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Kommentar zur neuen Kita-Onlineanmeldung

Tausche Kindergartenplatz gegen Datenleck

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Optisch und in der Bedienung ist das neue Kita-Anmeldeformular der Stadt Wunstorf keine große Glanzleistung, es wirkt fast so, als hätte jemand das Internet der 90er Jahre reaktiviert. Und klar, man hätte es gleich mehrsprachig anbieten können, statt die Leute notfalls ins Rathaus zu bitten. Aber es erfüllt wohl seinen Zweck, spart Eltern und Verwaltung unnötige Arbeit und Wege – und schont die Umwelt.

Schwerer wiegen die technischen Mängel. Unverschlüsselte Internet-Formulare, die sensible personenbezogene Daten transportieren, sollten im Jahre 2016 eigentlich nicht mehr vorkommen, schon gar nicht vonseiten der Verwaltung. Dennoch wird das nun neu geschaffene Formular offenbar ohne SSL-Verschlüsselung verschickt. Wer dort seine Daten einträgt, schreibt quasi eine digitale Postkarte – lesbar für jeden Administrator oder Hacker, der zwischen dem eigenen Computer und dem Computer der Stadt sitzt. Und das können eine ganze Menge Leute sein.

Das ganze Leben an die Türen der Stadtkirche nageln

Natürlich machen manche Eltern sogar freiwillig Daten-Striptease und werfen z. B. bei Facebook mit privaten Daten ihrer Kinder nur so um sich. Aber auch wenn die Mehrheit darin kein Problem sehen sollte, kann das keine Begründung sein, warum die Stadt nun alle Wunstorfer Eltern dazu nötigt, ähnlich sorglos mit privaten Informationen umzugehen.

Dann kann man seinen Kitawunsch samt Krankheitsverlauf, sonstigen persönlichen Gebrechen, Geburtsdaten, Anschriften und Arbeitszeiten auch gleich öffentlich an die Türen der Stadtkirche nageln – der Effekt wäre derselbe.

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