Mit dem eige­nen Boot aufs Stein­hu­der Meer

Kanu­fah­ren, Pad­del­boot steu­ern, Schlauch­boot­aus­flü­ge – all das geht auch auf dem Stein­hu­der Meer. Aller­dings sind die Regeln dafür meist stren­ger als die, die auf ande­ren Seen, Flüs­sen, Kanä­len oder an Nord- und Ost­see gel­ten. In eini­gen Fäl­len sind die Vor­schrif­ten, die Frei­zeit­ka­pi­tä­ne und Sport­ler beach­ten müs­sen, aber auch locke­rer als anders­wo. Ein Über­blick über die Regeln, die auf dem Stein­hu­der Meer beach­tet wer­den müs­sen.

Eine Kanutin legt vom Steg ab | Foto: Daniel Schneider
Eine Kanu­tin legt vom Steg ab | Foto: Dani­el Schnei­der

Das Stein­hu­der Meer ist Natur­schutz- und Land­schafts­schutz­ge­biet, Nah­erho­lungs­ziel für Men­schen nicht nur aus der Regi­on – und ein begehr­tes Ter­rain für Boots­fahr­ten, Segel­boo­te und Sur­fer. An der Stein­hu­der Pro­me­na­de kann man bei diver­sen Anbie­tern Tret-, Ruder- und Elek­tro­boo­te mie­ten für einen klei­nen Aus­flug auf dem Was­ser. Fahr­gast­schif­fe brin­gen Aus­flüg­ler zur Insel Wil­helm­stein oder bie­ten Rund­fahr­ten an. Seg­ler sind in der Regel Mit­glied in einem Yacht­club samt pri­va­ter Steg­an­la­ge, Anwoh­ner direkt am Was­ser haben eben­falls meist ihre Pri­vat­an­le­ge­plät­ze und -boo­te. Aber kann man auch mit einem eige­nen pri­va­ten Boot aufs Stein­hu­der Meer, wenn man kei­ne Lie­ge­ge­büh­ren zah­len will, kein Haus am Ufer besitzt und kein Club­mit­glied wer­den möch­te? Man kann. Aber man muss eine Men­ge beach­ten: Was genau man darf und was nicht, steht in der DSt­MVO, der Ver­ord­nung für den Düm­mer und das Stein­hu­der Meer …

Wer fah­ren darf: Alle

Prin­zi­pi­ell jeder darf fah­ren, er muss jedoch psy­chisch und kör­per­lich fit sein, und nicht etwa von Alko­hol, Dro­gen, Medi­ka­men­ten oder Müdig­keit beein­träch­tigt wer­den. Auch auf dem Stein­hu­der Meer gibt es eine Pro­mil­le­gren­ze: Wer mehr als 0,5 Pro­mil­le Alko­hol im Blut hat oder mit mehr als 0,25 mg/l ins Röhr­chen pus­tet, darf auf dem Stein­hu­der Meer nicht ans Steu­er (oder Pad­del). Einen Boots­füh­rer­schein braucht man i. d. R. nicht. Auch eine Alters­gren­ze gibt es nicht.

Wann man fah­ren darf: Weder nachts noch im Win­ter

Segelboot bei Sonnenuntergang auf dem Steinhuder Meer | Foto: Manuela Köttelhön
Segel­boot bei Son­nen­un­ter­gang auf dem Stein­hu­der Meer | Foto: Manue­la Köt­tel­hön

Vom 1. Novem­ber bis zum 19. März macht das Stein­hu­der Meer Win­ter­schlaf. Boot­fah­ren ist dann nicht erlaubt. Nur zwi­schen dem 20. März und 31. Okto­ber darf auf dem Stein­hu­der Meer gepad­delt, geru­dert oder sonst­wie gesteu­ert wer­den. Auch Nacht­fahr­ten sind nicht erlaubt: Eine Stun­de nach Son­nen­un­ter­gang muss man run­ter sein vom Was­ser, eine Stun­de vor Son­nen­auf­gang darf man frü­hes­tens drauf aufs Stein­hu­der Meer.

Wel­che Boo­te man fah­ren darf: klei­ne und lang­sa­me

Mit klei­nen Kanus, Schlauch- oder Ruder­boo­ten kann man i.d.R. pro­blem­los aufs Was­ser. Klei­ne Boo­te ohne Eigen­an­trieb, die also mit Mus­kel­kraft bewegt wer­den, sind auf dem Stein­hu­der Meer unein­ge­schränkt erlaubt. Auch klei­ne Elek­tro­boo­te kön­nen gefah­ren wer­den, also z. B. auch Schlauch­boo­te mit zusätz­li­chem Elek­tro­mo­tor. Nur wer mit Elek­tro­mo­to­ren über 10 PS (7,35 kW) unter­wegs ist oder ein Boot hat, das län­ger als 7,6 Meter ist, bräuch­te eine Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung, denn die­se sind grund­sätz­lich nicht erlaubt. Sur­fer und Seg­ler benö­ti­gen einen Segel-/Surf­schein.

Info: Elek­tro­mo­tor­nut­zung auf dem Stein­hu­der Meer
• Moto­ren bis 10 PS: Führerschein/Genehmigung wird nicht benö­tigt
• Moto­ren über 10 PS: kein Füh­rer­schein, aber Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung nötig
• Moto­ren über 15 PS: Füh­rer­schein und Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung nötig

Die regu­lä­re Füh­rer­schein­frei­heit für Motor­boo­te bis 15 PS gilt auch für das Stein­hu­der Meer, doch zusätz­lich exis­tiert noch die Gren­ze für Elek­tro­mo­to­ren bis 10 PS. Die Regeln für das Stein­hu­der Meer sind inso­fern stren­ger als bei ande­ren Bin­nen­ge­wäs­sern, denn der motor­be­trie­be­ne Schiffs­ver­kehr soll im Land­schafts­schutz­ge­biet mög­lichst gering gehal­ten wer­den, um die Natur so wenig wie mög­lich zu stö­ren. Nur unter 10 PS geht’s ohne Papier­kram. Die Benut­zung von Ver­bren­nungs­mo­to­ren ist auf dem Stein­hu­der Meer bis auf weni­ge Aus­nah­men aus Grün­den des Natur­schut­zes kom­plett ver­bo­ten.

Wo man an- und able­gen darf: an weni­gen Stel­len

Sich ein­fach irgend­wo einen schö­nen Platz am Ufer suchen und die Lei­nen los­ma­chen geht nicht. In-See-Ste­chen und Anle­gen ist nur in Häfen und an Ste­gen erlaubt. Für Kanus und klei­ne Boo­te wur­den extra zu die­sem Zweck abseits der pri­va­ten Hafen­an­la­gen und tou­ris­ti­schen Ste­ge beson­de­re sog. Kanu-Ein­satz­stel­len gebaut, deren Platt­for­men eine gerin­ge­re Höhe zur Was­ser­ober­flä­che haben. Natür­lich kann man hier nicht nur mit dem Kanu, son­dern auch mit dem Ruder- oder Schlauch­boot star­ten. Auf Wunstor­fer Sei­te gibt es exakt 5 dafür gedach­te Plät­ze, wo man sein Boot bequem auf­bau­en, zu Was­ser las­sen und auch wie­der anle­gen las­sen kann. Zwei am Hagen­bur­ger Kanal (die mit dem Auto über Hagen­burg erreicht wer­den kön­nen), einer an den Strand­ter­ras­sen (Park­platz in der Nähe) sowie in Promenadennähe/Hafen in Stein­hu­de. Außer­dem befin­det sich noch eine Anle­ge­stel­le auf der Bade­in­sel, die jedoch nur zu Fuß erreich­bar ist. Zwi­schen­durch anle­gen kann man unter­wegs natür­lich auch an ande­ren öffent­li­chen Ste­gen. Auf Mar­dor­fer Sei­te, am Nord­ufer, gibt es 4 wei­te­re Ein­satz­stel­len.

Erklä­ren­de Hin­weis­ta­feln wie die­se ste­hen an allen offi­zi­el­len Able­ge­stel­len | Foto: Dani­el Schnei­der

Die Kanu-Ein­satz­stel­len auf Wunstor­fer Sei­te:

Kar­te zen­trie­ren
Ver­kehr
per Fahr­rad
Tran­sit

Wie man fah­ren darf: den Tou­ris­ten nicht in die Que­re

Anders als im Stra­ßen­ver­kehr sind auf dem Was­ser die „Vor­fahrts­re­geln” nicht für alle gleich. Außer­dem hat ein bestimm­ter Schiffs­typ auf dem Stein­hu­der Meer immer Vor­fahrt: Fahr­gast­schif­fen (haben eine grün-wei­ße Flag­ge gehisst) muss man stets aus­wei­chen. Ansons­ten gel­ten die übli­chen Was­ser­re­geln: Segel­schif­fe (wenn sie segeln) haben „Vor­fahrt” vor Boo­ten mit Motor, Pad­del, etc. Wer mit Motor fährt, muss außer­dem allen ande­ren aus­wei­chen. Greift kei­ne Son­der­re­gel, gilt auf dem Was­ser wie im Stra­ßen­ver­kehr „rechts vor links“: ein von Steu­er­bord kom­men­des Boot hat „Vor­fahrt” (nur für Segel­schif­fe unter­ein­an­der gel­ten abhän­gig vom Wind noch ein­mal beson­de­re Vor­schrif­ten).

Ein „Aus­wan­de­rer”, ein tra­di­tio­nel­les Fahr­gast­schiff auf dem Stein­hu­der Meer, mit gehiss­ter grün-wei­ßer Flag­ge | Foto: Dani­el Schnei­der
Steh­padd­ler mit Vor­fahrt auf dem Stein­hu­der Meer | Foto: Dani­el Schnei­der

Was das Boot haben muss: nicht viel

Man braucht nicht viel an Bord zu haben, aber eini­ge Din­ge sind auch auf dem Stein­hu­der Meer obli­ga­to­risch. Ein Kenn­zei­chen ist nicht erfor­der­lich, selbst einen Schiffs­na­men müs­sen klei­ne Boo­te nicht haben (haben sie aber natür­lich meis­tens trotz­dem). Erst Segel­boo­te ab 6-Qua­drat­me­ter-Segel brau­chen zwin­gend eine Kenn­zeich­nung. Not­si­gnal­mit­tel, Schwimm­wes­ten etc. sind auch nicht vor­ge­schrie­ben, trotz der gerin­gen Was­ser­tie­fe im Stein­hu­der Meer aber sinn­voll. Auch Beleuch­tung bzw. Posi­ti­ons­lich­ter benö­tigt man nicht an Bord (denn Nacht­fahr­ten sind ja ver­bo­ten). Sie scha­den aller­dings auch nicht in der Däm­me­rung. Der ein­zi­ge Aus­rüs­tungs­ge­gen­stand, den man auf dem Stein­hu­der Meer dabei­ha­ben muss, sind Signal­bäl­le fürs Ankern oder für zusätz­li­che Moto­ren: Wer einen Anker hat und die­sen benutzt, muss einen min­des­tens 30 cm gro­ßen Anker­ball (schwar­zer Ball oder Schei­be) dabei­ha­ben und ihn his­sen, um ande­ren Boo­ten den Anker­zu­stand anzu­zei­gen. Und als Segel­boot muss man einen schwar­zen Kegel set­zen, wenn man zusätz­lich mit Motor fährt.

Wo man fah­ren darf: nicht in die See­ro­sen …

Vie­le Berei­che des Stein­hu­der Meers sind für den Men­schen kom­plett tabu. Um Fau­na und Flo­ra zu schüt­zen, darf auf dem See nicht wahl­los gefah­ren wer­den. Vor allem das Ost- und West­ufer des Stein­hu­der Meers ste­hen kom­plett unter Natur­schutz. Hier darf man nicht in die Nähe des Ufers navi­gie­ren. Auch die Bade­stel­len sind für Boo­te tabu. Gekenn­zeich­net sind die­se Gebie­te mit roten Bojen. Aber auch um bojen­lo­se Schwimm­pflan­zen und Reu­sen (mit aus dem Was­ser ragen­den Stan­gen gekenn­zeich­net) muss man einen gro­ßen Bogen machen. Eben­so haben Boo­te in den Berei­chen nichts zu suchen, die für Sur­fer und Schwim­mer reser­viert sind (an der Bade­in­sel und am Mar­dor­fer Strand). Die Regi­on Han­no­ver hat gemein­sam mit dem deut­schen Kanu-Ver­band ein Info­blatt erstellt, das über das kor­rek­te Ver­hal­ten auf und am Stein­hu­der Meer infor­miert (PDF). Zusätz­lich sind an den Einsatzstellen/Stegen gro­ße Tafeln auf­ge­stellt, die die wich­tigs­ten Rege­lun­gen in den Natur­schutz­ge­bie­ten auf­lis­ten. Direkt auf dem Was­ser wei­sen neben roten Bojen auch die „Eulen-Warn­schil­der“ (Natur­schutz­ge­biet) noch ein­mal beson­ders auf das Fahr­ver­bot in die­sen Berei­chen hin.

Bis hier­hin und nicht wei­ter: Bojen wie die­se mar­kie­ren die Gren­ze zum Natur­schutz­ge­biet | Foto: Dani­el Schnei­der
Zusätz­li­che Hin­wei­se auf das Natur­schutz­ge­biet sind auf Pfäh­len mit­ten im Was­ser ange­bracht | Foto: Dani­el Schnei­der

Kon­trol­liert wird die Ein­hal­tung der Regeln z. B. von der Was­ser­schutz­po­li­zei oder dem Natur­park-Ran­ger, der mit dem Motor­boot auf dem Stein­hu­der Meer patrouil­liert. Ord­nungs­wid­rig­kei­ten kön­nen mit einer Geld­bu­ße bis zu 50.000 Euro geahn­det wer­den. Die Regi­on Han­no­ver hat im ver­gan­ge­nen Jahr fünf ent­spre­chen­de Ver­fah­ren ein­ge­lei­tet – doch ver­sto­ßen wird gegen die Regeln um ein Viel­fa­ches öfter.

Info: Was man braucht oder nicht braucht auf dem Stein­hu­der Meer
• kei­ne Geneh­mi­gung nötig für klei­ne Boo­te ohne Eigen­an­trieb
• kein Führerschein/Genehmigung nötig für Elek­tro­boo­te bis 10 PS
• Anker­ball nötig, wenn Anker gewor­fen
• kein Kenn­zei­chen nötig bei Boo­ten ohne oder bis 6 m² Segel
• kein Boots­na­me nötig für klei­ne Boo­te ohne oder bis 6 m² Segel
• kei­ne Beleuch­tung nötig

Doch eigent­lich ist das recht­lich ein­wand­freie Boot­fah­ren gar nicht so schwer. Wenn man sich rück­sichts­voll ver­hält, der Natur nicht zu nahe tritt und die weni­gen Grund­re­geln beach­tet, steht auch dem Ver­gnü­gen mit dem eige­nen Boot auf dem Stein­hu­der Meer nichts im Wege.


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