Kindergartenplätze in Wunstorf gibt’s ab sofort übers Internet

Am 1. Dezember ändert sich das Anmeldeverfahren für Kindergartenplätze in Wunstorf. Die Stadt stellt auf Online-Anmeldung um und verspricht sich davon eine deutliche Arbeitserleichterung. Doch es können Bedenken beim Datenschutz entstehen.

Claudia Nowak, Carsten Piellusch und Stefanie Klar präsentieren das neue Online-Angebot der Stadt Wunstorf | Foto: Daniel Schneider
Claudia Nowak, Carsten Piellusch und Stefanie Klar präsentieren das neue Online-Angebot der Stadt Wunstorf | Foto: Daniel Schneider

Die Entscheidung, ob jemand den gewünschten Kindergartenplatz erhält, liegt letztlich bei den einzelnen Einrichtungen selbst, doch die Stadt übernimmt seit langem die Koordination des zentralen Anmeldeverfahrens für alle Kindertagesstätten und Horte. Das gewährleistet eine gerechte Verteilung und vermeidet, dass Eltern ihr Kind schon vor der Geburt „sicherheitshalber“ bei allen nur möglichen Kitas anmelden. Die Eltern suchen sich stattdessen drei Kitas aus und geben dabei an, welche Einrichtungen sie bevorzugen würden.

Bislang wurde das Verfahren über Anmeldeformulare auf Papier durchgeführt, die bei der Erstwunschkita abgegeben und von dort an die Stadt weitergeleitet wurden, wo sie die Mitarbeiter der Verwaltung dann abtippen mussten: an die tausend Mal pro Jahr – wobei sich manchmal auch Übertragungsfehler einschlichen. Diese ineffiziente Datenerfassung soll nun der Vergangenheit angehören, indem die Eltern die Datenbankeingaben direkt über die Webseite der Stadt vornehmen.

Die neue Online-Anmeldung

Der stellvertretende Bürgermeister Carsten Piellusch sowie Claudia Nowak und Stefanie Klar vom Fachbereich Familienservice der Stadt Wunstorf stellten das neue Verfahren am Mittwoch der Presse vor.

„Ziel ist, das klassische Papierformular zu ersetzen.“Carsten Piellusch

Die Durchdringung mit Internetzugängen in der Bevölkerung sei inzwischen ausreichend, um auf ein reines Online-Anmeldeverfahren umzustellen, erklärte Piellusch. Ziel sei es, das neue Verfahren als weiteren E-Government-Baustein zu etablieren und so den Verwaltungsaufwand zu reduzieren. Neben der Reduzierung von Übertragungsfehlern bei der Erfassung von Papierformularen in die Datenbank erhofft man sich vor allem auch eine Zeitersparnis.

Das neue Online-Formular zur Anmeldung für einen Kindergartenplatz | Screenshot: Auepost.de
Das neue Online-Formular zur Anmeldung für einen Kindergartenplatz | Screenshot: Auepost.de

Die Verwaltungsmitarbeiter wurden für das neue Verfahren geschult, die technische Umsetzung bei einem IT-Dienstleister eingekauft. Dafür wurden 3.200 Euro bezahlt, zusätzlich zahlt die Stadt Wunstorf pro Monat 125 Euro für die Wartung.

Auch für internetlose Eltern

Die Übergangsfrist wurde mit etwa einem Jahr angesetzt; wenn Eltern in den kommenden Monaten noch mit dem Papierformular erscheinen, wird ein Auge zugedrückt. Künftig sollen Anmeldungen jedoch ausschließlich elektronisch vorgenommen werden. Wer über keinen Internetanschluss verfügt, kann die Anmeldung an Computern in der Stadtbibliothek oder direkt beim Familienservice im Wunstorfer Rathaus vornehmen. Ein Informationsschreiben, das das neue Anmeldeverfahren erklärt, verschickt die Stadt an alle Wunstorfer Eltern mit Kindern im Kindergartenalter.

Eltern, die ihre Kinder in letzter Zeit bereits mit dem alten Papier-Formular angemeldet haben, müssen die Anmeldung selbstverständlich nicht noch einmal vornehmen; die bisher eingegangenen Anmeldungen wurden bereits berücksichtigt und von den Mitarbeitern manuell in die Datenbank übertragen.

Vorreiterrolle

Das Web-Formular zur Anmeldung ist über www.kinderbetreuung-in-wunstorf.de zu erreichen, auf dieser Einstiegsseite finden sich auch weitere Informationen zu den einzelnen Kindertagesstätten. Durch Anklicken einer Kita lässt sich diese direkt als Erstwunsch in das Anmeldeformular übernehmen, anschließend lassen sich auch die Betreuungszeiten auswählen. Die Stadt Wunstorf ist mit diesem Verfahren Vorreiter in der Region. Das neue Verfahren wird am 6. Dezember im Sozialausschuss diskutiert und am 14.12. auf der Tagesordnung des Stadtrates stehen, um auch seinen Weg in die Satzung zu finden.

Startschuss zur Onlineanmeldung: Der unsichtbare rote Knopf wird gemeinsam gedrückt | Foto: Daniel Schneider
Startschuss zur Onlineanmeldung: Der unsichtbare rote Knopf wird gemeinsam gedrückt | Foto: Daniel Schneider

Das neue Formular ist etwas kompakter gestaltet als die bisherigen Anmeldezettel, wirkt aber nicht unbedingt übersichtlicher. Die Konfession des Kindes wird nicht mehr abgefragt, stattdessen sollen nun die Muttersprache des Kindes sowie seine Deutschkenntnisse angegeben werden – eine Info, deren Erhebung sich die Kitas gewünscht hatten.

Die Eltern selbst brauchen kein Deutsch zu sprechen, um die Anmeldung bewältigen zu können. Zwar liegt die Online-Anmeldung nur auf Deutsch vor, die Mitarbeiter im Rathaus sind bei Bedarf jedoch bei der Übersetzung behilflich. Auch auf Englisch und vielen weiteren Sprachen, darunter auch Arabisch – was wegen der in Wunstorf lebenden Flüchtlingskinder besonders relevant ist –, wird Hilfestellung geboten.

Technisch wirkt das Internet-Formular etwas aus der Zeit gefallen, Zusatzinformationen werden nicht dynamisch bereitgestellt, diese muss man selbst auf den Seiten des Familienservice recherchieren. Immerhin findet eine Plausibilitätsprüfung statt, was Fehleingaben von vornherein möglichst verhindert und den Verwaltungsaufwand weiter reduzieren hilft.

Datenschutz?

Auch in Sachen Datenschutz gibt es Komplikationen. Bei der Pressevorführung stellte sich heraus, dass die Seite die eingegebenen Daten offenbar unverschlüsselt durchs Internet übertrug, was sich in Anbetracht der Sensibilität der erhobenen Daten wie Anschriften, Geburtsdaten, Arbeitszeiten oder Krankheitsdiagnosen kaum mit dem Datenschutzrecht hätte vereinbaren lassen.

Info: Unverschlüsselte Web-Formulare
SSL-Verschlüsselung auf Webseiten sorgt dafür, dass die übertragenen Daten zwischen dem eigenen Computer und dem Computer des Empfängers/Senders unterwegs nicht mitgelesen werden können. Unverschlüsselte Formulareignaben verhalten sich theoretisch wie eine Postkarte. Sie sind auf dem Übertragungsweg z. B. für Administratoren der Zentralrechner lesbar, können abgefangen werden und in falsche Hände gelangen. Wunstorfer Eltern, die Datenschutzbedenken haben und persönliche Daten von sich und ihren Kindern nicht ungeschützt ins Internet leiten wollen, sollten auf eine aktive SSL-Verschlüsselung achten.

Die Stadt teilte kurz darauf mit, dass das Formular noch rechtzeitig zum Starttermin auf Verschlüsselung (mit TLS 1.2, RSA und AES256) umgestellt worden sei. Die neue Kita-Onlineanmeldung ist somit nun geschützt. Allerdings ist dies für den Benutzer immer noch nicht ohne Weiteres erkennbar, da die eigentliche Anmeldeseite über einen Frame dargestellt wird. Nur wer das Formular explizit über https://wunstorf.de/2008/nhkiga/nh_kiga_anmeldung.html aufruft, sieht die vorhandene Verschlüsselung. Webbrowser warnen daher weiterhin vor der Anmeldungsseite, wenn man versucht, die Hauptdomain manuell mit https:// aufzurufen.

Webbrowser lassen eine Verbindung nicht zu, wenn man das HTTPS für die Domain zu erzwingen versucht | Screenshot: Auepost.de
Webbrowser lassen eine Verbindung nicht zu, wenn man das HTTPS für die Domain zu erzwingen versucht | Screenshot: Auepost.de

So ergibt sich der äußere Eindruck, dass das Formular weiterhin nicht verschlüsselt wäre, was es in Wirklichkeit jedoch ist. Nur der „weiße Rand drumherum“ ist sozusagen weiterhin unverschlüsselt. Die Datenübertragung an sich ist nun jedoch unbedenklich.

Was passiert, wenn man keinen Platz erhält?

Die Begrenzung auf drei mögliche Wunschkitas hat man beibehalten, in der Regel ist dies ausreichend. Dennoch kommt es in seltenen Fällen vor, dass auch bei drei angegebenen Wunsch-Kindergärten kein Platz mehr frei ist. In diesem Fall wird der Familienservice individuell tätig und sucht gemeinsam mit den Eltern eine alternative Lösung, die auch die Tagespflege mit einschließt. Bislang konnte so immer ein zufriedenstellender Weg gefunden werden. Weitere Informationen rund um die Kindergartenanmeldung stellt das Familienservicebüro u. a. in mehreren Flyern zur Verfügung.

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