Ralfs Radweg: Von Wunstorf nach Australien mit dem Fahrrad

Mit dem Fahrrad nach Australien

Ralf Völkers telefoniert in Kambodscha

Weiter entfernt war noch nie ein Wunstorfer mit dem Fahrrad. Doch Ralf Völkers setzt noch einen drauf und dreht eine Ehrenrunde durch Südostasien.

Ralf Völkers taucht
Abge­taucht | Foto: Ralf Völ­kers

Wunstorf/Phnom Penh (ds). Sein gro­ßes Ziel, das Sil­ves­ter­feu­er­werk an der Har­bour Bridge in Syd­ney, hat der Wunstor­fer Welt­rei­ser­ad­ler erreicht. Eben­falls erreicht hat­te er mit sei­nen Tou­ren durch Neu­see­land und Aus­tra­li­en die ande­re Sei­te der Welt – doch es blei­ben noch eini­ge Wochen, bis er sei­nen Dienst als Bus­fah­rer bei der Regio­bus in Wunstorf wie­der antre­ten muss. Also setzt er sei­ne Rei­se fort, nach­dem er den Beginn des neu­en Jah­res zunächst mit sei­ner Freun­din in Thai­land ver­bracht hat – nun qua­si das „Bonus­pro­gramm“ sei­ner Tour.

Ich hab kei­ne Lust auf die­se Scheiß­käl­te – und mei­ne Füße kön­nen kei­ne fes­ten Schu­he mehr ver­tra­gen“Ralf Völ­kers

Denn nach Hau­se will er jetzt noch auf kei­nen Fall, obwohl er sich schon auf die bald gel­ben Raps­fel­der freut. Denn übers Inter­net hört er gele­gent­lich NDR 2 – und der dor­ti­ge hei­mi­sche Wet­ter­be­richt gefällt ihm gar nicht. In Süd­ost­asi­en ist wei­ter­hin Som­mer für ihn.

Kein Dschungelcamp

Die Gefahr, dass Ralf Völ­kers im Janu­ar plötz­lich bei RTL durchs Bild fährt oder sein Zelt ver­se­hent­lich bei den deut­schen Dschun­gel­cam­pern auf­schlägt, bestand jedoch zu kei­nem Zeit­punkt: Schon Anfang Janu­ar hat­te Völ­kers Aus­tra­li­en wie­der ver­las­sen und sich Rich­tung Thai­land – inzwi­schen so etwas wie sei­ne zwei­te Wahl­hei­mat – auf­ge­macht. Das Visum für Aus­tra­li­en hät­te zwar noch ein paar Tage län­ger gereicht – doch der fünf­te Kon­ti­nent ist ein­fach ein zu teu­res Pflas­ter.

Katrin Hattendorf, Ralf Völkers
Zwei Wunstor­fer in Thai­land | Foto: Ralf Völ­kers

Thailand, Vietnam, Kambodscha

Inzwi­schen ist Völ­kers’ Freun­din wie­der in Wunstorf – und wei­ter geht die Rad­rei­se – denn noch sind ein paar Wochen Zeit, bis Völ­kers wie­der sei­nen Job in der Hei­mat antre­ten muss. Mit­te Janu­ar hat­te er sich ein Visum für Viet­nam besorgt und sich wie­der aufs Fahr­rad geschwun­gen. Ende Janu­ar, am 26., befand er sich schon an der Gren­ze zu Kam­bo­dscha und nahm wei­ter Kurs Rich­tung Viet­nam. Auch der Rest der Rou­te steht schon fest: Frü­hes­tens am 20. Febru­ar wird er Kam­bo­dscha durch­quert und Viet­nam erreicht haben. Ende April möch­te Ralf Völ­kers dann wie­der am Zwi­schen-Aus­gangs­punkt in Bang­kok sein. Von dort fliegt er dann kurz dar­auf über die Zwi­schen­sta­ti­on Istan­bul zurück nach Deutsch­land.

Tempolimit Radfahrer
Tem­po­li­mit im Park für Rad­fah­rer | Foto: Ralf Völ­kers

Das Rechtsfahren verlernt

An der Gren­ze zu Kam­bo­dscha fühl­te sich Völ­kers mal wie­der abge­zockt, dort muss­te er auch eine regel­rech­te Odys­see zurück­le­gen, um die nöti­gen Ein­rei­se­do­ku­men­te zu erhal­ten. Geld­um­tausch war auch ein Aben­teu­er, denn an kam­bo­dscha­ni­sche Riel zu kom­men, ist gar nicht so ein­fach. Jeden­falls wenn man auf der fal­schen Stra­ßen­sei­te fährt und die Wech­sel­stu­ben hin­ter Beton­pol­lern ver­schwin­den. Es lohn­te sich aber letzt­lich – kein Ver­gleich mit dem Umtausch­kurs zu aus­tra­li­schem oder neu­see­län­di­schem Dol­lar. Und so fährt Völ­kers gera­de bei bis zu 43 Grad recht güns­tig durch Kam­bo­dscha.

Gut ver­ka­belt auf der Rei­se | Foto: Ralf Völ­kers

Eine klei­ne Fal­le lau­er­te nach dem Grenz­über­tritt von Thai­land nach Kam­bo­dscha: In Kam­bo­dscha gilt näm­lich Rechts­ver­kehr – den hat­te Völ­kers nach den Wochen in den Links­ver­kehr­län­dern Neu­see­land, Aus­tra­li­en und Thai­land schon fast ganz ver­drängt gehabt. Aber offen­bar ist man in Kam­bo­dscha sowie­so etwas tole­ran­ter, was das angeht: es stört nicht wei­ter, wenn Völ­kers mal auf der lin­ken Stra­ßen­sei­te fährt, die Kam­bo­dscha­ner machen das sogar auf städ­ti­schen Haupt­ver­kehrs­stra­ßen, wenn man dadurch ein paar Meter ein­spa­ren kann.

Die fin­den es toll, dass da irgend so ein Idi­ot mit dem Fahr­rad vor­bei­kommt“Ralf Völ­kers über die Pas­san­ten in Kam­bo­dscha

Auch sonst merkt Ralf Völ­kers die Unter­schie­de. Kam­bo­dscha ist ärmer als Thai­land, doch die Men­schen sind eben­so super-freund­lich, wie er sagt. Wild­frem­de stre­cken die Dau­men nach oben, um ihm beim Vor­bei­fah­ren zu signa­li­sie­ren, wie toll sie es fin­den, dass da jemand mit dem Rad durch ihr Land fährt. LKWs hupen ihn aus dem­sel­ben Grund an – und nicht, weil er ihnen im Weg ist. Über­all gibt es für ihn ein freund­li­ches Hal­lo. Anders sieht es außer­orts auf den von rotem Staub gesäum­ten Stra­ßen aus, die Völ­kers irgend­wie an Afri­ka erin­nern – da wird er sogar von Mopeds in den Stra­ßen­gra­ben gehupt.

Mehr WLAN als in Wunstorf

Man könn­te mei­nen, am „Ende der Welt“ wäre Tele­fo­nie­ren pro­ble­ma­tisch, aber selbst in Kam­bo­dscha ist das Han­dy­netz nicht nur bil­li­ger, son­dern auch bes­ser als in Wunstorf. Wenn er in Asi­en erzählt, wie viel er zu Hau­se nur in einen Volu­men­ta­rif hat, kön­nen das die Ein­hei­mi­schen – die mit ech­ter Flat­rate mobil unter­wegs sind –, kaum glau­ben. Und wenn Völ­kers dann noch berich­tet, dass 1,5 Giga­byte Daten­vo­lu­men monat­lich zum Tarif gehö­ren, wird irri­tiert zurück­ge­fragt: „1,5 GB pro Tag?“

Straße Thailand
Okay, der Breit­band­aus­bau kann auch Nach­tei­le haben – wenn die Autos nicht mehr durch­kom­men … | Foto: Ralf Völ­kers

Für Ralf Völ­kers ist klar: Das Smart­pho­ne hat die Welt ver­än­dert: Das ers­te iPho­ne kam erst vor ein paar Jah­ren, doch seit­dem ist der Glo­bus nicht wie­der­zu­er­ken­nen. Auch Ende der 90er waren die Leu­te schon exzes­siv mit ihren Han­dys beschäf­tigt, doch seit die Smart­pho­nes und das mobi­le Inter­net flä­chen­de­ckend wur­den, hat sich wirk­lich etwas ver­än­dert. Und Völ­kers hat gera­de den direk­ten Ver­gleich: Welt­weit star­ren die Leu­te andau­ernd auf die klei­nen Bild­schir­me, sind mit sich selbst und den Gerä­ten beschäf­tigt. Gera­de bei ande­ren Tou­ris­ten merkt er es ganz deut­lich: Frü­her wur­de noch nach dem Weg gefragt, man unter­hielt sich viel­leicht, kam dadurch mit Land und Leu­ten ins Gespräch – heu­te wird stur auf die Navi-App geschaut, um sei­ne Wege zu fin­den. Dabei ist auch Ralf Völ­kers klar, dass das nicht nur Nach­tei­le bringt: Ohne Smart­pho­ne und Kar­ten-App hät­te er einen gan­zen Fahr­rad­an­hän­ger mit Welt- und Stra­ßen­kar­ten auf sei­ner Rei­se hin­ter sich her­zie­hen müs­sen.

Die größ­te Revo­lu­ti­on, die es je gege­ben hat“Ralf Völ­kers über das mobi­le Inter­net

Wirk­lich baff macht ihn aber, wie gut die Netz-Infra­struk­tur selbst in ärme­ren Län­dern wie Kam­bo­dscha ist: Ralf Völ­kers fährt Fahr­rad auf unbe­fes­tig­ten Stra­ßen in Kam­bo­dscha, trifft kilo­me­ter­lang auf kei­ne Bebau­ung – und ist doch bes­ser erreich­bar, als wenn er an der Wunstor­fer Stadt­kir­che einen Kaf­fee trin­ken wür­de. Unter jedem dicke­ren Baum mit Sitz­ge­le­gen­heit auf sei­ner Stre­cke ist sofort auch immer breit­ban­di­ges WLAN zur Stel­le – wäh­rend man hin­ge­gen selbst in der Wunstor­fer Fuß­gän­ger­zo­ne Glück haben muss, damit das Han­dy-Gespräch nicht plötz­lich abreißt.

Wow. | Foto: Ralf Völ­kers

Neben Wet­ter­be­richt und Schuh­aus­wahl viel­leicht ein wei­te­rer Grund, wes­halb Völ­kers sei­ne Tour aktu­ell noch ein wenig ver­län­gert …

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1 Kommentar
  1. Frank Struckmann sagt

    Tele­fo­nie­ren geht gut nur zu fres­sen haben sie nichts.

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