Bundestags-Abstimmung

Flücht­lin­ge, Grenz­si­che­rung und der Fami­li­en­nach­zug aus Wunstor­fer Per­spek­ti­ve

Heu­te stimm­te der Bun­des­tag über den künf­ti­gen Fami­li­en­nach­zug für sub­si­di­är geschütz­te Flücht­lin­ge und die Zurück­wei­sung an den Gren­zen ab. Auch die für Wunstorf ange­tre­te­nen Abge­ord­ne­ten stimm­ten ab.

Der deut­sche Bun­des­tag | Foto: Dani­el Schnei­der

Wunstorf (red). Das The­ma Flücht­lin­ge, Fami­li­en­nach­zug und Grenz­si­che­rung beschäf­tigt nicht nur die Bun­des­po­li­tik. Denn das, was in Ber­lin ent­schie­den wird, betrifft zual­ler­erst die Kom­mu­nen – so auch Wunstorf.

Migra­ti­on in Wunstorf

Wunstorf darf von sich behaup­ten, seit dem Jahr 2015 alles rich­tig gemacht zu haben: Es wur­de früh­zei­tig reagiert und lang­fris­tig geplant, kein Flücht­ling muss­te in Turn­hal­len oder Behelfs­quar­tie­ren unter­kom­men. Zuge­wie­se­ne Flücht­lin­ge wur­den mög­lichst dezen­tral auf das gesam­te Stadt­ge­biet ver­teilt, vor allem Fami­li­en oft in ange­mie­te­ten Woh­nun­gen unter­ge­bracht. Dazu kam das Flücht­lings­heim am Luther Weg.

Doch der Woh­nungs­markt ist ange­spannt, und die eigent­lich zu viel gebau­ten Con­tai­ner in Gro­ßen­hei­dorn, in die inzwi­schen auch ein Kin­der­gar­ten ein­ge­zo­gen war und nur noch als Reser­ve vor­ge­hal­ten wur­den, muss­ten im März doch noch als Flücht­lings­un­ter­kunft akti­viert wer­den, weil die Kapa­zi­tä­ten am Luther Weg erschöpft waren.

Fami­li­en­nach­zug

Wäh­rend aner­kann­te Asyl­be­wer­ber ihre Fami­li­en jedoch nach Deutsch­land nach­ho­len kön­nen, war dies für sub­si­di­är Schutz­be­rech­tig­te seit 2016 nicht mehr mög­lich.

INFO: Flücht­lin­ge und sub­si­di­är Schutz­be­rech­tig­te
Wer kei­nen Asyl­grund vor­brin­gen kann, weil er etwa nicht wegen bestimm­ter Grün­de als Per­son ver­folgt wird (und damit Flücht­ling im enge­ren Sin­ne gemäß der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on von 1951 ist), kann den­noch soge­nann­ten sub­si­diä­ren Schutz erhal­ten, wenn er stich­hal­ti­ge Grün­de vor­bringt, wes­we­gen ihm in sei­nem Hei­mat­land ein ernst­haf­ter Scha­den droht. Dazu zäh­len auch Krieg oder Bür­ger­krieg.

Die Gro­ße Koali­ti­on hat­te den gera­de erst ein­ge­führ­ten Fami­li­en­nach­zug im Zuge des Flücht­lings­zu­stroms 2016 aus­ge­setzt. In der Fol­ge war über eine Ober­gren­ze für den Fami­li­en­nach­zug dis­ku­tiert wor­den – die ab August nun Wirk­lich­keit wird.

Die Ober­gren­ze beim Fami­li­en­nach­zug kommt

Heu­te stimm­te der Bun­des­tag dar­über ab, wie der Fami­li­en­nach­zug künf­tig gere­gelt wer­den soll. Der Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung sah vor, künf­tig monat­lich 1.000 unmit­tel­ba­re Ange­hö­ri­ge von sub­si­di­är Schutz­be­rech­tig­ten nach­kom­men zu las­sen. Das kön­nen Ehe­part­ner oder ledi­ge min­der­jäh­ri­ge Kin­der oder die Eltern von hier leben­den Min­der­jäh­ri­gen sein. Der Bun­des­tag stimm­te mit den Stim­men von SPD und CDU/CSU mehr­heit­lich dafür. Bei CDU/CSU gab es nur eine Gegen­stim­me, bei der SPD 3 Ent­hal­tun­gen.

Die Oppo­si­ti­ons­par­tei­en stimm­ten aus unter­schied­li­chen Grün­den geschlos­sen dage­gen: Die AfD will den Fami­li­en­nach­zug voll­stän­dig abschaf­fen. Die FDP favo­ri­siert dage­gen eine wei­te­re Aus­set­zung für 2 Jah­re, um lang­fris­tig nicht ein­fach belie­big nach einer will­kür­li­chen Zahl, son­dern nach kon­kre­ten Kri­te­ri­en, was ein Här­te­fall ist, im Ein­zel­fall zu ent­schei­den – und zwar auf euro­päi­scher Ebe­ne. Auch die Links­par­tei sieht die Ungleich­be­hand­lung glei­cher Fäl­le als Unding und möch­te statt­des­sen unein­ge­schränk­ten Fami­li­en­nach­zug. Die Grü­nen sehen durch das Gesetz eben­falls Flücht­lin­ge 1. und 2. Klas­se ent­ste­hen.

Auch die aus dem Wunstor­fer Wahl­kreis im Bun­des­tag sit­zen­den Abge­ord­ne­ten haben – ent­spre­chend ihrer Frak­ti­ons­zu­ge­hö­rig­keit – erwar­tungs­ge­mäß abge­stimmt. Dr. Hen­drik Hop­pen­stedt (CDU) und Caren Marks (SPD) stimm­ten für die Ober­gren­ze beim Fami­li­en­nach­zug, Gri­go­ri­os Aggel­i­dis (FDP), Diet­mar Fried­hoff (AfD) und Dr. Die­ter Dehm (Die Lin­ke) stimm­ten dage­gen.

Zurück­wei­sun­gen an der Gren­ze

Die FDP- sowie AfD-Frak­tio­nen brach­ten außer­dem eige­ne Anträ­ge zur Debat­te um die Zurück­wei­sung von Flücht­lin­gen an der deut­schen Gren­ze ein und bezo­gen sich dabei auf den frak­ti­ons­in­ter­nen Zwist von CDU/CSU der letz­ten Tage.

Gri­go­ri­os Aggel­i­dis (FDP) teil­te der Aue­post dazu mit, dass die­ser Streit das gan­ze Land läh­men wür­de. Es wür­de deut­lich, dass CDU und CSU nur von Wahl zu Wahl däch­ten. Die Men­schen wür­den Ände­run­gen in der Flücht­lings­po­li­tik for­dern, die Uni­ons­par­tei sich aber eher wie­der auf einen Kom­pro­miss eini­gen. Daher habe man den Antrag ein­ge­bracht.

Bereits vor der Bun­des­tags­wahl konn­ten nur durch einen fau­len Kom­pro­miss die wider­sprüch­li­chen Posi­tio­nen not­dürf­tig über­brückt wer­den.“Gre­go­ri­os Aggel­i­dis

Mit dem FDP-Antrag soll­te die Regie­rung auf­ge­for­dert wer­den, Flücht­lin­ge, die bereits in einem ande­ren EU-Land oder einen siche­ren Dritt­staat regis­triert wur­den, die Ein­rei­se zu ver­wei­gern – also zum Dub­lin-III-Ver­fah­ren zurück­zu­keh­ren, jeden­falls solan­ge, bis das gemein­sa­me euro­päi­sche Asyl­sys­tem refor­miert sei. Damit zwang die FDP die Abge­ord­ne­ten zur nament­li­chen Abstim­mung dar­über, ob sie für oder gegen Zurück­wei­sun­gen an der deut­schen Gren­ze sei­en.

Der Plan ging jedoch nicht auf, die übri­gen Par­tei­en – mit Aus­nah­me der AfD – lehn­ten den Antrag der FDP bei­na­he geschlos­sen ab. Aus der AfD gab es Ent­hal­tun­gen. Der Antrag wur­de daher mit gro­ßer Mehr­heit abge­lehnt.

Hop­pen­stedt, Marks, Dehm und Fried­hoff gegen Abwei­sun­gen an der Gren­ze

Auch alle aus dem Wunstor­fer Wahl­kreis stam­men­den im Bun­des­tag sit­zen­den Abge­ord­ne­ten betei­lig­ten sich an der Abstim­mung. Von die­sen stimm­te dem­entspre­chend allein Gri­go­ri­os Aggel­i­dis (FDP) für den Antrag, die Schen­gen-Regeln anzu­wen­den und somit Flücht­lin­ge, die bereits in einem ande­ren EU-Land regis­triert wur­den, nicht ein­rei­sen zu las­sen. Caren Marks, Hen­drik Hop­pen­stedt, Diet­her Dehm und Diet­mar Fried­hoff stimm­ten dage­gen, Flücht­lin­ge an der Gren­ze zurück­zu­wei­sen.

Die AfD stell­te einen eige­nen, in die­sem Punkt ähn­li­chen Antrag, woll­te Flücht­lin­ge aber gene­rell an den Gren­zen abwei­sen. Auch hier­für gab es erwar­tungs­ge­mäß kei­ner­lei Zustim­mung der übri­gen Frak­tio­nen, der Antrag wur­de eben­so abge­lehnt.

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