Grippewelle

Kran­ken­häu­ser der Regi­on kom­men an Kapa­zi­täts­gren­ze

Die Grip­pe­wel­le sorgt für eine ange­spann­te Situa­ti­on in den Kran­ken­häu­sern der Regi­on. Geplan­te Ope­ra­tio­nen wer­den bereits ver­scho­ben. Bei Grip­pe­ver­dacht wird emp­foh­len, Haus­ärz­te statt die Not­auf­nah­men auf­zu­su­chen.

Ret­tungs­wa­gen vor dem Robert-Koch-Kran­ken­haus Gehr­den (Sym­bol­bild) | Foto: Dani­el Schnei­der

Han­no­ver (red). Nahe­zu ganz Deutsch­land ist wei­ter­hin von der Grip­pe­wel­le erfasst, doch die Regi­on Han­no­ver gehört zu den Gebie­ten mit beson­ders stark erhöh­ter Influ­en­za-Akti­vi­tät. Das macht sich inzwi­schen vor allem auch in den Kran­ken­häu­sern in der Regi­on bemerk­bar.

Mehr Erkrank­te als in den Vor­jah­ren

Deut­lich mehr Men­schen als in den Vor­jah­ren sind in die­sem Jahr an der Grip­pe erkrankt. Zeig­te der Pra­xis­in­dex des Robert-Koch-Insti­tu­tes (RKI) in den ver­gan­ge­nen bei­den Jah­ren zu die­sem Zeit­punkt einen Wert von unter 200 in Nie­der­sach­sen, so liegt er aktu­ell bei über 250. Bun­des­weit wur­den allein in der ver­gan­ge­nen Woche 46.382 Neu­erkran­kun­gen regis­triert, ins­ge­samt gibt es damit bis jetzt 215.540 bestä­tig­te Grip­pe-Fäl­le in Deutsch­land. Die häu­figs­ten Ursa­chen für eine Grip­pe­er­kran­kung sind dabei aktu­ell die Influ­en­za-Viren vom Typ B (72 %), gefolgt von den A-Typen mit 28 %. Wer sich für eine Imp­fung ent­schied, wur­de meist jedoch nur gegen die A-Typen geimpft. Aus­brü­che (5 Erkrank­te oder mehr) wer­den vor allem aus Kran­ken­häu­sern, Schu­len und Kin­der­gär­ten gemel­det.

Situa­ti­on in Han­no­ver und Nie­der­sach­sen

Stark erhöh­te Influ­en­za-Akti­vi­tät (dun­kel­rot) in der 2. März­wo­che 2018 auch in der Regi­on Han­no­ver | Gra­phik: Robert Koch Insti­tut

Die Grip­pe­wel­le stellt Kran­ken­häu­ser in Han­no­ver und der Regi­on in die­sem Jahr dabei vor beson­de­re Her­aus­for­de­run­gen, denn vor allem in den Not­auf­nah­men suchen so vie­le Pati­en­ten Hil­fe wie sel­ten. Ärz­te, Pfle­ge­kräf­te und die gesam­te übri­ge Beleg­schaft arbei­ten der­zeit an der Gren­ze der Belast­bar­keit, wie das KRH Kli­ni­kum Regi­on Han­no­ver und Dia­ko­ve­re für ihre Häu­ser in einer gemein­sa­men Pres­se­er­klä­rung mit­teil­ten.

Ver­scho­be­ne OPs

Um mög­lichst vie­le Kapa­zi­tä­ten für die aktu­el­le Not­fall­be­hand­lung bereit­stel­len zu kön­nen, sind ein­zel­ne Kli­ni­ken dazu über­ge­gan­ge­nen, Ter­mi­ne für plan­ba­re Ein­grif­fe zu ver­schie­ben. Die betrof­fe­nen Pati­en­ten wer­den dar­über infor­miert und reagie­ren bis­her mit gro­ßem Ver­ständ­nis auf die aktu­el­le Situa­ti­on. Beson­ders betrof­fen von den Ter­min­ver­schie­bun­gen ist das KRH-Kli­ni­kum Silo­ah. Auf­grund sei­nes inter­nis­ti­schen Schwer­punk­tes müs­sen hier der­zeit beson­ders vie­le Grip­pe­pa­ti­en­ten inten­siv­me­di­zi­nisch behan­delt wer­den. Den Pati­en­ten wird emp­foh­len, bei grip­pe­ähn­li­chen Sym­pto­men nicht direkt die Not­auf­nah­men, son­dern ihren Haus­arzt auf­zu­su­chen. Die­ser kann dann gege­be­nen­falls eine Ein­wei­sung in ein Kran­ken­haus ver­an­las­sen.

Info: Influ­en­za
Die soge­nann­te ech­te Grip­pe wird vor allem durch Tröpf­chen­in­fek­ti­on (Ein­at­men nach Nie­sen) oder durch Anfas­sen von kon­ta­mi­nier­ten Ober­flä­chen (Tür­klin­ken, Hän­de­schüt­teln) und anschlie­ßen­des Berüh­ren von Mund, Augen oder Nase über­tra­gen. Nach 1 bis 2 Tagen erkrankt man selbst. Grip­pe­sym­pto­me sind plötz­li­ches Krank­heits­ge­fühl, Fie­ber, Hus­ten, Hals­schmer­zen, Mus­kel­schmer­zen, Kopf­schmer­zen, Schwä­che­ge­fühl, Schweiß­aus­brü­che, manch­mal auch Übel­keit, Erbre­chen und Durch­fall. Doch nicht alle Infi­zier­ten erkran­ken gleich schwer: Nur ein Drit­tel bekommt Fie­ber, ein wei­te­res Drit­tel macht einen leich­te­ren Ver­lauf durch und der Rest hat gar kei­ne typi­schen Grip­pe­sym­pto­me. Anti­bio­ti­ka hel­fen nicht. Die Grip­pe dau­ert ca. eine Woche, oft aber auch deut­lich län­ger. Vor­beu­gend hel­fen eine Imp­fung, häu­fi­ges Hän­de­wa­schen und das Mei­den grö­ße­rer Grup­pen.

Wei­te­re Grip­pe­wo­chen

Der bis­lang höchs­te Stand an Grip­pen­eu­erkran­kun­gen der dies­jäh­ri­gen Grip­pe­wel­le wur­de bereits Mit­te Febru­ar ver­zeich­net, doch von einer Ent­span­nung der Lage kann noch nicht gespro­chen wer­den, das Auf­tre­ten von Grip­pe­er­kran­kun­gen ist wei­ter­hin hoch. Die Zahl der gemel­de­ten Neu­erkran­kun­gen gin­gen in den letz­ten 14 Tagen nur leicht zurück, der Höhe­punkt scheint jedoch über­schrit­ten zu sein. Mit einem signi­fi­kan­ten Rück­gang der Neu­an­ste­ckun­gen wird aller­dings frü­hes­tens Anfang April gerech­net, falls es früh­lings­haf­te­res Wet­ter gibt. Doch in den nächs­ten Tagen wird es nun erst ein­mal wie­der deut­lich käl­ter.


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Andreas Balleier Fotografie
1 Kommentar
  1. Grit Decker meint

    Mei­ne per­sön­li­che (!) Mei­nung zu dem der­zeit auch in den Medi­en stark dis­ku­tier­ten The­ma ist, dass die (gesetz­li­chen) Kran­ken­ver­si­che­run­gen einen nicht uner­heb­li­chen Teil zu der aktu­el­len Situa­ti­on bei­tra­gen:

    die KV’s über­neh­men bis­lang die Kos­ten aus­schließ­lich für die Imp­fung zum Schutz vor den die ech­te Grip­pe aus­lö­sen­den drei Haupt­stäm­me der Viren.

    Gegen den vier­ten Haupt­stamm, der die meis­ten (Neu-) Erkran­kun­gen aus­löst, jedoch nicht.

    An die­ser Pra­xis wird sei­tens der Ver­si­che­run­gen ver­mut­lich zu unse­rem Leid­we­sen erst dann abge­se­hen, wenn die StI­Ko (Stän­di­ge Imfpkom­mis­si­on) des Robert-Koch-insti­tut zumin­dest für die Risi­ko-Grup­pen eine Imp­fung EIN­SCHLIEß­LICH des 4. Viren­stamms aus­drück­lich und vor allem offi­zi­ell emp­fiehlt.

    Einen völ­li­gen Schutz vor der Influ­en­za bie­ten die Imp­fun­gen zwar nicht; doch das Risi­ko für den Aus­bruch der Erkran­kung bzw. einen schwe­ren Ver­lauf ist zumin­dest redu­ziert.

    Und wenn wir uns vor Augen füh­ren, wie hoch die Kos­ten für einen Tag der sta­tio­nä­ren Behand­lung sind, dann soll­ten die Kran­ken­ver­si­che­run­gen die Aus­ga­ben für die Imp­fung gegen ALLE die Grip­pe aus­lö­sen­den Viren über „die Por­to­kas­se” locker tra­gen kön­nen.

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