AHA lässt Papp­kar­tons ste­hen

Bei der Müll­ab­fuhr erleb­ten man­che Wunstor­fer am Diens­tag eine Über­ra­schung. Ihr Papier­müll wur­de nur teil­wei­se mit­ge­nom­men. Wir frag­ten bei „Aha“ nach dem Grund.

Die­ser Kar­ton, obwohl gefal­tet, war offen­bar zu klein | Foto: pri­vat

Wunstorf (ds). Vie­le Wunstor­fer stel­len gro­ße Kar­tons, teils auch mit wei­te­rem Alt­pa­pier gefüllt, direkt an die Stra­ße und füll­ten die­se nicht zuerst in blaue Wert­stoff­sä­cke um. Das geschieht auch in dem Glau­ben, damit beson­ders umwelt­be­wusst zu han­deln – schließ­lich spart man Plas­tik­tü­ten ein und ver­mei­det den exzes­si­ven Ein­satz von blau­en Wert­stoff­sä­cken, die man etwa gebraucht hät­te, um gro­ße Kar­tons dar­in unter­zu­brin­gen. Theo­re­tisch müss­te dies auch im Sin­ne von Aha sein, denn die blau­en Tüten müs­sen spä­ter schließ­lich wie­der aus dem gesam­mel­ten Alt­pa­pier her­aus­ge­fischt wer­den.

Lose Kar­tons blie­ben lie­gen

Bis­lang konn­te das als geüb­te Pra­xis gel­ten. Nicht schlecht staun­ten daher am Diens­tag eini­ge Wunstor­fer, als plötz­lich Zet­tel­chen mit der Über­schrift „Ich durf­te lei­der nicht mit“ auf vie­le Pap­pen gepappt wur­de – und die­se ste­hen gelas­sen wur­den. An vie­len Stel­len im Wunstor­fer Stadt­ge­biet sind seit­dem unab­ge­hol­te Papp­kar­tons zu sehen. Auch am Mitt­woch lagen noch ver­ein­zelt Pap­pen am Stra­ßen­rand. Das ver­wun­der­te vor allem des­halb, weil die Nach­richt mit­teil­te, dass gefal­te­te Groß­kar­to­na­gen durch­aus mit­ge­nom­men wür­den. Eini­ge Betrof­fe­ne wand­ten sich dar­auf­hin an die Aue­post.

Die­ser Hin­weis kleb­te auf den zurück­ge­las­se­nen Kar­to­na­gen | Foto: pri­vat

Aha-Spre­cher Ste­fan Alt­mey­er stell­te auf Nach­fra­ge unse­rer Zei­tung klar, dass die Fah­rer und Müll­wer­ker gefal­te­te oder gefüll­te Kar­tons zwar bis­lang oft aus Kulanz mit­ge­nom­men hät­ten. Ver­pflich­tet dazu wären sie jedoch nie gewe­sen, denn die Bereit­stel­lung von losem Alt­pa­pier sei unzu­läs­sig.

Aus Rück­sicht auf die Mit­ar­bei­ter

Das hat sei­ne Grün­de: Gefüll­te Kar­tons wer­den schnell schwe­rer, als es den Arbeits­schutz­be­stim­mun­gen ent­spricht. Müll­wer­ker dür­fen maxi­mal 10 Kilo­gramm heben. Auch ist die Hand­ha­bung häu­fig umständ­li­cher, erst recht, wenn sie durch Regen auf­wei­chen und das Gewicht dadurch sogar noch erhöht wird. Auch zer­rei­ßen sie dann leicht beim Abtrans­port.

Tüten- oder Ton­nen­pflicht

Gene­rell wer­de nur Alt­pa­pier mit­ge­nom­men, das sich in blau­en Säcken, Ton­nen oder blau­be­de­ckel­ten Con­tai­nern befän­de, so der Aha-Spre­cher. Loses Papier, Pap­pe und Kar­tons könn­ten außer­dem beim Wert­stoff­hof oder an den Sam­mel­stel­len abge­ge­ben wer­den, von denen es auch in Wunstorf eini­ge gibt. Dort ste­hen Alt­pa­pier­con­tai­ner neben den Alt­glas­con­tai­nern.

Durf­te auch nicht mit: Gefal­te­ter Kar­ton in Wunstorf | Foto: pri­vat

Nur eine Aus­nah­me

Eine Aus­nah­me gibt es: sehr gro­ße Kar­tons wer­den tat­säch­lich auch wei­ter­hin mit­ge­nom­men. Des­halb gibt es auch den ent­spre­chen­den Hin­weis auf den Zet­tel­chen. Gemeint sind mit „Groß­kar­to­na­gen“ jedoch nicht belie­bi­ge Kar­tons. Bei Aha ver­steht man dar­un­ter Ver­pa­ckun­gen etwa von Flach­bild­fern­se­hern, Wasch- oder Spül­ma­schi­nen – alle Kar­tons, die sich nicht mit ver­tret­ba­rem Auf­wand fal­ten und klein­schnei­den las­sen. Die Mit­nah­me von gro­ßen, sper­ri­gen Kar­tons – wenn sie gefal­tet wer­den – geschieht jedoch eben­falls aus Kulanz, ver­pflich­tet ist Aha dazu laut Sat­zung nicht.

Aha-Spre­cher Alt­mey­er sag­te, dass es kei­ne neue Stra­te­gie bei der Alt­pa­pier­ab­ho­lung gebe. Somit wer­den die bestehen­den Bestim­mun­gen nun nur kon­se­quen­ter ange­wen­det. Das betrifft übri­gens nicht nur Wunstorf. Auch in ande­ren Städ­ten der Regi­on fiel in den letz­ten Wochen und Mona­ten auf, dass Aha die Alt­pa­pier­ab­fuhr nun stren­ger hand­habt.

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2 Kommentare
  1. Grit Decker meint

    Hier eine Mei­nung, die klar für eine der Par­tei­en Posi­ti­on bezieht, zu fin­den, ist zumin­dest für mich per­sön­lich schwie­rig.

    Für uns Müll-Ver­ur­sa­cher (also auch für mich) spre­chen Argu­men­te, wie Ver­mei­dung von hier über­flüs­si­gen Plas­tik-Müll und Schutz der Umwelt grund­sätz­lich.
    Es gibt zwar kein „Gewohn­heits­recht“ im engen juris­ti­schen Sinn, jedoch wäre wei­te­re Kulanz im Sin­ne von kun­den­ori­en­tier­ten Ver­hal­ten sehr wün­schens­wert.

    Für a-ha und deren Mit­ar­bei­ter spre­chen auch die Arbeits­schutz-Richt­li­ni­en, die es aus guten und nicht vom Tisch zu wei­sen­den Grün­den gibt und natür­lich von uns allen zu beach­ten sind.

    Mein Vor­schlag, der für die alle am Kon­flikt Betei­li­gen viel­leicht als eine der Grund­la­gen für ein klä­ren­des (!!) Gespräch die­nen kann:
    1. Wei­te­re Mit­nah­me bei tro­cke­nem Wet­ter, jedoch gebo­te­ne Zurück­hal­tung beim Befül­len;
    2. Bei schlech­ten Wet­ter­be­din­gun­gen (Regen,Schneefall) die blau­en Säcke nut­zen bzw. den zumin­dest für Nicht-Mobi­li­täts­ein­ge­schränk­te zumut­ba­ren Weg zum Alt­pa­pier-Con­tai­ner wäh­len.

    Die geplan­te Ein­füh­rung einer Gebühr für den blau­en Sack wäre im Übri­gen mit Sicher­heit auch eine Dis­kus­si­on wert…

  2. Rolf Geisler meint

    Aus dem Arti­kel habe ich nun gelernt, dass „Müll­wer­ker“ laut Arbeits­schutz­be­stim­mun­gen maxi­mal 10 Kilo­gramm heben dür­fen. Wenn ich die­sen flei­ßi­gen Hel­fern also ein­mal eine Kis­te Wei­zen­bier (alko­hol­frei) aus­ge­ben möch­te, müss­ten ich sie ihnen hin­ter­her tra­gen, weil sie ja 19,75 kg wiegt. Das wäre ja auch für zwei Müll­wer­ker schon hart an der Gren­ze. Also las­se ich das lie­ber bevor da arbeits­schutz­recht­li­che Pro­ble­me ent­ste­hen.

    Scha­de eigent­lich!

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