Bau­er sucht Schwein

Das Musi­cal ist zur­zeit ton­an­ge­bend bei den Schul­chö­ren. Dafür sorgt vor allem einer in Wunstorf: Mat­thi­as Schwie­ger, der am Diens­tag­abend auch mit sei­nen Bar­ne­bees zeig­te, was Grund­schü­ler alles auf die Bei­ne stel­len kön­nen.

Eltern fil­men die Auf­füh­rung mit dem Smart­pho­ne | Foto: Dani­el Schnei­der

Wunstorf (ds). Musi­cals sind aktu­ell das ganz gro­ße The­ma im Wunstor­fer Schul­chor­we­sen. Thea­ter­dar­bie­tung und Gesang ver­bin­den sich zu einem abwechs­lungs­rei­chen, kurz­wei­li­gen Ver­gnü­gen. Der Chor der Musik­schu­le brach­te die Zeit auf die Büh­ne, die „Gro­hei­dos” gleich Zeit und Raum, und der Kolen­fel­der Kin­der­chor ließ es afri­ka­nisch ange­hen.

Schwein gehabt

Auch die „Bar­ne­bees” der Albert-Schweit­zer-Schu­le zeig­ten kurz vor den Som­mer­fe­ri­en noch ihr Kön­nen im Bar­ne-Schul­zen­trum, nach­dem sie gera­de erst beim Neu­bür­ger­emp­fang auf­ge­tre­ten waren. Bei den drei letzt­ge­nann­ten Chö­ren zieht Mat­thi­as Schwie­ger die Fäden, als Chor­lei­ter vom Ver­ein zur För­de­rung der Musik. Als sol­cher bewies er auch bei den Bar­ne­bees ein­mal wie­der den rich­ti­gen Rie­cher bei der Aus­wahl des Musi­cal­stoffs.

Krea­ti­ve und detail­ver­lieb­te Kos­tü­me | Foto: Dani­el Schnei­der

Schwie­ger hat­te mit „Schwein gehabt” ein Stück gewählt, das allen glei­cher­ma­ßen Spaß mach­te: den Kin­dern, die in ihren tie­ri­schen Rol­len auf­ge­hen konn­ten, und den Eltern und Ver­wand­ten, die sich über die Rei­me und Wort­spie­le­rei­en amü­sier­ten.

Nur ein fet­tes Schwein bringt etwas ein … still dei­nen Durst, das ist gut für die Wurst“Der Bau­er

Fast schon para­bel­ar­tig gestal­te­te sich der Inhalt des Stücks: Die Sau Pig­gy, eitel, arro­gant und bei den ande­ren Bau­ern­hof­tie­ren nicht beson­ders beliebt, wird vom Bau­ern gemäs­tet, um mit ordent­li­chem Gewinn an den Metz­ger ver­äu­ßert zu wer­den. Das las­sen die ande­ren Tie­re jedoch nicht zu, ver­ste­cken das Schwein in ihren Rei­hen und set­zen es auf Diät – Hap­py End garan­tiert.

Pig­gy auf dem Weg zur Büh­ne | Foto: Dani­el Schnei­der

Das Sujet des Musi­cals bot das idea­le Umfeld, um mit teils der­ben Rei­men, poli­tisch ganz inkor­rekt, für eini­ge Lacher zu sor­gen – ohne jedoch anstö­ßig zu wir­ken. Auf dem Bau­ern­hof ist ein Och­se nun mal ein Och­se und die fet­te Sau eine fet­te Sau.

Die ist nicht nett, nur fettSchwein­ta­xie­ren­de Bau­ern­hof­tie­re

Dass es für eine bezau­bern­de Show kei­ne gro­ßen Effek­te, son­dern vor allem eine wit­zi­ge Vor­la­ge, erwei­tert um eine gewitz­te Cho­reo­gra­phie, braucht, bewies die Dar­bie­tung ohne Mühen. „Mäu­se“, die sich takt­ge­nau nur zum Refrain keck aus der Mas­se der am Boden lie­gen­den Tie­re erhe­ben. Ein Mast­schwein, das sich mit Deodo­rant ein­ne­belt. Ein sto­isch-antriebs­lo­ser Wie­der­käu­er, der sich stets ele­gisch zu Wort mel­det. Eine Run­ning-Gag-Hen­ne mit aus­ge­präg­tem Pro­blem­be­wusst­sein. Die Cha­rak­te­re boten hohes Poten­ti­al für ein herr­lich über­zeich­nen­des Spiel.

Der Bau­er und sei­ne Sau | Foto: Dani­el Schnei­der

Die Zuschau­er waren gleich mehr­fach beein­druckt. Ein­mal, wie text­si­cher sich die Haupt­dar­stel­ler zeig­ten. Nicht nur den Gesang, auch alle Dia­log­sze­nen des immer­hin 45-minü­ti­gen Stücks saßen per­fekt. Und auch der Umstand, dass bei hoch­som­mer­li­cher Hit­ze teils voll­kos­tü­miert gespielt – und pro­fes­sio­nell durch­ge­hal­ten wur­de: Küken, Mäu­se, Gän­se, Kat­zen, Hund, Kuh und Schaf bevöl­ker­ten die Büh­ne. Aus­ge­rech­net die Haupt­dar­stel­le­rin hat­te am meis­ten zu lei­den, steck­te sie doch im flau­schi­gen Schwein­chen­kos­tüm, das im Lau­fe der Auf­füh­rung auch noch reich­lich aus­ge­pols­tert wur­de. Da darf das Schaf bei der über­schwäng­li­chen Schluss­ver­beu­gung dann auch ruhig mal die Kopf­be­de­ckung ver­lie­ren.

Kein Neben­job als Souf­fleur für Chor­lei­ter Schwie­ger, son­dern Regie­an­wei­sung für die Büh­nen­for­ma­ti­on | Foto: Dani­el Schnei­der

Mehr gibt’s hier heu­te nicht.“Mat­thi­as Schwie­ger

Der Maes­tro hat­te ein Ein­se­hen und ent­ließ sei­ne glück­li­chen Bar­ne­bees mit­samt Publi­kum ohne Zuga­be in die nun end­lich ein­set­zen­de Abend­küh­le. Die jun­gen Dar­stel­ler hat­ten trotz des kind­ge­rech­ten Stü­ckes wie die ganz Gro­ßen gewirkt, sowohl was den Enthu­si­as­mus als auch die Ernst­haf­tig­keit beim Spiel anbe­langt – trotz oder gera­de wegen Spaß an der Sache. Schwie­ger und sein Team, Leh­rer wie Schü­ler, hät­ten für die­se Dar­bie­tung mehr ver­dient gehabt als nur einen bran­den­den Applaus.

Gro­ßer Schluss­ap­plaus für die Bar­ne­bees | Foto: Dani­el Schnei­der
Info: Bar­ne­Bees
Der Grund­schul­chor Bar­ne­Bees besteht seit 6 Jah­ren an der Albert-Schweit­zer-Schu­le in der Bar­ne und wur­de von Mat­thi­as Schwie­ger gegrün­det, der ihn seit­dem auch unun­ter­bro­chen lei­tet. Der Name Bar­ne­Bees soll auf die Emsig­keit der Kin­der ver­wei­sen, die wie die Bie­nen flei­ßig und aus­dau­ernd ihre Lie­der ein­stu­die­ren und dafür viel Zeit inves­tie­ren. Schü­ler ab der 2. Klas­se kön­nen dem Chor ange­hö­ren. Aktu­ell ist die Zusam­men­set­zung über die Klas­sen­stu­fen hin­weg rela­tiv aus­ge­wo­gen. Die Eltern der teil­neh­men­den Schü­ler finan­zie­ren den Chor in Trä­ger­schaft des Ver­eins zur För­de­rung der Musik e. V. über Mit­glieds­bei­trä­ge, zudem wird auf Ver­an­stal­tun­gen um Spen­den gebe­ten.


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