Die Mühle Langhorst zwischen Historie und Moderne

Westlich des Bürgerparks entsteht derzeit ein Luxus-Wohnquartier auf dem Gelände der alten Mühle Langhorst. Der Teilabriss begann 2016, errichtet werden nun, unter Einbeziehung der historischen Bausubstanz, bis zu 19 teils großdimensionierte Eigentumswohnungen. Ein Gastbeitrag von Daniela Stefanie Hauf, M. A.

Die Mühle Langhorst, aus Richtung Schützenplatz gesehen, während der Rückbauarbeiten im Spätsommer 2016 | Foto: Daniel Schneider

Nur wenige Jahre nach der Einstellung des Mühlenbetriebs wurde das Grundstück, auf dem die historische Wassermühle von Wunstorf steht, an die 2015 gegründete Hoffsteed Wunstorf GmbH aus der Wedemark verkauft. Laut Aussagen des Bauherren soll die Mühle saniert werden, und bis zu 19 Eigentumswohnungen in den Größen von 80–160 Quadratmeter entstehen.

Das beauftragte Architekturbüro „save & sale architects – business brokers“ aus Wedemark äußert sich dahingehend, dass nur das alte Mühlengebäude erhalten bleibt und der Rest des versiegelten Grundstücks wie die Nebenanlagen, Hallen sowie Hofflächen etc. zurückgebaut werden. Die Siloanlagen sind bereits entfernt, und im Innern der Mühle wurden die Einbauten für den Rückbau des Anbaus bereits beseitigt.

So könnte sich die Mühle nach dem Entwurf des Architektenbüros in Zukunft zeigen | Visualisierung: save & sale architects – business brokers

Mühlengeschichte

Die ehemalige Wassermühle in Wunstorf in der Neuen Straße 2 ist seit dem Spätmittelalter als solche nachgewiesen. Sie lag zunächst vor dem Nordtor. Im Jahre 1446 gestattete Bischof Magnus von Hildesheim der Stadt den Bau einer neuen Mühle. Diese wurde dann als Stadtmühle an der jetzigen Stelle errichtet. Die Mühle ging 1829 in den Privatbesitz des Müllers Heinrich Lührig über. Nach mehrmaligem Besitz- und Pächterwechsel war Friedrich Kracke von 1871–1888 Mühlenpächter, bis dann erst 1899 Heinrich Langhorst aus Auhagen die Mühle übernahm. Zu diesem Zeitpunkt verarbeitete die Mühle im Sommerhalbjahr von April bis September 45,3 Tonnen Weizen und 76,35 Tonnen Roggen sowie knapp 57 Tonnen Gersten-, Mais- und Bohnenschrot.

Das Mühlengebäude von 1943 mit denkmalgeschützter Verbindungsbrücke | Foto: Daniela Stefanie Hauf

Der Bruder von Heinrich Langhorst, Wilhelm Langhorst, wandelte die Mühle 1925 grundlegend um. Er ließ das Wasserrad entfernen und eine Wasserturbine zur Stromerzeugung einbauen. Ab 1940 bezog die Mühle ihre Arbeiter aus dem an der Haster Straße – in der ehemaligen Lohmühle – eingerichteten und mit französischen Kriegsgefangenen belegten Strafgefangenen-Lager. Das Mühlengebäude in seiner heutigen Form wurde in zwei Bauabschnitten in den Jahren 1943 und 1950 errichtet, während das Wohnhaus noch aus dem 17. Jahrhundert datiert. Im Zuge der Aueregulierung wurde die entlang des Nordwalls führende Mühlenaue verfüllt und kein Strom mehr produziert. Der Mühlenbetrieb wurde im Jahre 2013 eingestellt.

Zielgruppe: Ruhebedürftige mit Segelschein
Die Firma hus de groot GmbH hat sich auf den Vertrieb von repräsentativen, exklusiven Domizilen spezialisiert. Im Portfolio des Anbieters befinden sich zahlreiche historische Anwesen, die zu luxuriösem Wohnraum ausgebaut wurden. Das künftige Wohnquartier rund um die Mühle Langhorst vermarktet die Gesellschaft unter dem Namen „Mühlenaue“ und dem Stichwort „Platinum Wohnräume“ als sichere Kapitalanlage in einer Kleinstadt mit Großstadt- und Wassersportanschluss.

Charme soll erhalten bleiben

Zurückgebaut werden soll nun, laut Aussage des Investors, ausschließlich der 1943 an der von der Straße abgewandten Seite errichtete Anbau der Mühle wegen des sonst eingeschränkten Lichteinfalls. Die kulturhistorische Fassade der Mühle und somit der Charme des Hauptgebäudes soll erhalten und somit weiter zum Ausdruck gebracht werden. Auch der Fachwerksteg, welcher das Gebäude „Neue Str. 2“ mit der Wassermühle verbindet und unter Denkmalschutz steht, soll angeblich erhalten bleiben. Die an den Bürgerpark angrenzenden Hallengebäude sollen ebenfalls abgerissen werden. Hier soll deutlich abgerückt vom Bürgerpark in einem zweiten Bauabschnitt ein Neubau, der in seiner Architektur an die Historie der Wassermühle anknüpft, entstehen.

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