Dubiose Gewinnversprechen

Polizei warnt vor Kaffeefahrt in Wunstorf

Am kommenden Mittwoch soll eine Kaffeefahrt stattfinden, zu der auch Wunstorfer eingeladen wurden. Die Polizei rät jedoch davon ab, in den Bus einzusteigen.

Symbolbild Polizeifahrzeug
Beschrif­tung auf einem Strei­fen­wa­gen der Wunstor­fer Poli­zei (Sym­bol­bild) | Foto: Dani­el Schnei­der

Wunstorf (red). Die Wunstor­fer Poli­zei warnt vor unse­riö­sen Kaf­fee­fahr­ten. Aktu­ell sind Anschrei­ben an Wunstor­fer bekannt, die zum 5. Juni zu einer Kaf­fee­fahrt ein­la­den. Die Schrei­ben geben vor, dass der Emp­fän­ger einen Haupt­preis gewon­nen habe (aber nicht, wel­chen) und man sich zur Gewinn­über­ga­be anmel­den sol­le, die irgend­wo in einem Gast­haus in der Regi­on statt­fin­de.

Reise ins Ungewisse

Kaffeefahrteinladung
Aus­schnitt aus dem „Gewinn­brief“, den auch Wunstor­fer erhiel­ten | Bild: Poli­zei Wunstorf

Genaue­re Anga­ben wer­den nicht gemacht, nur kos­ten­lo­se Teil­nah­me, Früh­stück, Mit­tag­essen und vie­le in Aus­sicht ste­hen­de Prei­se ver­spro­chen, von Geld­ge­win­nen über Sach­prei­se. Natür­lich fehlt auch das klas­si­sche „Deli­ka­tes­sen- und Schlem­mer­pa­ket“ für jeden der Teil­neh­mer nicht. Doch wer der Ver­an­stal­ter über­haupt ist, wird aus dem Schrei­ben gar nicht ersicht­lich. Trotz­dem ver­sucht der per­sön­lich adres­sier­te Brief psy­cho­lo­gisch geschickt Ver­trau­en zu erwe­cken: Mit anschei­nend indi­vi­du­el­len „Gewinn­num­mern“, mit der Nen­nung von (in der Regel erfun­de­nen) Namen, mit einer teils auch kum­pel­haf­ten Anspra­che. Gleich­zei­tig wird Druck auf­ge­baut, sich die vie­len Gra­tis-Ange­bo­te und Gewin­ne nicht ent­ge­hen zu las­sen. Den Ver­brau­cher­zen­tra­len und auch Poli­zei­dienst­stel­len in vie­len Tei­len Deutsch­lands lie­gen bereits zahl­rei­che ver­gleich­ba­re Brie­fe vor, die sich erwar­tungs­ge­mäß als unse­riö­se Kaf­fee­fahr­ten ent­pupp­ten.

Polizei rät ab

Obwohl Gewinn­ver­spre­chen inzwi­schen ein­klag­bar sind, dürf­te die­ses Recht ins Lee­re lau­fen: Der Anbie­ter der Kaf­fee­fahrt sitzt auf einer Antil­len-Insel in der Kari­bik, und die Kom­mu­ni­ka­ti­on läuft über eine Post­fach­adres­se in Bre­men. Die Poli­zei rät daher auch klipp und klar, das Schrei­ben in den Papier­müll zu ent­sor­gen, statt sich anzu­mel­den – und zu den ange­ge­be­nen Abfahrts­ter­mi­nen nicht zu erschei­nen. Die Poli­zei hofft, dass dies nicht der Auf­takt einer Wel­le ist – und dass mög­lichst nie­mand dar­auf her­ein­fällt. Statt­des­sen soll­ten Bus­aus­flü­ge mit ört­li­chen Ver­ei­nen unter­nom­men wer­den, mit seriö­sen Bus­un­ter­neh­men vor Ort.

INFO: Kaf­fee­fahrt
Die soge­nann­ten Kaf­fee­fahr­ten zie­len auf ein älte­res Publi­kum. Obwohl die meis­ten regel­mä­ßi­gen Teil­neh­mer durch­aus wis­sen, dass es sich im Grun­de um eine Ver­kaufs­fahrt han­delt, neh­men sie doch immer wie­der dar­an teil – wegen der gesel­li­gen Fahrt und des Zusam­men­seins. Den­noch sind sich die wenigs­ten dar­über wirk­lich im Kla­ren, wie viel Gewinn die Ver­an­stal­ter mit dem Ver­kauf von über­teu­er­ten Waren tat­säch­lich machen.

Vorsicht bei "Kaffeefahrten", die es in der Regel nur auf die Geldbörse abgesehen haben. | Bild: Symbolfoto

Mit sub­ti­lem Druck und psy­cho­lo­gi­scher Raf­fi­nes­se wer­den auch „alte Kaf­fee­fahrt-Hasen“ noch zu einem Kauf­ver­trags­ab­schluss über­re­det – denn dar­um geht es den Ver­an­stal­tern wirk­lich. Die Fahrt­teil­neh­mer wer­den meist zu Gast­stät­ten in ent­le­ge­nen Gegen­den gefah­ren, von wo aus man nur noch schlecht selbst wie­der weg­kommt. So ist man genö­tigt, der Ver­kaufs­ver­an­stal­tung bis zum Schluss bei­zu­woh­nen. Die erwor­be­nen „Schnäpp­chen“ stel­len sich spä­ter dann oft als man­gel­haft oder Bil­ligst­wa­re her­aus, dafür bezahl­te hohe Sum­men sind dann aber schon längst weg, Rekla­ma­tio­nen erwei­sen sich als nahe­zu unmög­lich.

Neu­teil­neh­mer sind erst recht ein gefun­de­nes Fres­sen für die Ver­an­stal­ter, die oft nicht ein­mal die erfor­der­li­che Rei­se­ge­wer­be­er­laub­nis für die Ver­kaufs­ver­an­stal­tun­gen besit­zen. So kam es immer wie­der vor, dass Kaf­fee­fahrt-Ver­an­stal­ter beim Anrü­cken der Poli­zei die Flucht ergrif­fen – mit­samt der Waren und erhal­te­nen Anzah­lun­gen. Auch vor­her ver­spro­che­ne Gewin­ne ent­pup­pen sich immer wie­der als lee­re Ver­spre­chun­gen.

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3 Kommentare
  1. Frohwalt Boedtger sagt

    Wit­zig bei solch Kaf­fee­fahr­ten ist aber, wenn man den, meist älte­ren, Teil­neh­mern wäh­rend der Ver­an­stal­tung den Beschiß vor Augen führt, wer­den die­se (Opfer) auch noch frech und ergrei­fen Par­tei für die Betrü­ger.…

  2. Andrea Ehrke Grupe sagt

    Das es das immer noch gibt

  3. Grit Decker sagt

    Wie­der eine der ‑sehr freund­lich von mir for­mu­liert- mie­sen Num­mern, mit denen erneut Herr und Frau Naiv abge­zockt wer­den sol­len.

    Das Gemeins­te dar­an ist, dass die ‑sor­ry- Schwei­ne­hun­de wider bes­se­ren Wis­sens der Men­schen immer wie­der ihre Opfer fin­den.

    Es kot** mich so was von an, dass man die­ser mie­sen Typen letz­ten Endes nicht hab­haft wer­den kann.
    *wütend um mich schnapp!!*

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