
Noch fährt sie nicht regulär auf den Schienen: Die brandneue ICE-Flotte der Deutschen Bahn. Ab Dezember soll sich das ändern, dann wird der „ICE L“ in Deutschland unterwegs sein. Am Samstag, den 1. November 2025, hielt einer der neuen ICEs jedoch sogar bereits in Wunstorf: Für eine kurze Stippvisite anlässlich der Einführung der neuen Zuggattung.
In normalen Fahrplänen tauchte der Zug nicht auf. Doch an jenem Abend war er auf der Zugzielanzeige auf dem südlichen Bahnsteig aufgetaucht: Als ICE 1149 aus Düsseldorf mit Ziel Berlin Hauptbahnhof.
Manche Fahrgäste auf dem Bahnsteig, die auf ihren Regionalzug oder die S-Bahn nach Hannover warteten, wunderten sich, dass hier plötzlich ein ICE angekündigt wurde. Doch es waren auch vereinzelte Trainspotter extra für den ICE auf den Bahnsteig gekommen.
Denn bei dem unerwarteten ICE-Halt handelte es sich nicht um einen Ausweichstopp, sondern um eine Sonderfahrt: An diesem Tag war der neue ICE L erstmals mit Fahrgästen testweise auf den Schienen unterwegs. Auch in den kommenden Tagen sind weitere Testfahrten durch Deutschland geplant, auf denen Mitarbeiter beispielsweise noch mögliche Schwachstellen entdecken sollten, die sich im normalen Betrieb ergeben könnten und erst bei der Live-Nutzung sichtbar werden. Auf Klemmbrettern werden Notizen gemacht. Auch die Abläufe in verschiedenen Bahnhöfen werden auf diese Weise unter Realbedingungen noch einmal genau unter die Lupe genommen – so nun auch in Wunstorf.
Bereits am Vormittag war derselbe Zug von Berlin in Richtung Ruhrgebiet gefahren, ebenfalls mit Zwischenstopp in Wunstorf, und war ebenso zum Ziel von fotografierenden Bahnfans geworden. Doch auf der Rückfahrt nach Berlin, wo sich auch eine Wartungseinrichtung des Herstellers befindet, hielt der Zug erneut in Wunstorf. Das bekam noch eine besondere Bedeutung.

ICEs halten in der Auestadt normalerweise nicht – nur ausnahmsweise, wenn es Schwierigkeiten auf der Strecke gibt, als Ausweichbahnhof, wenn der Hauptbahnhof Hannover gesperrt werden muss, bei Fahrplanänderungen in Zusammenhang mit Bauarbeiten oder in Notsituationen. So stoppte beispielsweise im Jahr 2022 ein ICE wegen einer Notbremsung in Wunstorf, und im selben Jahr endete auch die Fahrt eines ICEs wegen eines Feuerteufels im hiesigen Bahnhof.
Doch der Stopp des ICE L in Wunstorf während der Testfahrt war nicht nur für die Stadt eine Besonderheit, sondern auch für den ICE-Zugchef: Der kam einigen Wartenden am Bahnsteig bekannt vor – denn er wohnt tatsächlich in Wunstorf. Auch während der offiziellen Vorstellung des Zuges im Berliner Ostbahnhof einige Tage zuvor war er schon dabeigewesen. Das Wiederabfahrtsignal, als der Zugchef laut in die Trillerpfeife blies, war damit gleichzeitig sozusagen auch ein symbolisches Hallo an seine Heimatstadt. Nur eine knappe Minute dauerte der Halt im Wunstorfer Bahnhof, dann ging es über Hannover und Wolfsburg weiter nach Berlin.
Das Besondere am neuen ICE-Typ sieht man auf den ersten Blick: Erstmals gibt es eine ICE-Generation, in die ebenerdig eingestiegen werden kann. Das bisher Typische der ICE-Waggons, die Stufen hinter den Türen, gibt es nicht mehr. Das bedeutet für Fahrgäste einen bequemeren Ein- und Ausstieg, aber vor allem für Menschen im Rollstuhl eine enorme Verbesserung: Bislang kommen in diesem Fall Rampen und Hublifte auf den Bahnsteigen zum Einsatz.

Vom Konzept leitet sich auch der Name ab: Das L in „ICE L“ steht für low-floor – Niederflur. Das Niederflurkonzept bedeutet allerdings auch, dass die Passagiere nun tiefer sitzen als in früheren ICE-Zügen. Das sieht man deutlich an der Position des Fensterbandes, das nun viel weiter unten an den Waggons angebracht ist. Die Waggons wirken damit ungewohnt, als hätten sie eine zu hohe Stirn.
Eine weitere Änderung, die sofort ins Auge springt: Der ICE L fährt nicht mehr mit einem Triebzug, sondern mit einer Lokomotive. Das gab es seit den ersten ICE-Baureihen aus den 1990er Jahren nicht mehr: ICE 1 und ICE 2 hatten noch gesonderte Lokomotiven, an denen die Waggons hingen. Die späteren ICE-Modelle waren sogenannte Triebzüge: Sie kamen ohne Lokomotive aus, der Zug selbst hatte die Antriebstechnik bereits mit eingebaut. Führerstand und Passagierwaggons bildeten an beiden Enden eine Einheit. Zwar waren auch die Lokomotiven der ersten ICEs so gestaltet, dass sie wie ein Teil des gesamten Zuges wirkten, doch es waren noch unabhängige Lokomotiven.
Mit dem ICE L kehrt dieses Konzept nun zurück, und der ICE L ist so gebaut, wie man es auch von anderen Zügen wie dem Intercity kennt: Eine Seite ist als Steuerwagen ausgeführt, und nur am anderen Zugende befindet sich eine Lokomotive. Wäre da nicht die typische Länge und die Bemalung, man könnte den neuen ICE-Typ auch für eine andere Zuggattung halten.
Ein bisschen erinnert der ICE L – wegen Lok und tiefen Fenstern – damit an eine Mischung aus Intercity und Regionalbahn. Der neue Zug wirkt weniger stromlinienförmig als die bisherigen ICEs, macht einen modulareren Eindruck. Der Designstil ist kantig-modern, die einzelnen Waggons sind kürzer als früher. Gebaut wird der ICE L vom spanischen Hersteller Talgo. Als Höchstgeschwindigkeit kann der Zug 230 km/h erreichen.

Um Doppelstockwagen, wie man sie inzwischen auch von Intercitys kennt, handelt es sich jedoch nicht: Der ICE L ist ein ganz normaler, auf einer Ebene durchgehbarer Zug, ein typischer ICE. Klassisches Bordrestaurant und Kiosk gehören dazu.
Beim ICE-L-Halt in Wunstorf konnte man den endgültigen Zustand jedoch noch nicht sehen: Vor den Steuerwagen war eine zusätzliche Lokomotive gespannt, die den Zug zog, und auch am Ende befand sich nicht die eigentlich für den Zug vorgesehene Lokomotive der Baureihe 105, sondern eine andere Lok – eine Siemens Vectron. Der Hintergrund: Die Loks, die den ICE L künftig bewegen sollen, haben in Deutschland bislang noch keine Zulassung erhalten. Lediglich die Waggons konnten inzwischen zugelassen werden. Bis auch die auf den Zug abgestimmten Lokomotiven zugelassen sind, werden die ICE L auch im Regelbetrieb zunächst noch von Vectrons gezogen werden.
In Zukunft wird man den ICE L auch in Wunstorf weiterhin sehen können, wenn er zwischen Berlin und Köln im Einsatz ist. Aktuell wird diese Strecke noch vom ICE 3 bedient. Doch halten wird die neue ICE-Art dann nicht mehr im Wunstorfer Bahnhof.
Kommt tatsächlich öfter vor, als viele Nicht-Bahnfahrer denken: 2-4 im Monat fahre ich von Wunstorf aus mit dem IC oder ICE nach Hannover Hbf. Das liegt daran, dass die Bahn immer Probleme im Betriebsablauf hat und eben diese Züge in Wunstorf außerplanmäßig halten. Wenn das passiert, kann man sich darauf einstellen, dass die Regionalzüge gar nicht mehr fahren oder extrem verspätet sind. Also steige ich dann einfach in den IC oder ICE, damit ich nach Feierabend überhaupt noch nach Hause komme.
Außer dem ebenerdigen Ein- und Ausstieg wirkt dieses Zugkonzept wie aus dem vorigen Jahrhundert.
Kantig, klobig, wahrscheinlich ein cw-Wert oberhalb von 5. Dazu eine Lokfront, welche von Stromlinienförmigkeit noch nie etwas gehört hat. An den Türen Tausende Schalter, Schrauben, Überstände – alles, wo sich sehr schön Luftverwirbelungen bilden können. Ein vollkommen unregelmäßiges Dach mit Aufbauten, Erhöhungen und allem, was zu einem erhöhten Luftwiderstand beiträgt. Fast rechteckige Fenster, wie im Mittelalter. Aus dem Flugzeugbau weiß man seit Jahrzehnten, dass eckige Fenster extreme Verwirbelungen an den Kanten aufweisen, deswegen sind Flugzeugfenster auch immer abgerundet bis oval. Das hat sich bis zur deutschen Bahn offensichtlich noch nicht herumgesprochen.
Vergleicht man dieses deutsche Mittelalter-Design zum Beispiel mit einem japanischen Shinkansen, dann wird jedem sofort klar, warum Deutschland keine Zugtechnik mehr ins Ausland verkauft. Die sind irgendwo in den 60er/70er Jahren stehengeblieben. Wie kann man nur so einen veralteten Mist bauen?
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Armes Deutschland…
Der Name „ICE“ scheint mittlerweile kein Alleinstellungsmerkmal für Hochgeschwindigkeitszüge mehr zu sein. Während der ICE3 des Jahres 2000 noch für 330km/h zugelassen war, ist dieser ICE-L nur noch für 230km/h zugelassen. Auch technisch (mal abgesehen vom Niederflurkonzept) scheint der Zug mit dem alten Lokomotive+Waggons-Konzept eher altbacken zu sein. Wahrscheinlich wird demnächst auch jeder neue Nahverkehrszug als ICE bezeichnet werden. Toller Name und rückschrittliche Technik – das ist wohl der neue Deutschlandtakt.
Der Wunni hats erkannt:
„Während der ICE3 des Jahres 2000 noch für 330km/h zugelassen war, ist dieser ICE-L nur noch für 230km/h zugelassen.“
Jetzt wissen wir nämlich, wohin die Reise buchstäblich geht:
Der nächste ICE – der ICE-R – ist dann nur noch für 130km/h zugelassen. Denn das R im ICE-R steht für Richtgeschwindigkeit! Und damit sehen wir, dass die deutsche Bahn wie immer ganz vorne mit dabei ist.
Noch nie so einen Müll gelesen
Sehr schön, einfach nur perfekt!!!