Rudolf-Har­big-Stra­ße

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Fast jeder Wunstor­fer dürf­te schon ein­mal auf ihr unter­wegs gewe­sen sein, auch wenn sie am süd­li­chen Stadt­rand in der Bar­ne liegt, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Denn es ist die Stra­ße, an der das Wunstor­fer Hal­len­bad „Wunstorf Ele­ments“ liegt. Sie bil­det zugleich qua­si die Pro­me­na­de zu Wunstorfs Sport­zen­trum, in wel­chem ver­schie­de­ne Ver­ei­ne ihre Spiel­stät­ten und Ver­eins­hei­me haben. An der Rudolf-Har­big-Stra­ße liegt zudem ein Park­platz, der bei Sport­ver­an­stal­tun­gen ger­ne genutzt wird, am angren­zen­den Wen­de­kreis machen die Regio­bus­se kehrt. Zuletzt geriet die Stra­ße jedoch vor allem wegen des geplan­ten Baus eines Flücht­lings­heims auf besag­tem Park­platz in den Fokus der Öffent­lich­keit.

Was vie­le jedoch nicht wis­sen: Die Stra­ße ist nach einem deut­schen Spit­zen­sport­ler aus der NS-Zeit benannt. Rudolf Har­big, gebo­ren 1913 in Dres­den, war ein Leicht­ath­let und Sport­star im Drit­ten Reich. 1939 erziel­te er den Welt­re­kord im 800-Meter-Lauf mit 1:49,4 Minu­ten, der erst 1955 über­trof­fen wur­de. Bei den Olym­pi­schen Spie­len 1936 errang er als Staf­fel­läu­fer Bron­ze.

Rudolf Harbig am 19. Mai 1940, dem Tag seines Sieges im 1000-Meter-Lauf in Frankfurt (Oder) | Foto: Privatarchiv Ulrike Harbig
Rudolf Har­big am 19. Mai 1940, dem Tag sei­nes Sie­ges im 1000-Meter-Lauf in Frank­furt (Oder) | Foto: Pri­vat­ar­chiv Ulri­ke Har­big, unter Lizenz CC BY 3.0

Obwohl Har­big NSDAP- und SA-Mit­glied war, ist umstrit­ten, wie es sich mit sei­ner Hal­tung zur NS-Dik­ta­tur tat­säch­lich ver­hielt. Ohne eine NSDAP-Zuge­hö­rig­keit hät­te er sei­ne sport­li­che Kar­rie­re zur dama­li­gen Zeit kaum ver­fol­gen kön­nen, den Rang eines SA-Sturm­man­nes erhielt er auf­grund des Ein­tritts in eine der SA ange­glie­der­ten Berg­stei­ger­grup­pe. Ob einer der bes­ten Mit­tel­stre­cken­läu­fer der Welt also nur im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes „Mit­läu­fer“ oder über­zeug­ter Natio­nal­so­zia­list war, wird von Sport­his­to­ri­kern unter­schied­lich beur­teilt.

Im zwei­ten Welt­krieg kämpf­te Har­big als Sol­dat der Wehr­macht an der Ost­front. Vom Russ­land­feld­zug kehr­te Har­big nicht zurück, er starb 1944 und gilt seit­dem als ver­misst. Er gehört damit zu den 15 von 60 Leicht­athe­ten, die 1936 bei den Olym­pi­schen Spie­len in Ber­lin antra­ten und im Krieg umka­men.

Ab den 50er und 60er Jah­ren wur­de Har­big sowohl im Osten wie im Wes­ten geehrt, in der DDR zu spä­te­ren Zei­ten jedoch vie­ler­orts wie­der aus dem Stadt­bild ent­fernt, so auch in sei­ner Hei­mat­stadt Dres­den – wo Har­big auf der Stra­ße nicht mehr prä­sent ist, seit das Sta­di­on von Dyna­mo Dres­den offi­zi­ell nicht mehr nach ihm benannt ist. Heu­te fin­det man den Namen Rudolf Har­big daher vor allem in den Stra­ßen und Sport­stät­ten der alten Bun­des­län­der. So eben auch in Wunstorf, des­sen Neu­bau­ge­biet Bar­ne in den 60er Jah­ren errich­tet wur­de, an des­sen Rand die Rudolf-Har­big-Stra­ße liegt – und wo nach wie vor Läu­fe statt­fin­den.

Mit zahl­rei­chen wei­te­ren Stra­ßen, Sta­di­en und Hal­len in ganz Deutsch­land, die eben­falls sei­nen Namen tra­gen, wird die Erin­ne­rung an Rudolf Har­big wei­ter­hin leben­dig gehal­ten.

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3 Kommentare
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