Stadtgespräch

Flüchtlinge in Wunstorf

Das „Café Immergrün“ schließt

Vier Jahre lang bot es Flüchtlingen in Wunstorf eine Anlaufstelle, nun aber fand das wöchentliche Zusammenkommen zum letzten Mal statt.

Café Immergrün
Das letzte Mal Café Immergrün | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (red). Eine kleine große Abschiedsfeier war es am Freitagvormittag, mit Punsch und Waffeln in großer Runde. Viele Teilnehmer der ersten Stunde waren gekommen, um sich noch einmal für die Jahre zu bedanken – und die Gastgeber vom Arbeitskreis Asyl und den Grünen gaben die anerkennenden Worte ihrerseits zurück. Birgit Mares hielt eine kleine Rede und dankte den Teilnehmern, dass sie nicht nur gekommen seien, sondern sich auch selbst eingebracht hätten. Es war ein Nehmen und Geben im Café.

So fiel die Begrüßung der Anwesenden am vergangenen Freitag, an dem das “Internationale Café des AK Asyl und Integration” zum letzten Mal geöffnet hatte, auch entsprechend herzlich aus. Es schien wie ein Familientreffen zu sein, man begrüßte sich überschwänglich. Einige hatten sich auch untereinander lange nicht mehr gesehen. Vier Jahre lang gab es das „Café Immergrün“: im Dezember 2015, als die Flüchtlingswelle aus Syrien begonnen hatte, war es eingerichtet worden: die Grünen hatten als Örtlichkeit für den Treffpunkt damals ihre Geschäftsräume in der Küsterstraße zur Verfügung gestellt. Hier wurden fortan Kontakte geknüpft und Freundschaften geschlossen. Für viele war es ein Sprungbrett zur Stadt.

Einst Flüchtling, jetzt Rathausmitarbeiter

Für einen der Flüchtlinge sogar im doppelten Sinne: Alaaeddeen Basheer war 2015 aus Südsyrien nach Deutschland gekommen. Eigentlich wollte er nach Schweden gelangen, wo schon ein Cousin lebte, doch in Passau blieb er zunächst hängen. Von dort wurden die Menschen mit Bussen über die ganze Republik verteilt. Dass Basheer gemeinsam mit seinem Bruder nach Wunstorf kam, war reiner Zufall. Doch hier konnte er direkt an seinen alten Beruf als Verwaltungsbeamter anknüpfen. Sein Studium der Business Administration wurde anerkannt, und nach einem halbjährigen Praktikum im Rathaus wurde er tatsächlich in den städtischen Dienst übernommen.

Wie viele andere Neu-Wunstorfer führte sein Weg über die Notunterkunft ins Flüchtlingswohnheim, nach einem halben Jahr konnte er in eine von der Stadt angemietete Wohnung umziehen. Seitdem ist er Luther. „Ich bereue nichts“, sagt Basheer aus tiefstem Herzen über seine neue Heimat – in fließendem Deutsch.

Die Notwendigkeit ist entfallen

Zuletzt kamen jedoch immer weniger zum freitäglichen Treff, das Interesse ebbte spürbar ab. Die Menschen seien nun angekommen, sie hätten Arbeit und nun wenig Zeit, schon gar nicht mehr am Vormittag, sagte etwa Annegret Dalig. Zuletzt hatte das Café daher nicht mehr jeden Freitag, sondern nur noch am 1. Freitag im Monat geöffnet gehabt, so dass nun, nach genau 4 Jahren, der Schlusspunkt gesetzt wurde.

Das vom Immergrün-Flüchtlingstreff unabhängige „Café der Kulturen“ im Johanniter-Wohnheim besteht weiterhin, jeden Samstag ab 14.30 Uhr. Auch Basheer wird man wie viele andere „Immergrüner“ auch dort treffen können.

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