Rat der Stadt

Wohn­kon­zept 2025: Bevöl­ke­rungs­wachs­tum durch neu­en Wohn­raum

SPD, Grü­ne und FDP wol­len sich im Rah­men des Wohn­kon­zep­tes 2025 für die Aus­schrei­bung neu­er Bau­ge­bie­te ein­set­zen. Ziel der neu­en Bau­ge­bie­te soll der Anstieg der Bevöl­ke­rungs­zahl und die Erfül­lung der Nach­fra­ge nach bezahl­ba­rem Wohn­raum sein.

Neubau Wunstorf
Errich­tung eines Neu­baus in Wunstorf (Sym­bol­bild) | Foto: Dani­el Schnei­der

Wunstorf (nr). Wenn es nach der Mehr­heits­grup­pe im Rat der Stadt Wunstorf aus SPD, Grü­nen und FDP geht, soll es zu einem Anstieg der Bevöl­ke­rungs­zahl kom­men. Um die­ses Ziel zu errei­chen, sol­len im Rah­men des Wohn­kon­zep­tes 2025 neue Bau­ge­bie­te aus­ge­schrie­ben wer­den. Das Kon­zept, wel­ches der­zeit mit der Ver­wal­tung ent­wi­ckelt wird, wur­de bereits 2016 bean­tragt.

Min­des­tens 600 neue Wohn­ein­hei­ten

Der Wunstor­fer Woh­nungs­markt befin­det sich im Wan­del. Immer wie­der ent­de­cken die Wunstor­fer neue Bau­stel­len und neue Häu­ser. Vie­le neue Wohn­ein­hei­ten, wie im Her­zen der Bar­ne direkt neben dem dia­ko­nisch-kirch­li­chen Zen­trum oder an der Ecke Has­ter Straße/In den Ellern, ent­ste­hen. Den­noch ist die Nach­fra­ge wesent­lich höher als das Ange­bot an Woh­nun­gen.

Wir gehen davon aus, dass min­des­tens 600 neue Wohn­ein­hei­ten ent­ste­hen sol­len.“ – Kirs­ten Rie­del, SPD

Zukünf­ti­ge Bau­vor­ha­ben sol­len sich nicht nur auf Geschoss­woh­nun­gen beschrän­ken, son­dern auch Ein­fa­mi­li­en­häu­ser und Rei­hen­häu­ser ein­schlie­ßen. Die Stadt selbst ver­fügt kaum über eige­ne Flä­chen. In den Ort­schaf­ten sei­en die Bau­lü­cken nahe­zu voll­stän­dig geschlos­sen, ein Wachs­tum sei nur noch durch Abriss bestehen­der Häu­ser oder durch Aus­wei­sung neu­er Bau­ge­bie­te mög­lich. In den ver­gan­ge­nen Mona­ten hat die Ver­wal­tung der Stadt Wunstorf in Zusam­men­ar­beit mit den Orts­rä­ten zahl­rei­che Flä­chen ana­ly­siert, die even­tu­ell als Bau­ge­biet in Betracht kom­men. Rie­del erklärt dazu: „Die Flä­chen müs­sen jetzt nach Prio­ri­tät sor­tiert wer­den. Wir haben eine Lis­te mit Kri­te­ri­en erstellt, die wir nun im Rat und mit der Ver­wal­tung bera­ten wol­len.“ Zur­zeit wer­de über die Kri­te­ri­en, nach denen zukünf­tig Flä­chen im Wege von Ent­wick­lungs­maß­nah­men als Bau­grund­stü­cke aus­ge­wie­sen wer­den sol­len, dis­ku­tiert.

Der Preis muss stim­men

Auch auf ange­mes­se­ne Prei­se legt die Mehr­heits­grup­pe wert. Ins­be­son­de­re für jun­ge Fami­li­en ist der Kauf­preis ein wich­ti­ger Ent­schei­dungs­fak­tor beim Kauf eines Grund­stücks. „Wir wis­sen, dass in den Ort­schaf­ten auf Grund der hohen Nach­fra­ge auch 190 € und mehr pro Qua­drat­me­ter gezahlt wer­den. Man muss sich aber doch fra­gen, wer sich das am Ende wirk­lich leis­ten kann. Wir zie­len auf Ver­kaufs­prei­se von 160 € pro Qua­drat­me­ter, je nach Ort­schaft und Lage. Über den Preis erreicht man auch eine gute Mischung in der Alters­struk­tur und dem sozia­len Hin­ter­grund“, erklärt Anne Dalig von den Grü­nen. Auf­ga­be der öffent­li­chen Hand sei es daher auch, auf die Preis­ent­wick­lung ein­zu­wir­ken, soweit es ihr zumin­dest mög­lich ist. Dazu will die Mehr­heits­grup­pe die Regu­lie­rungs­mög­lich­kei­ten nut­zen, die dem Rat gege­ben sind, z. B. durch das Ent­schei­dungs­recht über Bebau­ungs­plä­ne. „Das Bau­ge­biet Wunstorf-Süd wur­de z. B. durch den Ent­wick­lungs­trä­ger IDB der Stadt­spar­kas­se Wunstorf ent­wi­ckelt, auf den die Stadt direk­ten Ein­fluss hat, da wir ja eine eige­ne Stadt­spar­kas­se haben. Die IDB hat die Ankaufs­ver­hand­lun­gen geführt unter der Maß­ga­be, bezahl­ba­re Grund­stü­cke anzu­bie­ten“, erklärt Kirs­ten Rie­del.

Wei­ter­hin sol­len auch staat­li­che För­de­run­gen in noch stär­ke­rem Maße genutzt wer­den, um die Nach­fra­ge nach bezahl­ba­rem Wohn­raum zu erfül­len. Der Rat tut, was er kann, aber Kirs­ten Rie­del gibt auch zu beden­ken: „Es wird sicher nicht jeder Preis bezahlt wer­den.“

Bedarf an sozia­len und preis­wer­ten Woh­nun­gen wird sin­ken

Wei­ter­hin wur­de in einer umfang­rei­chen Ana­ly­se der Bedarf an Sozi­al­woh­nun­gen ermit­telt. Das Wohn­raum­ver­sor­gungs­kon­zept (kurz: WRVK) der Stadt pro­gnos­ti­ziert, dass der Bedarf an preis­wer­ten Woh­nun­gen bis 2030 quan­ti­ta­tiv aus dem Woh­nungs­be­stand gedeckt wer­den kann. Der­zeit geht man von 2.700 bis 3.000 ein­kom­mens­schwa­chen Haus­hal­ten in Wunstorf aus. Dies ent­spricht einem Anteil von 15 % der gesam­ten Haus­hal­te. Von den ins­ge­samt 20.256 in Wunstorf bestehen­den Woh­nun­gen (Stand 2014) unter­lie­gen 375 Woh­nun­gen dem sozia­len Wohn­raum.

Lang­fris­tig, so pro­gnos­ti­ziert das WRVK, wird der Bestand an sozia­lem Wohn­raum bis 2045 auf 169 Woh­nun­gen schrump­fen. Bereits im Jahr 2025 soll es nur noch 294 Sozi­al­woh­nun­gen und damit 81 Wohn­ein­hei­ten weni­ger geben. Laut Infor­ma­ti­ons­vor­la­ge 6.2017/0172 der Stadt Wunstorf sind aktu­ell ca. 20 % des geför­der­ten Wohn­raums nicht mit Mie­tern belegt, wel­che die vor­ge­schrie­be­ne Net­to­ein­kom­mens­gren­ze von 1.166 Euro für einen Ein-Per­son-Haus­halt ein­hal­ten. Nach Frei­wer­den der Sozi­al­woh­nun­gen konn­ten in die­sen Fäl­len kei­ne neu­en berech­tig­ten Mie­ter genannt wer­den. Eine Abfra­ge bei den sozia­len Diens­ten habe erge­ben, dass aktu­ell nur 17 Haus­hal­te auf der Suche nach sozia­lem Wohn­raum sind. Eine Ver­mitt­lung in sozia­len Wohn­raum schei­ter­te jedoch an deut­li­chen Ver­mitt­lungs­hin­der­nis­sen, wie Alko­ho­lis­mus oder Schufa-Ein­trä­ge. Einen Bedarf an zusätz­li­chen Sozi­al­woh­nun­gen sehe die Stadt Wunstorf daher nicht und setzt alles auf indi­vi­du­el­le Lösun­gen, wie die Ver­mitt­lung an den Wunstor­fer Bau­ver­ein. Die Schluss­fol­ge­rung der Stadt­ver­wal­tung ist im Rat der Stadt nicht unum­strit­ten. Das The­ma Schaf­fung von Sozi­al­woh­nun­gen durch pri­va­te Bau­trä­ger sei für ihn noch nicht vom Tisch.

Die Fra­ge wird sein, ob man einen Bau­trä­ger fin­det, der Sozi­al­woh­nun­gen bau­en will.“ – Kirs­ten Rie­del, SPD

Fakt ist, dass pri­va­te Bau­her­ren eher kei­ne Sozi­al­woh­nun­gen bau­en. „Das Pro­blem bei der Schaf­fung güns­ti­ger Woh­nun­gen gene­rell sind die hohen Bau­kos­ten. Sozi­al­woh­nun­gen kön­nen nur durch öffent­li­che För­de­rung ent­ste­hen. Unse­re Erfah­rung ist eher, dass die För­der­mit­tel von Inves­to­ren und Bau­trä­gern nicht abge­ru­fen wer­den. Hier sind Land und Bund gefragt. Die Stadt Wunstorf kann sich nicht selbst als Bau­herr betä­ti­gen, dazu sind wir zu klein“, erklärt Rie­del.

Stadt und Rat setzt auf Trip­le-Down-Effekt

Die Mehr­heits­grup­pe im Rat sieht es ins­ge­samt als posi­tiv an, wenn Neu­bau­woh­nun­gen ent­ste­hen, da die­je­ni­gen, die dort ein­zie­hen, Wohn­raum für Per­so­nen mit gerin­gem Ein­kom­men frei­ma­chen (Trip­le-Down-Effekt). Die anvi­sier­ten 600 neu­en Wohn­ein­hei­ten soll­ten zu einer Ent­las­tung des Woh­nungs­markts füh­ren. Die Stadt gehe davon aus, dass ein­kom­mens­stär­ke­re Per­so­nen, die bis­lang teil­wei­se in güns­ti­gen Woh­nun­gen leben, in Woh­nun­gen in einem ange­mes­se­nen Preis­seg­ment zie­hen.

Wunstorf als attrak­ti­ve Wohn­ge­gend

Die Zei­ten, in denen Fami­li­en ver­mehrt nach Han­no­ver gezo­gen sind, schei­nen vor­bei zu sein. Da es Han­no­ver an bezahl­ba­rem Wohn­raum man­gelt, wird das Umland wie­der attrak­ti­ver. Von die­ser Ent­wick­lung pro­fi­tiert auch das im sog. zwei­ten Speck­gür­tel von Han­no­ver lie­gen­de Wunstorf. Wunstorf sei mit sei­ner Lage im Natur­park Stein­hu­der Meer und der her­vor­ra­gen­den Anbin­dung nach Han­no­ver umso attrak­ti­ver. Ein Wachs­tum der Bevöl­ke­rung führt zum Erhalt der Wunstor­fer Infra­struk­tur. „Nur mit dem Ziel auf einen Anstieg der Bevöl­ke­rungs­zahl wer­den wir die gute wirt­schaft­li­che Situa­ti­on der Stadt hal­ten kön­nen. Gleich­zei­tig sichert ein Wachs­tum auch unse­re Ein­rich­tun­gen der Kin­der­gär­ten, Grund­schu­len und wei­ter­füh­ren­den Schu­len“, erklärt Kurt Reh­kopf, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der FDP.

AfD kri­ti­siert Stadt­ent­wick­lungs­kon­zept 2009–2020

Unter­des­sen kri­ti­siert die AfD das Wunstor­fer Stadt­ent­wick­lungs­kon­zept 2009–2020. „Die­ses Kon­zept sah eine Ent­wick­lung von Bau­land in den Orts­tei­len nicht mehr vor, gewollt war die Kon­zen­tra­ti­on auf die Kern­stadt“, erklärt Bernd Wisch­hö­ver. Bereits 2013 habe er die Kern­aus­sa­ge des Kon­zep­tes bezwei­felt. Er ver­weist auf Hagen­burg, wo stän­dig Bau­land erschlos­sen und auch ohne Schwie­rig­keit ver­mark­tet wur­de. Der Antrag Wisch­hö­vers auf Aus­wei­sung wei­te­ren Bau­lands in Stein­hu­de sei durch die SPD-Orts­rats­mit­glie­der mit Ver­weis auf das Stadt­ent­wick­lungs­kon­zept abge­lehnt wur­den. „Heu­te läuft man der Ent­wick­lung hin­ter­her und bedau­ert in den Medi­en die ver­lo­re­ne Zeit“, so Wisch­hö­ver.

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2 Kommentare
  1. Liane Widdel meint

    Bestimmt nicht . Gibt doch kei­nen bezahl­ba­ren Wohn­raum mehr für Nor­mal­ver­die­ner

  2. Mandy Versteeg meint

    Ich befürch­te es auch… Hab ges­tern schon gedacht, dass das so zen­tral sicher wie­der nur für Spit­zen­ver­die­ner ist…

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