Verdienstmedaille verliehen

Würdigung für Claudia Bodmann

Claudia Bodmann aus Luthe wurde am 16. November 2018 im Haus der Region Hannover die Verdienstmedaille überreicht. Seit 13 Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich und unterstützt Menschen im Rollstuhl bei der Anschaffung und Finanzierung eines Assistenzhundes.

Verdienstmedaille für Claudia Bodman
Claudia Bodmann bei der Verleihung der Verdienstmedaille im Haus der Region Hannover. | Foto: Nadine Rochlitzer

Luthe, Hannover (nr). Es war ein ungewohntes Bild, welches sich am Freitagnachmittag im Haus der Region bot. Zehn Assistenzhunde liefen freudig durch den festlich dekorierten Raum in der Hildesheimer Straße 18. Normalerweise seien Hunde in den Räumen der Region Hannover nicht erlaubt, erklärte Gisela Röwe von der Region Hannover. Heute würde jedoch eine Ausnahme gemacht. Denn an diesem Freitag wurde der Gründerin des Vereins Apporte Assistenzhunde für Menschen im Rollstuhl e. V. Claudia Bodmann die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgehändigt. Die Verdienstmedaille wird Menschen verliehen, die sich in besonderer Weise für das Allgemeinwohl einsetzen.

„Der Festakt war sehr schön und beeindruckend. Die Wertschätzungen meiner ehrenamtlichen Arbeit und die Laudationen haben mich sehr berührt. Ich habe mich unglaublich gefreut, dass so viele meiner Freunde gekommen sind.“ – Claudia Bodmann

Seit 13 Jahren engagiert

Claudia Bodmann engagiert sich seit 13 Jahren im sozialen Bereich. Seit einem Verkehrsunfall im Jahr 1981 ist sie querschnittsgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. 2004 ging ein Traum der Lutherin in Erfüllung, sie erhielt ihren ersten Assistenzhund. Der treue Begleiter unterstützt sie seitdem im Alltag. Motiviert durch die positiven Erfahrungen und die erheblich gesteigerte Lebensqualität, die sie durch ihren Assistenzhund gewonnen hat, gründete Frau Bodmann 2005 den Verein Apporte-Assistenzhunde für Menschen im Rollstuhl e. V. Menschen im Rollstuhl haben es im Leben und in der Gesellschaft oft nicht leicht. Durch ihr Handicap können sie alltägliche Dinge ohne menschliche Hilfe nicht erledigen. Der Rollstuhl wirkt oftmals als zwischenmenschliche Barriere. Hier können Assistenzhunde helfen. Assistenzhunde geben ihren Haltern die Möglichkeit, aktiv, selbstbestimmt und unabhängiger von menschlicher Hilfe am Leben teilzuhaben. So kann er Türen, Schränke und Schubladen öffnen und wieder schließen, Dinge (wie ein Telefon oder eine Fernbedienung) bringen, Gegenstände aufheben, beim Tragen helfen, beim An- und Ausziehen helfen, um Hilfe bellen, Lichtschalter betätigen und die Waschmaschine ein- und ausräumen. Das Anliegen des Vereins ist, Menschen mit Handicap bei der Anschaffung und Finanzierung eines Assistenzhundes zu unterstützen, ein Netzwerk für Betroffene und Interessierte zu schaffen sowie die Öffentlichkeit über die Arbeit mit Assistenzhunden zu informieren und diese Form der Begleitung bekannter zu machen.

Verdienstmedaille für Claudia Bodmann
Oben v. l. n. r.: Frank Reinke, Manja Günther (2. Vorsitzende Apporte e. V.), Rolf-Joachim Hoch (Bürgermeister Luthe), Birgit Mares (stellv. Bürgermeisterin Wunstorf), Corina Robitschko (Ehefrau) & Michaela Michalowitz (stellv. Regionspräsidentin).
Unten v. l. n. r.: Elisabeth Färbinger (Gründerin & Geschäftsführerin Verein Partnerhunde Österreich) & Claudia Bodmann. | Foto: Nadine Rochlitzer

Gebührende Würdigung der ehrenamtlichen Arbeit

In ihrer Laudation würdigte die stellvertretende Regionspräsidentin Michaela Michalowitz die geleistete uneigennützige langjährige und beharrliche ehrenamtliche Arbeit der Lutherin. „Die über Jahrzehnte geleistete ehrenamtliche Arbeit findet mit der Verleihung der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland die ihr gebührende Würdigung und Anerkennung“, erklärte Michalowitz bei dem Festakt. Beeindruckt von Bodmanns Lebenslauf, gab sie sich jedoch auch nachdenklich. „Mir hat es nicht gefallen zu lesen, dass Assistenzhunde in Restaurants und Supermärkten nicht als Selbstverständlichkeit wahrgenommen werden. Dies entspricht nicht dem Gedanken der Inklusion. Wir müssen Inklusion neu denken und umsetzen“, so die stellvertretende Regionspräsidentin. Auch Wunstorfs stellvertretende Bürgermeisterin Birgit Mares sowie Freunde und Bekannte der Lutherin lobten das ehrenamtliche Engagement Bodmanns. „Die heutige Ehrung haben Sie mehr als Verdient, Wunstorf kann stolz auf Sie sein“, erklärte Mares.

„In einer Zeit in der man das Gefühl hat, von Egomanen umgeben zu sein, ist es wichtig, dass es Frauen wie Claudia Bodmann gibt, die sich ehrenamtlich einsetzen.“ – Frank Reinke (Freund)

Durch ihren unermüdlichen Einsatz konnte der Verein bislang 40 Assistenzhunde vermitteln. „40 Hunde zu finanzieren ist eine besondere Leistung, das muss man erstmal schaffen“, erklärte Elisabeth Färbinger, Leiterin und Gründerin der Assistenzhunde-Schule Partner-Hunde Österreich. Immerhin kostet die Ausbildung eines Assistenzhunde mittlerweile 18.000 Euro. Davon werden 16.000 Euro vom Verein übernommen. Apportes zweite Vorsitzende Manja Günther fügte hinzu: „So vielen Menschen hast Du durch Deine Idee geholfen und ihnen neuen Lebensmut, Freude und Hoffnung gegeben. Du investierst täglich viel Zeit in deine ehrenamtliche Arbeit und das ist nicht selbstverständlich“.

Am Abend wurde die Verdienstmedaille mit der Familie und Freunden bei einem gemeinsamen Essen und Prosecco gefeiert. Auch Bodmanns Assistenzhund Tom bekam an diesem Nachmittag eine Belohnung für seine Leistungen: Frank Reinke verlieh ihm den großen Verdienstknochen am Bande.

 

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8 Kommentare
  1. Marita Ahrens meint

    Glückwunsch
    Mit Recht wie ich finde!!

  2. Grit Decker meint

    Sofort unterschreibe ich die Aussage der zu recht Geehrten, dass Hunde grundsätzlich und im Speziellen die Kontaktaufnahme zu Gehandicapten vereinfachen, wenn nicht gar erst ermöglichen.

    So bin ich bis dato ausgesprochen irritiert, dass ich bei einem Besuch eines Geschäfts in der „schönsten Innenstadt der Region“ nicht die Möglichkeit hatte, die ausgesprochen freundliche Begrüßung eines dieser absolut lieben „Fellnasen“ (meine Zuneigung zu all denen darf durchaus als tendenziell leicht (!) ‚verrückt‘ bezeichnet werden) in Form einer „Streicheleinheit“ entsprechend zu erwidern.
    Die gehandicapte Hallterin wollte das nicht – und zwar ohne eine kurze Erklärung dazu.

    Ich persönlich habe keine -zumeist unangebrachten- Berührungsängste, andere hingegen könnten durch solche Erfahrungen/Erlebnisse möglicherweise noch eher auf Distanz gehen.
    Etwas, was nicht gewollt sein wird.

  3. Kastning-Kohn Angelika meint

    So was von verdient Glpckwunsch

  4. Veronika meint

    Zitat: „Normalerweise seien Hunde in den Räumen der Region Hannover nicht erlaubt, erklärte Gisela Röwe von der Region Hannover. Heute würde jedoch eine Ausnahme gemacht.“

    Da überreicht man dem Vereinsoberhaupt eines Vereins, der Assistenzhunde vermittelt und Informationen für die Öffentlichkeit liefert, eine Urkunde und dann dieser Satz? Assistenzhunde dürfen in den Supermarkt, ins Krankenhaus und auch in den Räumen der Region Hannover – weil sie Hilfsmittel für Menschen mit Behinderungen sind. Das ist keine Ausnahme, dass die da reindürfen. Da würdigt man Claudia Bodmann und stampft mit Worten auf ihren Taten herum – vermutlich ohne es zu merken.

    Zitat: „Mir hat es nicht gefallen zu lesen, dass Assistenzhunde in Restaurants und Supermärkten nicht als Selbstverständlichkeit wahrgenommen werden. Dies entspricht nicht dem Gedanken der Inklusion. Wir müssen Inklusion neu denken und umsetzen!“ Ja und Gisela Röwe schafft es am selben Abend in denselben Räumlichkeiten genau das Gegenteil zu sagen.

    Ich freue mich über die Auszeichnung und Ehrung von Claudia und des Vereins und allen Hundetrainern, die den Assistenzhund möglich machen. Auch den Artikel finde ich schön geschrieben. Aber diesen Widerspruch, der tut mir wirklich weh.

    1. Nadine Rochlitzer meint

      Hallo Veronika, vielen Dank für Deinen Kommentar. Man sollte denken, dass Assistenzhunde offiziell anerkannt sind. Dies ist aber nicht so. Assistenzhunde sind keine anerkannten Hilfsmittel im Sinne des Sozialgesetzbuches. Es gibt in Deutschland auch keine gesetzliche Regelungen bzgl. Assistenzhunde und deren Ausbildung. Dies hat uns Frau Bodmann in mehreren Gesprächen erklärt und bestätigt. Unsere Aussagen stehen daher unseres Erachtens nicht im Widerspruch. Viele Grüße

      1. Grit Decker meint

        Nadine hat leider recht.

        Wird einer der für Gehandicapte segensreichen vierpfotigen Partner z.B. mit in ein Krankenhaus mitgeführt, ist spätestens im Foyer/im Eingangsbereich Ende.

        In den stationären Bereichen -also im Umfeld von Patienten und Patientinnen- wird den Hunden, wie allen Tieren, alleine schon aus hygienischen Gründen wie auch wegen möglicher Inektionsgefahren das Betreten dieser „geschützen“ Bereiche verwehrt.

        Inwieweit diese (angeblichen!) Gefahren/Gefährdungen tatsächlich gegeben sind, ist in meinen Augen fraglich und sollte bei Patientenbesuchen meines Erachtens im Einzelfall individuell entschieden werden.

        Da wir Deutschen jedoch „Fans alles starr Festgelegten“ sind, habe ich erhebliche Zweifel, dass sich im Sinne der gehandicapten Menschen zeitnahe Verbesserungen durchsetzen lassen werden.

        1. Veronika meint

          Hallo Nadine,

          Das ist so leider nicht korrekt. Zwar stimmt es, dass Assistenzhunde nicht im Hilfsmittelkatalog/Hilfsmittelliste aufgeführt sind. Allerdings ist das Hilfsmittelverzeichnis rechtlich nicht bindend. Auch Rollstühle oder andere neuartige Erfindungen, die Menschen mit Behinderungen helfen, sind Hilfsmittel, selbst wenn sie noch nicht im Katalog stehen. Der Katalog hat nur Bedeutung für die Krankenkassen, denn die Liste gilt als sogenannte Positivliste für Hilfsmittel, die die Krankenkassen definitiv finanzieren müssen.

          Auf Assistenzhunde finden die Gesetze (z.B. das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und die Sozialgesetzbücher sowie das Teilhabegesetz) eindeutig Anwendung. Demnach müssen nur noch Gesetze umgesetzt werden, die die Finanzierung der Assistenzhunde auf die Krankenkassen überträgt. Das ist auch der Grund, warum es Apporte gibt, weil die Finanzierung derzeit eben nicht gewährleistet ist.

          Bei Zutrittsrechten und Co. genügen die derzeitigen Gesetze und jeder Rauswurf oder jede Zutrittsverweigerung ist ein Rechtsverstoß und kann zivilrechtlich verfolgt werden. Da jedoch Menschen mit Behinderungen diese Diskussion und teure Gerichtsverfahren vermeiden wollen, nehmen sie diese Diskriminierung wortlos hin. Für jemanden, der sich mit den Gesetzen beschäftigt, ist das sehr frustrierend.

          Mit freundlichen Grüßen,
          Veronika

        2. Veronika meint

          Hallo Grit,

          Das ist so leider nicht richtig.

          Tatsächlich bin ich schon oft mit meiner Freundin, die ebenfalls einen Assistenzhunde hat, ins Krankenhaus gefahren. Wir sind dem Eingangspersonal, den Wachleuten, Krankenschwestern und Ärzten begegnet, ohne ein einziges Widerwort zu bekommen. Tatsächlich haben wir bisher nur positive Erfahrungen in Krankenhäusern und Universitätskliniken gemacht.

          Die einzigen Konfrontationen erleben wir im Bereich von Supermärkten, allerdings haben wir mit unserem Vorwissen über Assistenzhunde und den rechtlichen Hintergrund in der Diskussion immer die Oberhand und wurden bisher noch nie rausgeworfen, obwohl es manche VerkäuferInnen gerne getan hätten.

          Das Hygiene-Argument kann mit diesem Artikel schnell außer Kraft gesetzt werden: https://www.bmel.de/DE/Ernaehrung/SichereLebensmittel/Hygiene/_Texte/MitBlindenhundLebensmittelgeschaeft.html (Die offizielle Seite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hat wohl deutliches Gewicht)

          Mit den derzeitigen Gesetzen hat man nur Probleme mit der Finanzierung von Assistenzhunden. Zutrittsrechte (z.B. in Supermärkten, Krankenhäusern, Restaurants und Flugzeuge) sind gegeben und rechtlich festgesetzt, müssen jedoch manchmal durch Diskussion und Aufklärung (dabei immer höflich bleiben) durchgesetzt werden.

          Mit freundlichen Grüßen,
          Veronika

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