Was pas­siert mit dem Mie­gel-Gedenk­stein?

Wäh­rend die ost­preu­ßi­sche Hei­mat­dich­te­rin Agnes Mie­gel, wegen ihrer Rol­le im Drit­ten Reich nicht unum­strit­ten, in der Nach­kriegs­zeit auch ihrer neu­en Hei­mat Nie­der­sach­sen lite­ra­ri­sche Denk­ma­le setz­te, etwa mit ihren Tex­ten über das Schaum­bur­ger Land oder die Kir­che zu Idensen, setz­te ihr Wunstorf sei­ner­seits ein Denk­mal. Am Blu­men­au­er Kirch­weg wur­de in den 60er Jah­ren ein Gedenk­stein auf­ge­stellt.

Der Agnes-Miegel-Gedenkstein am Blumenauer Kirchweg am 01.11.2011| Foto: Mirko Baschetti
Der Agnes-Mie­gel-Gedenk­stein am Blu­men­au­er Kirch­weg am 01.11.2011| Foto: Mir­ko Baschet­ti

In Wunstorf ist Agnes Mie­gel somit heu­te an drei Orten fest mit der Stadt ver­bun­den – bezie­hungs­wei­se war es. Der drit­te Ort, neben Agnes-Mie­gel-Stra­ße und Sig­wards­kir­che, ist seit Mona­ten eine Brach­stel­le: Der Mie­gel-Gedenk­stein am Blu­men­au­er Kirch­weg ist von sei­nem Platz ver­schwun­den.

Der Mie­gel-Gedenk­stein

Der Stein wur­de 1968 am Blu­men­au­er Kirch­weg ent­hüllt, in einer Zeit, als die post­hu­men Ehrun­gen der 1964 ver­stor­be­nen Mie­gel einen Höhe­punkt in Deutsch­land erreich­ten.

Wunstor­fer aus den Krei­sen der ost­preu­ßi­schen Gemein­schaft setz­ten sich dafür ein, der Lite­ra­tin, die wie kei­ne ande­re als Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur für Ost­preu­ßen steht und die ihrer ver­lo­ren­ge­gan­ge­nen Hei­mat zu lyri­schen Höhen ver­half, auch in Wunstorf ein Denk­mal zu set­zen.

Bei der fei­er­li­chen Ent­hül­lungs­ze­re­mo­nie erwie­sen den Stein flan­kie­ren­de Fackel­trä­ger der Dich­te­rin die Ehre; Otto Rei­mann, ehe­ma­li­ger Rek­tor der Wunstor­fer Stadt­schu­le und Groß­va­ter des jet­zi­gen Bür­ger­meis­ters, hielt die Anspra­che.

Fackelträger flankieren den Agnes-Miegel-Stein während der Ansprache von Otto Reimann zur Enthüllung des Denkmals im Jahre 1968| Foto: Heimatverein Wunstorf
Fackel­trä­ger flan­kie­ren den Agnes-Mie­gel-Stein wäh­rend der Anspra­che von Otto Rei­mann zur Ent­hül­lung des Denk­mals im Jah­re 1968| Foto: Hei­mat­ver­ein Wunstorf

Mie­gel, die gera­de für Ost­preuß­in­nen und Ost­preu­ßen eine gro­ße Bedeu­tung ein­nahm, wur­de damit im Wunstor­fer Stadt­bild deut­lich prä­sent, als Aus­druck der ost­preu­ßi­schen Kul­tur und des Erin­nerns an Ver­trei­bung und Flucht, an alte Hei­mat und Neu­an­fang.

Auf dem knapp einen Meter hohen, mas­si­ven Stein waren ursprüng­lich bron­ze­ne Let­tern ange­bracht, die die fol­gen­de Inschrift bil­de­ten:

AGNES MIE­GEL
* 9.3.1879 † 26.10.1964

Außer­dem zeig­te er auf der lin­ken obe­ren Sei­te ein sti­li­sier­tes Elch-Geweih, das Sym­bol Ost­preu­ßens.

Andau­ern­de Beschä­di­gun­gen

Eine kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit Agnes Mie­gel in Wunstorf fand in der Ver­gan­gen­heit nicht auf insti­tu­tio­nel­ler Ebe­ne, aber durch­aus auf der Stra­ße statt. Der Gedenk­stein wur­de immer wie­der beschmiert und beschä­digt – und von der Stadt Wunstorf immer wie­der gerei­nigt und instand gesetzt. Auf­grund der teils star­ken Beschä­di­gun­gen hat der Stein sein Aus­se­hen im Lau­fe der Jah­re ver­än­dert.

thema-miegel

Im Jahr 2007 wur­de der Stein mit dem Schrift­zug „Kein Ver­ge­ben – Kein Ver­ges­sen“ in oran­ge­ner Far­be über­sprüht, außer­dem ein David­stern auf­ge­malt. Drei Jah­re spä­ter, 2010, kam es zur nächs­ten grö­ße­ren Beschä­di­gung. Ein­zel­ne Buch­sta­ben wur­den abge­bro­chen bzw. Tei­le davon ent­wen­det.

Danach wur­den die beschä­dig­ten Buch­sta­ben nicht mehr neu ange­fer­tigt, son­dern voll­stän­dig ent­fernt und an glei­cher Stel­le durch eine Gra­vur ersetzt, die mit dunk­ler Far­be gefüllt wur­de.

Vor einem Jahr, 2015, wur­de das Denk­mal erneut groß­flä­chig beschmiert. Der Bau­be­triebs­hof ent­fern­te dar­auf­hin den Stein bis auf den Sockel­be­reich voll­stän­dig. Seit­dem befin­det sich der Agnes-Mie­gel-Stein auf dem Betriebs­ge­län­de.

Überreste des entfernten Gedenksteins am 30.05.2016 | Foto: Mirko Baschetti
Über­res­te des ent­fern­ten Gedenk­steins am 30.05.2016 | Foto: Mir­ko Baschet­ti

Nach Infor­ma­tio­nen der Han­no­ver­schen All­ge­mei­nen wird er der­zeit erneut saniert und soll anschlie­ßend an einer bes­ser geeig­ne­ten Stel­le wie­der auf­ge­stellt wer­den.

Gerüch­te­kü­che

Wur­den frü­her schnell Stim­men laut, die eine schnel­le Rei­ni­gung des Steins for­der­ten, ist das Schick­sal des Denk­mals aktu­ell jedoch nicht mehr auf der Tages­ord­nung, die Empö­rung ist größ­ten­teils ver­stummt. Nur weni­gen Pas­san­ten fällt das Feh­len des Stei­nes in der Nähe der Stifts­kir­che über­haupt noch auf. Inzwi­schen machen Gerüch­te die Run­de, dass man das Denk­mal sang- und klang­los ver­schwin­den las­sen möch­te. Tat­säch­lich könn­te die­ser Ein­druck ent­ste­hen, denn der Stein lagert nun schon über ein Jahr im Bau­be­triebs­hof.

Den Abtrans­port zur Sanie­rung in Auf­trag gege­ben hat­te die Ver­wal­tung, als neu­er Platz für das Denk­mal ist u. a. die Agnes-Mie­gel-Stra­ße ange­dacht. Wenn der Stein wie­der auf­ge­stellt wird, dann dies­mal jedoch wohl mit einer ergän­zen­den, erklä­ren­den Hin­weis­ta­fel.

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Andreas Balleier Fotografie
1 Kommentar
  1. Arno Nühm meint

    Saue­rei mit dem stein

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