Entenrennen erstmals auf der Südaue

Niedlicher Plastikmüll?

Zum ersten Mal fand das Wunstorfer Entenrennen auf der Südaue statt. Es war ein voller Erfolg, wurde jedoch von einer Debatte über Plastikvermeidung begleitet.

Entenrennen
Ren­nen­ten in Wunstorf | Foto: Dani­el Schnei­der

Wunstorf (ds/fr). Seit eini­gen Jah­ren schon tra­di­tio­nel­ler Bestand­teil des Wunstor­fer Alt­stadt­fes­tes, hat­te es bis­lang stets auf einem künst­li­chen Was­ser­lauf statt­ge­fun­den: Das tech­ni­sche Hilfs­werk bzw. die THW-Jugend hat­te zwi­schen Rat­haus und Stadt­thea­ter einen Par­cours auf­ge­baut, auf dem die Ren­nen­ten los­ge­las­sen wur­den.

In die­sem Jahr waren die Gum­mi­tier­chen zum ers­ten Mal auf einem ech­ten Gewäs­ser unter­wegs: Auf der Süd­aue, kurz vor der Unter­que­rung der Süd­stra­ße, absol­vier­ten sie am Sonn­abend­nach­mit­tag in zwei Läu­fen eine abge­steck­te Stre­cke ent­lang des Gelän­ders zum Fuß­weg.

Zeitungsente“

Dass das Wunstor­fer Enten­ren­nen auf die Süd­aue ver­legt wur­de, ist vor allem Hans-Hei­ner Gie­bel vom Stadt­an­zei­ger zu ver­dan­ken. Er hat­te nicht nur die Idee, das Ren­nen in authen­ti­sche­rer Umge­bung statt­fin­den zu las­sen, son­dern küm­mer­te sich auch um die Umset­zung und begeis­ter­te die Spon­so­ren von den Plä­nen. Sogar wäh­rend des Enten­ren­nens zeig­te Gie­bel vol­len Ein­satz, indem er mit der Kame­ra und was­ser­dich­ter Hose ins Was­ser stieg.

Wunstorfer Entenrennen 2019
Start des Teil­neh­mer­fel­des | Foto: Fried­lies Reschke

So schwam­men dann zum Alt­stadt­fest­wo­chen­en­de die Enten auf einem ech­ten Wunstor­fer Gewäs­ser. Über 400 Plas­tik­enten wur­den ins Ren­nen geschickt, etwas mehr als in den Vor­jah­ren. Vie­le Ren­nen­ten­be­sit­zer hat­ten ihre Enten wie­der auf­wän­dig deko­riert und ver­ziert.

Keine Ente geht verloren

Das THW hat­te am Start­punkt eine Bar­rie­re errich­tet, an der die Enten zu Was­ser gelas­sen wur­den. Am Ziel­punkt an der Beton­platt­form war eine raf­fi­nier­te Schleu­se auf­ge­baut, die die Enten sam­mel­te und ein­zeln durch ein Rohr lei­te­te. So konn­te die Rei­hen­fol­ge der Gewin­ne­ren­ten exakt bestimmt wer­den. Auch ent­wi­schen konn­te dadurch kei­ne der Enten, alle Teil­neh­mer wur­den wie­der aus der Aue gefischt.

Wunstorfer Entenrennen 2019
Deko­rier­te Ren­nen­ten 2019 | Foto: Fried­lies Reschke

Die Stre­cke war vor­her prä­pa­riert wor­den, um die Vege­ta­ti­on und Fau­na im Ufer­be­reich zu schüt­zen; so wur­den etwa Äste und Sträu­cher hoch­ge­bun­den.

Vor- und Nachteile

In vie­len Städ­ten ist es selbst­ver­ständ­lich, dass Enten­ren­nen auf natür­li­chen Gewäs­sern statt­fin­den. In Neu­stadt etwa wird das dor­ti­ge Enten­ren­nen auf der Lei­ne aus­ge­tra­gen. In Ham­burg schwim­men Gum­mi­en­ten in der Als­ter, in Ber­lin auf der Spree. Ren­nen auf künst­lich ange­leg­ten Stre­cken wie zuletzt in Wunstorf sind eher die Aus­nah­me. Denn Enten­ren­nen leben auch von der Ein­be­zie­hung vor­han­de­ner Struk­tu­ren, dem „Aus­flug“ der domes­ti­zier­ten Plas­tik­we­sen in die freie Natur. Aus­ge­rech­net in Wunstorf, eine der Städ­te mit der höchs­ten Was­ser­dich­te in Deutsch­land und von zahl­rei­chen Gewäs­sern durch­flos­sen, ein Enten­ren­nen nicht auf einem Fluss statt­fin­den zu las­sen, durf­te fast schon als Fre­vel gel­ten.

Wunstorfer Entenrennen 2019
Zuschau­er beim Enten­ren­nen | Foto: Fried­lies Reschke

Ganz neben­bei wur­de damit auch die sonst eher als unat­trak­tiv wahr­ge­nom­me­ne Ecke an der Süd­stra­ße wie­der­be­lebt – die Beton­ein­fas­sung am Ran­de der Süd­aue erfüll­te seit lan­gem wie­der ein­mal einen ech­ten Zweck. Nur ein Nach­teil zeig­te sich beim neu­en Enten­ren­nen: Die Zuschau­er konn­ten nur von einer Sei­te dem Ren­nen fol­gen statt wie frü­her sich um die gesam­te Bahn grup­pie­ren zu kön­nen – der Platz war begrenzt. Auch „Zaun­gäs­te“ dürf­te es wegen der weni­ger zen­tra­len Lage nicht so vie­le gege­ben haben. Doch die­se Ein­schrän­kun­gen wer­den in Kauf genom­men, zumal die Teil­neh­mer­zahl gestie­gen ist – auch im nächs­ten Jahr soll es wie­der ein Enten­ren­nen auf der Süd­aue geben.

Debatte über Plastikvermeidung

Im Vor­feld des Enten­ren­nens war es zu einer Dis­kus­si­on in den sozia­len Netz­wer­ken gekom­men, ob Enten­ren­nen ange­sichts der all­ge­mei­nen Bemü­hun­gen, den Ein­satz von Kunst­stof­fen zu redu­zie­ren, noch zeit­ge­mäß sind. Aktu­ell steht z. B. ein Ver­bot von Plas­tik­tü­ten an. Aus­ge­rech­net einen Tag zuvor war auch in der Neu­en Kir­che in Idensen über Plas­tik­ver­zicht gespro­chen wor­den. Die evan­ge­li­schen Gemein­den hat­ten zum 3‑wöchigen Plas­tik­ver­zicht auf­ge­ru­fen.

In der Tat darf der Ein­satz von Plas­tik­enten als nicht völ­lig unpro­ble­ma­tisch gel­ten. Pro­du­ziert wer­den die­se Bade­ent­chen nor­ma­ler­wei­se in Chi­na, ergab die Nach­fra­ge bei einem deut­schen Fach­händ­ler. Mit Con­tai­ner­schif­fen gelan­gen sie dann nach Euro­pa – und wenn sie ent­sorgt wer­den, kann es durch­aus pas­sie­ren, dass sie erneut ins Aus­land ver­schifft wer­den, denn Bade­ent­chen gehö­ren nicht in den gel­ben Sack, son­dern sind Rest­müll. Das Schwim­men auf der Süd­aue oder anders­wo bei Enten­ren­nen ist daher im Grun­de nur eine kur­ze Zwi­schen­sta­ti­on auf einer lan­gen Rei­se mit schlech­ter Öko­bi­lanz.

Wunstorfer Entenrennen 2019
Ziel­ein­lauf | Foto: Fried­lies Reschke

Man sol­le die Kir­che im Dorf las­sen, war hin­ge­gen der Tenor der Debat­te im Netz. Für die Wunstor­fer Natur bestehe kei­ne Gefahr, wenn die Enten nach dem Ren­nen wie­der aus dem Was­ser genom­men wür­den, und außer­dem lan­de­ten die Enten nach dem Aus­flug auf die Süd­aue gar nicht im Müll, son­dern wür­den zu Hau­se auf dem Bade­wan­nen­rand geparkt. Zur Ver­mei­dung von Plas­tik­müll gebe es geeig­ne­te­re Ansatz­punk­te. Die­je­ni­gen, die sich für einen völ­li­gen Ver­zicht aus­spra­chen, blie­ben in der Min­der­heit.

Orts­bür­ger­meis­ter Tho­mas Sil­ber­mann, der das Enten­ren­nen auch mode­rier­te, sieht es ähn­lich: Man dür­fe den Men­schen den Spaß nicht neh­men. Selbst­ver­ständ­lich sam­me­le auch er sei­ne Ren­nen­ten. Die übri­gen Teil­neh­mer dürf­ten das wohl eben­so unter­schrei­ben – alle waren begeis­tert vom ers­ten Enten­ren­nen auf der Süd­aue. Allein die Dau­er wäre noch aus­bau­fä­hig: schon nach 10 Minu­ten war auch die letz­te der Enten wie­der im Tro­cke­nen.

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2 Kommentare
  1. Basti g. sagt

    Plas­tik­müll 🙂 ! Jeder joghurt­be­cher, plas­tik­fla­sche usw. Macht ja wohl mehr Müll als die­se quit­sche­ent­chen die­se möch­te­gern ökos soll­ten sich mal im eige­nen Haus­halt umschau­en was die da so täg­lich an Plas­tik kau­fen da bringt die gan­ze Auf­re­gung an Tüten usw. Auch nix

  2. Grit Decker sagt

    *grü­bel grü­bel*:
    Gaa­anz schwie­rig für mich hier eine kla­re Posi­ti­on zu bezie­hen, obwohl ich ges­tern und heu­te ziem­lich viel über die Enten als „Aus­gangs­pro­dukt“ für die Ren­nen nach­ge­dacht hat­te.

    Ich bin mit­nich­ten eine Freun­din des in wei­ten Tei­len über­flüs­si­gen (Plas­tik-) Mülls, genau­so wenig wie von Impor­ten, die die Müll­ber­ge „üppigst wach­sen las­sen“.
    Egal für mich, ob bei­spiels­wei­se aus Ost­eu­ro­pa, dem asia­ti­schen Raum kom­men oder weiß der Hering woher.

    Ande­rer­seits:
    die all­jähr­li­chen „Enten­ren­nen“ sind fast zu einer Insti­tu­ti­on gewor­den ‑zumeist aber zur in der wei­ten Bevöl­ke­rung lieb­ge­wor­de­nen Tra­di­ti­on-.

    Und bei die­ser Kon­flikt-Stel­lung geht „mei­ne Eie­rei“ los.
    Natür­lich ist es unab­ding­bar, dass wir alle uns in der Ver­mei­dung ‑oder zumin­dest ‚Redu­zie­rung’- aller Arten des Mülls wenigs­tens in Ände­run­gen im eige­nen Ver­hal­ten ein­brin­gen.
    Doch aus die­ser ange­brach­ten Moti­va­ti­on her­aus, ande­ren ‑und beim Enten­ren­nen sind’s zumeist die Kin­der- den Spaß ver­der­ben zu wol­len?

    Mir per­sön­lich geht das dann doch zu weit.

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