Park­plät­ze für die ganz Muti­gen

Jetzt haben es die Wunstor­fer qua­si schrift­lich: die Lan­ge Stra­ße ist zwar lang, aber zu eng. 30 km/h sind an die­ser Stel­le anschei­nend immer noch zu schnell. Bei der eins­ti­gen Umge­stal­tung haben die Pla­ner offen­bar den Weit­blick ver­mis­sen las­sen. Denn die Autos wur­den nicht weni­ger, son­dern mehr – und auch immer brei­ter. Die Hin­weis­schil­der sind jetzt immer­hin ein ers­ter Schritt, um die im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes ver­fah­re­ne Situa­ti­on zu ändern, wir­ken aber auch ein wenig hilf­los. Denn zumin­dest die mora­li­sche Schuld wird auf die Geschä­dig­ten ver­la­gert. Ein­fach ord­nungs­ge­mäß par­ken reicht nicht mehr – wenn schon die Täter nicht rück­sichts­vol­ler fah­ren kön­nen, dann sol­len eben die Opfer rück­sichts­vol­ler ihre Autos abstel­len.

Nur dürf­te auch das das Pro­blem kaum lösen. Viel­leicht pas­siert sogar das Gegen­teil: Wenn sich erst ein­mal alle dar­an gewöhnt haben, dass die Autos schön weit rechts in den Park­be­rei­chen ste­hen und brav ihre Spie­gel ein­ge­klappt haben, dann reicht in Zukunft ein ein­zi­ger Wagen, der aus der Rei­he tanzt, ein ein­zi­ger doch aus­ge­klapp­ter Rück­spie­gel oder ein Über­brei­ten-SUV – und schon ist es noch wahr­schein­li­cher, dass jemand anschlie­ßend ohne Außen­spie­gel oder mit Schram­me im Lack wei­ter­parkt. Es könn­te auch auf Kos­ten der Fuß­gän­ger gehen, wenn künf­tig sicher­heits­hal­ber lie­ber ein biss­chen wei­ter auf dem Geh­weg geparkt wird, statt die Park­flä­chen exakt ein­zu­hal­ten. Dann sind es viel­leicht bald die Kin­der­wa­gen, die die Außen­spie­gel auf der ande­ren Sei­te beschä­di­gen.

Ob die Rech­nung auf­geht, wird spä­tes­tens die kom­men­de Ver­kehrs­un­fall­sta­tis­tik beant­wor­ten. Eine ande­re Lösung ist aber auch nicht in Sicht – außer die Lan­ge Stra­ße in eine Spiel­stra­ße mit Schritt­ge­schwin­dig­keit umzu­wan­deln oder die Park­plät­ze zu ent­fer­nen. Was aber auch nicht im Inter­es­se der Stadt sein kann. Jeden­falls hat Wunstorf nun nicht nur die schöns­te Innen­stadt der Regi­on, son­dern auch die stra­ßen­ver­kehrs­tech­nisch inter­es­san­tes­te: wer in der Lan­gen Stra­ße parkt, gehört nun amt­lich bestä­tigt zu den ganz Muti­gen.

Ihr ganz rechts par­ken­der
Horst Koschin­sky

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