Jugendtheater Funk'N'Theater

„A Kind Of Magic: Die Entdeckung der Queerkraft“ eine Produktion über Gendergerechtigkeit

Die Stückentwicklung „A Kind Of Magic: Die Entdeckung der Queerkraft“ der Theatergruppe Funk’N’Theater vom Hölty-Gymnasium hinterfragt kritisch die gesellschaftlich sowie kulturell geprägten Vorstellungen von Geschlechterrollen und ist ein Versuch, aus den herkömmlichen Rollenmustern auszubrechen.

Die Theatergruppe Funk’N’Theater vom Hölty-Gymnasium hinterfragt kritisch die gesellschaftlich sowie kulturell geprägten Vorstellungen von Geschlechterrollen. | Foto: privat

Wunstorf, Hannover (nr). Die 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Theater AG des Hölty-Gymnasiums Wunstorf Funk’N’Theater haben sich im Laufe des Schuljahres mit einem besonderem Thema befasst. Sie haben sich intensiv mit den Geschlechterrollen und dem Thema Gendergerechtigkeit auseinandergesetzt. Das Ergebnis war das Stück „A Kind Of Magic: Die Entdeckung der Queerkraft“.  Die Szenencollage beschäftigt sich mit den Fragen: Schönheit, was ist „Normal“ und warum gibt es eigentlich Rollenbilder? Klischeehafte Erwartungen an Männer und Frauen werden auseinandergenommen und die derzeit vorherrschenden Rollenmuster in Frage gestellt. So irrt ein Junge auf der Suche nach seiner Männlichkeit durch das „Männlichkeitslabyrinth“, bevor er, mit einem großen Apfel auf dem Kopf, durch Idun brüsk darüber belehrt wird, dass diese Männlichkeit eventuell nur ausgedacht sei.

In „A Kind Of Magic: Die Entdeckung der Queerkraft“ beschäftigen sich die 13 Teilnehmenden der Funk´N´Theater-AG mit dem Thema Geschlechterrollen. | Foto: privat

Das einstündige Stück befasst sich nicht nur kritisch mit den gesellschaftlich und kulturell geprägten Vorstellungen von Geschlechterrollen, sondern auch mit den Themen Homo- und Transsexualität.

„Der zweite Teil des einstündigen Stücks lotet dann exemplarisch Freiheiten aus, die individuell jedoch sehr beklemmend erfahren werden können: Es geht um das Coming out und um das Bedürfnis, das Geschlecht zu wechseln“, erklärt die Leiterin der AG, Inta Funkner. Die Schlussszene steht ganz im Zeichen der Freiheit, so zu sein wie man sein will. Diese Freiheit drücken die Schülerinnen und Schüler mittels Travestie aus. Begleitet wird die Szene durch einen traurigen Clown, der symbolisch dafür steht, dass nicht immer eine Unbeschwertheit im Umgang mit Rollenerwartungen möglich ist.

Die 16- bis 18-jährigen Schülerinnen und Schüler wollen mit ihrem Stück zum Ausdruck bringen, dass jeder die Freiheit hat, so zu sein und zu leben wie er möchte, ohne Selbstzweifel. Am Ende kommt die Erkenntnis, dass die Frage nach dem „Wer bin ich?“ nie zum Abschluss kommt. Nicht nur im jugendlichem Alter beschäftigt uns die Frage, sondern während des ganzen Lebens.

Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich mit der Frage „Wer bin ich?“ und schlüpfen dabei in verschiedene Rollen. | Foto: privat

Mit „A Kind Of Magic: Die Entdeckung der Queerkraft“ nimmt Funk’N’Theater auch an der 40. Ausgabe des Schul- und Jugendamateurtheaterfestivals „Jugend spielt für Jugend“ vom 18. bis zum 22. Juni 2018 im Ballhof Zwei in Hannover teil. Das Stück wird am 20.06.2018 vor ausverkauftem Haus aufgeführt. Das internationale Festival steht unter dem Motto 40 Ways to Make the World More Attractive. Neben Funk’N’Theater werden auch die Schultheatergruppen der Ernst-Reuter-Schule Pattensen, des Georg-Büchner Gymnasiums aus Seelze und der IGS Langenhagen ihre Produktionen vorführen. Auch internationale Theatergruppen aus Ghana, Lettland, Malawi und der Türkei wurden nach Hannover eingeladen. Ihre Stückentwicklungen zeigen ihre Ideen für ein faires Miteinander in einer friedlichen Welt und setzen sich kritisch auseinander mit Themen wie zum Beispiel Ehrlichkeit, Toleranz, Verantwortung und Gerechtigkeit.

Das Festival bietet den theaterbegeisterten Jugendlichen die Möglichkeit, ganz praktisch voneinander zu lernen. Deshalb wird das Programm um Lecture-Performances von internationalen Referenten ergänzt. Die Themen sind weit gefächert, doch allen liegt die Frage zugrunde, ob und wie man mit Theater die Welt verbessern kann. In Workshops erarbeiten die Jugendlichen gemeinsam Szenen, die sie auf der Abschlussveranstaltung Our Ways to Make the World More Attractive zeigen.

Glossar

Gender – Der aus dem Englischen stammende, sozial- und geisteswissenschaftliche Begriff bezeichnet, im Gegensatz zum „biologischen Geschlecht“, das „soziale Geschlecht“, also die gesellschaftlich sowie kulturell geprägten Vorstellungen von Geschlechterrollen.

Travestie – Darbietung einer Bühnenrolle, bei der vorwiegend Männer (hetero und homosexuell) in Frauenkleidern auftreten (auch Drag Queen genannt). Im Gegensatz zu Transsexualität/Transgender hat Travestie nichts mit Geschlechteridentität zu tun.

Transgender – Menschen, bei denen sich das soziale Geschlecht vom biologischen Geschlecht unterscheidet. Beispiel: Ein Mensch lebt als Frau, hat aber Geschlechtsmerkmale eines Mannes.

Transsexualität/Transsexuelle – Menschen, die sich nicht mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren. Diese Menschen haben das starke Bedürfnis, ihren Körper zu verändern (beispielsweise mittels Hormonen oder sogenannten geschlechtsangleichenden Operationen), da sie ihn als nicht stimmig und leidvoll empfinden.

sich outen – die eigene sexuelle Veranlagung selbstbestimmt öffentlich bekannt machen.

Outing – das Öffentlichmachen der sexuellen Veranlagung einer anderen Person ohne deren Zustimmung.

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