Ist Wunstorfs his­to­ri­scher Stadt­kern bedroht?

Am 11. Sep­tem­ber ist Kom­mu­nal­wahl. Auch in Wunstorf wer­den Regi­ons­ver­samm­lung, die Orts­rä­te und ein neu­er Stadt­rat gewählt. 6 Par­tei­en und ein Ein­zel­kan­di­dat wol­len ins Wunstor­fer Rat­haus ein­zie­hen. Wir haben den Par­tei­en ein knap­pes Dut­zend Fra­gen zu The­men gestellt, die die Wunstor­fer beson­ders inter­es­sie­ren. Wir ver­öf­fent­li­chen täg­lich bis zur Wahl jeweils eine der Fra­gen samt Ant­wor­ten – und geben einen Über­blick, wer wel­che Posi­tio­nen ver­tritt.

Zur Hälfte abgerissenes Wunstorfer Fachwerkhaus | Foto: Daniel Schneider
Zur Hälf­te abge­ris­se­nes Wunstor­fer Fach­werk­haus | Foto: Dani­el Schnei­der

Wunstorfs Innen­stadt ist gera­de­zu pit­to­resk mit sei­nen his­to­ri­schen Bau­wer­ken und dem ein­zig­ar­ti­gen Flair, das die Alt­stadt ver­strömt. Dazu tra­gen auch die öffent­li­chen Plät­ze, Parks und Grün­flä­chen bei. Doch aktu­ell ver­schwin­den immer mehr alte Gebäu­de und wer­den durch moder­ne Neu­bau­ten ersetzt. Auch sol­len bestehen­de Grün­flä­chen ver­klei­nert und zur Bebau­ung frei­ge­ge­ben wer­den. Dies scheint lang­fris­tig die natür­lich gewach­se­ne Ein­zig­ar­tig­keit Wunstorfs zu bedro­hen und den Stadt­kern für immer zu ver­än­dern. Tut die Poli­tik etwas dafür oder dage­gen?

wunstorfwaehlt

Die Par­tei­en geben sich in die­ser Fra­ge mehr­heit­lich pro­gres­siv. Der ste­ti­ge Wan­del ist nicht auf­zu­hal­ten, Neu­be­bau­ung und Ver­dich­tung wer­den in Wunstorf auch in Zukunft das Stadt­bild wei­ter ver­än­dern. In Fra­gen des Denk­mal­schut­zes gehen die Vor­stel­lun­gen jedoch aus­ein­an­der. Wäh­rend die AfD etwa einen zu star­ken Denk­mal­schutz als kon­tra­pro­duk­tiv ansieht und die FDP einen sol­chen ablehnt, wenn er Pri­vat­in­ter­es­sen über­mä­ßig tan­giert, kann sich Die Lin­ke strik­te­re Vor­ga­ben zum Schutz his­to­ri­scher Bau­ten durch­aus vor­stel­len.

Fra­ge und Ant­wor­ten

Wir haben die Par­tei­en kon­kret gefragt: „Am Alten Markt wur­de gera­de ein Fach­werk­haus abge­ris­sen, im Bür­ger­park und auf dem Jahn­platz soll gebaut wer­den. Wel­che Bemü­hun­gen unter­neh­men Sie, die his­to­ri­sche Bau­sub­stanz in Wunstorf sowie die natur­na­hen Oasen in Wunstorf – und damit auch den ein­ma­li­gen Cha­rak­ter von Wunstorfs Innen­stadt – lang­fris­tig zu erhal­ten?”

logo-spdAnt­wort der SPD: Das Fach­werk­haus, das einem pri­va­ten Eigen­tü­mer gehört, stand lan­ge leer und erfolg­los zum Ver­kauf. Grund­sätz­lich berät die Stadt Bau­wil­li­ge und Eigen­tü­mer mit dem Ziel, alte Bau­sub­stanz zu erhal­ten. Zu unse­rem Bedau­ern ist das nicht immer mög­lich. Nun wird dort ein attrak­ti­ves Gebäu­de ent­ste­hen, das das Stadt­bild sicher auf­wer­ten wird. Zur Zukunft des Jahn­plat­zes und des Frei­bad­ge­län­des haben wir ein Bür­ger­be­tei­li­gungs­ver­fah­ren initi­iert. Das Ergeb­nis war, dass eine mode­ra­te Bebau­ung bei gleich­zei­ti­gem Erhalt des Grün­gür­tels von den betei­lig­ten Bür­gern gewünscht wird. Poli­ti­sche Beschlüs­se sind dazu noch nicht gefasst wor­den. Die Dis­kus­si­on dar­über ist noch nicht abge­schlos­sen. Die Schaf­fung von Nah­erho­lungs­mög­lich­kei­ten auch in die­sem Bereich ist wich­tig. So könn­te das Frei­bad­ge­län­de, das ja zur­zeit der Öffent­lich­keit nicht zur Ver­fü­gung steht, sich trotz mode­ra­ter Bebau­ung durch­aus ein­fü­gen in den Grün­gür­tel und öffent­lich genutzt wer­den. Der Bür­ger­park wird nicht bebaut, viel­mehr ein auf pri­va­tem Grund lie­gen­des ehe­ma­li­ges Gewer­be­are­al, das an den Bür­ger­park angrenzt. Wir haben einen Arbeits­kreis zur Auf­wer­tung des Bür­ger­parks ins Leben geru­fen, weil wir der Mei­nung sind, dass die­ser Park bes­ser als bis­her genutzt wer­den könn­te. Eine Stadt ver­än­dert sich, weil sich auch die Bedürf­nis­se ihrer Bewoh­ner ver­än­dern. Unser Ziel ist es, eine lebens­wer­te Stadt für alle Gene­ra­tio­nen zu erhal­ten und uns auch dem Wan­del nicht zu ver­schlie­ßen, son­dern ihn posi­tiv zu gestal­ten.

Ant­wort von Ste­fan Sau­er: Wir müs­sen Inves­to­ren fin­den für den Erhalt die­ser Bau­sub­stanz – dazu wäre die Ein­rich­tung eines beson­de­ren Fonds von­nö­ten, sowie Über­le­gun­gen, wie man mög­li­che Inves­to­ren für die­sen Erhalt der jewei­li­gen Bau­sub­stanz anzieht.

logo-afdAnt­wort der AfD: Der Grün­gür­tel mit den Jahn-Sport­platz ent­lang der alten Aue ist auf jeden Fall erhal­tens­wert. Teil­flä­chen des alten Frei­bad-Gelän­des soll­ten aber zur Bebau­ung zur Ver­fü­gung ste­hen. Hin­sicht­lich der his­to­ri­schen Bau­sub­stanz ist anzu­mer­ken, dass es dazu ent­spre­chen­de Rege­lun­gen für betref­fen­de schüt­zens­wer­te Gebäu­de gibt. Eine Über­re­gu­lie­rung ist hier­bei nicht för­der­lich, da es erfah­rungs­ge­mäß dazu führt, dass Eigen­tü­mer Gebäu­de gege­be­nen­falls ver­fal­len las­sen. Hin­sicht­lich der äuße­ren Gestal­tung ver­fügt Wunstorf über eine Gestal­tungs­sat­zung.

logo-cdu-offiziellAnt­wort der CDU: Die CDU setzt sich für den Erhalt his­to­ri­scher Bau­sub­stan­zen, wie z. B. die Fach­werk­häu­ser, ein. Zusa­gen an Inves­to­ren für Abriss und Neu­bau sind nicht unser Ziel. Denk­mal­schutz hat in der CDU eine hohe Prio­ri­tät. Es gibt aber auch Fäl­le, in denen die Bau­sub­stanz lei­der nicht mehr zu erhal­ten ist. Bei Ersatz­bau­ten wird die CDU dar­auf ach­ten, dass sich die dann neue Bebau­ung in die Umge­bung ein­fügt und der Orts­cha­rak­ter nicht zer­stört wird. Eine natur­na­he Oase Wunstorfs ist der brei­te Grün­gür­tel um die Süd­aue. Wunstorfs grü­ne Lun­ge! Ein gutes Kon­zept zur Nach­nut­zung des Wunstor­fer Frei­bad­ge­län­des exis­tiert noch nicht. Der Arbeits­kreis hat gera­de sei­ne Bera­tun­gen auf­ge­nom­men und steht noch am Beginn. Die CDU ist für eine mode­ra­te Bebau­ung. Es ist dar­auf zu ach­ten, den brei­ten Grün­gür­tel zu erhal­ten, der als Nah­erho­lungs- und Frei­zeit­be­reich genutzt wer­den kann. Eine schma­le zwei­te Haus­rei­he auf dem ehe­ma­li­gen Asche­platz vor dem Frei­bad ist vor­stell­bar.

logo-linkeAnt­wort von Die Lin­ke: Das ist ganz ein­fach: Der Stadt­rat hat gemein­sam mit der Bau­ver­wal­tung die Mög­lich­keit, Bau­ge­bie­te aus­zu­wei­sen, Bau­pla­nun­gen zu prü­fen, Auf­la­gen zu erlas­sen und zur Not Häu­ser unter Denk­mal­schutz zu stel­len. Wir wer­den im neu­en Rat dazu ent­spre­chen­de Anträ­ge stel­len und ver­su­chen, die zum Teil zu bun­te Mischung zu ver­än­dern, das heiß, dass man, ohne Luxus­bau­ten zu errich­ten, doch anspruchs­vol­le Häu­ser bau­en kann.

logo-fdpAnt­wort der FDP: Der Cha­rak­ter der Stadt soll erhal­ten blei­ben. Das ist nicht nur bei der Flä­chen­nut­zung, son­dern auch im Rah­men der Ertei­lung von Bau­ge­neh­mi­gun­gen zu berück­sich­ti­gen. Die Mög­lich­kei­ten des Denk­mal­schut­zes sind dabei eben­so zu berück­sich­ti­gen. Die Gren­ze ist aller­dings dort, wo das Eigen­tum Ein­zel­ner unan­ge­mes­sen beein­träch­tigt wird und die freie Ent­schei­dung über des­sen Nut­zung ohne weit schwe­rer wie­gen­de Grün­de ein­ge­schränkt wird. Es hat Sinn, auch in die Zukunft unse­rer schö­nen Stadt zu bli­cken und Neu­em gegen­über auf­ge­schlos­sen zu sein.

Die Grü­nen haben uns nicht auf die­se Fra­ge­stel­lung geant­wor­tet.

Alle wei­te­ren Fra­gen, Ant­wor­ten und Posi­tio­nen: Hier in unse­rem Schwer­punkt zur Wunstor­fer Kom­mu­nal­wahl 2016!


Copy­right © 2016 – 2017 Wunstor­fer Auepost. Tex­te und Fotos sind urhe­ber­recht­lich geschützt. Wei­ter­ver­wen­dung nur mit Geneh­mi­gung der Redak­ti­on.
- Anzeige -
Andreas Balleier Fotografie

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.