Susan­ne Misch­ke lässt den Bür­ger­meis­ter ster­ben

Nicht am Frei­tag, aber am Diens­tag, den 13. Juni war Auto­rin Susan­ne Misch­ke auf Ein­la­dung der Stadt­bü­che­rei und der Buch­hand­lung Weber in letz­te­rer zu Gast – und ließ die Zuhö­rer in die Welt ihrer Kri­mi­nal­ge­schich­ten ein­tau­chen.

Susan­ne Misch­ke las aus ihrem neu­es­ten Buch | Foto: Dani­el Schnei­der

Misch­ke begann ihre Kar­rie­re mit dem Schrei­ben von Sati­ren, um dann recht schnell ins Thril­ler-Gen­re ein­zu­stei­gen. In der hie­si­gen Regi­on ist sie vor allem auch bekannt für ihre Regio­nal­kri­mis, die „Han­no­ver-Kri­mis“. In Wunstorf stell­te sie nun jedoch ihren neu­en Kurz­ge­schich­ten­band „Mordsker­le“ in den Mit­tel­punkt.

Damit kehr­te Misch­ke sozu­sa­gen wie­der zu den Anfän­gen zurück, denn das Sati­ri­sche, die lang­sam bis zur gran­dio­sen Poin­te getrie­be­nen über­spitz­ten klei­nen Gemein­hei­ten, sind in die­sem Buch ein beherr­schen­des Ele­ment. Das Humor­voll-Böse ver­bin­det sich mit der klas­si­schen Kri­mi-Sze­ne­rie aus Mord und Ver­bre­chen. Mit sich harm­los anschlei­chen­der Bös­wil­lig­keit nähern sich die Figu­ren Misch­kes ihren Opfern – auch und gera­de in den all­täg­li­chen Situa­tio­nen.

Vier Geschich­ten und eine klei­ne Zuga­be gab es an die­sem Abend zu hören, und gleich in der ers­ten namens „Schall und Rauch“ ging es ordent­lich zur Sache – mit einer Zuspit­zung in Form einer wun­der­voll ver­pack­ten Kri­tik des Shades-of-Grey-Hypes und einer mit rus­si­schem Akzent spre­chen­den Domi­na im ent­spre­chen­den Eta­blis­se­ment, die mit kei­nem Gerin­ge­ren als dem Bür­ger­meis­ter des­sen Phan­ta­si­en aus­lebt – was die­ser lei­der nicht über­lebt.

Susan­ne Misch­ke beim Signie­ren ihrer Bücher | Foto: Dani­el Schnei­der

Doch nicht nur die Stadt­obe­ren sind im Visier von Misch­kes Figu­ren. Auch alle Auepost-Leser müs­sen sich vor­se­hen, denn man­cher mord­lüs­ter­ne Prot­ago­nist hat aus­ge­rech­net im Café lap­top­auf­klap­pen­de Apfel­hard­ware­be­sit­zer auf dem Kie­ker. Doch auch Jeans-mit-Loch-Trä­ger im geschlechts­rei­fen Alter bei zu üppi­ger Kör­per­be­haa­rung, in der Öffent­lich­keit stri­cken­de Frau­en, Prolls und Yup­pies befin­den sich in aku­ter Lebens­ge­fahr. In der Zuga­be „Die Auto­ren­pla­ge“ wech­sel­te die Auto­rin dafür auf die Meta­ebe­ne und schon­te auch ihren eige­nen Berufs­stand nicht.

Mit tro­cke­nem Humor, süf­fi­san­ter Figu­ren­zeich­nung und vol­lem Ein­satz hat­te Misch­ke die Lacher ab der ers­ten Minu­te auf ihrer Sei­te. Es sind die­se Momen­te, die begeis­tern, und die es nur bei einer Auto­ren­le­sung geben kann, wenn sich her­aus­stellt, wie die Auto­rin sich die in ihrem eige­nen Buch beschrie­be­nen Geräu­sche einer Lat­te-mac­chia­to-Maschi­ne mit ihrem Zssssssch-Prfffft-Chrrrrrrrr tat­säch­lich vor­ge­stellt hat. Zu die­sem Zeit­punkt hat­ten die kurz erschro­cke­nen Zuhö­rer ihre nun lee­ren Sekt­glä­ser glück­li­cher­wei­se schon auf dem Boden abge­stellt.

Misch­ke las nicht nur aus ihren Büchern, son­dern offen­bar­te auch Hin­ter­grün­de zu den Bezü­gen der Hand­lun­gen. Den Strom­aus­fall aus ihrer Geschich­te „Vier Bar­lei­chen und ein Strom­aus­fall“ etwa hat nicht nur einen regio­na­len, son­dern auch einen rea­len Hin­ter­grund: Inspi­rie­ren ließ sich Misch­ke dabei von einem gro­ßen Strom­aus­fall in Han­no­ver, der so tat­säch­lich statt­ge­fun­den hat­te.

Susan­ne Misch­ke beim Signie­ren ihrer Bücher | Foto: Dani­el Schnei­der

Etwa zwei­mal im Jahr rich­tet die Buch­hand­lung Weber eine Auto­ren­le­sung aus, etwa zwan­zig­mal pro Jahr liest die Auto­rin im Rah­men ihrer Lese­rei­sen – und freut sich immer auch, wenn sie wie jetzt in Wunstorf qua­si ein „Heim­spiel“ hat. Die Ver­an­stal­ter zeig­ten sich eben­falls sehr zufrie­den über die Reso­nanz – und freu­ten sich mit der Auto­rin, dass sich so vie­le Lese­be­geis­ter­te an die­sem schö­nen Abend nicht auf Ter­ras­se und Bal­kon gesetzt, son­dern auf den Weg in die Buch­hand­lung gemacht hat­ten.

Vol­les Foy­er in der Buch­hand­lung Weber | Foto: Dani­el Schnei­der
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