Der alte Barneplatz kommt weg

Barneplatz soll zum „Shared Space“ werden

Der in die Jahre gekommene Barneplatz soll wieder zum echten Quartiermittelpunkt werden – mit hoher Aufenthaltsqualität und mehr Bäumen. Am Sonnabend wurden die Pläne der Öffentlichkeit vorgestellt.

Vorstellung der Platzgestaltung
Vor­stel­lung der Platz­ge­stal­tungs­plä­ne | Foto: Dani­el Schnei­der

Wunstorf (ds). Die Reso­nanz war am Sonn­abend deut­lich grö­ßer als bei der ers­ten Info­ver­an­stal­tung vor drei Jah­ren, als die Ver­wal­tung ihre Plä­ne erst­mals kon­kre­ter vor­stell­te. Denn jetzt lie­gen die Kon­zep­te vor, mit deren Erstel­lung ver­schie­de­ne Pla­nungs­bü­ros beauf­tragt wor­den waren: Für die Ver­kehrs­füh­rung, die Park­platz­be­rei­che und den Neu­bau des Plat­zes selbst wur­den ver­schie­de­ne Lösun­gen erar­bei­tet, die nun zur Dis­kus­si­on gestellt wur­den. Genau 50 Teil­neh­mer waren im Bar­ne­schul­zen­trum erschie­nen, als die Ver­an­stal­tung begann.

Radikalumbau

Der Barn­e­platz, wie man ihn der­zeit noch kennt, ist damit dem­nächst Geschich­te. Er soll weit­rei­chend umge­baut und an die heu­ti­gen Ansprü­che ange­passt wer­den. Offen­heit und Zugäng­lich­keit sind die ent­schei­den­den Stich­wör­ter. Die damals übli­che ver­win­kel­te Bau­wei­se mit vie­len Ecken und Nischen wird dafür auf­ge­bro­chen. In den 60er Jah­ren hat­te man noch auf eine strik­te Tren­nung von Auto- und Fuß­gän­ger­ver­kehr geach­tet. Die­se Vor­stel­lung von öffent­li­chem Raum ist jedoch nicht mehr zeit­ge­mäß. Die aktu­el­len Pla­nungs­ent­wür­fe sehen das Gegen­teil vor: Autos und Fuß­gän­ger sol­len sich die Bar­n­e­st­ra­ße künf­tig tei­len. Der Zebra­strei­fen wird damit ent­fal­len kön­nen – denn die Fuß­gän­ger que­ren die Bar­n­e­st­ra­ße ohne­hin nicht nur an die­ser Stel­le, son­dern an vie­len wei­te­ren Punk­ten, wie bei Ver­kehrs­be­ob­ach­tun­gen fest­ge­stellt wur­de. Schü­ler wür­den sogar oft über die Ver­kehrs­in­sel lau­fen.

INFO: Ver­kehrs­auf­kom­men am Barn­e­platz
Bei einer Ver­kehrs­zäh­lung im Vor­feld wur­de fest­ge­stellt, dass täg­lich 4.000 Fahr­zeu­ge am Barn­e­platz auf der Bar­n­e­st­ra­ße unter­wegs sind. Dazu kom­men tags­über etwa 1.100 Fahr­rad­fah­rer.

Verkehrsinsel entfällt

Die Ver­kehrs­in­sel soll bei die­ser Gele­gen­heit gleich mit ent­fernt wer­den, da sie in den Augen der Exper­ten eher Risi­kos schafft als hilf­reich zu sein. Vor allem für Orts­frem­de sei die Ver­kehrs­si­tua­ti­on sehr unüber­sicht­lich, beim Links­ab­bie­gen vom Hasen­pfahl in die Bar­n­e­st­ra­ße muss man etwa gleich zwei­mal auf den bevor­rech­tig­ten Gegen­ver­kehr ach­ten.

Statt­des­sen könn­te eine klas­si­sche Ein­mün­dung gebaut wer­den – oder ein Mini­kreis­ver­kehr. Die Vor­schlä­ge wur­den im Anschluss an die Vor­stel­lung der Plä­ne leb­haft dis­ku­tiert. Dem in Aus­sicht ste­hen­den Krei­sel wur­de von Anwoh­nern sogleich die Pra­xis­taug­lich­keit abge­spro­chen: Wenn der Ver­kehr, der sich aktu­ell am Hasen­pfahl staut, künf­tig auch noch durch einen Krei­sel schie­ben müss­te, wäre das Cha­os per­fekt. Doch auch die Ein­mün­dungs­op­ti­on ent­hält einen Wer­muts­trop­fen: Der gro­ße Baum in der Mit­te wür­de auf jeden Fall ent­fal­len.

Verkehrsführungsentwürfe
Die bei­den vor­ge­schla­ge­nen neu­en Ver­kehrs­füh­run­gen | Foto: Dani­el Schnei­der

Zwei Entwürfe

Auch für den Barn­e­platz selbst exis­tie­ren nun zwei Ent­wür­fe, die sich vor allem in der Aus­ge­stal­tung der Brun­nen­an­la­ge unter­schei­den. Bei bei­den Vari­an­ten soll das Pflas­ter „rol­la­tor­freund­lich“ wer­den, die alten Wasch­be­ton­plat­ten wer­den wei­chen. Archi­tek­to­nisch will man das alte Mus­ter wie­der­auf­grei­fen – die dunk­len Boden­strei­fen, die sich strah­len­för­mig von der Geschäfts­zei­le aus­ge­hend in Rich­tung Bar­n­e­st­ra­ße zei­gen, sol­len sicht­bar blei­ben. Die Later­nen, die in den 90er Jah­ren moder­ni­siert wur­den, sol­len weg und durch die inzwi­schen typi­schen Wunstorf-Leuch­ten ersetzt wer­den, wie man sie auch in der Alt­stadt fin­det, schla­gen die Pla­ner vor.

INFO: Barn­e­platz
1962 begann die Errich­tung des neu­en Stadt­teils Bar­ne mit dem Barn­e­platz als des­sen Mit­tel­punkt. 1965 wur­de der Kom­plex mit der mar­kan­ten, bis heu­te prä­gen­den Laden­zei­le gebaut. Der Barn­e­platz war als Ein­kaufs­zen­trum kon­zi­piert, mit Super­markt, Apo­the­ke, Ban­ken, Rei­ni­gung und Gas­tro­no­mie. Der Bar­n­e­markt mit Blumen‑, Wurst- oder Gemü­se­stän­den fin­det diens­tags und sonn­abends statt.

Die größ­te Ver­än­de­rung wird aber der Über­gang vom Barn­e­platz zur Bar­n­e­st­ra­ße sein. Viel­mehr soll eine bau­li­che Tren­nung dort eigent­lich gar nicht mehr vor­kom­men: Barn­e­platz und Bar­n­e­st­ra­ße sol­len mit­ein­an­der ver­schmel­zen. Erhöh­te Geh­we­ge, wie sie heu­te noch vor­han­den sind, wird es dann nicht mehr geben, die Fahr­bahn wird eine Ebe­ne mit dem Platz bil­den – und nur noch farb­lich etwas abge­setzt sein. Der Barn­e­platz wird sich damit z. B. bis zum Jugend­treff ver­grö­ßern. Fuß­gän­ger und Stra­ßen­ver­kehr sol­len an die­ser Stel­le in einer gemein­sa­men „Begeg­nungs­zo­ne“ unter­wegs sein. Da es „Sha­red Space“ in die­ser Form in der deut­schen Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung aber eigent­lich nicht gibt, dürf­te der Abschnitt als soge­nann­ter „ver­kehrs­be­ru­hig­ter Geschäfts­be­reich“ ein­ge­ord­net und als Tem­po-20-Zone aus­ge­wie­sen wer­den.

Keine Parkplätze mehr an der Barnestraße

Die Beton­ein­fas­sun­gen ent­fal­len kom­plett, und mit ihnen auch die jet­zi­gen Park­buch­ten an der Barn­stra­ße. Dort soll es gar kei­ne Park­plät­ze mehr geben, kom­pen­siert wird der Weg­fall – denn eigent­lich hat­ten sich die Anwoh­ner mehr Park­plät­ze statt weni­ger gewünscht – womög­lich mit einer Umstruk­tu­rie­rung der Zufahrts­stra­ße auf der Rück­sei­te der Laden­zei­len, wo bereits heu­te oft wild geparkt wird. Aller­dings spie­len die beauf­trag­ten Pla­nungs­bü­ros mit dem Gedan­ken, eine neue Bus­hal­te­stel­le direkt am Barn­e­platz ein­zu­rich­ten, etwa auf Höhe des Fri­seur­la­dens. Nur die Ein­fas­sung rund um das mon­go­li­sche Restau­rant wird erhal­ten blei­ben, da hier die bestehen­den abge­grenz­ten Park­plät­ze zuge­si­chert sind.

Entwurf 1
Ent­wurf 1 zur Neu­ge­stal­tung des Plat­zes | Foto: Dani­el Schnei­der
Entwurf 2
Ent­wurf 2 zur Neu­ge­stal­tung des Plat­zes | Foto: Dani­el Schnei­der

Neue Bäu­me wer­den die Bar­n­e­st­ra­ße säu­men, dafür ent­fal­len eini­ge alte Baum­be­stän­de auf dem Platz selbst, wer­den aber auch hier wie­der durch Neu­an­pflan­zun­gen ersetzt. Unterm Strich wird es nach dem Umbau daher mehr Bäu­me geben als zuvor, der Cha­rak­ter des Plat­zes wird sich allein des­halb schon ändern: Wo man heu­te im Som­mer in der pral­len Son­ne rund um den Brun­nen steht, wird man künf­tig auf Bän­ken unter schat­ti­gen Bäu­men Platz neh­men kön­nen.

Es gebe noch ver­blüf­fend viel Infra­struk­tur auf dem Barn­e­platz, stell­te Land­schafts­ar­chi­tek­tin Chris­ti­ne Früh fest. Die­se Leben­dig­keit soll­te mit dem Umbau erhal­ten und mani­fes­tiert wer­den, der Barn­e­platz wie­der ein Platz zum Wohl­füh­len wer­den. Ver­an­stal­tun­gen auf dem Platz sol­len wei­ter mög­lich sein, für die Gas­tro­no­mie sind Außen­be­rei­che reser­viert, die jedoch nicht mehr wie bis­her räum­lich abge­trennt wer­den sol­len. Tische und Stüh­le sol­len künf­tig frei auf dem Platz ste­hen. Auch Fahr­rä­der sol­len nicht mehr vor den Geschäf­ten ste­hen, son­dern am Ran­de der Bar­n­e­st­ra­ße abge­stellt wer­den.

Kompromiss beim Brunnen

Stadt­pla­ner Peter Pfa­den­hau­er erin­ner­te dar­an, dass bei der letz­ten Bür­ger­be­tei­li­gung vor drei Jah­ren die Mei­nun­gen zum Brun­nen weit aus­ein­an­der­ge­gan­gen waren. Eini­ge woll­ten das Was­ser­spiel unbe­dingt erhal­ten, ande­re es auf jeden Fall los­wer­den. Der alte Brun­nen soll daher weg, aber eine neue Was­ser­stel­le ist ein­ge­plant, die jedoch klei­ner aus­fal­len dürf­te. Einig waren sich die Pla­nen­den, dass der jet­zi­ge Brun­nen genau inmit­ten einer der Haupt­strö­me von Fuß­gän­gern läge – der nun gewis­ser­ma­ßen frei­ge­räumt wer­den wird. Der neue Brun­nen wird etwas wei­ter west­lich ent­ste­hen, und damit auch deut­lich zen­tra­ler: der aktu­el­le Brun­nen wirkt der­zeit eher ein wenig an den Rand gescho­ben. Im Gegen­zug ist nun noch ein Kin­der­spiel­platz ein­ge­plant, der aber bewusst an den Rand gebaut wird, damit sich Älte­re nicht gestört füh­len, die in der Platz­mit­te Ruhe suchen. Die Pla­ner den­ken dabei an „Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­seln“ für alle Alters­grup­pen auf dem Barn­e­platz.

Verträge unterzeichnet

Dass sich die Rea­li­sie­rung nun erneut um Jah­re ver­zö­gert hat, hängt mit der etwas kom­pli­zier­ten Eigen­tü­mer­struk­tur am Barn­e­platz zusam­men. Eigent­lich hät­te der Umbau nach letz­tem Stand schon 2018 begin­nen sol­len. Doch nur die Hälf­te des Plat­zes ist im Besitz der Stadt – der Rest gehört den jewei­li­gen Eigen­tü­mern der Laden­zei­le, näm­lich die Berei­che unmit­tel­bar vor den Geschäf­ten.

Ich gehe davon aus, dass wir kei­ne offe­nen Flan­ken mehr haben“Peter Pfa­den­hau­er

Die Stadt hat­te daher vie­le Gesprä­che zu den Moda­li­tä­ten des Umbaus zu füh­ren: Denn auf Pri­vat­ge­län­de darf die Stadt nicht inves­tie­ren, und die Eigen­tü­mer hat­ten kein Inter­es­se, Tei­le ihrer Grund­stü­cke zu ver­äu­ßern. Als Kom­pro­miss betei­li­gen sich die Eigen­tü­mer nun an den Umbau­maß­nah­men, die Stadt über­nimmt die Aus­füh­rung und die Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht. Vor 6 Wochen sei der letz­te nöti­ge Ver­trag mit einem der Eigen­tü­mer unter­zeich­net wor­den, berich­te­te Stadt­pla­ner Peter Pfa­den­hau­er. Nun stün­de dem Umbau nichts mehr im Wege.

Die Umge­stal­tung ist in ins­ge­samt vier Bau­ab­schnit­te unter­teilt, die nach­ein­an­der ange­gan­gen wer­den. Begon­nen wird mit der Neu­ge­stal­tung des alten Plat­zes, die­ser soll spä­tes­tens 2021 umge­baut sein. Anschlie­ßend wird die Bar­n­e­st­ra­ße inte­griert, erst danach das Ver­kehrs­drei­eck besei­tigt und neue Park­plät­ze auf der Rück­sei­te ange­legt.

Barn­e­platz soll zum „Sha­red Space“ wer­den 1 von 8
Auftakt zur Bürgerbeteiligung
Foto: Dani­el Schnei­der

1. Auftakt zur Bürgerbeteiligung

Diskussion der Verkehrsführung
Foto: Dani­el Schnei­der

2. Diskussion der Verkehrsführung

Parkplätze sind nur noch am östlichen Rand vorgesehen
Foto: Dani­el Schnei­der

3. Parkplätze sind nur noch am östlichen Rand vorgesehen

Auf dem Weg zu den Projekträumen
Foto: Dani­el Schnei­der

4. Auf dem Weg zu den Projekträumen

Anmerkungen werden aufgegriffen
Foto: Dani­el Schnei­der

5. Anmerkungen werden aufgegriffen

Erläuterung der Verkehrsführung
Foto: Dani­el Schnei­der

6. Erläuterung der Verkehrsführung

Erläuterung der Platzgestaltungspläne
Foto: Dani­el Schnei­der

7. Erläuterung der Platzgestaltungspläne

So stellen sich die Architekten den künftigen Barneplatz vor
Foto: Dani­el Schnei­der

8. So stellen sich die Architekten den künftigen Barneplatz vor

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5 Kommentare
  1. Ral Wil sagt

    klingt ja klas­se. Und alles, was wei­ter in die Nar­be muss Rich­tung Schu­le und Schwimm­bad etc. soll da durch ? Des­wei­te­ren scheint nach dem Ampel­wahn jetzt der Krei­sel­wahn in Wunstorf aus­ge­bro­chen. Aller­dings gäbe es so vie­le geeig­ne­te­re Orte, an denen ein Krei­sel wich­tig wäre. Nun ja, die Ver­kehrs­pla­nung war ja in Wunstorf schon immer spe­zi­ell.

  2. Grit Decker sagt

    Das hört sich ja alles viel­ver­spre­chend an.

    Erfah­rungs­ge­mäß wird sich die Umge­stal­tung jedoch zumin­dest von den zeit­li­chen Ter­mi­nie­run­gen her eher nicht umset­zen las­sen.
    Auch wenn ich davon aus­ge­hen möch­te, dass aus der Umge­stal­tung des Barn­e­plat­zes kei­ne „never end the sto­ry“ wer­den wird, wie so eini­ge ande­re geplan­te und beschlos­se­ne (>Nord­um­ge­hung) Maß­nah­men, so möch­te ich (noch) nicht über die Brü­cke gehen wol­len.

  3. S.Martin sagt

    Das der Zebra­strei­fen ent­fal­len soll hal­ten wir für ver­kehrt und nicht durch­dacht! Sehr vie­le Schü­ler , älte­re Leu­te, Fami­li­en mit Klein­kin­dern que­ren die­sen Zebra­strei­fen. Gera­de da man das stark über­höh­te Tem­po der Stadt­bus­se und der Autos beob­ach­tet. Das soll­te man in Betracht zie­hen und doch dort wie­der einen Zebra­strei­fen inte­griert.

  4. Basti g. sagt

    Noch weni­ger Park­plät­ze? Wer bit­te­schön plant so was ? Kein Wun­der das bald alles online kommt echt scha­de um net­te Geschäf­te wie die Apo­the­ke aber wenn es so wei­ter geht ist die auch bald wech

  5. Katharina Rathey sagt

    Wo par­ken dann die Kun­den von den Geschäf­ten und die Pati­en­ten von den Ärz­ten?
    Alle auf dem Hasen­pfahl!! Dann kom­men wir gar nicht mehr aus den Aus­fahr­ten raus, was jetzt schon eine Kata­stro­phe ist. Geschwei­ge denn, der zuneh­men­de Lärm, der täg­lich auf die­ser Stra­ße zunimmt Hier kann man nur den Kopf schüt­teln, wenn die Park­platz­buch­ten auch noch weg­fal­len. Für Kin­der und älte­re Men­schen eine rei­ne Kata­stro­phe, die die Stra­ße über­que­ren müs­sen.

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