Wegen Lärmschutz

Tempo 50 auf der Hochstraße, Tempo 30 in der Südstraße?

Tempo 30 in der Südstraße, vielleicht auch Tempo 50 auf der Hochstraße könnte Realität werden. Der Ortsrat stimmte am Mittwoch einstimmig dafür, dass die Verwaltung die entsprechenden Maßnahmen zugunsten des Lärmschutzes prüfen soll.

Kurzzeitparkplatz in Wunstorf
Die Südstraße, eine der lautesten Straßen in Wunstorf | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (ds). Um die Vorgaben der EU-Umgebungslärm-Richtlinie zu erfüllen, hat auch die Stadt Wunstorf einen Lärmaktionsplan für die im Stadtgebiet verlaufenden Bundes- und Landesstraßen aufzustellen. Für vielbefahrene Straßen sind darin Maßnahmen zu verzeichnen, die die Lärmbelastung für die Anwohner senken.

Bis zu 70 Dezibel Verkehrslärm

Den höchsten Straßenlärm verzeichnet Wunstorf auf der B 441, hier insbesondere auf der Hochstraße. Bis zu 70 dB(A) werden hier gemessen. Etwas weniger laut (um die 65 Dezibel), aber wegen der dichten Bebauung umso belastender, ist der Verkehrslärm im Bereich der Südstraße. Dies ist der neuralgische Punkt in Wunstorf, an dem geschlossene Bebauung und hohes Verkehrsaufkommen zusammentreffen.

Die einzige realistische Möglichkeit, die Lärmbelastung in der Südstraße zu senken, sieht die Verwaltung in einem Tempolimit. Durch die Senkung von Tempo 50 auf Tempo 30 ergäben sich zum Beispiel ca. 3 Dezibel „Ruhegewinn“.

Heftiges Gemurmel im Stadtrat

Dieser Vorschlag der Verwaltung löste im Stadtrat jedoch heftiges Gemurmel aus – denn in der Südstraße kann zu Stoßzeiten bereits jetzt ohnehin selten 30 km/h gefahren werden. Doch letztlich geht es gar nicht um die Stoßzeiten bzw. den Berufsverkehr. Bedeutsamer und problematisch sind vor allem die Nachtpegel, denn ein ungestörter Schlaf muss auch bei gekipptem Fenster möglich sein.

An der Hindenburgstraße wurde zuletzt Tempo 30 angeordnet, aber aus Sicherheits- und nicht aus Lärmschutzgründen | Foto: Daniel Schneider

„Tempo 30 bedeutet länger Lärm“

Gegen ein nur nächtliches Tempolimit sprach sich Kirsten Riedel (SPD) aus, die zu bedenken gab, dass sich am Ende dann niemand wirklich an das Tempolimit halten würde. Ortsbürgermeister Silbermann (SPD) merkte an, dass ein Tempolimit wahrscheinlich „nicht ganz so viel“ bringen werde, vielmehr solle man die Ampelschaltungen optimieren, um häufiges Bremsen und Wiederanfahren zu minimieren. Ähnlich argumentierte auch Andreas Niepel (AfD), der hinzufügte, dass Tempo 30 statt 50 den Lärm länger in der Straße halten würde. Er kenne sogar Autofahrer, die aus Trotz in Lärmschutzzonen absichtlich im 1. Gang fahren würden. Als Alternative schlug Niepel vor, die Gullideckel zu nivellieren, um hier Überfahrgeräusche zu minimieren.

Optimierung der Ampelschaltungen scheitert an überlasteten Sachbearbeitern

Cornelia Fricke (CDU) hielt ebenfalls die Ampelschaltungen für stark verbesserungswürdig; auch an der Sölterkreuzung sei diese überhaupt nicht auf Radfahrer eingestellt. Ein entsprechender Antrag auf Optimierungen liegt der dafür zuständigen Region Hannover zwar seit langem vor, dieser würde aber aus Kapazitätsgründen bislang nicht bearbeitet, hieß es vonseiten der Wunstorfer Verwaltung.

Anne Dalig (Bündnis90/Die Grünen) sah die Lärmproblematik weniger im Straßenverkehr, sondern vielmehr bei den Bahntrassen und dem Flugverkehr zum Flughafen Langenhagen. Tempo 30 sei nicht so wichtig, wenn die Ampelschaltungen stimmen würden.

Hochstraße Wunstorf
Auch ein Tempolimit auf der Hochstraße steht zur Diskussion | Foto: Mirko Baschetti

Auf die Umgehungsstraße setzt man unterdessen noch keine allzu baldigen Hoffnungen. Die Prognose geht zwar davon aus, dass durch den dann reduzierten Verkehr auf der Hochstraße 2 bis 3 Dezibel weniger und in der Südstraße 1 Dezibel weniger Lärm entstehen wird – doch dafür muss die Nordumgehung erst einmal gebaut werden.

Tempo 50 auf der Hochstraße?

Kirsten Riedel (SPD) brachte daher auch Tempo 50 für die Hochstraße ins Gespräch: Wenn abends die Ampeln abgeschaltet seien, würde dort „mit 80 langgebrettert“.

Die Vorlage zum Lärmaktionsplan wurde eindeutig angenommen. In einem nächsten Schritt wird nun die Öffentlichkeit beteiligt.

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11 Kommentare
  1. Stephan Große sagt

    Wenn man bedenkt, dass eine Änderung von 3 db eine Halbierung bzw Verdoppelung des Lärms ist, ist es doch ganz schön ruhig in der Südstr.

  2. Frohwalt Boedtger sagt

    Man kann aber auch ein Mordsgeschiss um dieses Thema machen !
    Bald kommt der Tag an dem eine Verlegung der Bahntrasse, des Fliegerhorst etc gefordert wird. Eine schon jahrelang geforderte Verbesserung der Ampelschaltung wird von Seiten der entsprechenden Behörden immer wieder verschoben. So wie die Leutchen arbeiten möchte ich mal Urlaub machen…..

  3. Sam sagt

    Als ich noch ein Kind war, fuhr ich mit den Eltern von meinen besten Freund durch Bückeburg, dort sah ich so komische Zeichen neben einer grünen Ampel. Die Zeichen waren 40, 60,70 die leuchteten zu Unterschiedlichen Zeiten auf. der Vater erklärte uns dann, die Ampel zeigt an wie schnell man fahren soll damit man eine Grünphase ( Grünewelle ) hat und so ohne zu Bremsen durch die Stadt kommt. Angemerkt dies ist schon über 30 Jahre fast 40 Jahre her. Warum ist es so schwer dieses ab Kreuzung Obi bis B441 Shell Tankstelle (Hannoversche Str.) zu Installieren. Das Problem besteht doch nicht seit gestern, sind die Mitarbeiter der Region seit 20 Jahren so ausgelastet? oder will man die Fehler die man bei Ausschreibungen gemacht hat nicht zugeben? Eine Grünewelle würde zu weniger Lärmbelastung und zu weniger Abgasemissionen führen. Halte das Problem in Wunstorf für Hausgemacht, es wird lieber das Geld für neue Blitzeranlagen ausgegeben statt für eine vernünftige Verkehrsführung.

  4. Tobias Krügener sagt
  5. Marc Schaper sagt

    Bis auf wenige Ausnahmen gilt doch mittlerweile fast überall Tempo 30

  6. Ali Samol sagt

    Der einzige, dessen Meinung ich teilen kann, ist die von Herrn Niepel. Recht hat der Mann. Am schlimmsten sind die Gullideckel, die zu tief sind. Wenn da ein Fahrzeug drüber fährt, ist es am schlimmsten.
    Die anderen Aussagen…naja…ich denke es sind eher Radfahrer, die ihren inkompetenten Senf dazu geben.

  7. Micha Herr-Forder sagt

    Eigentlich ist jeder Kommentar überflüssig. Ihr Lieben Wunstorfer sorgt doch mit eurer Stimmabgabe bei den nächsten Wahlen mal dafür das der Bürger gehört wird……

  8. Basti g. sagt

    Wieso einigt man sich nicht auf Tempo 40 in ganz wunstorf dann könnte man sich viele Schilder sparen und jeder wüsste Bescheid

  9. Frank Dahnke sagt

    Als ob man in Wunstorf nicht schon genug steht

  10. Dierk Tussing sagt

    30 ist doch klasse…da kann man schön im 1. Gang fahren und den Klang länger geniessen 🙂

  11. Steve Rochlitzer sagt

    Absichtlich im ersten Gang fahren?
    Ja, das ist bestimmt eine Motivation vieler lokaler Autofahrer.
    Es gibt… https://t.co/I1DUhHoVqJ

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