Gericht entscheidet noch nicht über erlaubten Abriss von Steinhuder Haus

Ein Grundstückseigentümer in Steinhude möchte ein darauf gebautes, sanierungsbedürftiges Haus abreißen. Doch der Denkmalschutz machte dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Die zuständige Stadt Wunstorf lehnte den Antrag ab, das Gebäude aus dem niedersächsischen Kulturdenkmalverzeichnis streichen zu lassen. Dagegen klagt nun der Eigentümer vor dem Verwaltungsgericht Hannover, um gerichtlich feststellen zu lassen, dass es sich bei dem Haus nicht um ein Denkmal handelt.

Privatsteg am Steinhuder Meer | Foto: Daniel Schneider
Pri­vat­steg auf einem Grund­stück am Stein­hu­der Meer (Sym­bol­bild) | Foto: Dani­el Schnei­der

Der Klä­ger ist Eigen­tü­mer des Grund­stücks Ste­e­ne­wark 38 in Stein­hu­de, ganz in der Nähe der Bade­in­sel. Das Grund­stück war bis zum Jah­re 1956 mit zwei Gebäu­den – einem Wohn- sowie einem Boots- bzw. Som­mer­haus – bebaut, wel­che sei­ner­zeit von der Kaval­le­rie­schu­le Han­no­ver genutzt wur­den. Das (ehe­ma­li­ge) Wohn­haus wur­de im Jah­re 1956 abge­ris­sen, das Gebäu­de, wegen dem jetzt geklagt wird, schon vor Jahr­zehn­ten vom Boots- zum Wohn­haus umge­baut. Das Haus ist seit län­ge­rer Zeit unbe­wohnt. Im Jah­re 1986 wur­de es wegen „schutz­wür­di­ger bau- und kunst­ge­schicht­li­cher Bedeu­tung“ als Kul­tur­denk­mal aus­ge­wie­sen und in das Ver­zeich­nis der Kul­tur­denk­ma­le des Lan­des Nie­der­sach­sen auf­ge­nom­men.

Das Gebäu­de ist in ein­fa­cher Holz­kon­struk­ti­on errich­tet und mit einer beson­de­ren Lamel­len-Dach­kon­struk­ti­on ver­se­hen, wel­che auf die Ent­wick­lung des Archi­tek­ten Fried­rich Zol­lin­ger Anfang des 20. Jahr­hun­derts zurück­zu­füh­ren ist. Die Dach­kon­struk­ti­on des Gebäu­des ist sanie­rungs­be­dürf­tig. Nach einem vom Klä­ger im Jahr 2013 ein­ge­hol­ten Gut­ach­ten soll eine Instand­set­zung der Holz­kon­struk­ti­on nicht mehr mög­lich sein und das gesam­te Dach erneu­ert wer­den müs­sen.

Landesamt sieht Denkmalschutz gegeben

Das im Kla­ge­ver­fah­ren betei­lig­te Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge hat eine fach­li­che Stel­lung­nah­me abge­ge­ben, wonach es die Denk­ma­l­ei­gen­schaft des Gebäu­des sowohl mit Rück­sicht auf sei­ne His­to­rie als auch wegen sei­ner archi­tek­to­ni­schen Qua­li­tät für gege­ben erach­tet. Neben der his­to­ri­schen Kom­po­nen­te sei als wei­te­re Beson­der­heit die gebo­ge­ne Dach­haut zu nen­nen, die auf einer ver­schal­ten Lamel­len­kon­struk­ti­on auf Boh­len­bin­dern als Spar­ren ruhe (sog. „Zol­len­bau-Lamel­len­dach“). Das Gebäu­de wei­se daher nicht nur eine hohe archi­tek­to­ni­sche Sel­ten­heits­qua­li­tät, son­dern auch geschicht­li­che und bau­tech­ni­sche Beson­der­hei­ten auf, die eine Aus­wei­sung als Bau­denk­mal gerecht­fer­tigt erschei­nen las­se. Es gehe davon aus, dass die Denk­ma­l­ei­gen­schaft zwi­schen­zeit­lich nicht ent­fal­len sei, da das Gebäu­de noch unver­sehrt an sei­nem Ort ste­he. Der Erhalt des Gebäu­des sei wei­ter­hin mög­lich.

Gutachten erforderlich

Die Ver­wal­tungs­rich­ter der zustän­di­gen 4. Kam­mer woll­ten sich nun selbst ein Bild direkt vor Ort machen und setz­ten am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag eine münd­li­che Ver­hand­lung direkt auf dem betrof­fe­nen Grund­stück an. Dabei kam es jedoch zu kei­ner Ent­schei­dung. Die Rich­ter wie­sen die Stadt Wunstorf zunächst an, gut­ach­ter­lich klä­ren zu las­sen, ob das Gebäu­de über­haupt noch erhal­ten wer­den kann. Hin­ter­grund dafür ist eine Aus­sa­ge des Ver­tre­ters des Lan­des­am­tes für Denk­mal­pfle­ge wäh­rend des Ter­mins, dass die Denk­ma­l­ei­gen­schaft des Gebäu­des jeden­falls erlo­schen sei, wenn es nicht mehr erhal­ten wer­den kön­ne. Die münd­li­che Ver­hand­lung wur­de inso­weit ver­tagt, ein neu­er Ter­min für die Fort­set­zung des Ver­fah­rens steht noch nicht fest.

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