Wann bekommt die Feu­er­wehr einen McD­ri­ve?

Lie­be Deut­sche Bahn, einen gan­zen Zug bei Lau­ne zu hal­ten, der schon seit 10 Stun­den steht, eine Wei­ter­fahrt nicht in Sicht ist und man wahr­schein­lich die Nacht im Bahn­hof ver­brin­gen muss … okay, ist nicht ein­fach. Dass man in die­ser Situa­ti­on kein Zug­per­so­nal sein möch­te, das kann man nach­voll­zie­hen, wenn man schon mal die Stim­mung erlebt hat, wenn ein Zug nur eine läp­pi­sche Stun­de lang unplan­mä­ßig irgend­wo hal­ten muss­te.

Um uns Fahr­gäs­te zu besänf­ti­gen, wird da bei euch gern schon mal was vom Pferd erzählt. Oder auch gar nichts. Und wenn, dann kom­men als Erklä­rung oft die „Stö­run­gen im Betriebs­ab­lauf“. Die Zug­be­glei­ter kön­nen natür­lich nichts dafür, die erfah­ren manch­mal nur genau­so wenig wie wir Fahr­gäs­te. Doch nichts­sa­gen­de Mit­tei­lun­gen füh­ren schnell zu Aggres­sio­nen. Schön, wenn dann mal regel­mä­ßig ver­wert­ba­re Infos kom­men. Nicht schön, wenn es dann die fal­schen sind.

Den Schwar­zen Peter an die Wunstor­fer Feu­er­wehr wei­ter­zu­rei­chen, wenn die Vor­rä­te im Bord­bis­tro aus­ge­hen und die Leu­te schon den gan­zen Tag im Zug sit­zen, das geht jeden­falls gar nicht. Das Unwet­ter war ange­kün­digt und kam nicht über­ra­schend. Und selbst wenn – die Feu­er­wehr ist kein Cate­ring-Betrieb. Ein fast einen Tag lang wegen höhe­rer Gewalt gestran­de­ter ICE ist eine Stra­pa­ze, ein Aus­nah­me-, aber noch kein Kata­stro­phen­fall.

Im bes­ten Fall hat euer Zug­chef im Stress ein­fach nur die Begrif­fe ver­tauscht und „Feu­er­wehr“ all­ge­mein mit Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen gleich­ge­setzt – eine unge­schick­te For­mu­lie­rung, um die Fahr­gäs­te zu beschwich­ti­gen oder die Mit­tei­lung etwas dra­ma­ti­scher klin­gen zu las­sen. Essen bei der Feu­er­wehr zu bestel­len, auf die Idee muss man ja auch erst­mal kom­men. Doch soll­te man bei Pas­sa­gie­ren nicht den Ein­druck erwe­cken, als wür­de die Feu­er­wehr nicht kom­men wol­len, weil sie Bes­se­res zu tun habe. Das haben die Frei­wil­li­gen nicht ver­dient. Und füh­len sich dann zu Recht auf den Schlips getre­ten.

Gute Wei­ter­fahrt,
Ihr Horst Koschin­sky

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