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Der Zug ist abgefahren

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K + S muss Sigmundshall fluten, daran führt kein Weg vorbei. Nur wie das geschehen soll, das kommt erst jetzt richtig zur Diskussion – obwohl die Schließung des Bergwerks längst vollzogen ist und der Transport von Salzlösung bald beginnen soll. Wunstorf wird damit nicht nur eine Abraumhalde erben, sondern bekommt auch noch salzhaltige Abwässer aus anderen Werken in den Boden gepumpt, zum Beispiel aus Hessen. Politik und Anwohner sorgen sich aber nicht um den flüssigen Salzzuwachs, sondern – wie könnte es in Wunstorf anders sein – um den Verkehr.

Der Werksbetreiber brachte von Anfang an die billige Lastwagenlösung ins Spiel, bei der per Schiff oder Bahn angeliefertes Abwasser die letzten Kilometer über die Straße nimmt. Davon war die Straßenbehörde nicht begeistert. Von einer Pipeline-/Bahnlösung über Haste sind wiederum die Haster und Hohnhorster zu Recht wenig begeistert. Wunstorf profitiert, und Bad Nenndorf soll herhalten – das ist nicht vermittelbar. Doch auch die Wunstorfer Politik brachte eine Pipeline ins Spiel. Aus technischer Sicht ist aber wohl nur eine unterirdische Pipeline möglich. So etwas baut man jedoch nicht in ein paar Wochen, und auch nicht in Luftlinie. Da steht ein Planfeststellungsverfahren im Weg – und das kann dauern. Das weiß auch K + S, die nicht zum ersten Mal ein Bergwerk fluten oder eine Leitung bauen.

Es ist viel Zeit verstrichen, in der sich nichts bewegte. Erst jetzt, als das Gespenst Bürgerinitiative auftauchte, reagieren Politik und Verwaltung hastig. Erst jetzt wird die Pipelinelösung „untersucht“. Doch auch die Verwaltung muss wissen, dass eine Umsetzung zum nächsten Jahr illusorisch ist. Daher wird kein Konfrontationskurs zu K + S eingeschlagen, sondern nur das maximal Mögliche gefordert, aber mit der Hilfsweise-Strategie ein Hintertürchen offen gelassen. Zu Deutsch: Plan B (moderne Bahnübergänge = schnellere Zugquerungen) wird gleich mitgeliefert, weil Plan A (Pipeline) nicht aussichtsreich genug ist. Denn würde Wunstorf tatsächlich einen Weg finden, die Schienentransporte zu verhindern, während die Pipeline nicht fertig ist, dann hätte es den Schwarzen Peter – und eventuell bald Hunderte von Lastwagen wöchentlich im Pendelverkehr.

Für eine Pipelinelösung ist es eigentlich längst zu spät, „der Zug ist abgefahren“. K + S, Politik und Verwaltung können verkünden, alles versucht zu haben – und am Ende kommt trotzdem die Schienenlösung. In nächster Zeit werden sich jahrelang Salzlaugenzüge über die Kleinbahnstrecke durch Wunstorf schieben. Welche Dimensionen das hat, wird von vielen erst dann bemerkt werden. Faktisch wird nun alles darangesetzt, aus der Schienenlösung das Beste zu machen, eine schwierige Situation weniger schlimm zu gestalten. Weniger Lärm, weniger Dieselruß, weniger Wartezeit an den Übergängen. Statt am Anschein festzuhalten, dass schnelle Alternativen noch möglich sind, könnte man die Wunstorfer getrost mit den Realitäten konfrontieren.

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3 Kommentare

  1. Seit dem Jahr 1905 ist das Werk Sigmundshall an das Schienennetz angeschlossen. Da können wir jetzt nicht überrascht sein, wenn es weiter genutzt werden soll. Die Bahn gilt auch als umweltverträgliches Verkehrsmittel. Über Jahrzehnte wurde die Bahnstrecke zwischen Bokeloh und Wunstorf zum Transport von Gütern und für öffentlichen Personennahverkehr genutzt. Warum soll das jetzt als schlechte Lösung gelten?
    Übrigens, als die letzte Schicht der Bergleute am 18. Dezember 2018 gefahren wurde und 500 Arbeitsplätze auf einen Schlag wegfielen, bildeten Bokeloherinnen und Bokeloher ein Spalier fûr die Kumpel. Ratsmitglieder oder der Bürgermeister aus der Stadt Wunstorf wurden nicht gesehen.

  2. Mich würde interessietren, warum das Kailiwerk “geflutet” werden muss. Vielleicht kann mir jemand eine Antwort gegeben.

  3. Weil es gestzlich festgelegt ist, dass ein “eingestelltes” Bergwerk verfüllt werden muss. Mit Lauge, Wasser oder Feststoffen.

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