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Teile des Ufers gesperrt

Schwere Verbrennungen durch weißen Phosphor am Steinhuder Meer

Am Sonntag zog sich eine 28-Jährige schwere Verbrennungen zu, als sie am Mardorfer Strand liegenden weißen Phosphor für Bernstein hielt und einsteckte.

Steinhuder Meer Strand
Strand am Steinhuder Meer (Archivbild) | Foto: Daniel Schneider

Mardorf/Hannover (red). Die Region Hannover hat am späten Sonntagabend nach einem Phosphorfund Teilbereiche des Ufers am Steinhuder Meer vorsorglich abgesperrt. Eine 28-jährige Frau hatte am späten Sonntagnachmittag am sogenannten Surferstrand am Nordufer einen vermeintlichen Bernstein aus dem Wasser aufgelesen und in die Tasche gesteckt. Der Fund – es handelte sich in Wirklichkeit um ein Stück weißen Phosphor – entzündete sich durch die Körperwärme. Die Frau erlitt Verbrennungen zweiten Grades und wurde zur Behandlung in die Medizinische Hochschule Hannover gebracht.

Weißer Phosphor wurde in Brandbomben im Zweiten Weltkrieg benutzt und befindet sich als Altlast noch in zahlreichen Gewässern. Im Wasser ohne Sauerstoffzufuhr inaktiv, wird er angespült an Stränden zur Gefahr: An der Luft fängt er bereits bei Körpertemperatur an zu brennen und lässt sich dann nur noch schwer löschen, zum Beispiel mit Sand. Weiteres Wasser verstärkt sogar noch den Brandprozess. Weißer Phosphor verursacht schwerste Verletzungen im Gewebe, so dass bei Kontakt oft Hauttransplantationen nötig werden.

Zunächst auch Badeinsel in Steinhude gesperrt

Die Region Hannover als Eigentümerin des Surferstrandes veranlasste zunächst die Sperrung des Surferstrandes, des Badestrandes am Nordufer und der Badeinsel in Steinhude. Am Montagmorgen wurden bis auf einen Teilbereich des Surferstrandes die Sperrungen wieder aufgehoben. Der betroffene Bereich konnte eng eingegrenzt werden auf einen Abschnitt des Surferstrands, an dem im Frühjahr Sand aufgeschwemmt worden war. „Der Sand, der dort aufgeschüttet wurde, stammt aus dem Steinhuder Meer und ist im Zuge der Entschlammung im Frühjahr angefallen“, erläutert Sonja Papenfuß, Leiterin des Fachbereichs Umwelt der Region Hannover. „Schon früher hat es Phosphorfunde am Steinhuder Meer gegeben. Es handelt sich dabei um Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg.“

Die Region Hannover warnt nun ausdrücklich davor, Steine oder anderes aus dem Wasser des Steinhuder Meers oder am Ufer aufzusammeln und mitzunehmen. Entsprechende Schilder werden im Laufe des heutigen Montags aufgestellt. Kinder sollten am Surferstrand nicht spielen. Eine komplette Sperrung des Uferbereichs ist nicht vorgesehen. „An vielen Stellen in Deutschland gibt es nach wie vor Munitionsreste, zum Beispiel an der Ostsee“, sagt Papenfuß. „Vermeintlich harmlose Funde, die nur wie Kieselsteine aussehen, sind deshalb mit Vorsicht zu behandeln.“

Phosphor weiterhin im Wasser

Die Phosphorreste, die die 28-Jährige am Sonntag gefunden hatte, konnten nicht geborgen werden – die Finderin hatte sie zurück ins Wasser geworfen, nachdem sie sich entzündet hatten. Der Kampfmittelräumdienst ist derzeit vor Ort und prüft die Lage.

2 Kommentare

  1. Anfangs kamen mir die Sperrungen arg überzogen vor, doch angesichts der Gefahren, die durch die vermeintlichen Bernsteifunde ausgehen und unter deren Folgen die Finderin übel zu leiden hat, ist mir gut verständlich, dass aus Gründen der Sicherheit aller Besucher*innen vorsorglich die Bereiche gesperrt werden MUSSTEN.
    Der Frau möchte ich wünschen, dass es ihr schnell wieder gut gehen wird.

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