1,5 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen nötig

Wie wird sich das Parken in Wunstorf verändern?

Die Stadtratsmehrheit will höhere Parkgebühren für Wunstorf – um die Straßenbaugebühren für Eigentümer abzuschaffen. 1,5 Millionen Euro zusätzlich soll die Parkraumbewirtschaftung künftig in die Stadtkasse spülen. Das könnte eine Vervierfachung der Parkkosten bedeuten.

Parkplätze in Wunstorf
Freie Park­plät­ze in den Ellern | Foto: Dani­el Schnei­der

Wunstorf (red). Die Stra­ßen­aus­bau­bei­trä­ge für Grund­stücks­ei­gen­tü­mer sol­len abge­schafft wer­den – und finan­ziert wer­den soll dies mit einer Erhö­hung der Ein­nah­men durch Park­ge­büh­ren. Wie genau das aus­se­hen soll, steht noch nicht fest, die genau­en Plä­ne dazu wer­den in den kom­men­den Mona­ten von der Ver­wal­tung aus­ge­ar­bei­tet wer­den. Fast sicher ist jedoch, dass dazu die Park­ge­büh­ren stei­gen – und wahr­schein­lich auch die Park­zei­ten aus­ge­wei­tet wer­den müs­sen.

Aktuell eine halbe Million Euro Einnahmen

Park­ge­büh­ren sind aktu­ell noch ein Stand­ort­vor­teil für Wunstorf, das Par­ken ist ins­be­son­de­re für den Innen­stadt­be­reich mehr als mode­rat. Am Alten Markt und auf dem Nord­wall-Park­platz wer­den für eine Stun­de Par­ken z. B. 50 Cent ver­langt. Im Park­haus am Stadt­gra­ben wird 1 Euro pro Stun­de fäl­lig. Kos­ten­los kann zeit­be­grenzt mit Park­schei­be in diver­sen Park­buch­ten gestan­den wer­den. Der Park­platz am Schüt­zen­platz ist kom­plett kos­ten­frei und zeit­lich nicht beschränkt.

Ins­ge­samt nimmt die Stadt jähr­lich etwa eine hal­be Mil­li­on Euro mit der Park­raum­be­wirt­schaf­tung ein. Durch den Weg­fall der „Strabs“ ent­stün­de ein Minus von 1,5 Mil­lio­nen Euro im städ­ti­schen Haus­halt; die­ser Betrag muss durch Park­ge­büh­ren nun zusätz­lich gene­riert wer­den. Betrach­tet man allein die Park­schein­kos­ten, müss­ten die­se auf den Fak­tor 4 stei­gen, um auf den benö­tig­ten Betrag zu kom­men. Eine Stun­de par­ken wür­de dann also min­des­tens 2 Euro kos­ten. Auch könn­ten die park­schein­pflich­ti­gen Zei­ten aus­ge­wei­tet wer­den: Der­zeit besteht die­se auf den ent­spre­chen­den Park­plät­zen wochen­tags nur zwi­schen 9 und 15 Uhr. Auch wenn sich die Park­schein­kos­ten nicht ver­vier­fa­chen soll­ten, so wer­den sie doch zumin­dest deut­lich stei­gen müs­sen, denn ledig­lich mit einer Aus­wei­tung der kos­ten­pflich­ti­gen Park­zei­ten las­sen sich die benö­tig­ten Ein­nah­men nicht erzie­len – ab dem spä­ten Nach­mit­tag blei­ben auch die zuvor kos­ten­pflich­ti­gen Park­plät­ze in Wunstorf oft unge­nutzt.

Gleich mehrere Probleme gelöst

Die Erhö­hung der Park­ge­büh­ren stand sowie­so bereits auf der poli­ti­schen Agen­da – denn es ist ein Instru­ment, um die Knapp­heit der ver­füg­ba­ren Park­plät­ze in Innen­stadt­nä­he zusätz­lich zu steu­ern. So könn­ten etwa Park­ge­büh­ren in den Rand­be­rei­chen nied­ri­ger aus­fal­len als unmit­tel­bar in der Alt­stadt. Mit einer deut­li­chen Erhö­hung der Park­ge­büh­ren wür­de die Lokal­po­li­tik daher gleich zwei Pro­ble­me auf ein­mal lösen: Der Park­platz­such­ver­kehr wür­de sich nicht mehr so sehr auf die Innen­stadt kon­zen­trie­ren – und die Chan­cen, auch direkt an der Fuß­gän­ger­zo­ne einen Park­platz zu bekom­men, wür­den stei­gen, ohne dass neue Stell­flä­chen gebaut wer­den müss­ten. Fast bei­läu­fig kann damit nun auch noch die Stra­ßen­aus­bau­ge­büh­ren­sat­zung gekippt wer­den.

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Park­platz­su­che in der Innen­stadt Wunstorf am Nord­wall gestal­tet sich mit­un­ter schwie­rig. | Foto: Mir­ko Baschet­ti

Auswirkungen auf den Einzelhandel?

Geht der Plan auf, dür­fen sich die strabsbe­droh­ten Wunstor­fer Immo­bi­li­en­be­sit­zer freu­en – doch für den Ein­zel­han­del in der Alt­stadt könn­te es eine mitt­le­re Kata­stro­phe bedeu­ten. Hier wünscht man sich im Grun­de das genaue Gegen­teil: das Bereit­stel­len von mehr kos­ten­lo­sem Park­raum, um mehr Kun­den in die Innen­stadt zu zie­hen und zum sor­gen­frei­en Bum­meln zu ver­lei­ten. Bei deut­lich erhöh­ten Park­ge­büh­ren könn­te poten­ti­el­le Kund­schaft abge­schreckt wer­den – und sich ver­kehrs­tech­nisch güns­ti­ge­re Alter­na­ti­ven auf der „grü­nen Wie­se“ oder im Umkreis suchen. Zwar ist Par­ken auch in ande­ren Kom­mu­nen, allen vor­an Han­no­ver, ver­gleichs­wei­se teu­er und die Park­plät­ze wer­den trotz­dem rege in Anspruch genom­men, doch bleibt die Fra­ge, ob sich z. B. Han­no­ver und Wunstorf in die­sem Punkt ver­glei­chen las­sen. Letzt­lich kann nicht ein­fach vor­aus­ge­setzt wer­den, dass das Park­ver­hal­ten gleich bleibt, abwei­chen­de Ent­wick­lun­gen müs­sen ein­kal­ku­liert wer­den.

Bis­lang beschwe­ren sich Auto­fah­rer in Wunstorf eher über zu weni­ge Park­plät­ze, zu hohe Park­ge­büh­ren waren kein The­ma. Gelingt es durch die neue Park­raum­be­wirt­schaf­tung, den Park­platz­such­ver­kehr zu ent­zer­ren, wäre allen gehol­fen. Bleibt jedoch das Pro­blem der vol­len Park­plät­ze und kom­men dann auch noch höhe­re Gebüh­ren dazu, könn­te dies die Bemü­hun­gen, die Fuß­gän­ger­zo­ne attrak­ti­ver zu machen, vor allem mit Blick auf die Süd­stra­ße, gera­de­zu tor­pe­die­ren.

Der Ver­wal­tung kommt nun die schwie­ri­ge Auf­ga­be zu, ein neu­es Park­raum­be­wirt­schaf­tungs­kon­zept vor­zu­le­gen, das alle die­se Fak­to­ren berück­sich­tigt und nega­ti­ve Sei­ten­ef­fek­te ver­mei­det, so dass unterm Strich dann tat­säch­lich 2 Mil­lio­nen Euro ste­hen.

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13 Kommentare
  1. Reinhard Seegers sagt

    das soll­te kein Pro­blem sein

  2. Michael Schöner sagt

    Ja, hät­te man die Grund­steu­er erhöht, wür­de man im Monat als Mie­ter einer 2–3 Zim­mer­woh­nung viel­leicht 5–10 EUR mehr an Neben­kos­ten zah­len. Das zahlt man nun bald für 1 mal Par­ken in der Innen­stadt. Die gro­ßen Betrie­be in den Gewer­be­ge­bie­ten lachen sich kaputt. Sie brau­chen nun nichts mehr für Stra­ßen­sa­nie­run­gen zah­len und die Leu­te fah­ren lie­ber zu ihnen, weil da das Par­ken nichts kos­tet, bevor sie eine Klei­nig­keit in der Innen­stadt besor­gen.

  3. Jane B-baum sagt

    Mit der Anhe­bung der Park­ge­büh­ren könn­te ein Gut­schein­sys­tem, wie in vie­len regio­na­len Innen­städ­ten schon üblich, ein­ge­führt wer­den. Bei Vor­la­ge des Park­scheins erhält man dann ab einem gewis­sen Umsatz z.B. 1€ Rabatt.

  4. Thorben Rump sagt

    Bei 300% wer­den aus 25Cent pro 30 Minu­ten unfass­ba­re 75Cent – Viel­leicht soll­ten sich das der eine oder ande­re mal auf der Zun­ge zer­ge­hen las­sen.… Ich bin fest davon über­zeugt, dass das kei­nen Auto­be­sit­zer in Armut stür­zen wird.

  5. Liane Widdel sagt

    Von den Ein­nah­men soll­ten sie wenigs­tens Park­plät­ze schaf­fen

  6. Frank Ludowig sagt

    War­um sol­len eigent­lich die (lei­der nur noch) weni­gen Auto­fah­rer die Wunstorfs Innen­stadt ansteu­ern, für den gesam­ten Wunstor­fer Stra­ßen­bau zah­len? Alle ande­ren, inklu­si­ve der Gewer­be­be­trie­be, auch z.B. Ama­zon, die ohne­hin vor Ort garan­tiert kei­ne Steu­ern und Abga­ben zah­len und oben­drein den ört­li­chen Ein­zel­han­del kaputt machen, zah­len nichts für die von ihnen genutz­te Infra­struk­tur und lachen sich in ihrer Zen­tra­le in Über­see kaputt über die blö­den Deut­schen.

  7. Grit Decker sagt

    Ein sehr kom­ple­xes und schwie­ri­ges The­ma, an dem sich mit Sicher­heit „die Geis­ter schei­den“ wer­den, inso­fern sie das nicht bereits tun.

    Mir zumin­dest fällt es aus­ge­spro­chen schwer, eine ein­deu­ti­ge Posi­ti­on zu bezie­hen.
    Als Nicht-Moto­ri­sier­te soll­te ich mich viel­leicht auch eher zurück­hal­ten.

    Mmmh:
    Ob bei­spiels­wei­se eine all­ge­mei­ne Info-Run­de und eine offe­ne ‑heißt trans­pa­ren­te- Erör­te­rung sei­tens der Stadt­ver­wal­tung gera­de mit und gegen­über uns Bür­ge­rin­nen und Bür­gern wie auch zu den Gäs­ten unse­rer klei­nen Stadt dazu bei­tra­gen kön­nen, Unsi­cher­hei­ten zum The­ma, die sicher­lich nicht aus­schließ­lich bei mir gege­ben sind, zu klä­ren?

    Ich weiß nicht, doch even­tu­ell ein Ansatz.
    Nur mal so ’ne Idee…

  8. Grit Decker sagt

    #Frank L. hat in mei­nen Augen gar nicht so Unrecht:
    zumin­dest was die Groß-Kon­zer­ne a’la Ama­zon betrifft.
    Ich geste­he, dass ich bei dem US-ame­ri­ka­ni­schen Online-Rie­sen auch schon order­te.
    Mei­ne erkran­kungs­be­ding­ten Mobi­li­täts­ein­schrän­kun­gen mögen das erklä­ren, eine Ent­schul­di­gung stellt das selbst­ver­ständ­lich nicht dar.

    Ob die­se Kon­zer­ne sich „über uns blö­den Deut­schen kaputt­la­chen“, weiß ich natür­lich nicht.
    Ein brei­tes Grin­sen in deren Gesich­tern hin­ge­gen wird sich nach mei­nem Dafür­hal­ten garan­tiert fin­den las­sen.

    Da kann ich nur hof­fen, dass das für die mäch­tig „nach hin­ten los­ge­hen“ wird. *zäh­ne fletsch knurr*.

  9. Bastian Schneider sagt

    War­um wird es nicht über die Grund­steu­er gere­gelt, wo ist das Pro­blem? Jeder Betrieb, jeder Bewoh­ner der Stadt, egal ob mit LKW, PKW, Fahr­rad oder zu Fuß nutzt Stra­ße und/oder Geh­weg. So wäre es wirk­lich auf alle Nut­zer umge­legt. Laut SPD wür­den Mie­ter stär­ker be- und Eigen­heim­be­sit­zer ent­las­tet, was mir schlicht nicht plau­si­bel erscheint. Hier wür­den mich mal Rechen­bei­spie­le für die Argu­men­ta­ti­on inter­es­sie­ren.

    1. Basti g. sagt

      Ja klar aber dafür gibt es ja die Kfz Steu­ern also wird es ja schon bezahlt

  10. Basti g. sagt

    Die orts­an­säs­si­gen Betrie­be und ein­woh­ner bezah­len soviel Gewer­be­steu­er und grund­steu­er usw. Wo geht das Geld bit­te­schön hin ? Bestimmt nicht da wo der geld­ver­die­nen­de deut­sche es ger­ne hät­te ! da soll mal einer die Poli­ti­ker ver­ste­hen die müs­sen das doch auch mit­be­kom­men das es hier seit lan­gem nur noch berg­ab geht

    1. M & A Ganzhorn sagt

      Also wir ver­ste­hen das nicht. Wir sind nach Hes­sen gegan­gen und das frei­wil­lig, nach­dem Sig­munds­hall Teil­ge­schlos­sen wur­de. Hier zah­len wir noch nicht eimal ein vier­tel von der Grund­steu­er für die glei­che Grund­stücks­grö­ße, wie in Wunstorf. Was machen die mit dem gan­zen Geld. Nur mal so als Anmer­kung.

      1. Basti g. sagt

        Krei­sel bau­en und den Strom für die Ampeln bezah­len 🙂 🙂 die Stadt soll­te die bezahl­ten Rech­nun­gen mal öffent­lich aus­hän­gen

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