Vortrag von Gerhard Biederbeck

Huma­ni­tä­re Hil­fe nicht haut­psäch­li­che Auf­ga­be des LTG 62?

Der Neu­städ­ter Frie­dens­ak­ti­vist Ger­hard Bie­der­beck hielt in der Wohn­welt einen Vor­trag über die zuneh­men­de mili­tä­ri­sche Bedeu­tung des Flie­ger­horsts Wunstorf im Lich­te aktu­el­ler mili­tär­po­li­ti­scher Ent­wick­lun­gen.

Airbus A400M
Ger­hard Bie­der­beck stellt sich die Fra­ge, ob die Inves­ti­ti­on von 565 Mio. € für den Flie­ger­horst mehr dem Frie­den oder einer wach­sen­den Kriegs­ge­fahr dient | Foto: Juli­an Her­zog (Crea­ti­ve-Com­mons 4.0)

Laut Bie­der­beck ermög­li­che der neue A400M dem Luft­trans­port­ge­schwa­der 62 sich naht­los in aktu­el­le mili­tär­po­li­ti­sche Pla­nun­gen der Nato und der EU ein­zu­brin­gen. Er hat gegen­über sei­nem Vor­gän­ger Trans­all C-160 eine grö­ße­re Reich­wei­te, umfang­rei­che­re Trans­port­fä­hig­keit und die Mög­lich­keit, Düsen­jets zu betan­ken. Dadurch wer­de das LTG 62 welt­weit an mili­tä­ri­schen Kon­flik­ten betei­ligt sein.

Ein Schwer­punkt der mili­tä­ri­schen Ope­ra­tio­nen sei Litau­en, wo Deutsch­land eine Nato-Batt­le­group führt. Das LTG 62 ist hier­bei mit dem Trans­port von Sol­da­ten, Waf­fen, Gerät und sons­ti­gen Mate­ria­li­en betei­ligt.
In einer Ant­wort des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums vom 1. Dezem­ber 2017 auf eine Klei­ne Anfra­ge des Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Alex­an­der Neu (Die Lin­ke) im Deut­schen Bun­des­tag heißt es dazu:

Im Jahr 2017 wur­den ins­ge­samt 14 Ver­sor­gungs­flü­ge über den Flie­ger­horst Wunstorf ins Bal­ti­kum durch­ge­führt. Davon waren 12 Flü­ge gemisch­te Per­so­nen- und Mate­ri­al­trans­por­te sowie 2 Flü­ge rei­ne Mate­ri­al­trans­por­te.“

Gerhard Biederbeck
Mah­ner und Frie­dens­ak­ti­vist Ger­hard Bie­der­beck | Foto: pri­vat

Laut Bie­der­beck trans­por­tie­re das LTG 62 Sol­da­ten und mili­tä­ri­sches Gerät unmit­tel­bar an die rus­si­sche Gren­ze, was ange­sichts der durch Deutsch­land im 2. Welt­krieg ver­ur­sach­ten 20 Mio. rus­si­schen Toten eine hohe sym­bo­li­sche Bedeu­tung hat.

Die Pres­se­stel­le des Flie­ger­horsts möch­te der Bevöl­ke­rung ver­mit­teln, dass sie beson­ders für huma­ni­tä­re Ein­sät­ze im Aus­land im Ein­satz sei“, so Bie­der­beck, doch Oberst Lud­ger Bet­te, der das Trans­port­ge­schwa­der führt, beschreibt in der Haus­zeit­schrift „Das Flie­gen­de Blatt“ die aktu­el­len Auf­ga­ben des LTG 62 so: „Der Auf­bau der tak­ti­schen Fähig­kei­ten steht im Zen­trum unse­rer Bemü­hun­gen: Erpro­bung des Selbst­schutz­sys­tems, ers­te Flü­ge mit Nacht­sicht­hil­fen, das Abset­zen von Fall­schirm­sprin­gern und Las­ten, ers­te Luft­be­tan­kungs­übun­gen, Inten­si­vie­rung der Zusam­men­ar­beit mit Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en“.
Bie­der­beck gibt zu beden­ken, dass „huma­ni­tä­re Hil­fe also nicht im Zen­trum der Bemü­hun­gen des LTG 62 steht“.

Im Anschluss an Bie­der­becks Vor­trag gab es leb­haf­te Dis­kus­sio­nen. So frag­te ein Zuhö­rer, wie denn der Flie­ger­horst sich anma­ßen kön­ne, aus­ge­rech­net am Tag der Bun­des­wehr Wer­bung bei Fami­li­en und Kin­dern zu betrei­ben, da er doch ein Ver­band in krie­ge­ri­schen Ein­sät­zen sei.

Eine wei­te­re Zuhö­re­rin merk­te an, dass die 565 Mio. € Inves­ti­ti­on in den Flie­ger­horst „viel bes­ser und geziel­ter in die loka­le Wirt­schafts­kraft und Arbeits­platz­si­che­rung hät­te ein­ge­setzt wer­den kön­nen“.

Am Ende des Abends wies Bie­der­beck dar­auf hin, dass es nicht um Sym­pa­thie oder Anti­pa­thie gegen­über dem Flie­ger­horst gin­ge, son­dern dar­um, „alles zu tun, den Frie­den durch nicht-mili­tä­ri­schen Dia­log zu erhal­ten, damit es nicht zu einem Krieg kommt“.

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