Liebe HAZ, …

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… wir müssen mal reden. Am Montag schriebst Du auf Deiner Titelseite, dass die allermeisten Leser von der neuen HAZ begeistert seien. Aber wohl aus gutem Grund sollen die Leser ihre Meinungen nur per E-Mail und Telefon äußern. Denn wenn man sich woanders umhört, fallen die Meinungen doch etwas kritischer aus, vor allem zur Abschaffung der Regionalbeilagen wie der Leine-Zeitung. Es wirkt, als würde die Mehrheit lieber ihre Heimatzeitung behalten wollen.

Die weitere Zentralisierung im Nachrichtenbusiness ist sicherlich nicht aufzuhalten, und der Relaunch ist Dir an sich auch gut gelungen. Der Regionalteil wirkt nun moderner und gewichtiger, nicht mehr nur wie eine lästige, kleine Beilage, die man vor allem in Wunstorf stets von hinten durchblättern musste, weil die Neustädter den besten Platz belegten. Die Wunstorfer müssen sich beim Regionalteillesen nun nicht mehr wie die schlechtere Hälfte fühlen.

Aber die Leute trennen sich nun mal ungern von alten Gewohnheiten und schon gar nicht von ihren Traditionsbegriffen. Ausgerechnet den Leuten vor den Kopf zu stoßen, die wahrscheinlich noch als Einzige gedruckte Zeitungen kaufen – was soll’s. Im Gegenzug ist es ja auch nicht schlecht, mal zu wissen, was in Garbsen im Kino läuft. Das neue Format ist auch wirklich handlicher – aber man könnte auch sagen: provinzieller. Den ganz großen Schritt, die Zeitung gleich im Tabloid-Format herauszubringen, hast Du Dich dann auch nicht getraut.

Aber warum werde ich als Leser auf der Facebookseite plötzlich geduzt? Muss man das so tun in sozialen Medien? Einen auf krampfhaft kumpelhaft machen? Denkst Du, dass sich da nur junge Leute rumtreiben? Und müssen wir jetzt öfter mit Eilmeldungen rechnen wie „Habt ihr denn die Stiefel schon geputzt?“ wie am 6. Dezember? Ist das der neue, verbesserte Qualitätsjournalismus? Natürlich sind die Stiefel geputzt – aber die werden bei sowas dann eher zum Davonlaufen gebraucht.

Hochachtungvoll,
Dein Horst Koschinsky

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1 Kommentar
  1. M. Nowak meint

    Treffender Kommentar!

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