Stadt­ra­deln in Wunstorf und den USA

Offi­zi­el­ler Abschluss des Wunstor­fer Stadt­ra­delns 2017: Die Stadt­ra­del-Stars zogen am Don­ners­tag im Rat­haus­in­nen­hof Bilanz, berich­te­ten von ihren Erfah­run­gen beim kom­plet­ten Umstieg aufs Fahr­rad – hat­ten aber unter­schied­li­che Ansich­ten, wie gute Rad­ver­kehrs­in­fra­struk­tur aus­se­hen muss.

Andre­as Lan­ge, Hei­ke Leit­ner und Kari­na Leh­mann | Foto: Dani­el Schnei­der

Wunstorf (ds). Die Trenn­li­nie ver­lief prak­tisch durch den Rat­haus­hof: Auf der einen Sei­te Andre­as Lan­ge, der wäh­rend des Akti­ons­zeit­raums vor allem sei­nen Arbeits­weg zwi­schen Wunstorf und Han­no­ver zurück­ge­legt hat­te – und auf der ande­ren Sei­te Hei­ke Leit­ner, die wäh­rend der Stadt­ra­del­wo­chen ihre Urlaubs­we­ge in den USA pri­mär mit dem Rad zurück­leg­te. Wäh­rend Lan­ge zu den Fahr­rad­weg­be­für­wor­tern zählt, am liebs­ten fern­ab des moto­ri­sier­ten Ver­kehrs auf extra gebau­ten Rad­we­gen oder im Grü­nen fährt, genoss Leit­ner die Vor­tei­le der Fahr­rad­spu­ren direkt auf der nor­ma­len Fahr­bahn. Mit den Fahr­rad­spu­ren in Colo­ra­do haben bun­des­deut­sche Rad­schutz­strei­fen aller­dings auch wenig gemein­sam.

Rad­fah­ren in den USA

Die Ver­ei­nig­ten Staa­ten gel­ten in der hie­si­gen Wahr­neh­mung als abso­lu­te Auto­fah­rer­na­ti­on, wo nur Lebens­mü­de Fahr­rad fah­ren. Mit die­sem Mythos räum­te Leit­ner auf: Das Fahr­rad­fah­ren in ihrem Urlaubs­ort war kom­for­ta­bel und sicher. Das lag zum einen an der vor­han­de­nen Infra­struk­tur: die Rad­spu­ren auf den Stra­ßen waren etwa drei­mal so breit wie hier­zu­lan­de. Ande­rer­seits fuh­ren die US-Auto­fah­rer auch viel rück­sichts­vol­ler als die deut­schen. Das Ver­hal­ten gegen­über Rad­fah­rern sei grund­sätz­lich von gro­ßer Rück­sicht­nah­me geprägt, wuss­te Leit­ner zu berich­ten. Das läge wohl aber auch am dor­ti­gen Rechts­sys­tem, wo die Auto­fah­rer bei Unfäl­len zunächst immer erst ein­mal die Schuld hät­ten. Direkt auf den Stra­ßen kam sie flott vor­an.

Themenschwerpunkt: Radfahren in Wunstorf

Auch die Bus­mit­nah­me gestal­te­te sich völ­lig pro­blem­los. Das Fahr­rad konn­te zu jeder Tages­zeit wie selbst­ver­ständ­lich ein­fach direkt mit in den Bus genom­men wer­den. Sogar ein Fahr­rad­leih­sys­tem hät­te es gege­ben – doch stun­den­wei­se Abrech­nung wäre zu unfle­xi­bel gewe­sen, daher wur­den güns­ti­ge eige­ne Fahr­rä­der ange­schafft. Auch die Fahr­rad­kul­tur in Fir­men sei eine ganz ande­re als hier­zu­lan­de: Es gibt Fahr­rad­lot­te­ri­en, und statt der „gol­de­nen Uhr“ bekommt man als Aner­ken­nung für lan­ge Betriebs­zu­ge­hö­rig­keit in US-Fir­men auch schon mal ein Fahr­rad geschenkt. Pro­ble­me gab es allen­falls, eine gewis­se Logis­tik zu erar­bei­ten, wenn man kom­plett aufs Fahr­rad set­zen woll­te – z. B. für grö­ße­re Ein­käu­fe über wei­te­re Distan­zen.

Pen­deln zwi­schen Han­no­ver und Wunstorf

Mit stets gut gefet­te­ter Ket­te und auf­ge­pump­ten Rei­fen absol­vier­te Andre­as Lan­ge die kom­plet­te Weg­stre­cke zum Arbeits­platz nach Han­no­ver mit dem Rad, wann immer das Wet­ter es zuließ. An reg­ne­ri­sche­ren Tagen ging es mit dem Rad nur von Luthe zum Wunstor­fer Bahn­hof – und von dort dann mit der Bahn wei­ter. Wenn der Arbeits­weg jedoch kom­plett zurück­ge­legt wur­de, dann dau­er­te er tat­säch­lich nicht län­ger als mit dem öffent­li­chen Nah­ver­kehr oder mit dem Auto bei Stau auf der A2 – eine gute Stun­de.

Um Fahr­rad­dieb­stahl muss­te sich der in der Regi­on radeln­de Stadt­ra­del-Star dabei kei­ne Sor­gen machen, er konn­te das Rad bei sei­nem Arbeit­ge­ber auf einem bewach­ten Park­platz abstel­len. Sogar eine Dusch­mög­lich­keit gab es im Fir­men­ge­bäu­de.
Als er das Schloss ein­mal ver­ges­sen hat­te, ging er in der Mit­tags­pau­se aber trotz­dem noch ein zusätz­li­ches kau­fen – und hat nun für alle Fäl­le dop­pel­ten Dieb­stahl­schutz.

Fahr­rad­klin­gel als Kaf­fee­tas­se am Fahr­rad von Andre­as Lan­ge: Einen Kaf­fee hat er sich jetzt red­lich ver­dient | Foto: Dani­el Schnei­der

Die Pro­ble­me, auf die Andre­as Lan­ge stieß, waren ande­rer Natur, näm­lich teils dich­ter Auto­ver­kehr in Han­no­ver und zuge­park­te Rad­strei­fen, die enorm aus­ge­bremst hät­ten. Das Rad­fah­ren durch die List wäre weni­ger schön gewe­sen. Voll­brem­sun­gen auf gemein­sa­men Rad-/Fuß­we­gen wur­den nötig wegen Hun­de­lei­nen und unbe­re­chen­bar-ver­träumt durch die Gegend wan­deln­der Kopf­hör­er­trä­ger. Aber auch deut­sche Auto­fah­rer kön­nen nett sein: Immer­hin ein­mal wink­te ein Auto trotz eige­ner Vor­fahrt Andre­as Lan­ge durch, damit er nicht bei einer Stei­gung abset­zen muss­te.

Prä­sen­te und Aner­ken­nung von der Kli­ma­schutz­ma­na­ge­rin

Als Aner­ken­nung für das erfolg­rei­che Stadt­ra­deln über­reich­te Wunstorfs Kli­ma­ma­na­ge­rin Kari­na Leh­mann den bei­den „Stadt­ra­del-Stars“ noch eine Fahr­rad­pack­ta­sche – und Hei­ke Leit­ner nach­träg­lich noch ihren Fahr­rad­com­pu­ter.

Leh­mann wies noch ein­mal auf das tol­le Gesamt­ergeb­nis, die vie­len erfah­re­nen Kilo­me­ter hin, die Wunstorf sogar den Regi­ons­sieg in einer Kate­go­rie brach­ten, wür­de sich für das nächs­te Mal aber auch noch mehr Teil­neh­mer wün­schen. Doch dazu ist wohl noch mehr Auf­klä­rungs­ar­beit nötig, Andre­as Lan­ge berich­te­te von Wis­sens­lü­cken bei sei­nen Gesprächs­part­nern zum The­ma Stadt­ra­deln: Nur als Stadt­ra­del-Star gibt man sei­nen Auto­schlüs­sel für den Akti­ons­zeit­raum kom­plett beim Bür­ger­meis­ter ab – alle ande­ren Teil­neh­mer ent­schei­den selbst, wann, ob und wie oft sie das Fahr­rad zusätz­lich zum Auto benut­zen wol­len.

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