Loka­le Ori­gi­na­le: Wunstorfs Zoo-Shop schließt

Wie­der schließt eines der sel­te­ner wer­den­den inha­ber­ge­führ­ten Geschäf­te in Wunstorf. Ende des Jah­res wird der „Zoo-Shop“ zuma­chen. Der­zeit läuft der Räu­mungs­ver­kauf. Ein letz­ter Blick in den Laden.

Der Zoo-Shop in der Wunstor­fer Nord­stra­ße | Foto: Dani­el Schnei­der

Wunstorf (ds). Wenn Frau Uhde an der Kas­se einen viel zu nied­ri­gen Preis nennt, denkt man­cher Kun­de gera­de, sie hät­te einen Witz gemacht. Denn vie­le haben noch gar nicht wahr­ge­nom­men, dass die Zoo­hand­lung in der Nord­stra­ße bald schließt. Seit ver­gan­ge­nem Sonn­tag ist Räu­mungs­ver­kauf.

Wer vom Nord­wall-Park­platz Rich­tung Fuß­gän­ger­zo­ne lief und dazu nicht den Weg Rich­tung Abtei wähl­te, der kam auch am Zoo­ge­schäft vor­bei. Es ist einer die­ser Läden, die sel­ten gewor­den sind in der heu­ti­gen Zeit, die kei­ner Ket­te ange­hö­ren, und in der der Inha­ber noch per­sön­lich hin­ter dem Kas­sen­t­re­sen steht. Schmuck­los das Gebäu­de, ver­bli­chen die Mar­ken­her­stel­ler­re­kla­me, doch von der Fas­sa­de grüß­te nach wie vor der auf einer Stan­ge sit­zen­de Papa­gei, der auch vom Laden­schild her­un­ter­schau­te. Links hin­ter dem Schau­fens­ter abge­teilt der Vogel­vo­lie­ren­be­reich, mit­ten im Laden ein Nager­ge­he­ge, des­sen teils gift­grü­ner Anstrich auch schon arg abge­rie­ben ist. Man meint, genau sehen zu kön­nen, wo Scha­ren von Kin­dern ihre künf­ti­gen Haus­tie­re zum ers­ten Mal beschnup­pert haben.

Meer­schwein­chen­ge­he­ge | Foto: Dani­el Schnei­der

Zwei Schil­der in Neon-Oran­ge laden nun qua­si im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes zu Hams­ter­käu­fen ein, es gibt groß­zü­gi­gen Rabatt – auf alles außer Tier­nah­rung, denn die ist preis­ge­bun­den und wird auf Wunsch aktu­ell in Groß­pa­ckun­gen als Ein­zi­ges auch noch nach­be­stellt. In den Volie­ren war­ten die letz­ten Wel­len­sit­ti­che und Zebra­fin­ken auf neue Besit­zer. Eini­ge Meer­schwein­chen sind eben­falls noch im Laden zuhau­se. Die Fische jedoch sind bereits „aus­ge­zo­gen“. Sie, genau­er gesagt ihre Aqua­ri­en, gaben auch den Aus­schlag, wes­halb Inha­be­rin Chris­tel Uhde nun auf­hört.

Blick in den Laden | Foto: Dani­el Schnei­der
Die letz­ten „Bewoh­ner“ war­ten auf ihren Ver­kauf | Foto: Dani­el Schnei­der

Ein Becken war defekt, der Zahn der Zeit hat­te dar­an genagt. Auch die ande­ren hät­ten bald ersetzt wer­den müs­sen, die Dich­tun­gen gaben lang­sam auf. Ein Modul mit über­ein­an­der­lie­gen­den Aqua­ri­en kos­tet etwa zwei­ein­halb­tau­send Euro, vier davon stan­den im Zoo­ge­schäft – dazu noch die Instal­la­ti­on und ein neu­er Was­ser­an­schluss, das rech­ne­te sich nicht mehr. Doch die Fische waren eines der Haupt­stand­bei­ne des Ladens. So ste­hen die alten Aqua­ri­en nun selt­sam ver­las­sen am Ende des Ladens, der sich eben­falls immer wei­ter leert.

Bekannt wie ein bun­ter Hund

Die Tra­di­ti­ons­zoo­hand­lung gehör­te schon lan­ge zu Wunstorf. Uhde über­nahm sie im Jahr 2000 und zog aus der Lan­gen Stra­ße um die Ecke in die Nord­stra­ße in einen grö­ße­ren Laden um. Fast genau­so lan­ge hat sie ihren – unver­käuf­li­chen – Hund „Ger­ry“, der zur Zoo­hand­lung zähl­te wie Fisch­fut­ter, Vogel­streu und Kat­zen­spiel­zeug.

Ger­ry | Foto: Dani­el Schnei­der

Tag­aus, tag­ein lag der inzwi­schen 14-jäh­ri­ge Shet­land-Hir­ten­hund an sei­nem Lieb­lings­platz an der Laden­tür, bewach­te das Sor­ti­ment und begrüß­te die Stamm­kun­den. Manch­mal streu­ner­te er auch in der Nord­stra­ße her­um, ein­mal schaff­te er es bis zum Stadt­thea­ter.

Gewohn­tes Bild für Pas­san­ten: Ger­ry an sei­nem Stamm­platz | Foto: Dani­el Schnei­der

Im Lau­fe der Jah­re hat er es zu grö­ße­rer Popu­la­ri­tät gebracht, ist zum heim­li­chen Star und Mar­ken­zei­chen des Ladens gewor­den. Wenn sie mit Ger­ry unter­wegs ist, wür­de oft nur der Hund nament­lich begrüßt, erzählt Uhde schmun­zelnd.

Wel­len­sit­tich, Meer­schwein­chen & Co.

Wäh­rend­des­sen klin­gelt schon das Tele­fon, Uhde berät einen Zier­fisch­be­sit­zer, der Pro­ble­me mit sei­nen Schütz­lin­gen hat. Die fach­kun­di­ge Bera­tung ist genau das, was Zoo­hand­lun­gen wie die­se noch aus­zeich­net. Denn wer leben­de Tie­re ver­kauft, muss auch sei­ne Eig­nung und sein Fach­wis­sen nach­ge­wie­sen haben. Nicht jeder kann ein­fach eine Zoo­hand­lung eröff­nen, das Vete­ri­när­amt schaut genau hin, ob jemand die nöti­gen Kennt­nis­se besitzt, und nimmt Prü­fun­gen ab.

Frau Uhde räumt aus | Foto: Dani­el Schnei­der
Wach­sa­mer Papa­gei | Foto: Dani­el Schnei­der

Die­se Vor­aus­set­zun­gen brach­te Uhde mit, zum Zoo­ge­schäft kam sie den­noch eher zufäl­lig. Bevor sie Zoo­händ­le­rin wur­de, ging sie einem typi­schen Büro­job nach. Aus der Han­no­ve­ra­ne­rin wur­de vor bald 18 Jah­ren eine Gro­ßen­hei­dor­ne­rin – und Laden­be­sit­ze­rin in Wunstorf. Ein biss­chen ver­wirk­lich­te sich dabei aber auch ein Kind­heits­traum: „End­lich ein­mal alle Tie­re besit­zen, die man frü­her nie haben durf­te“, lacht sie.

alle Tie­re, die man frü­her nie haben durf­te“

Spä­tes­tens Ende des Jah­res muss sich Shel­tie Ger­ry nun ein neu­es Plätz­chen suchen – dann ist Schluss und es wird in der Wunstor­fer Fuß­gän­ger­zo­ne kei­ne Wel­len­sit­ti­che oder Meer­schwein­chen mehr zu kau­fen geben. Einen Nach­fol­ger gibt es nicht, und auch Frau Uhde plant nicht, noch ein­mal an ande­rer Stel­le wei­ter­zu­ma­chen – sie geht in den Ruhe­stand. Die Wunstor­fer wer­den das Zoo­ge­schäft, Frau Uhde, die immer Zeit für einen net­ten Plausch hat­te, und natür­lich den ver­trau­ten Anblick von Ger­ry im Tür­rah­men sicher ver­mis­sen. Eine klas­si­sche Zoo­hand­lung gibt es dann nicht mehr in Wunstorf, wer Klein­tie­re und die ent­spre­chen­de Bera­tung sucht, wird sich woan­ders umse­hen müs­sen.

Auf Wie­der­se­hen, Zoo­hand­lung! | Foto: Dani­el Schnei­der

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