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Nachfolger von Eberhardt wird schon diesen Mai gewählt

Wunstorfer Bürgermeisterwahl wird vorgezogen

Eigentlich würde regulär erst im kommenden Jahr in Wunstorf ein neuer Bürgermeister gewählt werden. Doch nun wird schon deutlich früher abgestimmt – und das neue Stadtoberhaupt steht im Grunde bereits fest.

Rathaus
Wunstorfer Rathaus | Foto: Daniel Schneider

Wunstorf (red). Ein politisches Husarenstück kündigt sich an in Wunstorf. Da Bürgermeister Eberhardt derzeit mit dem Krisenmanagement in der Stadt beschäftigt ist, soll die Wahl vorgezogen werden – und aufgrund der Umstände bereits im kommenden Monat stattfinden. Für eine Übergangszeit gäbe es danach zwei Bürgermeister in der Stadt: Während Rolf-Axel Eberhardt Altbürgermeister bliebe und sich weiter um die Corona-Bewältigung kümmert, träte ein weiterer Interimsbürgermeister an seine Seite, der ihn bei den übrigen Amtsgeschäften im Rathaus entlastet. Dieser würde dann 2021 automatisch auch Nachfolger von Eberhardt werden.

„Wir lassen sowieso niemanden rein.“

„Da wir im Moment im Rathaus sowieso niemanden reinlassen, haben wir Kapazitäten, die Wahl für den nächsten Monat vorzubereiten“, so Eberhardt – im Moment noch alleiniger Bürgermeister – gegenüber der Auepost. Da der Stadtrat derzeit nicht zusammenkomme, könne der weiterhin tagende Verwaltungsausschuss zudem die Verlegung des Wahltermins problemlos auf dem „kurzen Dienstweg“ beschließen.

Da nicht sicher ist, ob das Kontaktverbot im Mai noch besteht oder sogar ausgeweitet wird, und unklar bleibt, ob die regulären Wahllokale geöffnet werden können, wird über Alternativen zur Stimmabgabe nachgedacht. Erste Vorschläge beschäftigen sich mit „Drive-in-Wahlkabinen“. So könnte bei McDonalds oder Burger King nicht nur das Sparmenü ins Auto gereicht werden, sondern umgekehrt auch der Stimmzettel abzugeben sein.

Kandidat gefunden

Nun rächt sich allerdings, dass die Parteien bei der Nominierung ihrer Kandidaten sehr zurückhaltend waren und noch bis ins nächste Jahr keine Namen nennen wollen. Dieses Vakuum nutzt ein parteiloser Kandidat, der seinen Hut kurzerhand in den Ring geworfen hat – und dessen Wahl schon jetzt als sicher gilt, denn er ist der einzige Bewerber und bleibt es wohl auch. Damit ergibt sich erneut das Paradoxon, dass die Wunstorfer ihren neuen Bürgermeister schon vor der Wahl kennen. Auch Eberhardt war 2014 ohne Gegenkandidat im Amt bestätigt worden. Die Ein-Kandidaten-Wahl wird somit zur Tradition in der Stadt.

Volker Ernst
Der nächste Bürgermeister: Volker Ernst hat große Pläne für Wunstorf | Foto: privat

Der nächste Wunstorfer Bürgermeister wird demnach Volker Ernst heißen, seine Wahl gilt als ausgemacht. Der 48-jährige Gastronom, der in der Innenstadt den „Ratskeller“ betreibt, genießt in Wunstorf hohe Reputation und hat sich überparteilich einen Namen gemacht. Er ist verheiratet und im Fußballverein aktiv. Mit seinem speziellen Humor kommt er bei der Bevölkerung an. „Einer muss es ja machen, und von der Küche bis zum Rathaus ist es ja quasi nur ein Gang über den Marktplatz“, skizziert Ernst seine Ambitionen auf den Bürgermeisterposten im Gespräch mit der Auepost. Rathaus und Ratskeller – das läge nicht nur sprachlich, sondern auch funktionell nah beieinander. „Außerdem mache ich einmal im Jahr Urlaub in New York, dort habe ich mir bereits früher den ein oder anderen Tipp bei Trump geholt“, so der Kandidat weiter.

Aber Volker Ernst hat auch schon konkrete Pläne, wie es mit der Stadt weitergehen soll, und bringt dazu u. a. seine fußballerische Erfahrung ein. Da sich die Errichtung des Kunstrasenplatzes in Luthe als undurchführbar erwiesen hat, könnte stattdessen eine unterirdische Mehrzweckhalle auf der obersten Sohle im alten Sigmundshall-Stollen gebaut werden. Es wäre damit gleichzeitig das erste Projekt im Rahmen des dort angedachten Zukunftsparks. Auch an die Autofahrer denkt Ernst: Sie sollen sich nicht mehr über den Stadtgraben quälen und Parkplätze suchen müssen, um Verwaltungsdienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Die Kfz-Zulassungsstelle wird daher in die Oststadt verlegt – und das Bürgerbüro gleich mit.

Geld in die Stadt gepumpt

Sein ambitioniertestes Projekt dürfte jedoch die Schaffung einer Bürgerwährung für Wunstorf sein. Um die derzeitigen wirtschaftlichen Verwerfungen für die Wunstorfer Gewerbetreibenden abzufedern, soll ein zusätzliches Zahlungsmittel eingeführt werden, das in der Auestadt die Konjunktur ankurbelt. Der Plan hat ein historisches Vorbild: 1932 hatte die österreichische Gemeinde Wörgl in Krisenzeiten eine eigene Regionalwährung eingeführt und damit ein lokales Wirtschaftswunder bewirkt.

1000 Wunstorfer Aue-Taler
Entwurf der Auetaler-Banknoten | Screenshot: Auepost

Auch der Name für die Ersatzwährung, die mit dem Umtauschkurs von 15:1 als gesetzliches Zahlungsmittel neben den Euro treten wird, ist bereits gefunden: Die Münzen und Banknoten werden als „Wunstorfer Aue-Taler“ in Umlauf kommen. Erste Entwürfe von Wunstorfs Zweitwährung kursieren bereits im Internet. Das Aussehen der Banknoten orientiert sich am US-Dollar, um deutlich vom Euro unterscheidbar zu sein. Statt Präsidenten sollen jedoch Wunstorfer Persönlichkeiten die Geldscheine zieren. Für die 1000-Auetaler-Note ist etwa Rolf-Axel Eberhardt vorgesehen.

Jeder Einwohner bekäme als Konjunkturfördermaßnahme einen entsprechenden Betrag als Startkapital aus der Stadtkasse: 31515 Aue-Taler sind pro Haushalt vorgesehen, das entspräche umgerechnet knapp 2100 Euro. Ob auch die Ortsteile berücksichtigt werden, steht noch nicht fest, zunächst wird das Geld nur an Kernstädter gezahlt.

Schützenfest wird abgeschafft

Das in diesem Jahr entfallende Schützenfest will Volker Ernst auch in den Folgejahren nicht wiederaufleben lassen, sondern es gleich ganz abschaffen. „Gemeinsames Biertrinken ist anachronistisch und gehört schon längst verboten“, so der designierte Bürgermeister. Das hätte zugleich den Vorteil, dass künftig der gesamte Schützenplatz als Parkplatz genutzt oder auch zur Bebauung für Altenwohnungen freigegeben werden könnte. Ein Arbeitskreis soll sich stattdessen mit Alternativen beschäftigen, wie ein neues, moderneres und kostengünstigeres Wunstorfer Stadtfest in Zukunft aussehen könnte. Als Vorschläge wurden bereits genannt: Entenangeln am Kuhbrunnen und Matjeswerfen in die Westaue.

Der noch einzuberufende Arbeitskreis soll seine Empfehlungen spätestens bis zum 1. April 2021 abgegeben haben.

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Auepost Redaktion

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4 Kommentare

  1. Ich gestehe:
    das Ding mit der vorgezogenen Bürgermeisterwahl hab‘ ich angesichts der aktuellen Krise durch die Coronavirus-Pandemie für bare Münze genommen:
    sooo unwahrscheinlich wäre eine vorgezogene Wahl in Anbetracht der besonderen Umstände nicht…

    Spätestens ab der Vorstellung des angeblichen Nachfolgers habe ich dann doch den Aprilscherz der #Auepost gepeilt.

    Zu meiner „Ehrenrettung“:
    es werden etliche dem Verfassenden der ausgesprochen netten Story ‚auf den Leim gegangen sein‘.
    *lol*

  2. Muahahahaha!!! Klasse!! Super Artikel!! Wie herzerfrischend in diesen Zeiten!! Danke!!
    Zum Artikel:
    Ich gehe mal davon aus „Der noch einzuberufende Arbeitskreis…“ tagt mindestens 1x die Woche im Ratskeller und „Arbeitskreisgäste“ sind jederzeit willkommen!! Und ich werde dann natürlich – da für alle anderen abgeschafft – ganz alleine mein Bierchen „zwitschern“ müssen^^

    1. Auch ich finde es richtig gut, dass wir auch bzw. gerade in dieser Zeit herzhaft lachen!

      Oder mit dem so früh verstorbenen Heinz Erhardt ausgedrückt:
      „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“

      Und wer sich mit dem Lachen schwer tut, ob allgemein und/oder mit diesen alle belastenden Gegebenheiten:
      dieser Artikel hier sollte helfen, zum Lachen (zurück) zu finden…

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