Wie funk­tio­niert eigent­lich eine Müll­sack­bör­se?

Was tun, wenn am Ende der Müll­sä­cke immer noch so viel Jahr übrig ist? Sich gegen­sei­tig unter­stüt­zen natür­lich. Auch in die­sem Jahr hat die Wunstor­fer CDU wie­der eine Rest­müll­tü­ten-Bör­se orga­ni­siert. Wie das funk­tio­niert, haben wir uns vor Ort ange­se­hen.

Einer der ersten Wunstorfer, der sich Müllsäcke in der CDU-Geschäftsstelle am Freitagmorgen abholte | Foto: Daniel Schneider
Einer der ers­ten Wunstor­fer, der sich Müll­sä­cke in der CDU-Geschäfts­stel­le am Frei­tag­mor­gen abhol­te | Foto: Dani­el Schnei­der

Das Pro­blem haben nicht weni­ge: Weil in der Regi­on die Müll­ton­ne noch die Aus­nah­me ist und beim Rest­müll­sack-Sys­tem vor­ab recht genau geschätzt wer­den muss, wie vie­le Müll­tü­ten für ein gan­zes Jahr benö­tigt wer­den (und ande­rer­seits eine Min­dest­men­ge abge­nom­men wer­den muss, auch wenn man tat­säch­lich weni­ger ver­braucht), haben vie­le am Jah­res­en­de ent­we­der viel zu vie­le oder viel zu weni­ge Müll­tü­ten zur Ver­fü­gung.

Ein Umzug, ein Baby oder ein Kran­ken­haus­auf­ent­halt kön­nen dafür sor­gen, dass das Tüten­auf­kom­men stark neben dem tat­säch­li­chen Bedarf liegt. Über­quel­len­de Win­de­lei­mer oder zu ent­sor­gen­des Ver­brauchs­ma­te­ri­al bei Krank­heit las­sen jede Pro­gno­se schnell zur Maku­la­tur wer­den – und frisch­ge­ba­cke­ne Eltern oder von Krank­heit Geplag­te haben meist nicht noch die Ner­ven, sich um eine gene­rel­le Ver­brauchs­an­pas­sung zu küm­mern oder zur Müll­de­po­nie zu fah­ren – denn im Ein­zel­han­del las­sen sich Gut­schei­ne für das lau­fen­de Jahr im Herbst schon nicht mehr ein­lö­sen.

Das Sys­tem des Ent­sor­gungs­un­ter­neh­mens selbst sieht kei­ne Erstat­tun­gen oder fle­xi­blen Ergän­zun­gen vor – also blei­ben die Aha-Kun­den ent­we­der auf ihren über­zäh­li­gen Tüten sit­zen oder aber kön­nen sehen, wo sie mit ihrem Müll blei­ben. Selbst- bzw. Nach­bar­schafts­hil­fe lin­dert hier die gröbs­ten Fehl­pla­nun­gen. Der pri­va­te Tüten­han­del blüht – und auf viel­fäl­ti­ge Wei­se wird getauscht oder ver­schenkt.

Die Beu­tel­bör­se funk­tio­niert

Den Tausch­han­del per­fek­tio­niert hat dabei der Wunstor­fer CDU-Stadt­ver­band mit sei­ner Müll­tü­ten­bör­se. Schon zum drit­ten Mal orga­ni­siert er nun die­se Form des bür­ger­li­chen Müll­tü­ten­han­dels. Wer über­zäh­li­ge Müll­beu­tel oder Gut­schei­ne zu Hau­se hat, kann sie spen­den – und wer drin­gend noch mehr Tüten braucht, kann sie sich gegen eine frei­wil­li­ge Geld­spen­de abho­len. So hel­fen sich die Wunstor­fer nicht nur unter­ein­an­der aus, son­dern es wer­den auch noch nicht gerin­ge Sum­men für einen guten Zweck gene­riert.

Die dies­jäh­ri­ge Akti­on ist gera­de ein­mal weni­ge Tag alt, das Jah­res­en­de noch weit weg – doch schon stan­den die ers­ten Inter­es­sier­ten rei­hen­wei­se vor der Tür, um sich mit zusätz­li­chen Müll­sä­cken ein­zu­de­cken oder die­se abzu­ge­ben.

50 Euro Spen­den in den ers­ten Stun­den

Am Frei­tag, den 21. Okto­ber star­te­te die Akti­on, die zuvor bereits ange­kün­digt wor­den war. Der graue Früh­ne­bel hing noch in den Stra­ßen, vor der Stadt­kir­che wusel­te es beim Wochen­markt auf dem frisch reno­vier­ten Markt­platz – und die ers­ten Inter­es­sier­ten kamen daher bereits kurz nach Öff­nung der Geschäfts­stel­le um 9 Uhr vor­bei, um Säcke vor­bei­zu­brin­gen oder abzu­ho­len – oder erkun­dig­ten sich tele­fo­nisch, ob und wie vie­le Müll­beu­tel man abho­len kön­ne. Ins­ge­samt 15 Wunstor­fer betei­lig­ten sich an die­sem Tag bis zur Schlie­ßung der Geschäfts­stel­le um 13 Uhr an der Akti­on. Eini­ge brach­ten nur ein­zel­ne Müll­sä­cke vor­bei, ande­re sogar gan­ze Rol­len.

Allein am Frei­tag­vor­mit­tag wur­den so schon zwei kom­plet­te unver­brauch­te Rol­len und fünf unein­ge­lös­te Gut­schei­ne gesam­melt – und durch die Geld­spen­den der Abho­len­den kamen auf die­se Wei­se bereits 50 Euro zusam­men. Abge­holt wer­den die Müll­sä­cke von Wunstor­fern aus allen Bevöl­ke­rungs- und Alters­schich­ten, von der jun­gen Fami­lie bis zum Rent­ner.

Zu Beginn maxi­mal 3 Tüten pro Per­son

Momen­tan, in der Anfangs­pha­se der Akti­on, wer­den maxi­mal drei klei­ne Rest­müll­sä­cke (à 20 Liter) oder ein gro­ßer Sack (30,5 Liter) pro Per­son abge­ge­ben, damit auch jeder, der Inter­es­se hat, zum Zuge kommt. Zu einem spä­te­ren Zeit­punkt kön­nen nach Abspra­che in der Regel aber auch deut­lich mehr Säcke abge­holt wer­den.

Wirkt fast wie ein Geschenk mit Schleife - und ist es ja auch: zu 3er-Bündel vorbereite Müllsäcke | Foto: Daniel Schneider
Wirkt fast wie ein Geschenk mit Schlei­fe – und ist es ja auch: zu 3er-Bün­del vor­be­rei­te Müll­sä­cke | Foto: Dani­el Schnei­der

In der Geschäfts­stel­le sind die klei­ne­ren Tüten dabei schon zu 3er-Mini­rol­len „vor­kon­fek­tio­niert“, damit auch alles kor­rekt abläuft. Die so zusam­men­ge­bun­de­nen Müll­beu­tel sehen dabei fast aus wie ein Geschenk mit Schleif­chen.

Spen­den­be­reit­schaft sehr unter­schied­lich

Bis­lang muss­te nie jemand weg­ge­schickt wer­den, der Tüten abho­len woll­te. Im Vor­feld der Akti­on hat­ten die CDU-Mit­glie­der schon ein­mal einen gewis­sen Grund­stock an Tüten beschafft. Doch damit das auch so bleibt und mög­lichst vie­le Spen­den­gel­der zusam­men­kom­men, wer­den die Wunstor­fer gebe­ten, ihre nicht mehr ver­wen­de­ten Rest­müll­sä­cke oder ent­spre­chen­de Gut­schei­ne wei­ter­hin flei­ßig bei der CDU-Geschäfts­stel­le abzu­ge­ben.

Eine ein­zel­ne gro­ße Tüte hat etwa den Gegen­wert von 5 Euro, ein klei­ner Sack etwa den Wert von 3 Euro. Drei klei­ne oder eine gro­ße Tüte kann jeder sofort mit­neh­men – und spen­det dafür in der Regel zwi­schen 2 und 3 Euro, also je nach­dem etwa ein Drit­tel bis die Hälf­te des tat­säch­li­chen Wer­tes. Aber auch wer gar nichts geben möch­te – was so gut wie nie vor­kommt –, wird nicht weg­ge­schickt.

Man­cher nutzt ande­rer­seits die Gele­gen­heit, um gene­rell etwas zu spen­den – oder ist offen­kun­dig der­art froh, doch noch unkom­pli­ziert an Rest­müll­tü­ten her­an­zu­kom­men, dass die Spen­dier­ho­sen ange­zo­gen wer­den. Die größ­te Ein­zel­spen­de in den letz­ten Jah­ren, in denen die Akti­on schon läuft, betrug 50 Euro für eine Rol­le Müll­tü­ten. Im letz­ten Jahr kamen so unge­fähr 400 Euro zusam­men, in Neu­stadt, wo der dor­ti­ge Orts­ver­band eine ver­gleich­ba­re Akti­on durch­führt, waren es 2015 sogar 900 Euro.

Auch an die Orts­tei­le wird gedacht

Damit auch die Stein­hu­der und Gro­ßen­hei­dor­ner nicht zur Depo­nie müs­sen – oder in die Kern­stadt, was nun auch nicht gera­de um die Ecke liegt, fin­den dort Able­ger der Akti­on statt. In Gro­ßen­hei­dorn wer­den im Blu­men­la­den „Blüm­chen“, Berg­stra­ße 7, die Müll­sä­cke getauscht, in Stein­hu­de über­nimmt „Geträn­ke Hei­dorn“, Gro­ßen­hei­dor­ner Stra­ße 61, die Abwick­lung. Außer­dem bie­tet Man­fred Wen­zel, Orts­bür­ger­meis­ter von Gro­ßen­hei­dorn, nach Abspra­che (Tel. 0151–22907726) an, eben­falls Säcke ent­ge­gen­zu­neh­men. Außer­dem kön­nen die Gro­ßen­hei­dor­ner, die es nicht selbst zum Wert­stoff­hof schaf­fen, vor­han­de­ne Gut­schei­ne bei Wen­zel abge­ben, der die Gut­schei­ne stell­ver­tre­tend beim Wert­stoff­hof gegen Müll­sä­cke ein­tauscht. Das funk­tio­niert übri­gens auch in der CDU-Geschäfts­stel­le in der Kern­stadt, in der man sei­ne rest­li­chen 2016er-Gut­schei­ne abge­ben und ein paar Tage spä­ter dann sei­ne Rol­len in Emp­fang neh­men kann.

Gro­ßen­hei­dor­ner Orts­bür­ger­meis­ter gab den Anstoß

Ursprüng­lich kommt die Akti­on sogar aus Gro­ßen­hei­dorn. Hier brach­te Man­fred Wen­zel, der in sei­ner Eigen­schaft als Regi­ons­ab­ge­ord­ne­ter auch dem Aus­schuss für Abfwall­wirt­schaft der Regi­ons­ver­samm­lung ange­hört, die Müll­sack­bör­se auf den Weg – nach­dem er immer wie­der ange­spro­chen wor­den war, wo man denn von Sep­tem­ber bis Dezem­ber Gut­schei­ne gegen Müll­sä­cke tau­schen kön­ne, nach­dem das jet­zi­ge Sys­tem 2014 ein­ge­führt wor­den war.

Es macht viel Arbeit, es zu koor­di­nie­ren, jedoch auch viel Freu­de, einen Scheck an Kin­der über­rei­chen zu dür­fen.Man­fred Wen­zel

Zunächst sprang Wen­zel selbst in die Bre­sche – ada­pier­te dann aber die bereits bestehen­de Idee zu einem orga­ni­sier­te­ren Tausch­han­del. Nach dem Vor­bild von Tausch­bör­sen in ande­ren Städ­ten kam der Müll­sack­tausch gegen Spen­de dann so auch nach Wunstorf – zunächst nach Stein­hu­de und Gro­ßen­hei­dorn in Koope­ra­ti­on mit ört­li­chen Geschäf­ten, kurz dar­auf auch in die Kern­stadt.

Müll­tü­ten bis weit in den Dezem­ber

Die Akti­on läuft noch bis kurz vor Weih­nach­ten – bis dahin wer­den noch so eini­ge Müll­tü­ten den Besit­zer gewech­selt haben. Die CDU-Geschäfts­stel­le an der Syn­ago­gen­gas­se (Nord­stra­ße 14) ist diens­tags von 14 bis 17 Uhr und frei­tags von 9 bis 13 Uhr für die Abga­be und Abho­lung geöff­net. Wer zu die­sen Zei­ten nicht kann, kann not­falls auch einen indi­vi­du­el­len Ter­min ver­ein­ba­ren. Bei Rück­fra­gen hel­fen die Mit­ar­bei­ter der Geschäfts­stel­le unter Tel. 05031–13028 wei­ter.

Die Spen­den von 2014 und 2015 gin­gen zur Ver­bes­se­rung der Kin­der­be­treu­ung an den Rand­stun­den­be­treu­ungs­ver­ein. Wem das gesam­mel­te Geld die­ses Jahr zugu­te­kommt, steht noch nicht fest – auf jeden Fall wird es aber wie­der für einen kari­ta­ti­ven Zweck direkt in Wunstorf ver­wen­det wer­den.


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