Vom Spielzeugladen zum Café

War­um Wunstorf sei­nen kun­ter­bun­ten Spiel­wa­ren­la­den ver­liert

Der Wan­del bei den Ein­kaufs­ge­wohn­hei­ten besie­gelt das Ende des Wunstor­fer Spiel­wa­ren­la­dens „Kun­ter­bunt“. Nach knapp 25 Jah­ren ist Schluss mit dem zau­ber­haf­ten Kos­mos für Kin­der. Der Laden wird als Café wei­ter­le­ben.

Aus und vor­bei – die Räu­mungs­ver­kaufs­pla­ka­te wer­den ange­schla­gen | Foto: Mir­ko Baschet­ti

Reso­lut steht sie in ihrem Laden und schaut gefasst zu, wie das Team gera­de die letz­ten Aus­ver­kauf-Schil­der befes­tigt. Eine zwei­te, pro­vi­so­ri­sche Kas­se ist bereits auf­ge­baut für den gro­ßen Abver­kauf, die Inven­tur ist been­det. Es ist der Anfang vom teil­wei­sen Ende eines Ladens, der Wunstorf fast ein Vier­tel­jahr­hun­dert beglei­tet hat.

Vom klei­nen Laden zum Aus­hän­ge­schild

Die Geschich­te des Ladens begann in den frü­hen 90er Jah­ren. Die Idee, einen Spiel­zeug­la­den zu eröff­nen, erwuchs aus der fami­liä­ren Situa­ti­on. Der eige­nen vier Kin­der wegen sah man die eige­ne Zukunft im Spiel­wa­ren­ge­wer­be. Ent­spre­chend viel Krea­ti­vi­tät und Elan wur­de in die Idee gesteckt und in Eigen­re­gie ver­wirk­licht. Damals hat­te man es sich ein­fach vor­ge­stellt: einen Laden auf­bau­en, sich neben­bei noch um die Klei­nen küm­mern kön­nen. „Kei­nen ein­zi­gen Tag klapp­te das“, lacht Doh­mei­er, der Laden schlug sofort ein wie eine Bom­be, an Kin­der­be­treu­ung neben­bei war nicht mehr zu den­ken.

Sabi­ne Doh­mei­er ver­kauf­te seit 25 Jah­ren Spiel­zeug in Wunstorf | Foto: Mir­ko Baschet­ti

Seit­dem hat der Laden, der im Lau­fe der Jah­re mehr­mals umzog, eine wah­re Erfolgs­ge­schich­te geschrie­ben. Gestar­tet war Kun­ter­bunt 1993 in der Süd­stra­ße, zog spä­ter in einen Nach­bar­la­den um, wech­sel­te dann in die Lan­ge Stra­ße – und schließ­lich noch ein­mal die Stra­ßen­sei­te. Seit 4 Jah­ren ist Kun­ter­bunt somit am jet­zi­gen Stand­ort zu fin­den – und wur­de durch die bun­te und brei­te Fens­ter­front an der Ecke zum Fuß­gän­ger­zo­nen­ein­gang auch eine Art Aus­hän­ge­schild der Stadt. Wer durch die Lan­ge Stra­ße fuhr, der bemerk­te auch den auf­fäl­li­gen Laden am Zebra­strei­fen. Für man­che Fami­li­en war er gar eine Art Stand­ort­fak­tor, der Wunstorf noch ein Stück­chen lebens­wer­ter mach­te. Ent­spre­chend groß war das Ent­set­zen, als ges­tern bekannt wur­de, dass es nun vor­bei ist mit der Spiel­wa­ren­welt.

Holz­spiel­zeug und per­sön­li­che Atmo­sphä­re

Begon­nen hat­te Kun­ter­bunt als rei­nes Spiel­zeug­ge­schäft – und zwar als tra­di­tio­nel­les. Kunst­stoff­spiel­zeug gab es zu Anfang nicht, das war der frisch­ge­ba­cke­nen Laden­in­ha­be­rin und ihrer Fami­lie wich­tig. Holz­spiel­zeug domi­nier­te. Das Sor­ti­ment wuchs ste­tig, doch über­bor­den­de Play­mo­bil- und Lego­wel­ten gab es bis zuletzt nicht im Laden. Der Fokus lag wei­ter­hin auf der per­sön­li­che­ren Note. In den 90ern sei alles mit „Janosch“ der Ren­ner gewe­sen, aktu­ell waren es zuletzt die „Tonie­bo­xen“, die im Laden aber genau­so schnell ver­grif­fen waren wie im Netz.

Es war damals sehr schön – und es wird wie­der sehr schön wer­den“Sabi­ne Doh­mei­er

Das „Fami­li­en­ca­fé“ kam erst mit dem Umzug an den heu­ti­gen Stand­ort hin­zu. Die Kun­den ver­miss­ten ein­fach die Gele­gen­heit, län­ger im Laden ver­wei­len zu kön­nen, ein­fach mal einen Kaf­fee trin­ken zu kön­nen. Den Wün­schen wur­de letzt­lich ent­spro­chen, und das Café ergänz­te seit 2014 den Laden – und wur­de von den Wunstor­fern begeis­tert ange­nom­men.

Wenn die Leu­te nur noch im Netz sind

Mit dem Inter­net hat Doh­mei­er inzwi­schen Frie­den geschlos­sen, sie ist Rea­lis­tin. Die Gesell­schaft ver­än­de­re sich eben, die Welt ent­wi­cke­le sich wei­ter. Schuld sei nicht das „böse Inter­net“ per se, aber die Men­schen wür­den heu­te eben anders ein­kau­fen als noch vor eini­gen Jah­ren. Dabei ist es nicht ein­mal so, dass die Kun­den in den Laden kom­men, sich umschau­en und bera­ten las­sen – und dann letzt­lich doch im Inter­net ein­kau­fen gehen. Viel­mehr wür­den die Leu­te schon von Anfang an im Netz recher­chie­ren und dann auch dort kau­fen. Auch Bera­tung im Inter­net sei ja inzwi­schen nichts Neu­es mehr. In den ech­ten Laden in der Stadt kämen die Leu­te dann nur noch, wenn etwas Bestimm­tes im Inter­net nicht mehr zu bekom­men sei – meist natür­lich ver­geb­lich.

Ein letz­tes Mal vol­ler Spiel­zeug – einen Tag vor dem Beginn des Räu­mungs­ver­kaufs | Foto: Mir­ko Baschet­ti

Kon­ti­nu­ier­lich sei der Umsatz im Spiel­zeug­be­reich in den letz­ten Jah­ren zurück­ge­gan­gen. Der Ent­schluss, den Spiel­zeug­ver­kauf auf­zu­ge­ben, wur­de daher vor einem hal­ben Jahr gefasst. Er fiel nicht leicht, aber er war die rich­ti­ge Ent­schei­dung. Das zeig­te sich dann im Weih­nachts­ge­schäft, das prak­tisch aus­ge­fal­len war. Die ein­zi­ge Alter­na­ti­ve wäre die kom­plet­te Schlie­ßung gewe­sen, erzählt Doh­mei­er. Doch inzwi­schen sind auch ihre Mit­ar­bei­ter – die alle blei­ben kön­nen–, erleich­tert, seit fest­steht, dass es wei­ter­ge­hen wird. Nicht mehr als Spiel­wa­ren­ge­schäft, son­dern pri­mär als Café.

Aus dem Café eine Tugend machen

Der einst eigent­lich nur als Zusatz­an­ge­bot geplan­te Café-Bereich wird nun zum Ret­tungs­an­ker. Denn wäh­rend der Spiel­zeug­ver­kauf auf­ge­ge­ben wird, wird das Café ent­spre­chend aus­ge­baut. Künf­tig wird Kun­ter­bunt vor allem ein Café sein, erwei­tert um beson­de­re Aktio­nen. Dafür wer­den spä­ter auch die bis­he­ri­gen Öff­nungs­zei­ten aus­ge­wei­tet wer­den. Statt Spiel­zeug­la­den mit Café heißt es also dann Café mit Extras. Mit dem Spiel­zeug ver­schwin­den auch Ser­vices wie die Geburts­tags­ge­schen­ke-Boxen. Für den Räu­mungs­ver­kauf sind sechs bis acht Wochen ein­kal­ku­liert, danach wird vor­über­ge­hend geschlos­sen, reno­viert und umge­baut – und Kun­ter­bunt als Café neu eröff­net. Der Platz, den jetzt noch die Spiel­wa­ren ein­neh­men, wird dann auch Gast­raum sein – unter­teilt in ver­schie­de­ne Berei­che, denn vor allem Müt­tern mit klei­nen Kin­dern oder älte­ren Kun­den war es bis­lang oft zu tru­belig im Café-Bereich.

Neu­es Kon­zept: Kek­se statt Kin­der­spiel­zeug | Foto: Mir­ko Baschet­ti

Aus den alten Zei­ten wer­den dann nur noch die Geschenk­ar­ti­kel erhal­ten blei­ben – und die Schul­ran­zen-Abtei­lung. Damit dürf­te Kun­ter­bunt dann das ein­zi­ge Café der Welt mit stan­dard­mä­ßig ange­schlos­se­nem Ran­zen­ver­kauf sein. Sabi­ne Doh­mei­er, Fami­lie und Team sehen nun wie­der opti­mis­tisch in die Zukunft. „Es war damals sehr schön – und es wird wie­der sehr schön wer­den“, sagt Doh­mei­er kurz vor dem Start in den Räu­mungs­ver­kauf.

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2 Kommentare
  1. Zeze meint

    Bei den Prei­sen und dem Sor­ti­ment ist es irgend­wie kein Wun­der, dass dort jetzt die Segel gestri­chen wer­den. Der Aus­ver­kauf hat mit dem Inter­net wirk­lich nichts zu tun, wenn man bedenkt, was dort auch an Lauf­kund­schaft so unter­wegs ist.

    Das Cafe, also der vor­de­re Bereich, war ja eigent­lich immer gut besucht, von außen betrach­tet.

    1. Mirko Baschetti
      Mirko Baschetti meint

      Aber das Cafe hat ja nicht zwangs­läu­fig etwas mit dem Spiel­wa­ren­ver­kauf zu tun. Was genau war denn mit der „Lauf­kund­schaft“?

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