Wunstorfer Ortsrat pro Umzug

Hölty-Außenstelle soll in den Luther Weg

Der Umzug der Steinhuder Gymnasiasten in die Kernstadt ist einen Schritt weiter vorangekommen. Gestern sprach sich der Wunstorfer Ortsrat für die Einrichtung der Hölty-Außenstelle im Luther Weg aus.

Das Wunstorfer Hölty-Gymnasium | Foto: Mirko Baschetti

Wunstorf (ds). Das Hölty-Gymnasium hat Raumprobleme und kann nicht alle Schüler am Hauptstandort unterbringen. Die von vielen Schülern wie Eltern geschätzte, aber vor allem vom Kollegium ungeliebte Steinhuder Außenstelle soll daher dichtgemacht werden. Dieser Teil des Gymnasiums soll künftig in die Kernstadt ziehen, wodurch eine neue Außenstelle nötig wird. Diese soll im ehemaligen Vion-Gebäude eingerichtet werden, in das bisher schon die IGS ausgewichen war und in dem sich auch das Flüchtlingswohnheim befindet. Betroffen davon sind die aktuell 275 Schüler in 12 Klassen, die derzeit noch in Steinhude unterrichtet werden. 10 Klassen sollen im Luther Weg untergebracht werden, die zwei übrigen am Hauptstandort.

Betroffen wären vor allem die derzeitigen 9. Klassen beider Standorte, die im kommenden Schuljahr geschlossen in den Luther Weg umziehen sollen. Auch einige Klassen des jetzigen 8. Jahrgangs könnten mit in die neue Außenstelle ausgelagert werden. Der Großteil der Steinhuder Schüler würde somit in der Hauptstelle unterkommen, nur knapp 50 Schüler von der alten in die neue Außenstelle wechseln. Bestandsschutz gibt es vorübergehend nur für die jetzigen 6. und 8 Klassen.

Schulbehörde gegen Steinhude

Die Außenstelle in Steinhude übernahm 2016 den Standort des ehemaligen Steinhuder Gymnasiums, das selbst erst 2007 wegen zu hoher Schülerzahlen in Wunstorf eingerichtet worden war. Da Außenstellen jedoch nur Notlösungen sein sollen, werden sie grundsätzlich befristet von den Schulbehörden genehmigt. Die Hölty-Außenstelle in Steinhude war zunächst auf 3 Jahre angelegt, mit der Option für eine Verlängerung auf 6 Jahre. Die wäre zum kommenden Schuljahr fällig geworden, doch Schulelternrat, Schülerrat und Gesamtkonferenz des Hölty-Gymnasiums haben sich für die Schließung der Steinhuder Außenstelle ausgesprochen. Auch die Landesschulbehörde sah die Fortführung negativ und hat deutlich gemacht, dass eine Aufrechterhaltung der Steinhuder Außenstelle langfristig nicht genehmigungsfähig ist. Zur Begründung heißt es, dass das Festhalten an der Außenstelle das ursprüngliche Bemühen, die beiden Schulstandorte zusammenzuführen, konterkarieren würde. Seit Ende September ist daher klar: Eine Außenstelle in Steinhude ist schulrechtlich künftig keine Option mehr.

Strukturelle Probleme

Der Grund dafür liegt darin, dass sich beim Außenstellenbetrieb in Steinhude „strukturelle Probleme“ zeigten. Das Schulklima hätte unter der räumlichen Trennung der beiden Schulstandorte gelitten, es wäre kein Gemeinschaftsgefühl entstanden. Schulchöre und -Bands hätte z. B. unabhängig voneinander fortbestanden. Es wirkte stellenweise, als wäre das alte Steinhuder Gymnasium einfach unter neuer Flagge fortgeführt worden. Die Schülerschaft wuchs nicht zusammen. Projekte und Veranstaltungen ließen sich nur schwer organisieren und führten zu höherem Unterrichtsausfall als normalerweise.

Standort der geplanten Außenstelle
Die Hölty-Außenstelle soll die derzeitige IGS-Außenstelle am Luther Weg beerben | Foto: Mirko Baschetti

Nachteile für die Steinhuder

Vor allem die Steinhuder Schüler sind dabei benachteiligt: Das Musikangebot der 5. Klassen ist geringer als am Hauptstandort in der Kernstadt, es gibt keinen zweisprachigen Geschichtsunterricht und weniger AGs in Steinhude. Schüler aus Steinhude nutzen die AGs in der Kernstadt wegen der langen Anfahrtswege kaum. Auch katholischer Religionsunterricht wird in Steinhude nicht erteilt, Förderunterricht und Begabungsförderung ist eingeschränkt. Mehrere Lehrer am Hölty hatten in der Vergangenheit zudem Versetzungsanträge gestellt, offenbar weil sie die Belastung des Pendelns zwischen den beiden Standorten als nachteilig empfanden.

Diskussion im Ortsrat

Die weiten Wege innerhalb der Kernstadt, von denen die 10 Klassen, die künftig in der Wunstorfer Oststadt eingerichtet werden sollen, dann betroffen sein werden, wurden im Ortsrat noch einmal angesprochen. Denn die Außenstellenschüler werden für den Fachunterricht in Physik, Chemie, Biologie, Musik, Kunst und Sport jeweils zur Hauptstelle wandern müssen – wobei auf dem kürzesten Weg auch noch der beschrankte Bahnübergang liegt. Zu knapp 10 Minuten Fußweg kommt daher im schlechtesten Fall Wartezeit am Bahnübergang hinzu. Zwar ist angedacht, die großen Pausen zu verlängern, doch selbst die werden dann kaum ausreichen, um pünktlich zu Unterrichtsstunden am Hauptstandort zu gelangen. Für den Luther Weg sprach dafür eindeutig, dass die dortige Nutzung einem Nebengebäude noch am ehesten entspräche. Allein die AfD-Ortsratsmitglieder kündigten an, gegen die Vorlage stimmen zu wollen, da die große Mehrheit der Steinhuder Eltern für den Erhalt ihrer Außenstelle vor Ort seien und deren Wünsche nicht berücksichtigt worden wären.

„Eine Außenstelle ist immer eine schlechte Lösung.“Kirsten Riedel (SPD)

Dem entgegnete SPD-Ortsratsmitglied Riedel, dass man es nicht allen recht machen könne – und die Gremien sich eindeutig positioniert hätten. Die einzige Alternative, am Ende womöglich gar keine Außenstelle mehr zu haben, stand ebenfalls im Raum. Dementsprechend stimmte der Ortsrat – bei zwei Gegenstimmen von der AfD – für den Beschlussvorschlag, durch die Verwaltung die Einrichtung einer Hölty-Außenstelle am Luther Weg für die kommenden 3 Jahre zu beantragen.

Über den Bahnübergang werden die Außenstellen-Höltyschüler künftig zum Hauptstandort wechseln | Foto: Daniel Schneider

Das Konzept der Erweiterung des Hölty-Gymnasiums soll Priorität erhalten, um eine auch in den nächsten Jahren andauernde „Außenstellendiskussion“ (Riedel) zu beenden und Planungssicherheit für die räumliche Situation zu bekommen. Das letzte Wort, ob die Steinhuder Schüler ab dem nächsten Schuljahr an den Luther weg ziehen sollen, hat nun der Stadtrat Anfang November, nachdem auch Steinhuder Ortsrat, Jugendparlament, Schul- und Verwaltungsausschuss befragt wurden.

Für die Steinhuder Schüler würde dies ab dem kommenden Schuljahr dann einen drastisch verlängerten Schulweg bedeuten, der im Rat jedoch nicht mehr zur Sprache kam. Auch für die Schulbehörde spielt die Entfernung keine Rolle, denn selbst ein Schulweg von täglich zweieinhalb Stunden Dauer sei noch immer zumutbar. So lange werden Steinhuder Schüler jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach nicht unterwegs sein.

Korrekturhinweis: Die erste Fassung dieses Artikels sprach davon, dass die Steinhuder Schüler mehrheitlich in die Außenstelle ziehen werden; korrekt ist, dass sie mehrheitlich in der Hauptstelle untergebracht werden sollen.

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3 Kommentare
  1. Michael Schöner meint

    Aber ist es nicht so, dass man einen Jahrgang des gesamten Hölty-Gymnasiums in der neuen Außenstelle unterbringen will? Und nicht, wie berichtet, explizit die Steinhuder Schüler?

  2. Hüseyin Akkuş meint

    Hmmm ????

  3. Biggi Selli meint

    Steinhude statt Oststadt – was für ein Unfug!

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