Lesung

Mord und Totschlag in der Abtei

Nein, kein mittelalterlicher Klosterkrimi war es, mit dem Manfred Henze am vergangenen Donnerstag die Plätze füllte. Der Autor stellte sein Erstlingswerk vor – mit waschechten Anekdoten aus dem historischen und aktuelleren Polizei-Alltag.

Lesung Manfred Henze
Manfred Henze (links) mit Dirk Scheerle, einem der letzten Polizei-Phantombildzeicher, der das Cover gestaltete | Foto: Friedlies Reschke

Wunstorf (fr/ds). Was man nicht so alles auf dem Dachboden finden kann … Manfred Henze entdeckte dort irgendwann die Aufzeichnungen seines Urgroßvaters, einem Nachtwächter, der von 1898 bis 1901 in Neustadt seinen Dienst tat. Nach dem Studium der Unterlagen, die noch in Sütterlinschrift verfasst worden waren, hatte der ehemalige Leiter des Polizeikommissariats Neustadt den Eindruck, dass sich im Vergleich zur heutigen Zeit gar nicht so viel geändert hat.

Handabhacken und Karrenschieben

Schon damals wurde gemordet und gestohlen, nur kannte man auch noch einige längst verstaubte Straftatbestände, wie zum Beispiel Ausschweifender Lebenswandel, Vagabundieren, Unkeuschheit und auch Hausieren. Die Strafen waren damals jedoch andere als heute: Handabschlagen, Erhängen oder Karrenschieben. All das inspirierte Henze, selbst ein Buch zu schreiben. So entstand „Stehlen, Quälen, Morden – Das ist doch nicht erlaubt!“ mit Kriminalfällen aus dem vorletzten Jahrhundert und aktuellen aus Neustadt, Wunstorf und Umgebung.

Einige Geschichten aus seinem Buch stellte er am 15. Februar in der Abtei in Wunstorf vor. Vorab wurden die 70 Zuhörer von einem lokalen Caterer mit kleinen Häppchen gestärkt. Der Bürgermeister von Wunstorf, Rolf-Axel Eberhardt, der das Buch jetzt auch Gästen der Stadt schenken wird, ließ es sich nicht nehmen, die Zuhörer zu begrüßen. Es stellte sich heraus, dass Eberhardt und Henze Vorfahren im selben Ort haben: Neustadt-Metel – im 19. Jahrhundert offenbar eine Brutstätte von Unkeuschheit. 1882 schrieb der Amtshauptmann: „Glaubwürdige Leute haben versichert, dass in Metel bei derartigen Treffen in den Spinnstuben oft die Lichter ausgelöscht seien und sich dann ein Treiben entwickelt habe, wie es in einem Bordell nicht schlimmer seien könnte.“

Mona, die Prostituierte

Um keine Personen bloßzustellen, änderte Henze in seinem Buch die Namen aller Täter. Elf historische Fälle aus den Jahren 1820 bis 1840 und elf aktuellere aus den Jahren 1973 bis 2015, ergänzt um 25 Ereignisse, an denen „Personen des öffentlichen Lebens“ beteiligt waren, vereint das Buch.

Die neueren Fälle schilderte Henze aus erster Hand. Sein erster Fall war „Mona“, eine Dame aus Garbsen, die dem unkeuschen Gewerbe nachging – oder im Polizeideutsch ausgedrückt: „Beharrliches Nachgehen der Prostitution in Wohngebieten“. Als 20-Jähriger, noch mit Pickeln im Gesicht, musste er als Lockvogel herhalten. Damals, noch ohne Handy, war das alles nicht so einfach. Und den vereinbarten Code „Jetzt geht es los“, der die Kollegen herbeirufen sollte, verstand die Dame fälschlicherweise als Aufforderung. Ausgerechnet dann war auch noch der Fahrstuhl in dem observierten Hochhaus defekt. Mona residierte im 10. Stock. Henzes Kollegen kamen erst ganz knapp vor dem „Vollzug“ an.

Kleine Gemeinheit

Keine seiner Geschichten erzählte Henze zu Ende, die Auflösung ließ er stets offen, um den Spannungsbogen bei der späteren Selbstlektüre zu erhalten. Lesung hin oder her – ein echter Kriminaler lässt sich eben nicht so leicht in die Karten schauen. Neben Episoden aus seinem Buch erzählte Henze aber auch von weiteren Erlebnissen, von markanten Geschehnissen, die er etwa als Einsatzleiter begleitete. Das Publikum war zuletzt mucksmäuschenstill.

Einige Exemplare der Erstauflage sind noch im Bücherparadies erhältlich. Eine zweite Auflage ist geplant, ebenso wie ein zweites Buch.

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2 Kommentare
  1. Horst Koschinsky meint

    Wäre gerne gekommen. Vielelciht das nächste Mal…

    1. Wunstorfer Macher meint

      eine zweite Lesung ist nicht geplant…. dafür müssten sich viele interessierte finden

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