Staatsanwaltschaft stellt Verfahren ein

Wunstorfer Ratsherr kämpft weiter gegen Asbest-Handhabung an Kreisel-Baustelle

Die Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren eingestellt, das Ratsherr Rüdiger Hergt mit seiner Strafanzeige wegen des Umgangs mit Asbestfunden auf der Industriegebiet-Verkehrskreisel-Baustelle angestrengt hatte. Hergt legte am Donnerstag Widerspruch gegen die Entscheidung ein.

Asbesthaufen
Asbest­fun­de bei Stra­ßen­bau­ar­bei­ten | Foto: pri­vat

Wunstorf (ds). Anfang Novem­ber hat­te der Wunstor­fer Rats­herr Rüdi­ger Hergt (frak­ti­ons­los) Straf­an­zei­ge gestellt, nach­dem ein Sturm auf­ge­schüt­te­te asbest­hal­ti­ge Erde frei­ge­legt hat­te, die zur Bau­stel­le geru­fe­ne Poli­zei kei­ne unmit­tel­ba­ren wei­te­ren Maß­nah­men ergriff und die Zustän­dig­kei­ten offen­bar unklar waren. Die Anzei­ge rich­te­te sich gegen die Stadt Wunstorf, die Regi­on Han­no­ver, die Ent­wick­lungs­ge­sell­schaft Gewer­be­park Wunstorf-Süd (EGW) und die Bau­fir­ma, die die­se Bau­stel­le betreibt.

Auch auf poli­ti­schem Wege bemüh­te sich Hergt um Auf­klä­rung: Auf sei­ne in der Stadt­rats­sit­zung am 7. Novem­ber an Bür­ger­meis­ter Eber­hardt gerich­te­te Fra­ge, wie mit der Situa­ti­on in Zukunft wei­ter umge­gan­gen wür­de, wie­so die Stadt z. B. kei­ne soge­nann­ten „Big Bags“ zum siche­ren Trans­port von asbest­hal­ti­gem Mate­ri­al bereit­hal­te oder ob wei­te­res Mate­ri­al gefun­den wur­de, wur­de er auf eine schrift­li­che Ant­wort ver­trös­tet. Nach 14 Tagen folg­te dann die Infor­ma­ti­on, dass man sich wegen des lau­fen­den Ver­fah­rens nicht dazu äußern wer­de.

Verfahren eingestellt

Die Staats­an­walt­schaft Han­no­ver konn­te unter­des­sen kei­ne aus­rei­chen­den Anhalts­punk­te für das Vor­lie­gen einer Straf­tat erken­nen. In einem Schrei­ben, das der Aue­post vor­liegt, teil­te sie dem Wunstor­fer Rats­herr die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens mit, da kein fahr­läs­si­ges straf­recht­li­ches Han­deln von an der Bau­stel­le betei­lig­ten Per­so­nen gege­ben sei. Das Vor­han­den­sein von asbest­hal­ti­ger Erde im Bereich der Adolf-Oes­ter­held-Stra­ße sei den Betei­lig­ten bekannt gewe­sen, ledig­lich im Bereich der jet­zi­gen Bau­stel­le habe man nicht damit gerech­net. Daher sei es zunächst zu einem zwei­mo­na­ti­gen Bau­stopp gekom­men, wäh­rend­des­sen nach Lösun­gen gesucht wur­de. Dar­auf­hin habe man die Asbest­erde mit Folie abge­deckt und die­se mit Sand­sä­cken beschwert. Ein Sturm habe zwar Tei­le des Asbest­hau­fens frei­ge­legt, da es gleich­zei­tig auch gereg­net hät­te, habe aber kei­ne Gefahr bestan­den, dass „Asbest­tei­le her­um­we­hen“ – und somit auch kei­ne Gefahr für die Bevöl­ke­rung.

Wie soll ich eigent­lich mei­nen Wäh­lern für die Regi­on und den Rat in Wunstorf klar­ma­chen, dass sie ihren pri­va­ten Asbest­ab­fall nur unter ganz klar gere­gel­ten bestimm­ten Bedin­gun­gen und nach Ent­rich­tung von Gebüh­ren an die aha Abfall­wirt­schafts­ge­sell­schaft lie­fern dür­fen, dass aber die Regi­on Han­no­ver und die Stadt­ver­wal­tung Wunstorf mit dem Asbest machen kön­nen, was sie wol­len, um mög­lichst bil­lig davon­zu­kom­men?“Rüdi­ger Hergt

Stadt: Keine Gefahr

Stadt­spre­cher Alex­an­der Sto­ckum bestä­tig­te das Vor­ge­hen gegen­über der Aue­post: Die zustän­di­ge Ent­wick­lungs­ge­sell­schaft EGW, an der die Stadt Wunstorf zu 50 % betei­ligt ist, hat­te als Gut­ach­ter die Alt­las­ten- und Ent­sor­gungs­fir­ma Ukon beauf­tragt. Mit die­sem und dem Gewer­be­auf­sichts­amt sowie der Unte­ren Boden­schutz­be­hör­de der Regi­on Han­no­ver war die Lage­rung der Asbest­scher­ben vor Ort abge­stimmt wor­den. Das Abde­cken mit einer Pla­ne und die Siche­rung mit Sand­sä­cken wur­de dabei als sach- und fach­ge­recht ein­ge­stuft. Bei dem Sturm am 30. Okto­ber sei ein Drit­tel des Aus­hu­bes frei­ge­legt wor­den, obwohl sich die Stra­ßen­bau­fir­ma vor dem Ver­las­sen der Bau­stel­le noch davon über­zeugt hat­te, dass die asbest­hal­ti­gen Böden ord­nungs­ge­mäß abge­si­chert waren. Am nächs­ten Werk­tag, 2 Tage spä­ter, brach­te die Stra­ßen­bau­fir­ma eine neue Pla­ne auf. Da der Asbest in Form von Scher­ben, also in Zement gebun­den, vor­liegt und zudem in einer Matrix aus leh­mi­gem Boden ent­hal­ten ist, geht die Stadt davon aus, dass kei­ne Gefah­ren­la­ge bestand, da außer­dem ent­spre­chend der behörd­li­chen Vor­ga­ben beim Auf­schich­ten der Asbest­bo­den­hü­gel das Mate­ri­al aktiv befeuch­tet wor­den war, um eine Faser­frei­set­zung beim Abneh­men der Pla­ne zu ver­mei­den. Die­se Ansicht teilt auch der Gut­ach­ter Ukon.

Asbestscherben
Frei­lie­gen­de Asbest­scher­ben an der Bau­stel­le, die nicht abge­deckt wer­den | Foto: pri­vat

Hergt legt Widerspruch ein

Dabei will es Rüdi­ger Hergt jedoch nicht bewen­den las­sen. Am Don­ners­tag leg­te Hergt Wider­spruch gegen die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens ein. In sei­nem Wider­spruch schreibt der Rats­herr und Regi­ons­ab­ge­ord­ne­te, dass man knapp 500 Meter vom ehe­ma­li­gen Pro­duk­ti­ons­stand­ort des Asbest­zement­werks Ful­gu­rit mit der­ar­ti­gen Fun­den rech­nen müs­se. Zudem sei­en die Aus­sa­gen von Stadt und Staats­an­walt­schaft wider­sprüch­lich. Im Bau­aus­schuss habe Hergt vom Lei­ter des Bau­am­tes den Hin­weis erhal­ten, dass man mit Asbest­fun­den an die­ser Stel­le durch­aus gerech­net und sich dar­auf vor­be­rei­tet habe, die Staats­an­walt­schaft wie­der­um geht davon aus, dass die Stadt an der Bau­stel­le nicht mit Asbest­fun­den gerech­net hat­te. Auch sei die Asbesterde­auf­schüt­tung nicht durch­ge­hend mit Sand­sä­cken beschwert gewe­sen, son­dern auch mit scharf­kan­ti­gen Stei­nen und Palet­ten. Bei Ent­de­ckung des Scha­dens durch ihn habe außer­dem die Son­ne geschie­nen, die tro­cke­nen Asbest­fa­ser­ze­ment­bruch­stü­cke hät­ten frei­ge­le­gen, was die Ver­we­hung von Asbest­fa­sern als mög­lich erschei­nen lie­ße, da es eben nicht um her­um­we­hen­de Tei­le, son­dern win­zigst klei­ne Fasern gin­ge. Das asbest­hal­ti­ge Mate­ri­al habe 2 Mona­te frei her­um­ge­le­gen und sei erst danach not­dürf­tig abge­deckt wor­den.

Unterschiedliche Asbestmengen

Neben der abge­deck­ten, asbest­hal­ti­gen Erd­auf­schüt­tung gibt es an der Bau­stel­le ent­lang des Feld­wegs noch eine wei­te­re, nicht abge­deck­te Auf­schüt­tung, Grund für die feh­len­den Siche­rungs­maß­nah­men ist, dass die­se Erde kei­nen unge­bun­de­nen Asbest, son­dern nur weni­ge Asbest­scher­ben ent­hält. Die­se müs­sen ent­spre­chend der Vor­ga­ben des Gut­ach­ters sowie der Unte­ren Boden­schutz­be­hör­de nicht abge­deckt wer­den. Der­ar­ti­ge Asbest­scher­ben befin­den sich auch gele­gent­lich auf den umlie­gen­den Acker­bö­den, für die kei­ne beson­de­ren Maß­nah­men ergrif­fen wer­den.

Bauarbeiten noch bis Mitte Februar

Nach der­zei­ti­gem Pla­nungs­stand wer­den die Bau­ar­bei­ten am Krei­sel noch bis Mit­te Febru­ar 2019 dau­ern. Die der­zei­ti­ge Ver­kehrs­re­ge­lung mit einer Bau­stel­len­am­pel wird noch bis Weih­nach­ten bestehen. Am 9. Janu­ar kommt dann für 4 bis 5 Wochen eine Voll­sper­rung, wie der Stadt­spre­cher mit­teil­te. Spielt die Wit­te­rung mit, wäre danach die Durch­fahrt am künf­ti­gen Krei­sel zunächst wie­der frei­ge­ge­ben. Klei­ne­re Ein­schrän­kun­gen wird es anschlie­ßend noch geben, wenn z. B. die neue Erschlie­ßungs­stra­ße am Krei­sel gebaut wird.

INFO: Gefähr­li­che Asbest­fa­sern
U. a. wegen sei­ner aus­ge­zeich­ne­ten Hit­ze­be­stän­dig­keit wur­de Asbest im letz­ten Jahr­hun­dert als Bestand­teil in vie­len Bau­ma­te­ria­li­en ver­wen­det. Obwohl die Gefähr­lich­keit des Stof­fes schon lan­ge bekannt ist (von Erkran­kun­gen wuss­te man schon um 1900, als krebs­er­re­gend gilt Asbest seit 1970), wur­de Asbest in Deutsch­land erst 1993 kom­plett ver­bo­ten, in der EU ist die Ver­wen­dung und Her­stel­lung seit 2005 nicht mehr erlaubt. Die beson­de­re Gefähr­lich­keit ent­steht durch kleins­te Fasern, die sich auch aus ver­ar­bei­te­tem Asbest lösen und als Staub in die Luft gelan­gen. Wenn die­se Fasern eine bestimm­te Form und Grö­ße haben, set­zen sie sich in der Lun­ge fest und lösen schwe­re Lun­gen­er­kran­kun­gen und Tumo­re aus.

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2 Kommentare
  1. Annette Hartmann-Lange sagt

    Na dann mal schnell alles an Asbest da hin gebracht, für die Stadt ist es ja nicht gefähr­lich. Glei­ches Recht für alle.…..

  2. Thomas Riedel sagt

    Aber wenn bei uns ein alter Asbest Blu­men­kas­ten rum­liegt, bekommt man Post von der Stadt, mit Frist­ge­recht Ent­sor­gung und ange­droh­ter Stra­fen bei nicht Erfül­lung.

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