Wunstorfer Augenarzt reist nach Afrika

Wunstorfer Kinderbrillen für Togo

Ein Wunstorfer Augenarzt sammelt gebrauchte Brillen für Kinder in Togo – bis Ende der Woche läuft die Aktion noch. Am vergangenen Freitag besuchte Rüdiger Grevsmühl die Auepost-Redaktion und sprach über seine Pläne.

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Win­fried Men­del (links) sam­melt im Geschäft die Bril­len für Rüdi­ger Grevs­mühl | Foto: pri­vat

Wunstorf (ds). Rüdi­ger Grevs­mühl prak­ti­zier­te bis vor­letz­tes Jahr noch als Augen­arzt in sei­ner Wunstor­fer Pra­xis, doch auch als Ruhe­ständ­ler bleibt er sei­ner Pro­fes­si­on wei­ter ver­bun­den. Grevs­mühl, der Mit­glied im Ver­ein „Togo-Kin­der Zukunfts­chan­ce“ ist, will Kin­dern in Togo zu bes­se­rem Sehen ver­hel­fen. Nächs­te Woche reist er dazu per­sön­lich nach West­afri­ka – und bit­tet um die Unter­stüt­zung der Wunstor­fer.

Direkte Entwicklungshilfe

Der Ver­ein betreibt pri­va­te Ent­wick­lungs­hil­fe, indem er Hil­fe zur Selbst­hil­fe bie­tet – und zwar über den Weg, begab­ten Kin­dern aus armen Fami­li­en direkt zu hel­fen: Über Paten­schaf­ten wer­den die Kin­der unter­stützt, sie bekom­men zum Bei­spiel Schul­geld, Klei­dung oder auch medi­zi­ni­sche Hil­fe. Die Eltern der Kin­der wer­den eben­falls unter­stützt, damit sie sich ein beruf­li­ches Stand­bein auf­bau­en kön­nen. Auch Grevs­mühl hat über den Ver­ein ein Paten­kind in Togo – Kos­si Didier Dja­to ist 11 Jah­re alt und geht in einem Dorf im Süden Togos zur Schu­le.

INFO: Togo
Flagge TogoDie Repu­blik Togo, einst deut­sche Kolo­nie, spä­ter unter fran­zö­si­schem Ein­fluss, liegt in West­afri­ka am Atlan­ti­schen Oze­an. Togo ist etwa sechs­mal klei­ner als Deutsch­land und hat knapp sie­ben­ein­halb Mil­lio­nen Ein­woh­ner. Ver­gli­chen mit den Indus­trie­län­dern hat es eine recht jun­ge Bevöl­ke­rung. Amts­spra­che ist Fran­zö­sisch. Natur­re­li­gio­nen sind weit ver­brei­tet, knapp 40 Pro­zent sind Chris­ten. Die Land­wirt­schaft ist der größ­te Wirt­schafts­fak­tor. Das Land weist eine hohe Kin­der­sterb­lich­keit auf.

Die Brillen-Sammelaktion

Gutes Sehen ist hier­zu­lan­de eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, nach Augen­ärz­ten und Opti­kern muss man nicht lan­ge suchen. Doch in Togo ist selbst die ein­fachs­te Ver­sor­gung mit Bril­len ein Pro­blem. Vie­le Men­schen, vor allem Kin­der, tra­gen daher über­haupt kei­ne Bril­le, obwohl sie drin­gend eine bräuch­ten. Sam­mel­stel­len gibt es zwar, doch die haben meist nur Erwach­se­nen­bril­len. Hier setzt die Idee von Grevs­mühl an: Wie­so nicht alte, aus­ge­dien­te Kin­der­bril­len selbst sam­meln und nach Togo in die Dör­fer brin­gen?

Brillensammlung
Es war­ten noch eini­ge Bril­len auf die Auf­be­rei­tung | Foto: Dani­el Schnei­der

Grevs­mühl sprach dazu bei vie­len Wunstor­fer Opti­kern vor, doch wirk­lich wei­ter­hel­fen konn­te man ihm dort nicht, alte Kin­der­bril­len wer­den bei den Geschäf­ten nicht auf­be­wahrt. Aber Win­fried Men­del, bei dem sich Grevs­mühl eben­falls nach alten Bril­len erkun­digt hat­te, schlug kur­zer­hand vor, doch ein­fach ein­mal über Face­book zu fra­gen, ob jemand zu Hau­se noch aus­ran­gier­te Model­le her­um­lie­gen hat – und er erklär­te sich auch gleich dazu bereit, die Logis­tik zu über­neh­men. Gesagt, getan – und vie­le folg­ten inzwi­schen schon dem Auf­ruf, trenn­ten sich von ihren alten Kin­der­bril­len und brach­ten sie zu Men­del. Auch pas­sen­de Bril­len­etuis wer­den oft gleich mit vor­bei­ge­bracht.

Eine Flut an alten Kinderbrillen

Bei Men­dels im Opti­ker­ge­schäft geht es unter­des­sen ein biss­chen zu wie beim Bril­len-Ver­sand­han­del: Die für Togo abge­ge­be­nen Bril­len sam­meln sich in einem Plas­tik­korb, die Post bringt wei­te­re Bril­len­pa­ke­te. Mitt­ler­wei­le sind bereits knapp 70 alte Kin­der­bril­len zusam­men­ge­kom­men. Die Bril­len wer­den im Geschäft ange­nom­men, dort auf­be­rei­tet, gesäu­bert und mit den ent­spre­chen­den Wer­ten der Glä­ser gekenn­zeich­net. Neu ver­packt tre­ten sie dann in Kür­ze ihren Weg nach Togo an. Etwa drei Minu­ten dau­ert das Auf­be­rei­ten einer alten Bril­le, wie Aus­zu­bil­den­de Jas­min Scherf berich­tet. Fast alle vor­bei­ge­brach­ten Bril­len kämen für die Akti­on in Fra­ge, nur ganz weni­ge – 4 oder 5 – muss­ten aus­sor­tiert wer­den, weil sie tat­säch­lich schon kaputt waren.

Brillenkarton
Die auf­be­rei­te­ten und kate­go­ri­sier­ten Bril­len gehen nach Togo | Foto: Dani­el Schnei­der

Rüdi­ger Grevs­mühl wird es freu­en, denn je mehr Bril­len er mit­neh­men kann, des­to höher sind die Chan­cen, dass für die Kin­der vor Ort das pas­sen­de Modell in der rich­ti­gen Stär­ke dabei ist. Denn die nöti­ge Seh­schär­fen­be­stim­mung kann Grevs­mühl erst direkt vor Ort vor­neh­men – in beschei­de­nem Rah­men. Ein Köf­fer­chen mit Mess­glä­sern und Grund­aus­stat­tung wird er dabei­ha­ben, aber natür­lich ohne ent­spre­chen­des Equip­ment einer Augen­arzt­pra­xis kei­ne umfas­sen­den Augen­un­ter­su­chun­gen durch­füh­ren kön­nen.

Ab nach Afrika

Freun­de von Grevs­mühls Fami­lie, die eben­falls im Ver­ein aktiv sind, waren frü­her bereits vor Ort, doch für Grevs­mühl ist es die ers­te Rei­se nach Togo, bei der er auch sein Paten­kind zum ers­ten Mal per­sön­lich ken­nen­ler­nen wird. Zu viert star­tet die klei­ne Rei­se­grup­pe – Fami­li­en­mit­glie­der und eine Freun­din – nächs­te Woche Rich­tung Afri­ka. Ab Düs­sel­dorf geht es mit der Air Fran­ce über Paris und wei­te­re Zwi­schen­stopps nach Lomé, der Haupt­stadt von Togo. Von dort aus geht es wei­ter zu den Paten­fa­mi­li­en des Ver­eins. In Togo wird Grevs­mühl sechs Tage lang blei­ben, um die Arbeit des Ver­eins direkt vor Ort selbst erfah­ren zu kön­nen – und natür­lich den Kin­dern der Dör­fer die Bril­len­ver­sor­gung zu ermög­li­chen.

Kinderbrillenaktion
Pake­te mit gebrauch­ten Kin­der­bril­len kom­men sogar mit der Post von weit­her | Foto: Dani­el Schnei­der

Gebrauch­te Kin­der­bril­len kön­nen noch bis kom­men­den Sams­tag (16. Febru­ar) bei Men­dels abge­ge­ben wer­den. Die Ers­ten schick­ten ihre alten Bril­len auch schon mit der Post, und nicht nur Wunstor­fer betei­li­gen sich an der Akti­on. Wer noch Kin­der­bril­len abge­ben möch­te, kann das per­sön­lich tun oder per Post an die­se Adres­se sen­den:

Anschrift Kin­der­bril­len-Akti­on
Men­dels Augen­op­tik
Bril­len für Togo
Nord­stra­ße 16
31515 Wunstorf

Außer Kin­der­bril­len wird Grevs­mühl auch Gast­ge­schen­ke im Gepäck haben – als Han­no­ver-96-Fan frag­te er beim Ver­ein an, der ihm eine Kis­te mit Fan-Arti­keln zur Ver­fü­gung stell­te. So wer­den dem­nächst eini­ge Kin­der aus Togo nicht nur mit Wunstor­fer Bril­len, son­dern auch mit schwarz-grün-wei­ßen Base­caps her­um­lau­fen.

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3 Kommentare
  1. Grit Decker sagt

    Eine rich­tig tol­le Akti­on!
    Dass auch für unse­re Wunstor­fer Docs der Ruhe­stand nicht mit dem Ein­tritt in sel­bi­gem beginnt, ist mir bekannt und hat ja durch­aus auch was für sich.
    Doch wenn jemand der „Ex-Docs“ sei­ne gewon­ne­ne Frei­zeit ‑bis­wei­len gar ‚Frei­heit’, so wie hier #Herr Grevs­mühl im Inter­es­se Benach­tei­lig­ter zu nut­zen weiß, dann ist mir das mehr als Freu­de.

    Ohne Mit­strei­ten­den jedoch ist ein der­ar­ti­ges Enga­ge­ment kaum „zu wup­pen“:
    da ist es schön, sehr schön, dass Herr Grevs­mühl vom Opti­ker #Men­del Unter­stüt­zung erfährt.
    Ich hof­fe, dass noch vie­le wei­te­re Men­schen sich die­ser vor­bild­li­chen Akti­on anschlie­ßen wer­den.

    Update:
    Sämt­li­che Schub­lä­den und Schrank­fä­cher nach aus­ge­dien­ten Bril­len durch­fors­tet = kei­ne für die Akti­on nutz­ba­re gefun­den. Lei­der 🙁

  2. Rüdiger Grevsmühl sagt

    Auf die­sem Wege möch­te ich mich für die gewal­ti­ge Reso­nanz und unglaub­li­che Hilfs­be­reit­schaft der Bril­len­spen­der bedan­ken. Natür­lich gilt mein beson­de­rer Dank auch den Ehe­leu­ten Men­del und ihrem Team, die unse­re Akti­on mit so viel zeit­li­chem Ein­satz unter­stüt­zen. Inzwi­schen hat auch der Fili­al­lei­ter von Optik Fiel­mann, Herr Stem­me, die Spen­de von 17 nagel­neu­en Kin­der­fas­sun­gen ver­spro­chen. Auch ihm herz­li­chen Dank.
    Ein Lob auch dem Ver­fas­ser des Bei­trags, Herrn Schnei­der, für die aus­führ­li­chen Infor­ma­tio­nen über Togo und unse­ren Ver­ein. Viel­leicht fol­gen vie­le Wunstor­fer dem Link und könn­ten sich vor­stel­len, selbst eine Paten­schaft zu über­neh­men. Ich hat­te frü­her schon Paten­kin­der über World Visi­on und Plan Inter­na­tio­nal, hier weiß ich aber, dass jede Hil­fe wirk­lich 1 zu 1 vor Ort ankommt. Mei­ne Schwes­ter Uta Scholl war schon drei­mal dort und kann dies bestä­ti­gen.
    Nach der Rei­se wer­de ich – hof­fent­lich mit schö­nen Fotos – davon berich­ten.

  3. Basti g. sagt

    Eine rich­tig gute Akti­on ! Wei­ter so

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