Zwischen Verkehrsregeln und -entwicklung

Die Wunstorfer Macher … in der Fahrschule

Am Dienstagabend war das „Wunstorfer Macher“-Netzwerk zu Gast in der Fahrschule Silbermann. Punkte in Flensburg, Verkehrsfallen in Wunstorf und die allgemeine Mobilitätsentwicklung waren einige der Gesprächsthemen.

Fahrschulunterricht
Tho­mas Sil­ber­mann refe­rier­te vor den Wunstor­fer Machern | Foto: Dani­el Schnei­der

Wunstorf (red). Die Wunstor­fer Macher hat­ten sich für ihr monat­li­ches Tref­fen für den März die Fahr­schu­le Sil­ber­mann aus­ge­sucht. Der Chef per­sön­lich, Tho­mas Sil­ber­mann, zeig­te den „Machern“ die Räum­lich­kei­ten der Fahr­schu­le. Fas­zi­na­ti­on lös­te der Fahr­si­mu­la­tor aus. So etwas gab es in den Fahr­schu­len noch nicht, als die Gäs­te einst ihre Füh­rer­schei­ne gemacht hat­ten.

Sil­ber­mann lüf­te­te auch eini­ge Geheim­nis­se, etwa, war­um da immer „so Män­ner“ (O‑Ton einer der Macher) vor dem Ein­gang der Fahr­schu­le ste­hen wür­den. Denn das Haus in der Alten Bahn­hof­stra­ße ist nicht nur eine gewöhn­li­che Fahr­schu­le, son­dern auch LKW-Fah­rer-Aus­bil­dungs­stät­te … in Voll­zeitse­mi­na­ren erhal­ten hier künf­ti­ge LKW-Fah­rer ihre Qua­li­fi­ka­tio­nen für den gewerb­li­chen Schwer­last­ver­kehr, und die „LKW-Azu­bis“ in Voll­zeit brau­chen eben auch mal die ein oder ande­re Pau­se zwi­schen dem Ler­nen. Rund zwei Mona­te dau­ert es, bis man den LKW-Füh­rer­schein etc. erwor­ben hat, die Kos­ten lie­gen etwa um den Fak­tor 5 über dem eines „nor­ma­len“ PKW-Füh­rer­scheins. Die meis­ten zah­len die kom­pak­te Aus­bil­dung des­we­gen auch nicht selbst, son­dern bekom­men sie (teil-)finanziert – z. B. vom künf­ti­gen Arbeit­ge­ber.

Führerscheintausch

Nach dem Rund­gang gab es einen klei­nen Gra­tis-Auf­fri­schungs­kurs für die Teil­neh­mer in Sachen Ver­kehrs­recht und Füh­rer­schein­neu­ig­kei­ten. Erstaunt waren eini­ge, als sie erfuh­ren, dass ihre ganz alten Füh­rer­schei­ne – die grau­en und rosa Lap­pen – in Zukunft gegen die heut­zu­ta­ge übli­chen Plas­tik­kärt­chen getauscht wer­den müs­sen – und dann auch ein Ver­falls­da­tum bekom­men. Die Kärt­chen, nicht die Fahr­erlaub­nis­se, wohl­ge­merkt.

Fahrschul-Fahrsimulator
Der Fahr­si­mu­la­tor wird exami­niert | Foto: Dani­el Schnei­der

Über die Ver­kehrs­po­li­tik in Wunstorf wur­de dis­ku­tiert, eben­so wie über zu mil­de Stra­fen bei Ver­kehrs­ver­stö­ßen. Die Wunstor­fer Macher waren ein­stim­mig für mehr Kon­trol­le und här­te­res Vor­ge­hen bei Tele­fo­nie­ren mit dem Han­dy am Steu­er. Auch das Punk­te­sys­tem wur­de noch ein­mal anschau­lich dar­ge­stellt. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, plau­der­te Tho­mas Sil­ber­mann auch aus dem Näh­käst­chen oder rück­te man­che Wunstor­fer Ver­kehrs­si­tua­ti­on in ein ganz neu­es Licht.

Wer hat „Vorfahrt“ am Zebrastreifen?

Fahrradstraße
Fahr­rad­stra­ße in Wunstorf | Foto: Dani­el Schnei­der
Er führ­te sei­ne Gäs­te jedoch nicht nur durch die Welt der Fahr­schu­len, son­dern auch ganz schön aufs sprich­wört­li­che Glatt­eis: Fra­gen zu Ver­kehrs­re­geln blie­ben nicht aus, und so fühl­ten sich die Macher plötz­lich wie­der ein biss­chen wie im Ver­kehrs­un­ter­richt und wur­den von der ein oder ande­ren Erkennt­nis über­rascht. Wie schnell man denn nun tat­säch­lich in einer „Spiel­stra­ße“ fah­ren dür­fe, wur­de gefragt (Lösung: 5 bis 7 km/h), oder ob man inner­halb von Ort­schaf­ten das Fern­licht nut­zen darf (Lösung: ja) – und gleich wur­de auch wie­der ein Mythos zer­stört, denn Spiel­stra­ßen sind in Wirk­lich­keit gar kei­ne Spiel­stra­ßen, son­dern „ver­kehrs­be­ru­hig­te Berei­che“, in denen spie­len­de Kin­der streng genom­men gar kei­ne „Vor­fahrt“ haben – alle Ver­kehrs­teil­neh­mer sind dort gleich­be­rech­tigt. Anders sieht das wie­der­um in den Fahr­rad­stra­ßen aus, von denen es in Wunstorf sogar gleich drei gibt: hier wer­den Autos nur gedul­det, Fahr­rad­fah­rer haben Vor­rang und dür­fen ger­ne neben­ein­an­der­fah­ren.

Dass Rad­fah­rer am Zebra­strei­fen abstei­gen müs­sen, wuss­ten hin­ge­gen alle, nicht aber, dass Kin­der auf Kin­der­fahr­rä­dern trotz­dem „Vor­fahrt“ haben kön­nen: Fahr­rä­der ohne zwei Brem­sen, Licht etc. gel­ten näm­lich gemäß § 24 StVO nicht als Fahr­rad, son­dern sind recht­lich gese­hen Spiel­zeug – und die „fahr­rad­fah­ren­den“ Kin­der sind wie Fuß­gän­ger zu behan­deln. Kin­der mit ver­kehrstüch­ti­gen Fahr­rä­dern müs­sen an Zebra­strei­fen wie die „Gro­ßen“ jedoch abstei­gen und schie­ben.

Nach zwei inter­es­san­ten Stun­den mach­ten sich die Macher – wie­der etwas schlau­er – auf den Heim­weg … nun wahr­schein­lich mit einem ganz neu­en Blick auf den Wunstor­fer Stra­ßen­ver­kehr.

INFO: Wunstor­fer Macher
Das 2015 gegrün­de­te Netz­werk für alle, die in der Auestadt etwas bewe­gen wol­len, trifft sich im monat­li­chen Tur­nus und begrüßt meist einen Gast, der in locke­rer Run­de sei­ne Pro­fes­si­on oder ein bestimm­tes The­ma vor­stellt. Gele­gent­lich gestal­ten die „Macher“ ihre Tref­fen auch als „Außen­ter­min“ und besu­chen einen Betrieb, Ver­ein etc. direkt. Die Teil­nah­me ist kos­ten­los und beschränkt sich nicht auf wirt­schaft­li­che Kon­tak­te. Auch ehren­amt­lich Enga­gier­te neh­men regel­mä­ßig teil.
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5 Kommentare
  1. Michael Schöner sagt

    Tol­ler Arti­kel.
    Und eigent­lich Wer­bung für die Ein­füh­rung von ver­pflich­ten­den Nach­schu­lun­gen.

  2. Micha Herr-Forder sagt

    Was für beknack­te Regeln, wie soll man denn im vor­bei­fah­ren erken­nen ob ein Fahr­rad 2 brem­sen und Licht hat.….…so einen Blöd­sinn kann sich auch nur Deutsch­land aus­den­ken

  3. Friedlies Reschke PR sagt

    Dan­ke für den tol­len Arti­kel! Ich habe heu­te auch immer vor den Ver­kehrs­schil­dern schon auf die gefor­der­te Geschwin­dig­keit abge­bremst!

  4. Reschke Friedlies sagt

    hal­lo zusam­men, die Wunstor­fer Macher sind ein sehr ent­spann­tes Netz­werk. Alle Men­schen aus Wunstorf sind herz­lich ein­ge­la­den. Ter­mi­ne gibt es unter: Wunstorfer-Macher.de, oder unter macher@reschke-pr.de mir eine Mail schrei­ben. Dann schi­cke ich immer gern die aktu­el­len Ter­mi­ne! Gruß fried­lies reschke

  5. Harald Möller sagt

    Habe den Arti­kel mit Inter­es­se gele­sen. Zwei Anmer­kun­gen: Das in ver­kehrs­be­ru­hig­ten Zonen nur 5–7 km/Std gefah­ren wer­den darf, ist lei­der sehr unbe­kannt. Wir haben nach Sanie­rung seit Okto­ber 2018 eine sol­che Stra­ße. Das lang­sam gefah­ren wird ist die Aus­nah­me. Selbst Anwoh­ner, Behin­der­ten­trans­por­te oder die Müll­fahr­zeu­ge fah­ren wesent­lich schnel­ler als erlaubt. Ich wur­de sogar schon ange­hupt vom Hin­ter­mann, weil ich vor­schrifts­mä­ßig gefah­ren bin. Da ist die Stadt gefor­dert, Kon­trol­len zu machen – und Schil­der so auf­zu­stel­len dass sie auch gese­hen wer­den. Unse­re sind in mehr als 2 Meter Höhe ange­bracht.
    Das Rad­fah­rer abstei­gen müs­sen auf Zebra­strei­fen ist mir bekannt – lei­der vie­len Rad­fah­rern nicht. Hier soll­te die Poli­zei mal auf­klä­ren an den Brenn­punk­ten (Schu­len, Kreis­ver­keh­re).

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