Wird Wunstorf zur Rent­ner­stadt?

Am 11. Sep­tem­ber ist Kom­mu­nal­wahl. Auch in Wunstorf wer­den Regi­ons­ver­samm­lung, die Orts­rä­te und ein neu­er Stadt­rat gewählt. 6 Par­tei­en und ein Ein­zel­kan­di­dat wol­len ins Wunstor­fer Rat­haus ein­zie­hen. Wir haben den Par­tei­en ein knap­pes Dut­zend Fra­gen zu The­men gestellt, die die Wunstor­fer beson­ders inter­es­sie­ren. Wir ver­öf­fent­li­chen täg­lich bis zur Wahl jeweils eine der Fra­gen samt Ant­wor­ten – und geben einen Über­blick, wer wel­che Posi­tio­nen ver­tritt.

Markanter Pflegedienst in Wunstorf | Foto: Horst Koschinsky
Mar­kan­ter Pfle­ge­dienst in Wunstorf | Foto: Horst Koschin­sky

Die Men­schen wer­den immer älter, einer grö­ßer wer­den­den Grup­pe von Rent­nern und Pen­sio­nä­ren ste­hen auch in Wunstorf immer weni­ger jun­ge Leu­te gegen­über. Die lang­fris­ti­ge Fol­ge: Die Bevöl­ke­rung schrumpft. Man­cher sieht in Wunstorf schon eine „Stadt der Alten­hei­me”, doch die Bevöl­ke­rungs­ent­wick­lung ist kei­ne regio­na­le Ange­le­gen­heit. Den­noch spürt man die ein­tre­ten­den Aus­wir­kun­gen vor Ort. Auch wenn die Ein­woh­ner­zah­len noch rela­tiv sta­bil sind, droht auch Wunstorf lang­fris­tig ein Bevöl­ke­rungs­rück­gang. Wer­den die klei­ne­ren Orts­tei­le sogar irgend­wann ver­las­sen sein? Wie wol­len die Par­tei­en dar­auf reagie­ren?

wunstorfwaehlt

CDU, FDP und SPD sehen die Situa­ti­on nicht so dra­ma­tisch und set­zen vor allem auf Wunstorfs gute Infra­struk­tur, mit wohn­ort­na­hen Arbeits­plät­zen, attrak­ti­vem Nah­ver­kehr, guten Schu­len und neu­em Bau­land. Die Links­par­tei schätzt die Lage kri­ti­scher ein und sieht Ver­säum­nis­se der Poli­tik in der Ver­gan­gen­heit. Ein­zel­kan­di­dat Sau­er sieht dage­gen gera­de in Neu­bau­ge­bie­ten kei­ne Lösung, son­dern eher ein neu­es Pro­blem in der Zukunft. Einig sind sich alle, dass das Frei­zeit­an­ge­bot sowie die Kin­der­be­treu­ung einen gro­ßen Anteil dar­an haben, ob gera­de jun­ge Fami­li­en Wunstorf als Wohn­ort wäh­len wer­den.

Fra­ge und Ant­wor­ten

Wir haben die Par­tei­en gefragt: „Wie reagie­ren Sie auf die demo­gra­phi­sche Ent­wick­lung in Wunstorf?”

logo-cdu-offiziellAnt­wort der CDU: Die Wahl des Wohn­or­tes hängt von vie­len Fak­to­ren ab. Die Infra­struk­tur spielt für die Ent­schei­dung eine gro­ße Rol­le. Beson­ders auch die sozia­len Ver­sor­gungs­struk­tu­ren wie die Kin­der­be­treu­ung und Schul­aus­bil­dung sowie attrak­ti­ve Frei­zeit­an­ge­bo­te für Jung und Alt sind wich­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen. Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten sowie eine sinn­vol­le Stadt­ent­wick­lung ste­hen eben­falls im Fokus. In all die­sen Berei­chen wird die CDU sich mit ihren Ide­en ein­brin­gen und Wunstorf mit sei­nen schö­nen Orts­tei­len vor­an­brin­gen. Wunstorf muss noch attrak­ti­ver wer­den, damit unse­re Ein­woh­ner blei­ben und neue Ein­woh­ner sich in Wunstorf nie­der­las­sen kön­nen. Dazu gehört auch die Aus­wei­sung von Bau­land. Es ist nicht aus­rei­chend, wenn in Wunstorfs Mit­te Inves­to­ren hoch­prei­si­ge Woh­nun­gen anbie­ten. Wir brau­chen auch ein Ange­bot in unse­ren Orts­tei­len. Dafür steht die CDU und dafür set­zen wir uns ein.

logo-linkeAnt­wort von Die Lin­ke: Die Bevöl­ke­rungs­zah­len in Wunstorf sind die ein­zig rück­läu­fi­gen in der gesam­ten Regi­on Han­no­ver. Das ist erschre­ckend. Schein­bar ist der Zustand erst jetzt ent­deckt wor­den, da die alten Par­tei­en den Woh­nungs­bau erst jetzt im Wahl­kampf pro­pa­gie­ren. Aber die Aus­wei­tung und Aus­wei­sung von Bau­ge­bie­ten ist nur die eine Sei­te. Die ande­re sind sol­che Ent­schei­dun­gen wie die Still­le­gung des Frei­ba­des Wunstorf ohne Alter­na­ti­ve, die Schlie­ßung von Schu­len in Orts­tei­len wie Stein­hu­de, die Flä­chen­nut­zung für Logis­tik und Stra­ßen­bau. Wunstorf ist eine Wohn­stadt mit einem ein­ma­li­gen Ange­bot an Frei­zeitat­trak­tio­nen und Wohn­qua­li­tät für jun­ge Fami­li­en. Dazu muss man aber auch einen Ein­satz erbrin­gen, um die Wohn­si­tua­ti­on einer Rent­ner­stadt zu ver­mei­den. Im Moment sieht es nicht so aus.

logo-fdpAnt­wort der FDP: Das Sin­ken der Ein­woh­ner­zahl ist zum Glück in Wunstorf nicht in dem erwar­te­ten Maß ein­ge­tre­ten. Dies muss wei­ter so blei­ben. Wir wol­len der sin­ken­den Ein­woh­ner­zahl mit guten Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen für Kin­der- und Jugend­li­che und Senio­ren, guter Woh­nungs­ver­füg­bar­keit und bes­ten Vor­aus­set­zun­gen für wohn­ort­na­he Arbeits­plät­ze schaf­fen. So müss­te der öffent­li­che Nah­ver­kehr zum Bei­spiel sowohl für die jun­gen Men­schen als auch ins­be­son­de­re für die älte­ren Bewoh­ner gera­de in die Ort­schaf­ten sicher­ge­stellt wer­den. Lini­en in die Gemein­den wie Stein­hu­de oder Gro­ßen­hei­dorn zu beschrän­ken, wie jetzt zu ver­zeich­nen, ist das fal­sche Signal. Unter­stützt wer­den soll­ten aber auch Car-Sharing-Model­le, die elek­tro­mo­bil aus­ge­stat­tet bei Senio­ren für kur­ze Fahr­ten oder bei jun­gen Men­schen mit gerin­ge­ren finan­zi­el­len Mit­teln eine Hil­fe sein könn­ten.

logo-spdAnt­wort der SPD: Der demo­gra­phi­sche Wan­del ist einer der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen der Zukunft. Das gilt nicht nur für Wunstorf. Er wirkt sich auf alle Lebens­be­rei­che aus. Jeder kann es in sei­nem direk­ten Lebens­um­feld beob­ach­ten – im Beruf, in der Nach­bar­schaft und natür­lich auch in der Fami­lie. Unse­re Gesell­schaft wird älter und bun­ter. Die Kom­mu­nal­po­li­tik hat die Auf­ga­be, die sozia­le Infra­struk­tur in unse­rer Stadt an die­se Ent­wick­lun­gen bedarfs­ge­recht anzu­pas­sen. Unser Ziel als Sozi­al­de­mo­kra­ten ist dabei klar: Wir wol­len eine hohe Lebens­qua­li­tät für älte­re Men­schen. Eben­so muss unse­re Stadt aber auch attrak­tiv für Jün­ge­re, ganz beson­ders für jun­ge Fami­li­en und Kin­der sein. Das betrifft unse­re Schu­len und Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen eben­so wie ein gutes und brei­tes Ange­bot an wohn­ort­na­hen Arbeits­plät­zen oder gute Inte­gra­ti­ons­an­ge­bo­te. Nur ein gutes Umfeld kann jun­ge Men­schen dazu moti­vie­ren, ihr Zuhau­se in unse­rer Stadt zu suchen und zu fin­den. Vie­le Maß­nah­men haben wir in die­sem Sinn in den letz­ten Jah­ren ange­sto­ßen. Der Krip­pen- und Kita­aus­bau und die Schaf­fung von Hort­plät­zen war in den letz­ten Jah­ren ein zen­tra­les Anlie­gen unse­rer Poli­tik. Wir haben es an vie­len Stel­len in Wunstorf durch Bebau­ungs­plan­än­de­run­gen ermög­licht, in Wohn­ge­bie­ten zusätz­li­che Bau­plät­ze zu schaf­fen. Um wohn­ort­na­he Arbeits­plät­ze zu schaf­fen, haben wir die Ent­wick­lung des Gewer­be­ge­biets Wunstorf-Süd vor­an­ge­trie­ben, das zu einem wich­ti­gen Wirt­schafts­stand­ort mit Stra­ßen-, Schie­nen – und Kanal­an­bin­dung wer­den soll. Wir haben einen Inte­gra­ti­ons­bei­rat ein­ge­rich­tet und den Umbau und die Sanie­rung der IGS vor­an­ge­trie­ben. Und nicht zuletzt: Wir konn­ten mit Blick auf künf­ti­ge Gene­ra­tio­nen seit 2006 über 10 Mil­lio­nen Euro Schul­den abbau­en bei gleich­zei­tig hohen jähr­li­chen Inves­ti­tio­nen von mehr als 10 Mil­lio­nen Euro. Die Gestal­tung der demo­gra­phi­schen Ent­wick­lung war und ist mit allen ihren Facet­ten ein wich­ti­ger Bestand­teil unse­rer Poli­tik. Das zeigt sich auch dar­in, dass wir bereits vor Jah­ren das ers­te Gut­ach­ten zur Bevöl­ke­rungs­ent­wick­lung in Auf­trag gege­ben haben, das regel­mä­ßig aktua­li­siert wird.

Ant­wort von Ste­fan Sau­er: Auf der einen Sei­te müs­sen wir Anstren­gun­gen unter­neh­men, dass Wunstorf als Lebens­raum auch für Älte­re und Alte lebens­wert bleibt – bezo­gen auf Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten, Sicher­heit im Stra­ßen­ver­kehr, Erhalt sozia­ler Kon­tak­te. Wir brau­chen aber auch eine Per­spek­ti­ve für die Gene­ra­ti­on mitt­le­ren Alters und die Kin­der und die Jugend. Das betrifft die För­de­rung von Kin­der­gär­ten und Schu­len sowie Frei­zeit­ein­rich­tun­gen und sozia­le und kul­tu­rel­le Ange­bo­te. Immer neue Bau­ge­bie­te, die den Zuzug von Fami­li­en mit Kin­dern för­dern sol­len, als Maß­nah­me gegen den demo­gra­phi­schen Trend des zuneh­men­den Durch­schnitts­al­ters hal­te ich weder für umwelt­po­li­tisch ver­tret­bar, weil wir bald kei­ne Land­schaft für Natur und Erho­lung mehr haben, noch ist dies nach­hal­tig gedacht, denn wir schaf­fen damit in zwan­zig Jah­ren gan­ze Vier­tel von Ein­fa­mi­li­en­häu­sern – ohne Kin­der, weil die­se dann inzwi­schen aus­ge­zo­gen sind.

Die AfD sowie die Grü­nen haben uns auf die­se Fra­ge­stel­lung nicht geant­wor­tet.

Alle wei­te­ren Fra­gen, Ant­wor­ten und Posi­tio­nen: Hier in unse­rem Schwer­punkt zur Wunstor­fer Kom­mu­nal­wahl 2016!


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