Yan­nick Löwen­herz

Yan­nick kommt mit einer gut­ar­ti­gen Gefäß­fehl­bil­dung im Gesicht zur Welt. Seit­dem wur­de er zwan­zig Mal ope­riert und muss­te drei­mal wie­der­be­lebt wer­den.

Yannick musste schon viele Operationen über sich ergehen lassen. Ein Ende ist nicht in Sicht.
Yan­nick muss­te schon vie­le Ope­ra­tio­nen über sich erge­hen las­sen. Ein Ende ist nicht in Sicht. | Foto: Mir­ko Baschet­ti

Die Wunstor­fe­rin Moni­ka Kirch­hoff führt Tage­buch über die Erkran­kung ihres Soh­nes – öffent­lich, auf Face­book. Unter „Yan­nick Löwen­herz – mein Leben mit Lymphan­gi­om“ berich­tet sie von sei­nem Lei­dens­weg. Aber er ist auch ihrer. „Das ist mei­ne Mög­lich­keit, um das alles zu ver­ar­bei­ten“, sagt die Mut­ter des 14-Jäh­ri­gen.

Ers­te OP mit 3 Mona­ten

Yan­nick kommt 2002 mit einer immensen Schwel­lung im Lip­pen-Wan­gen­be­reich zur Welt. Mit drei Mona­ten wird er in einer Han­no­ver­schen Kli­nik das ers­te Mal ope­riert. Es kommt zu Kom­pli­ka­tio­nen und Yan­nick muss reani­miert wer­den.

Info: Lymphan­gi­om
Ein Lymphan­gi­om ist eine sel­te­ne, gut­ar­ti­ge Tumor­er­kran­kung der Lymph­ge­fä­ße und tritt meist in frü­hem Kin­des­al­ter auf. Meist fin­det man ihn an Hals oder Nacken vor. Die genaue Ursa­che ist bis­her noch unklar. Da eine voll­stän­di­ge Ent­fer­nung sel­ten mög­lich ist, ist oft eine Laser­the­ra­pie in Kom­bi­na­ti­on mit Schnitt-Ope­ra­tio­nen not­wen­dig. Ein Leben lang.

Die nächs­ten Ope­ra­tio­nen fin­den in Ber­lin statt. Auch hier ver­läuft nicht alles nach Plan. Yan­nick stirbt. Und wird ins Leben zurück­ge­holt. Es bleibt nicht das letz­te Mal. Auch in einer Mar­bur­ger Kli­nik, wo er sich meh­re­ren Ope­ra­tio­nen unter­zieht, wird Yan­nick nach Kom­pli­ka­tio­nen wie­der­be­lebt.

Auf Kli­nik­su­che

Es gibt nur weni­ge Kli­ni­ken, die sich auf die­se Erkran­kung spe­zia­li­siert haben. „Den Ärz­ten in Han­no­ver habe ich nicht mehr ver­traut“, sagt Moni­ka Kirch­hoff, „also habe ich mich selbst auf die Suche nach Spe­zia­lis­ten gemacht“.

In Ebers­wal­de nahe Ber­lin ist sie fün­dig gewor­den. Je nach Wachs­tum und Ver­hal­ten des Lymphan­gi­oms muss sich Yan­nick hier zwei- bis sechs­mal im Jahr einer Ope­ra­ti­on unter­zie­hen. Doch bei sei­ner Vor­ge­schich­te ist jede Nar­ko­se und jede Ope­ra­ti­on ein Risi­ko. „So wenig wie mög­lich, so oft wie nötig“ lau­tet daher die Devi­se der Mut­ter, die mitt­ler­wei­le selbst Exper­tin der Erkran­kung gewor­den ist. „Ich habe nur kei­nen Dok­tor­ti­tel“, schmun­zelt sie.

Ich habe nur kei­nen Dok­tor­ti­tel„Yan­nicks Mut­ter

Es gab Zei­ten, in denen Yan­nick weni­ger unter dem kör­per­li­chen als dem see­li­schen Schmerz gelit­ten hat. Es waren Läs­te­rei­en über sein Aus­se­hen, das Star­ren auf sei­ne Defor­ma­ti­on. Gera­de die Grund­schu­le war eine Qual. Kin­der kön­nen grau­sam sein und mehr anrich­ten, als sie im ers­ten Augen­blick begrei­fen. Doch mit dem Über­tritt in die wei­ter­füh­ren­de Schu­le hat sich vie­les zum Guten ent­wi­ckelt. Hier blüht er neu auf, ent­wi­ckelt ein star­kes Selbst­be­wusst­sein, reift zum jun­gen Mann her­an.

Lie­ber fra­gen

In einer Kli­nik erholt sich der damals 8-jäh­ri­ge Yan­nick von einer Ope­ra­ti­on. | Foto: pri­vat

Auf­grund sei­ner geschwol­le­nen Wan­ge wird Yan­nick manch­mal gefragt, ob er gera­de vom Zahn­arzt kommt. Das fin­det er nicht schlimm. “Anstatt zu star­ren oder hin­term Rücken zu tuscheln, ist es mir lie­ber, dass die Leu­te fra­gen. Dann kann ich es ihnen erklä­ren”, sagt er.

Auch wenn Yan­nick eine 30-pro­zen­ti­ge Behin­de­rung vor­weist, lässt er sich nicht ein­schrän­ken. Er angelt lei­den­schaft­lich, spielt Fuß­ball und ist stolz auf den gro­ßen Rück­halt sei­ner Mut­ter.

Die­ses star­ke Band zwi­schen Mut­ter und Sohn ist zu spü­ren, sie sind gemein­sam durch vie­le Täler geschrit­ten. Auch wenn manch­mal Trä­nen flie­ßen, hadern sie nicht mit ihrem Schick­sal, son­dern sehen es als Her­aus­for­de­rung an. „Nur star­ke Men­schen bekom­men schwe­re Wege“, sagt Moni­ka Kirch­hoff.

Die Kran­ken­kas­se zahlt nicht alles

Durch die vie­len Ope­ra­tio­nen und den Kli­nik­auf­ent­halt hat Yan­nick vie­le Fehl­zei­ten in der Schu­le. Doch er ist ehr­gei­zig und holt das Ver­säum­te nach. Schwe­rer wie­gen da schon manch­mal die finan­zi­el­len Belas­tun­gen. Moni­ka Kirch­hoff unter­stützt ihren Sohn, wo sie nur kann und will ihren Sohn wäh­rend des Kli­nik­auf­ent­halts beglei­ten. Doch Kos­ten für Rei­se und Über­nach­tung muss sie allein auf­brin­gen. Die Kran­ken­kas­se zahlt nicht. Sie behaup­tet, dass der Auf­ent­halt einem Jugend­li­chen allein zuzu­mu­ten sei. „Das kann ich finan­zi­ell nur schwer stem­men“, bedau­ert die Mut­ter.

Wer die Fami­lie unter­stüt­zen möch­te, kann das auf fol­gen­dem Kon­to tun:
Yan­nick Löwen­herz Kirch­hoff, IBAN: DE73 2504 0066 0270 8907 00 (Com­merz­bank), Ver­wen­dungs­zweck: „Kli­nik­auf­ent­halt Ebers­wal­de Yan­nick Kirch­hoff“

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