Kenn­zei­chen­pflicht für Sur­fer könn­te kom­men

Die Vor­wür­fe, dass Kite­sur­fer auf dem Stein­hu­der Meer bei Kon­trol­len durch den Natur­park-Ran­ger gefähr­det wer­den, stim­men nicht, sagt der Dienst­herr. Doch das Kon­trol­lie­ren man­cher Was­ser­sport­ler scheint tat­säch­lich nicht ein­fach zu sein. Abhil­fe schaf­fen soll eine Kenn­zeich­nungs­pflicht für (Kite-)Surfbretter.

Viel Ver­kehr auf dem Stein­hu­der Meer | Foto: Dani­el Schnei­der

Ende März war die Auf­re­gung groß: Hat Stein­hu­der-Meer-Ran­ger Hen­drik Hol­te Kite­sur­fer auf dem See absicht­lich ange­fah­ren, als die­se geschütz­te Berei­che befuh­ren und den vor­ge­se­he­nen Was­ser­sport­be­reich ver­lie­ßen? Die­se Vor­wür­fe waren wäh­rend eines Gerichts­ver­fah­rens an die Öffent­lich­keit gelangt, das statt­ge­fun­den hat­te, weil ein Kite­sur­fer ein ver­häng­tes Buß­geld nicht bezah­len woll­te.

Gefähr­dung von Kite­sur­fern befürch­tet

Poli­ti­ker der Regi­on nah­men sich dar­auf­hin der Sache an: Poli­ti­ker aus Neu­stadt und Wunstorf bemüh­ten sich bei der Lan­des­re­gie­rung um Klä­rung des kol­por­tier­ten Vor­falls. So woll­ten etwa die Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Sebas­ti­an Lech­ner und Mar­tin Bäu­mer wis­sen, ob Was­ser­sport­ler zum Zwe­cke der Per­so­na­li­en­fest­stel­lung tat­säch­lich ange­fah­ren wer­den und ob dies ggf. den Tat­be­stand des gefähr­li­chen Ein­griffs in den Schiffs­ver­kehr erfül­len kann. Zudem stell­ten sie die Eig­nung des Ran­gers zum Füh­ren von Motor­boo­ten in Fra­ge.

Die­je­ni­gen, die sich nicht an die Regeln hal­ten, müs­sen zur Rechen­schaft gezo­gen wer­den (…) Dabei darf aber nicht ris­kiert wer­den, dass es zu Unfäl­len und Ver­let­zun­gen der Kite-Sur­fer kommt.“Die CDU-Abge­ord­ne­ten Lech­ner und Bäu­mer

Regi­on wider­spricht

Wir frag­ten bei der Regi­on an, ob die­se Vor­wür­fe zutref­fen und ob das beschrie­be­ne Vor­ge­hen zu den vor­ge­ge­be­nen Auf­ga­ben des Ran­gers am Stein­hu­der Meer gehört. Neben dem Infor­mie­ren von Besu­chern des Natur­parks gehö­re zu Hol­tes Auf­ga­ben, dafür zu sor­gen, dass die Regeln ein­ge­hal­ten wer­den und Ver­stö­ße dage­gen geahn­det wer­den kön­nen – dazu habe Hol­te die Ver­stö­ße auf­zu­neh­men, erklär­te die Regi­on gegen­über der Wunstor­fer Aue­post.

Die Dar­stel­lung ist so nicht kor­rekt.“Regi­on Han­no­ver

Den erho­be­nen Vor­wür­fen wider­spricht die Regi­on deut­lich: Der Natur­park-Ran­ger wür­de sich den Was­ser­sport­lern nähern, um sie auf Fehl­ver­hal­ten auf­merk­sam zu machen und ggf. die Per­so­na­li­en auf­zu­neh­men. Dabei sei obers­tes Gebot, Men­schen­le­ben nicht zu gefähr­den. Um den Kon­takt auf­zu­neh­men, sei aber eine gewis­se Nähe erfor­der­lich. Dabei kön­ne es bei Wind und Wel­len durch­aus gesche­hen, dass Boot und Surf­brett auf­ein­an­der­zu­trei­ben und sich dabei berüh­ren.

Auf­ga­ben des Ran­gers

Auf die Fra­ge, wie Fehl­ver­hal­ten nach Maß­ga­be der Regi­on kon­kret zu begeg­nen ist, gibt die Regi­on eben­so ein­deu­tig Aus­kunft: Der Ran­ger soll sich den regel­ver­let­zen­den (Kite-)Surfern ledig­lich nähern, um die Per­so­na­li­en auf­zu­neh­men. Ein Stop­pen von Sur­fern, gar mit Hil­fe des Ran­ger-Motor­boo­tes, ist kei­ne Anwei­sung der Behör­de.

Info: Zustän­dig­kei­ten auf dem Stein­hu­der Meer
Das Stein­hu­der Meer gehört seit 1974 bis auf die Insel Wil­helm­stein voll­stän­dig dem Land Nie­der­sach­sen. Die Regi­on Han­no­ver ist als unte­re Natur­schutz­be­hör­de für die Ver­wal­tung und Über­wa­chung des Gewäs­sers zustän­dig. Der Ran­ger ist ein Voll­zugs­be­am­ter der Regi­on Han­no­ver, laut Ver­ord­nung (DStMVO) hat er eben­so wie die Was­ser­schutz­po­li­zei das Recht, Fahr­zeu­ge für Kon­trol­len anzu­hal­ten.

Die Regi­on Han­no­ver ging unter­des­sen in die Infor­ma­ti­ons­of­fen­si­ve: In einer Pres­se­mit­tei­lung vom gest­ri­gen Mitt­woch stell­te sie sich noch ein­mal deut­lich hin­ter ihren Beam­ten. Außer­dem hat sie nun umfas­sen­de Infor­ma­tio­nen über den Auf­ga­ben­be­reich des Ran­gers ver­öf­fent­licht.

Kenn­zei­chen­pflicht für Sur­fer?

Das offen­bart jedoch das Dilem­ma der Situa­ti­on am Stein­hu­der Meer: Eine effek­ti­ve Kon­trol­le von Sur­fern durch Regi­ons­be­am­te ist dann nicht mög­lich, wenn sich die Was­ser­sport­ler auf dem Stein­hu­der Meer unko­ope­ra­tiv zei­gen.

Daher setzt sich die Regi­on Han­no­ver nun dafür ein, dass Sur­fer und Kite­sur­fer künf­tig nur noch mit Kenn­zei­chen auf dem Stein­hu­der Meer unter­wegs sein dür­fen, wie es bereits bei den meis­ten grö­ße­ren Boo­ten der Fall ist. Eine Ahn­dung von Ver­stö­ßen wäre dann auch ohne direk­ten Kon­takt mög­lich. Bis­her hat­te das Land Nie­der­sach­sen eine Kenn­zeich­nungs­pflicht für Sur­fer abge­lehnt.

Für Pad­del­boot­fah­rer soll alles beim Alten blei­ben

Eine Kenn­zeich­nung soll dabei nur für die Sur­fer kom­men, wei­ter­hin kenn­zei­chen­frei soll das Fah­ren mit Klein­boo­ten wie Kajaks etc. blei­ben, wie die Regi­on Han­no­ver der Aue­post wei­ter mit­teil­te. Denn die­se sei­en wegen ihrer gerin­ge­ren Geschwin­dig­keit leich­ter ansprech­bar und wür­den auch sel­te­ner die Regeln über­tre­ten.

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