Bür­ger­meis­ter hält Haus­halts­re­de

Am 21. Sep­tem­ber hielt Bür­ger­meis­ter Rolf-Axel Eber­hardt sei­ne Haus­halts­re­de für 2017. Die Stär­kung der Demo­kra­tie und die Bewah­rung der finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten Wunstorfs waren die Leit­sät­ze des Vor­trags – denn die kom­men­den Jah­re wer­den kei­ne üppi­gen für Wunstorf sein.

Wehende Wunstorfer Flagge vor dem Rathaus | Bild: Daniel Schneider
Wehen­de Wunstor­fer Flag­ge vor dem Rat­haus | Bild: Dani­el Schnei­der

Eber­hardt griff unmit­tel­bar die zurück­lie­gen­den Land­tags­wah­len in Meck­len­burg-Vor­pom­mern und Ber­lin auf, in deren Resul­ta­ten sich eine tie­fe Ver­un­si­che­rung der Bevöl­ke­rung zei­ge. Bei der Kom­mu­nal­wahl in Wunstorf sei das Ergeb­nis nicht ganz so gra­vie­rend aus­ge­fal­len, doch die Rän­der von links und rechts sei­en auch hier wei­ter gestärkt wor­den.

Der Bür­ger­meis­ter, der CDU und SPD mitt­ler­wei­le selbst als ehe­ma­li­ge Volks­par­tei­en bezeich­ne­te, appel­lier­te dar­an, trotz deren ein­ge­büß­tem Zuspruch kei­ne all­ge­mei­ne Aus­gren­zung vor­zu­neh­men. Es sol­le mit allen gewähl­ten Par­tei­en kon­struk­tiv zusam­men­ge­ar­bei­tet wer­den. Er appel­lier­te gleich­wohl dar­an, dass sich alle Rats­mit­glie­der zur demo­kra­ti­schen Kul­tur beken­nen und gemein­wohl­ori­en­tiert und sach­lich mit­ar­bei­ten soll­ten.

AfD und Flücht­lings­fra­ge

Den Erfolg der AfD führt Eber­hardt auf die Pro­test­wäh­ler­schaft zurück. So wür­den rund 75 Pro­zent der AfD-Wäh­ler die Par­tei nur aus Unzu­frie­den­heit wäh­len und von die­ser gar kei­ne Lösun­gen erwar­ten, die den Staat vor­an­brin­gen. Die Dis­kus­si­on um die Flücht­lings­si­tua­ti­on kri­ti­sier­te er als völ­lig irre­al, der jet­zi­ge Zuzug stün­de in kei­nem Ver­hält­nis zu dem, was Deutsch­land etwa nach dem zwei­ten Welt­krieg bewäl­tigt hät­te. Es gebe kei­ner­lei Indi­zi­en dafür, dass Deutsch­land aus den Fugen gerät.

… kein Indiz (…), dass unser Staat aus den Fugen gerät.“

Neben Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel, die zu Unrecht für Ihre Flücht­lings­po­li­tik ange­gan­gen wer­de, aber auch Grie­chen­land, Ita­li­en und die Tür­kei nahm Eber­hardt in Schutz: Gera­de die Tür­kei hät­te Vor­bild­li­ches geleis­tet und die Län­der dürf­ten mit dem Flücht­lings­strom nicht allein­ge­las­sen wer­den. In Wunstorf habe man die Pro­ble­me unauf­ge­regt bewäl­tigt. Eber­hardt dank­te bei die­ser Gele­gen­heit auch noch ein­mal allen Hel­fern, die sich ehren­amt­lich enga­giert haben.

Deut­lich mah­nen­de Wor­te rich­te­te Eber­hardt trotz des Neu­tra­li­täts­ge­bots als Bür­ger­meis­ter und Gemein­de­wahl­lei­ter jedoch an die Par­tei­en. Kei­ne Par­tei habe die finan­zi­el­le Lage Wunstorfs in ihren Wahl­pro­gram­men zum The­ma gemacht, nur eine habe die Finanz­si­tua­ti­on in einem Rund­schrei­ben eher bei­läu­fig erwähnt. Hier­in sieht der Bür­ger­meis­ter eine Ver­nach­läs­si­gung der Kern­kom­pe­ten­zen. Bevor Wahl­ver­spre­chen gege­ben wür­den, müss­te geklärt wer­den, ob ent­spre­chen­de Aus­ga­ben über­haupt mög­lich sei­en.

Wer ein Mehr for­dert, muss auch sagen, wie er die­ses an Ein­nah­men gene­riert, oder wel­che frei­wil­li­gen Leis­tun­gen er strei­chen möch­te.“

Die Ver­schul­dung von Wunstorf wür­de in den nächs­ten Jah­ren eine Dimen­si­on errei­chen, die seit sei­nem Amts­an­tritt 1999 nicht im Ansatz zu erah­nen war. Die Ver­schul­dung kön­ne in den nächs­ten 4 Jah­ren auf über 62 Mil­lio­nen Euro stei­gen, was einen inak­zep­ta­blen Wert dar­stel­le. Grund dafür sei das Weg­bre­chen eines wich­ti­gen Gewer­be­steu­er­zah­lers. Das Ver­hän­gen einer Haus­halts­sper­re war des­we­gen bereits ange­dacht gewe­sen. Das Aus­ga­be­ver­hal­ten dür­fe auch in der neu­en Wahl­pe­ri­ode nicht aus den Fugen gera­ten. Auch in die­sem Punkt kri­ti­sier­te Eber­hardt die AfD für das Feh­len von Lösun­gen, ohne die Par­tei jedoch direkt zu nen­nen.

Dro­hen­de Kon­so­li­die­rungs­pha­se

Den Bür­gern nahm Eber­hardt jeg­li­che Illu­sio­nen: Es müs­se deut­lich gesagt wer­den, dass Ver­spre­chun­gen, die im Wahl­kampf gemacht wur­den, ledig­lich wün­schens­wert, aber zum größ­ten Teil nicht zu erfül­len sei­en. Wei­te­re Aus­ga­ben, wäh­rend ohne­hin schon neue Schul­den auf­ge­nom­men wer­den müss­ten, wären nicht zu stem­men.

Bürgermeister Eberhardt, hier auf dem Wunstorfer Schützenfest | Foto: Daniel Schneider
Bür­ger­meis­ter Eber­hardt, hier auf dem Wunstor­fer Schüt­zen­fest | Foto: Dani­el Schnei­der

Ent­spre­chend mah­nen­de Wor­te fand der Bür­ger­meis­ter für die anwe­sen­den Rats­leu­te: Soll­ten sich die Par­tei­en den­noch für gemach­te Wahl­ver­spre­chen ein­set­zen, wür­de die Kom­mu­nal­auf­sicht den Haus­halt irgend­wann ein­fach nicht mehr geneh­mi­gen, eine Kon­so­li­die­rungs­pha­se dro­he, die kom­mu­na­le Selbst­be­stim­mung wür­de auf­ge­ge­ben. Vor­ran­gi­ges Ziel blei­be daher die Sen­kung der Ver­schul­dung in den nächs­ten Jah­ren.

Mehr Gewer­be nötig

Wie das erreicht wer­den kön­ne, auch das skiz­zier­te Eber­hardt kon­kre­ter: Bei den Per­so­nal­kos­ten kön­ne kaum gespart wer­den. Da bis 2020 40 Mit­ar­bei­ter in den Ruhe­stand gin­gen, müs­se auch wei­ter aus­ge­bil­det wer­den, um kei­ne Lücken ent­ste­hen zu las­sen. Zudem muss­ten – wegen der Flücht­lings­po­li­tik – meh­re­re Sozi­al­ar­bei­ter ein­ge­stellt wer­den. Man habe bereits in der Ver­gan­gen­heit hier viel ein­ge­spart, wei­te­re Ein­spa­run­gen beim Per­so­nal der Stadt wären aber nicht mehr mög­lich.

Auch bei Aus­stat­tung und Gebäu­de­er­hal­tung sieht Eber­hardt kei­ner­lei Ein­spar­po­ten­ti­al. Auch der Betrieb von Krip­pen und Kin­der­ta­ges­stät­ten belas­te einen gro­ßen Teil des Haus­hal­tes, knapp 10 Pro­zent flös­sen in die­sen Bereich. Ein Drit­tel der Kos­ten sol­le wei­ter­hin von den Wunstor­fer Eltern getra­gen wer­den, es sei jedoch mitt­ler­wei­le eine Grö­ßen­ord­nung erreicht, die zu wei­te­ren Dis­kus­sio­nen füh­ren wer­de, ist sich der Bür­ger­meis­ter sicher.

Die Lösung kön­ne nur in der Ansied­lung von neu­en Gewer­be­be­trie­ben lie­gen. Die Steu­er­ein­nah­men dar­aus wür­den sich dann wie­der auf einem nied­ri­gen NIveau ein­pen­deln, was bedeu­ten wür­de, dass auch wei­ter­hin kein finan­zi­el­ler Spiel­raum für neue Pro­jek­te blie­be.

Anste­hen­de Bau­vor­ha­ben

Kon­kre­te Zah­len nann­te der Bür­ger­meis­ter für die anste­hen­den Bau­pro­jek­te: Die Fer­tig­stel­lung der IGS Wunstorf wird noch ein­mal 4,2 Mil­lio­nen Euro kos­ten, für den Umbau der Klein Hei­dor­ner Schu­le sind ca. 540.000 Euro ein­ge­plant. Für die lan­ge ver­spro­che­ne Sanie­rung der Albert-Schweit­zer-Grund­schu­le ste­he eine Mil­li­on Euro zur Ver­fü­gung. In die Erhal­tung der Infra­struk­tur, hier ins­be­son­de­re der Stra­ßen­bau, wer­den vie­le klei­ne­re Beträ­ge flie­ßen.

Pos­se um die Klos­ter­stra­ße

Mit Blick auf die Sanie­rung der Klos­ter­stra­ße droh­te Eber­hardt gar indi­rekt den Orts­rä­ten: Soll­ten die Orts­rä­te die gemein­sa­me Poli­tik in Zukunft nicht mit­tra­gen und zuguns­ten Inter­es­sen Ein­zel­ner Bau­pro­jek­te erneut tor­pe­die­ren, wür­de die Stadt sich künf­tig auf die aller­not­wen­digs­ten Repa­ra­tu­ren beschrän­ken – was dazu füh­ren wür­de, dass bei wei­ter ver­fal­len­der Infra­struk­tur die Kos­ten zu einem spä­te­ren Zeit­punkt erst recht explo­die­ren wür­den. Der Bür­ger­meis­ter appel­lier­te auch hier an die Orts­po­li­ti­ker, kon­struk­tiv mit der Ver­wal­tung zusam­men­zu­ar­bei­ten, die Ver­wal­tung wäre nicht dazu da, etwas gegen die Inter­es­sen der Bür­ger vor Ort durch­zu­set­zen.

Nord­um­ge­hung und neue Bahn­stre­cke

Auch die geplan­te Orts­um­ge­hung, die nach Jahr­zehn­ten end­lich an Fahrt gewin­nen soll, kam noch ein­mal zur Spra­che. Auch hier kam es zu dem ein­dring­li­chen Appell von Rolf-Axel-Eber­hardt: Mög­li­che Kla­ge­wil­li­ge soll­ten den Wil­len der gro­ßen Mehr­heit akzep­tie­ren, die sich für den Bau der Stra­ße aus­ge­spro­chen habe.

Bei aller Lie­be zum Natur­schutz, die ich durch­aus tei­le, sind auch die Men­schen vor Lärm zu schüt­zen.“

Das Glei­che gel­te für den Lärm­schutz an der Bahn­stre­cke. Mit einem Plan­fest­stel­lungs­be­schluss rech­net Eber­hardt noch in die­sem Jahr. Bezüg­lich der geplan­ten neu­en Bahn­stre­cke, die gemäß dem Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan 2030 auch durch Wunstor­fer Gebiet füh­ren wird, sei eine akti­ve Bür­ger­be­tei­li­gung anzu­stre­ben, um eine mehr­heits­fä­hi­ge Lösung zu fin­den und nicht nach einer Genera­ti­on vor einem voll­ende­ten Desas­ter zu ste­hen.

Woh­nungs­bau

Mit Blick auf das The­ma Woh­nungs­bau und Bau­land, das im Wahl­kampf domi­nier­te, pro­phe­zei­te der Bür­ger­meis­ter den Inves­to­ren der Neu­bau­woh­nun­gen, die in nächs­ter Zeit in Wunstorf errich­tet wer­den, dass sie auf ihren schi­cken, neu­en Woh­nun­gen sit­zen­blei­ben wer­den, da es Woh­nun­gen im hohen Preis­seg­ment sei­en, die für die meis­ten Men­schen in Wunstorf unbe­zahl­bar wären.

Gesucht wür­den vor allem auch Ein­fa­mi­li­en­häu­ser, auch in den Orts­tei­len. Hier wür­den die Men­schen aktu­ell nach Hagen­burg oder Bad Nenn­dorf wei­ter­zie­hen, da es in Wunstorf nicht genü­gend Ange­bo­te gäbe. Einem sozia­len Woh­nungs­bau erteil­te Eber­hardt hin­ge­gen eine kla­re Absa­ge, dies kön­ne die Stadt nicht leis­ten. Die Situa­ti­on für bezahl­ba­ren Wohn­raum mit Qua­drat­me­ter­prei­sen zwi­schen 4,50 und 5,50 Euro sei durch den Bau­ver­ein gut, es gäbe auch kei­ne gro­ßen War­te­lis­ten. Die Stadt Wunstorf selbst habe aktu­ell einen Bestand von 418 Sozi­al­wo­hungs­ein­hei­ten, der aus­rei­chend sei. HIer gäbe es über­haupt kei­ne Bewer­bungs­fris­ten.

Bevor er sei­nen Mit­ar­bei­tern dank­te, warn­te Eber­hardt abschlie­ßend noch davor, Zuwen­dun­gen für Min­der­hei­ten zu strei­chen, um Mit­tel für ande­re Pro­jek­te ein­set­zen zu kön­nen – dies wür­de Pro­ble­me nur ver­la­gern und neue schaf­fen.

- Anzeige -
Werben auf auepost.de

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.