus? Haben Sie als Bürgermeister Ihre Berufung gefunden gehabt?
Ja. Das Schöne an der Demokratie ist nicht, wer Bundeskanzler wird, sondern, was hier geschieht. Vor Ort entscheiden wir. Wo ist der nächste Gehweg, wo kommt das Verkehrsschild hin? Die Lebensqualität im Ort, das ist Kommunalpolitik. Aber es ging nur mit dem Team. Das Team hat unheimlich gut gepasst.

„So einen Ruf hatte die Stadt“

Das war nicht immer so in Wunstorf.
Es gab eine Zeit, da wurden gemeinsame Verbindungstüren beim Stadtdirektor zugemauert – und dagegen dann vor dem Verwaltungsgericht geklagt. Ich musste damals meinem Ausbilder im Referendariat versprechen: „Bewerben Sie sich bitte nie bei der Stadt Wunstorf.“ So einen Ruf hatte die Stadt. Später wurde das Klima dann besser – mein Zimmer als Stadtdirektor war immer offen. Auch dass Sekretärinnen gegenüber Besuchern von „hohen Herren“ sprachen, gab es nicht mehr. Das haben wir alles aufgelockert. Meine Vorgänger kamen noch aus einer anderen Zeit.

Sie sind nun Regionsabgeordneter. Welche Ziele haben Sie sich hier gesetzt?
Die Kommunikation zu den Kommunen verbessern. Dass die Wunstorfer Belange ordentlich vertreten werden. Ich passe auf, dass die Wunstorfer Belange ordentlich behandelt werden. Die Ausbaggerung des Luther Sees wurde mit Nebenbestimmungen genehmigt – ohne vorher mit uns zu sprechen. Monatliche Wasserstandsermittlung über 3 Jahre hinweg. Baggergut drei Tage lang auf Muscheln und Fische untersuchen. Was ich kritisiere: Wenn es einschneidende Nebenbestimmungen gibt, dann erwarte ich, dass die Stadt vorher auch einmal angehört wird – ob das alles überhaupt umsetzbar ist. Dass man es einfach so vorgelegt bekommt, das ist eine ungeheuerliche Sache. So geht man mit Kommunen nicht um. Gegen die Nebenbestimmungen legen wir daher Widerspruch ein, dann klagen wir eben auch einmal. Oder der Klimaschutzausschuss: Das ist ein Beispiel, dass die Abgeordneten der Region nicht im Interesse der Städte entscheiden, sondern parteipolitisch. Das muss ich ganz deutlich sagen. Da erhebe ich auch meine Stimme, das verspreche ich.

Bänke Steinhude
Tropenholz-Bänke an der Steinhuder Promenade (Archiv) | Foto: Daniel Schneider

Sie spielen auf die Tropenholzsitzbänke in Steinhude an, bei denen die Kosten nicht übernommen werden, weil Tropenholz nicht förderungsfähig ist?
Wir sind falsch beraten worden. Die Sachbearbeitung hätte gleich sagen müssen, dass sie dem nicht zustimmen kann. Dann hätten wir dieses ganz anders formuliert von Anfang an, Dann hätten wir das Tropenholz nicht mit hineingeschrieben, sondern nur die Gestelle beantragt. So aber haben wir die Bänke besorgt.

Warum wurde überhaupt Tropenholz genommen?
Die Bänke, die wir dort haben, gibt es nur mit Tropenholz oder aus Kunststoff.

Um welche Summe geht es?
Von 31.000 Euro haben wir 12.000 bekommen. Obwohl wir zertifiziertes Tropenholz verwenden. Aber das wird nicht berücksichtigt. Also gab es nun den Kompromissvorschlag: Das Tropenholz zahlen wir selbst, aber die Gestelle übernimmt die Region.

Was denken Sie, wie es ausgeht?
Die Stadt wird nichts bekommen. Die Grünen haben sich festgelegt, solche Kleinigkeiten werden dann zur Glaubenssache. Und die SPD riskiert doch wegen 20.000 Euro keine Koalitionskrise.

Wie spricht man Sie in Zukunft korrekt an? Ehemaliger Bürgermeister, Ex-Bürgermeister oder Alt-Bürgermeister, so wie „Altkanzler“?
Ich weiß nicht, ob ich mich Bürgermeister a. D. nennen darf, den Titel Bürgermeister an sich behalte ich ja – aber „ehemaliger Bürgermeister“, ganz einfach, wäre mir am liebsten. Etwas Förmliches brauche ich nicht.

Womit hat die Auepost Sie in den zurückliegenden Jahren am meisten geärgert?
Manche anonymen Leserkommentare, die haben mich maßlos geärgert. Weil sie oft auch wirklich inkompetent und verletzend waren. Das fand ich nicht so gut. Ich war natürlich auch mit Artikeln nicht immer einverstanden – aber damit muss ich leben, das ist journalistische Freiheit.

Was wünschen Sie sich für 2022?
Dass es meiner Frau und mir gut geht, dass wir ein schönes neues gemeinsames Jahr haben. Wir haben eine große Kreuzfahrt gebucht und hoffen, dass sie auch stattfindet, und dass es unseren Kindern und Enkelkindern gut geht und sie sich gut entwickeln, und dass wir häufig mit ihnen zusammen sein können.

Dies ist das letzte, Ende Oktober 2021 geführte Interview mit Rolf-Axel Eberhardt – nun ehemaliger Bürgermeister –, das im Rahmen der Serie „Zimmer A205“ erscheint.  Die Serie wird im Frühjahr 2022 mit Bürgermeister Carsten Piellusch fortgesetzt.

Dieses Interview erschien zuerst in Auepost #21 (Winter 2021).

von Daniel Schneider
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Kommentare


  • Anne Dalig sagt:

    Am 01.03.2016 hat die Regionsversammlung beschlossen, dass Bauvorhaben nur gefördert werden dürfen, wenn sie auf die Verwendung von Tropenholz verzichten. Dem Beschluss liegt zu Grunde, dass es gute gleichwertige einheimische Hölzer gibt, die eine Verwendung von Tropenholz (auch wenn es zertifiziert ist) wirklich nicht notwendig machen.
    Die Beschwerde von Her Eberhardt, nicht von der Regionsverwaltung informiert zu werden, ist schon überraschend. Es war Herrn Eberhardt bereits seit Jahren bekannt, dass es diese Förderung seit 2016 nicht mehr gibt. Die Grünen in der Region und auch hier vor Ort haben ihn mehrmals, auch über die Presse und in persönlichen Gesprächen, darauf hingewiesen.
    Nachdem die Förderung der kompletten Bänke durch die Regionsversammlung abgelehnt wurde, nur die Gestelle zur Förderung einzureichen, grenzt schon an Überheblichkeit. Sollen die Menschen denn auf den Metallgestellen sitzen?
    Da das Tropenholz bereits im Voraus gekauft wurde, bleibt die Stadt nun auf den Kosten vom 20.000,- Euro sitzen. Eine Kleinigkeit, wie Herr Eberhardt meint.
    Zu sagen, es wäre eine Glaubenssache bei den Grünen und dann würden „wir“ es eben zahlen, ist unverschämt. Denn das „wir“ bedeutet, dass die Verwaltung die Uneinsichtigkeit eines ehemaligen Bürgermeisters aus Steuergeldern zahlt und nicht Herr Eberhardt persönlich haftet.
    Das er dafür die Sachbearbeiterinnen verantwortlich macht, ist ganz schlechter Stil.

  • Horst-Ruser&web.de sagt:

    Warum so viel Text und Presse um einen ausgeschiedenen Bürgermeister.
    Gibt es nichts anderes Nennenswertes zu berichten ??

    • Dieter sagt:

      Nennenswertes aus Wunstorf?

      Wo leben sie denn? Den Murks der dort verzapft wird, kann man bestenfalls unter „Schilda“ verzeichnen.

      Alles freut sich, alles lacht, was die Politik so macht.

      Politiker sind dazu da, die Probleme zu lösen, die wir ohne Politiker gar nicht hätten.

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