Wunstorf kein FSME-Risikogebiet

Ferienzeit – Zeckenzeit

Auch wenn Wunstorf selbst kein FSME-Risikogebiet ist, sollte man ggf. spätestens vor der nächsten Urlaubsreise an eine Impfung denken. Borreliose können aber auch Wunstorfer Zecken übertragen …

Achtung Zecken
Im hohen Gras füh­len sich Zecken wohl | Bild­quel­le: Regi­on Han­no­ver

Han­no­ver (red). Mit den wär­me­ren Tagen des Jah­res begann auch die Zecken­sai­son. Man­che mach­ten bereits in den letz­ten Wochen unlieb­sa­me Bekannt­schaft mit den blut­saugen­den Insek­ten, nach­dem sie im Wald oder auf Wie­sen unter­wegs gewe­sen waren. Die gefürch­te­te Früh­som­mer-Menin­go-Enze­pha­li­tis (FSME) kön­nen Zecken in unse­rer Gegend nor­ma­ler­wei­se nicht über­tra­gen, doch die Erre­ger der Bor­re­lio­se wer­den mit ihrem Stich wei­ter­ge­ge­ben.

Zeckenentfernung

Hat die Zecke bereits zuge­sto­chen und sich fest­ge­setzt, ist die Art der Ent­fer­nung wich­tig, um die Gefahr einer Infek­ti­on zu redu­zie­ren: Die Zecke soll­te mög­lichst haut­nah gegrif­fen wer­den, so dass das Tier nicht gequetscht wird. Andern­falls kön­nen gefähr­li­che Kör­per­flüs­sig­kei­ten aus­tre­ten. Die Zecke soll­te lang­sam und kon­trol­liert her­aus­ge­zo­gen wer­den. Der Blut­sauger soll­te dabei nicht vor­her „betäubt“ wer­den: Alte angeb­li­che Haus­mit­tel wie Öl oder Nagel­lack­ent­fer­ner sind kon­tra­pro­duk­tiv, damit las­sen sich Zecken nicht sinn­voll ent­fer­nen. Als Hilfs­mit­tel zum Ent­fer­nen kön­nen nor­ma­le Pin­zet­ten oder spe­zi­el­le Zecken­pin­zet­ten genutzt wer­den, die­se gibt es auch in Apo­the­ken. Gut grei­fen las­sen sich Zecken z. B. mit dün­nen und lang aus­ge­leg­ten Pin­zet­ten aus Metall.

INFO: Schutz vor Zecken
Einen siche­ren Schutz vor Zecken­sti­chen gibt es nicht, aber das Risi­ko lässt sich mini­mie­ren:
• Hohes Gras oder Unter­holz mei­den
• Geschlos­se­ne Klei­dung mit lan­gen Ärmeln und lan­gen Hosen tra­gen
• Socken über die Hosen­bei­ne zie­hen
• Hel­le Klei­dung tra­gen. Die Far­be ist den Zecken zwar egal, aber auf hel­len Stof­fen las­sen sie sich bes­ser erken­nen und noch recht­zei­tig ent­fer­nen
• Insek­ten­ab­wei­sen­de Mit­tel ver­wen­den. Die­se hel­fen zumin­dest eine Wei­le.
• Nach Auf­ent­halt in der Natur den gan­zen Kör­per absu­chen. Die zunächst noch win­zig klei­nen Zecken krab­beln auf dem Kör­per und der Klei­dung her­um, um eine geeig­ne­te Ein­stich­stel­le für das Blut­saugen zu fin­den. Sie bevor­zu­gen dün­ne und war­me Haut­stel­len. Daher beson­ders an den Armen, Knie­keh­len, am Hals, Kopf und im Schritt gründ­lich suchen.

Borreliose-Infektion

Jede Zecke hin­ter­lässt nach dem Biss eine gerö­te­te Haut­stel­le. Nach eini­gen Tagen soll­te die­se Rötung ver­schwun­den sein. Über eine mög­li­che erns­te Infek­ti­on lässt sich zu die­sem Zeit­punkt aber noch nichts sagen, erst nach min­des­tens 7 Tagen ent­wi­ckeln sich Sym­pto­me einer Bor­re­lio­se oder FSME. Die unmit­tel­ba­re Rötung nach einem „Zecken­biss“ ist also noch kein Anzei­chen für eine Bor­re­lio­se. Erst nach eini­gen Tagen nach der Infek­ti­on mit den Erre­gern kann sich eine soge­nann­te Wan­der­rö­te ent­wi­ckeln, die sich meist ring­för­mig in einem grö­ße­ren Radi­us um die Ein­stich­stel­le aus­brei­tet – sie kann aber auch an ande­ren Stel­len am Kör­per auf­tre­ten. Spä­tes­tens beim Auf­tau­chen die­ser auf­fäl­li­gen Rötun­gen soll­te umge­hend ein Arzt auf­ge­sucht wer­den, der eine ent­spre­chen­de Infek­ti­on fest­stel­len und z. B. mit Anti­bio­ti­ka behan­deln kann. Eine Imp­fung gegen Bor­re­lio­se gibt es nicht, und eine ein­mal durch­ge­mach­te Erkran­kung ver­leiht auch kei­ne Immu­ni­tät gegen wei­te­re Infek­tio­nen.

Zecke in Wiese
Eine gut genähr­te Zecke in frei­er Wild­bahn | Bild­quel­le: Regi­on Han­no­ver

FSME-Infektion

Eine Imp­fung steht jedoch gegen die Früh­som­mer-Menin­go-Enze­pha­li­tis zur Ver­fü­gung. Mus­kel- und Glie­der­schmer­zen, Gleich­ge­wichts­ver­lust, Stö­run­gen des Bewe­gungs­ap­pa­rats oder hohes Fie­ber sind eini­ge der Sym­pto­me der FSME-Krank­heit. In den meis­ten Fäl­len heilt sie zwar wie­der kom­plett ab – und dann ist man auch gegen wei­te­re FSME-Erkran­kun­gen immun. In Ein­zel­fäl­len kön­nen aber Gesund­heits­schä­den wie Läh­mun­gen, Gleich­ge­wichts­stö­run­gen oder Pro­ble­me mit der Aus­spra­che zurück­blei­ben, auch Todes­fäl­le kamen vor. Wer eine Urlaubs­rei­se plant, soll­te sich daher infor­mie­ren, ob das Rei­se­ziel in einem soge­nann­ten FSME-Risi­ko­ge­biet liegt. Dazu zäh­len neben Süd­deutsch­land und seit die­sem Jahr auch der Land­kreis Ems­land vie­le Län­der in Mit­tel- und Ost­eu­ro­pa. Denn anders als bei der Bor­re­lio­se-Infek­ti­on gibt es für FSME kei­ne The­ra­pie­mög­lich­kei­ten. „Wer sich in ent­spre­chen­den Gebie­ten auf­hält, soll­te sich daher unbe­dingt imp­fen las­sen“, sagt Dr. Mus­ta­fa Yil­maz, Lei­ter des Gesund­heits­am­tes der Regi­on Han­no­ver. Und auch wenn Wunstorf und die Regi­on Han­no­ver kein Riski­ko­ge­biet sind, kön­nen ein­zel­ne Zecken FSME auch hier über­tra­gen. Beson­ders für Per­so­nen, die sich beruf­lich oder in ihrer Frei­zeit häu­fig in der frei­en Natur auf­hal­ten, sei eine FSME-Imp­fung daher sinn­voll, so Dr. Yil­maz.

INFO: Bor­re­lio­se
Eine in unse­rer Gegend häu­fig durch Zecken über­tra­ge­ne Krank­heit ist die Bor­re­lio­se. Sie ist meist an einer gro­ßen, kreis­run­den Rötung um den „Zecken­biss“ her­um zu erken­nen, der eini­ge Tage nach dem Stich sicht­bar wird (die unmit­tel­ba­re Haut­ir­ri­ta­ti­on durch einen Zecken­stich ist noch kein Zei­chen einer Infek­ti­on): Der Durch­mes­ser beträgt min­des­tens vier Zen­ti­me­ter. Die­se Stel­le brei­tet sich danach wei­ter aus und kann Fie­ber und Mus­kel­schmer­zen aus­lö­sen. In die­sem Fall soll­ten Betrof­fe­ne umge­hend einen Arzt auf­su­chen. Mit­hil­fe von Anti­bio­ti­ka kann Bor­re­lio­se inner­halb kur­zer Zeit geheilt wer­den. Bleibt die Behand­lung aus, kann die Erkran­kung schwe­re­re Aus­ma­ße anneh­men.
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4 Kommentare
  1. Grit Decker sagt

    Mit Grau­sen den­ke ich dar­an zurück, dass mei­ne ver­sor­be­ne Groß­mutter väter­li­cher­seits ihren dahin­ge­hend wirk­lich bedau­erns­wer­ten Rau­h­haar­da­ckeln bei „Zecken-Heim­su­chung“ mit Spei­se­öl track­tier­te, um die läs­ti­gen Vie­cher leich­ter zu ent­fer­nen.

    Beim heu­ti­gen Wis­sens­stand über Zecken­sti­che tut mir der arme „Rau­di“ im Nach­hin­ein noch ’ne Run­de mehr leid.

  2. Stephan Große sagt

    Naja, das mit den Zecken­bist ja iwann vor­bei. Wenn die letz­ten Wäl­der den Wind­rö­dern wei­chen müs­sen, fehlt ein ent­schei­den­der Teil des Lebens­raum die­ser süs­sen klei­nen Lebe­we­sen

    1. Grit Decker sagt

      1. Teil des Kom­men­tars von #Ste­phan = ja: ist durch unser aller Unver­nunft lei­der so.
      2. Teil „süs­se klei­ne Lebe­we­sen“: ich weiß ja nicht, obwohl ich noch nicht deren „Bekannt­schaft“ gemacht habe.
      Ganz ehr­lich: wirk­lich Inter­es­se habe ich dahin­ge­hend auch nicht.

  3. Michael Weihs sagt

    Selbst wenn es kei­ne Wäl­der mehr geben soll­te, wird es noch wei­ter Zecken geben. Denn die­se sit­zen nicht auf Bäu­men, son­dern in Wie­sen und Grä­sern…

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