Hil­fe, ich wer­de Wahl­hel­fer – Teil 2

In Wunstorf gibt es vie­le frei­wil­li­ge und alt­ge­dien­te Wahl­hel­fer – aller­dings leh­nen auch in der Aue­stadt immer wie­der ein­zel­ne Bür­ger das Ehren­amt ab, zu dem sie beru­fen wur­den. Unser Erst-Wahl­hel­fer ver­zich­tet am Sonn­tag hin­ge­gen nur auf den Sta­di­on-Besuch bei Han­no­ver 96. Teil 2 der Auepost-Mini­se­rie zur Bun­des­tags­wahl 2017.

Aus dem Brief zur Beru­fung zum Wahl­hel­fer

In Wunstorf ver­sucht man, die Zahl der benö­tig­ten Wahl­hel­fer stets durch Frei­wil­li­ge zu gewin­nen, so auch jetzt zur Bun­des­tags­wahl und Land­tags­wahl. In den 29 Wahl­lo­ka­len der Aue­stadt wer­den ins­ge­samt 232 Wahl­hel­fer im Ein­satz sein – Wahl­hel­fer, die bereits in der Ver­gan­gen­heit im Ein­satz waren, und vie­le neue Frei­wil­li­ge, die sich selbst bei der Ver­wal­tung für das Ehren­amt gemel­det haben. Die neu­en Wahl­hel­fer wer­den gemein­sam mit den bewähr­ten Kräf­ten des „Per­so­nen­pools“, aus dem die Stadt ihre Wahl­hel­fer rekru­tiert, bei den kom­men­den Wah­len im Ein­satz sein, wie Stadt­spre­cher Alex­an­der Stock­um der Auepost mit­teil­te. Dabei wird dar­auf geach­tet, dass eine „gute Mischung“ herrscht und nicht etwa in einem Wahl­lo­kal nur Wahl­hel­fer ein­ge­setzt wer­den, die zum ers­ten Mal dabei sind. So kön­nen sich die Neu­en auf die Erfah­rung der bereits rou­ti­nier­ten älte­ren Wahl­hel­fer ver­las­sen.

Die Ver­wal­tung wählt, wenn nicht genü­gend Frei­wil­li­ge bereit­ste­hen, anhand der Ein­woh­ner­mel­de­da­ten unter den Wahl­be­rech­tig­ten mög­li­che Kan­di­da­ten aus, in letz­ter Kon­se­quenz zufäl­lig. Die Pflicht der so Beru­fe­nen, das Ehren­amt zu über­neh­men, ergibt sich aus dem Bun­des­wahl­ge­setz. § 11 BWahlG/BWG legt fest, dass jeder Wahl­be­rech­tig­te auch ver­pflich­tet wer­den kann, als Wahl­hel­fer tätig zu wer­den.

Info: § 11 Bun­des­wahl­ge­setz
„Die Bei­sit­zer der Wahl­aus­schüs­se und die Mit­glie­der der Wahl­vor­stän­de üben ihre Tätig­keit ehren­amt­lich aus. Zur Über­nah­me die­ses Ehren­am­tes ist jeder Wahl­be­rech­tig­te ver­pflich­tet. Das Ehren­amt darf nur aus wich­ti­gen Grün­den abge­lehnt wer­den.“

Wie vie­le Wunstor­fer das Ehren­amt die­ses Jahr zum ers­ten Mal aus­üben und wie vie­le davon ohne eige­nes Zutun beru­fen wur­den, konn­te die Ver­wal­tung der­zeit nicht mit­tei­len. Einen gewis­sen Anteil von „Wahl­hel­fer­mü­dig­keit“ gab und gibt es trotz vie­ler Frei­wil­li­ger jedoch auch in Wunstorf: Beru­fe­ne, die kei­nen wich­ti­gen Grund für ihre Ver­hin­de­rung ange­ben, aber trotz­dem das Ehren­amt ableh­nen oder am Wahl­tag nicht im Wahl­lo­kal erschei­nen. Das ist nach § 49a Bun­des­wahl­ge­setz eine Ord­nungs­wid­rig­keit. Sol­che Fäl­le wer­den in Wunstorf an die Regi­on Han­no­ver gemel­det, die dann ein Buß­geld­ver­fah­ren ein­lei­tet. Das grund­lo­se Ableh­nen des Ehren­am­tes kann dann schnell eini­ge hun­dert Euro Geld­bu­ße kos­ten. Das sei­en aber abso­lu­te Ein­zel­fäl­le, betont der Stadt­spre­cher. Die gro­ße Mehr­heit übt das Ehren­amt gewis­sen­haft aus, und wenn tat­säch­lich ein wich­ti­ger Grund dage­gen spricht, wird selbst­ver­ständ­lich ein ande­rer Wahl­hel­fer akqui­riert.

Einen wich­ti­gen Grund hat „unser“ Ehren­amt­li­cher nicht, er hat das Ehren­amt ange­tre­ten. Daher bekommt er nun im nächs­ten Schritt einen Anruf:

Per­sön­li­che Erfah­run­gen eines „Erst-Wahl­hel­fers“ (2)

Zwei Wochen vor der Wahl klin­gelt abends zur Prime­time das Tele­fon. Jemand Unbe­kann­tes möch­te mich spre­chen. Es ist der Wahl­vor­ste­her, qua­si mein Vor­ge­setz­ter am Wahl­tag. Neben dem Schrift­füh­rer und uns Bei­sit­zern ist er der Chef im Wahl­lo­kal. Super Zeit­punkt, den­ke ich und bin froh, dass ich nicht in Wirk­lich­keit laut vor mich hin flu­che.

bin jetzt schon genervt”

Ein wenig hof­fe ich noch, dass er gleich sagt „Vie­len Dank, Sie brau­chen doch nicht zu kom­men”, aber das bleibt Wunsch­den­ken. Der Wahl­vor­ste­her fragt mich, wel­che „Schicht” ich über­neh­men möch­te. Ich ent­schei­de mich für die Spät­schicht, von 12.30 Uhr bis abends, weil ich ja sowie­so dann wie­der für die Aus­zäh­lung hin­muss. Wei­ter mit­zu­brin­gen habe ich nichts, ich soll ein­fach recht­zei­tig da sein. Hät­te ich kei­nen Anruf erhal­ten, hät­te ich mich auf jeden Fall um 7.30 Uhr im Wahl­lo­kal mel­den müs­sen, das stand schon im ers­ten Brief, der mir die freu­di­ge Nach­richt von mei­nem neu­en Ehren­amt über­bracht hat­te.

Noch 14 Tage bis zur Wahl, aber ich bin jetzt schon genervt. Vor allem, weil ich das Heim­spiel von Han­no­ver 96 gegen Köln ver­pas­sen wer­de. Dar­an hat­te ich ja gar nicht mehr gedacht. Ob das ein wich­ti­ger Grund gewe­sen wäre, das Ehren­amt abzu­leh­nen? Wür­de die Stadt die Anga­be „Dau­er­kar­ten­be­sit­zer” gel­ten las­sen? Wahr­schein­lich nicht, und so bleibt mein Platz im Sta­di­on die­ses Mal wohl ein­fach frei. Immer­hin wer­de ich finan­zi­ell mit einem „Erfri­schungs­geld” ent­schä­digt.

wer­de froh sein, wenn es rum ist”

Nein, ich wäre wirk­lich nie auf die Idee gekom­men, mich frei­wil­lig als Wahl­hel­fer zur Ver­fü­gung zu stel­len. Ich wer­de froh sein, wenn es rum ist.

Einen Tag spä­ter tru­delt ein neu­er Brief ein. Absen­der ist wie­der die Gemein­de­ver­wal­tung. Es geht um die Land­tags­wahl 3 Wochen spä­ter. Ich wur­de erneut als Wahl­hel­fer beru­fen.

* * *

Fort­set­zung folgt.


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